{"id":22946,"date":"2022-02-27T13:00:14","date_gmt":"2022-02-27T11:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=22946"},"modified":"2022-02-27T10:33:21","modified_gmt":"2022-02-27T08:33:21","slug":"wie-werde-ich-spielekritiker-ii-medienkompetenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2022\/02\/27\/22946\/","title":{"rendered":"Wie werde ich Spielekritiker (II) \u2013 Medienkompetenz"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich im <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2022\/02\/13\/22905\/\">letzten Artikel<\/a> kurz umrissen habe, dass ein grundlegendes Unterscheiden der verschiedenen Spielspa\u00dfquellen notwendig ist, um Spielkritiken zu verfassen.. will ich diesmal einen weiteren in meinen Augen wichtigen Punkt umrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Als Kritiker*in sollte man verstehen wie ein Spiel eigentlich funktioniert.<\/p>\n<p>Gemeint ist damit nicht die Regeln des Spiels gelesen und verinnerlicht zu haben. Man muss ein Spiel sicherlich erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, um es \u00fcberhaupt sinnvoll zu benutzen. Allerdings ist das in meinen Augen noch nicht ausreichend, um eine Kritik dazu verfassen zu k\u00f6nnen. Die F\u00e4higkeit meine Kaffeemaschine richtig zu bedienen, bef\u00e4higt mich noch nicht zu beurteilen, ob sie gut gemacht ist. Entsprechend ben\u00f6tige ich ein robustes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr wie Spiele als solches funktionieren. Das hei\u00dft aus welchen Bestandteilen sie sich zusammensetzen und wie diese in einander greifen, um bestimmte Spielerlebnisse zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Filmkritik muss ich begreifen k\u00f6nnen wie ein Film eine Geschichte erz\u00e4hlt. F\u00fcr ein Spiel muss ich entsprechend begreifen, wie die unterschiedlichen Aspekte des Spiels zusammenkommen, um so meine Spielerfahrung zu formen. Dazu geh\u00f6ren grundlegende Konzepte wie Zielsetzungen, Anreize, Bedienbarkeit und Zug\u00e4nglichkeit des Spiels, usw. Aber es geht auch um weitere Facetten des Spiels wie etwa das Material, die grafische Aufmachung, die Begriffe mit denen sich das Spiel pr\u00e4sentiert und jene, die am Spieltisch tats\u00e4chlich genutzt werden. In manchen F\u00e4llen spielt auch ein gr\u00f6\u00dferer Kontext eine Rolle, wie etwa Verlag und Schaffende selbst, die Themenwahl zu bestimmten Zeitpunkten, ihre redaktionelle Aufarbeitung, etc.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich muss man fragen wie viel Raum der Gruppe gelassen wird \u00fcber, unter oder exakt auf einem bestimmten Niveau zu spielen. Manche Spiele setzen bestimmte Verhaltensweisen zwingend voraus. So sind viele Eroberungsspiele darauf ausgelegt, dass die Spielenden den direkten und offenen Konflikt suchen; und sich kontinuierlich und konsequent gegenseiting daran hindern voranzukommen. Manche Spiele gehen davon aus, dass die Spielgruppe die Regeln bis ins letzte Details ausreizen und beugen werden, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Etwa weil die Annahme da ist, dass das Spielverhalten allein vom Ehrgeiz getrieben ist den Sieg zu holen.<\/p>\n<p>Es geht darum zu begreifen wie Design \u2013 auch in einem Spiel \u2013 funktioniert, um zu identifizieren wann die eigene Spielrunde wom\u00f6glich nicht dem Spieltypus entspricht, der in den Regeln vorausgedacht wurde. Manche Elemente eines Spiels existieren nur, weil ein bestimmtes Verhalten von der Gruppe erwartet wird. Andere fehlen aus dem gleichen Grund.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22955\" aria-describedby=\"caption-attachment-22955\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-22955 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Bild-1-300x233.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"233\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22955\" class=\"wp-caption-text\">Interaktivit\u00e4t sollte man nicht auf eine einzelne Regel reduzieren<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Medienverst\u00e4ndnisses lautet, Interaktivit\u00e4t als zentrales Element des Spielerlebnisses zu begreifen. Damit ist nicht die M\u00f6glichkeit gemeint sich gegenseitig Karten, Ressourcen oder Spielsteine wegzunehmen. Vielmehr geht es darum, dass die Regeln zwar als Rahmen f\u00fcr unser Verhalten angenommen werden, dieses Verhalten innerhalb des Spiels jedoch auch von den pers\u00f6nlichen Vorlieben geleitet wird. Das tats\u00e4chliche Spielerlebnis ist darum eben nicht allein aus der Anwendung und Auslegung der Spielregeln ableitbar, sondern auch von der Entscheidungsfreiheit der Spielenden gepr\u00e4gt, die selbst die Tonalit\u00e4t des Spielerlebnis festlegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir uns das Spielerlebnis als Bild vorstellen wollen, dann mag das Spiel (mit seinen Inhalten, Regeln, etc.) die Umrisse des Motivs vorgeben, aber es ist die Spielgruppe selbst die w\u00e4hlt welche Farben sie nutzen und wie genau sie diese Umrisse ausf\u00fcllen wollen. Interaktivit\u00e4t ist im Spiel nicht allein mechanisch zu verstehen, sondern umfasst auch unsere Vorstellungskraft, emotionales Investment und den zwischenmenschlichen Umgang, den wir innerhalb des Spiels aus- und erleben. Ein Spiel wirkt nicht allein auf die Spielgruppe, um ein Spielerlebnis zu vermitteln; die Spielenden wirken ihrerseits auf das Spielerlebnis und richten so das Erlebte und Empfundene zum Teil selbst aus.<\/p>\n<p>Man muss sich als Kritiker*in bewusst sein, dass diese Wechselwirkung zwischen dem Gegenstand Spiel und den durch die Gruppe geschaffenen \u201eSpielraum\u201c das Spielerlebnis formt. In einer kritischen Auseinandersetzung mit einem Spiel reicht es nicht zu erkennen, dass eine andere Spielgruppe ein anderes Spielerlebnis mit dem gleichen Spiel haben kann. Man muss auch erkennen k\u00f6nnen wie diese unterschiedlichen Erfahrungen entstehen. Denn gerade daraus l\u00e4sst sich erkennen an welchen Stellen das Spieldesign besonders deutlich wirkt oder fehlt.<\/p>\n<p>Die unter Kritiker*innen verbreitete Praxis ein Spiel mit unterschiedlichen Spielgruppen zu spielen, fruchtet auch deshalb, weil sie derartige Dynamiken deutlich macht. Man kann sich sicherlich dar\u00fcber streiten, ob es zwingend n\u00f6tig ist ein Spiel mit vielen grundverschiedenen Spielgruppen zu spielen, um diese Dinge auszuarbeiten oder ob der gleiche Erkenntnisgewinn mit ausreichend Medienkompetenz bis zu einem gewissen Punkt kompensierbar ist. Der Meinung mag es da viele geben, aber letzten Endes l\u00e4sst sich festhalten, dass man begreifen muss wie ein Spiel auf die Gruppe wirkt (und umgekehrt), um es kritisch beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es reicht nicht zu wissen, dass eine andere Gruppe mit dem gleichen Spiel eine andere Spielerfahrung haben kann. Teil des kritischen Handwerks ist auch zu erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, warum das so ist. Oder zumindest zu wissen, woher man sich diese Antworten holen kann. Dar\u00fcber geht es im n\u00e4chsten Teil dieser Reihe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich im letzten Artikel kurz umrissen habe, dass ein grundlegendes Unterscheiden der verschiedenen Spielspa\u00dfquellen notwendig ist, um Spielkritiken zu verfassen.. will ich diesmal einen weiteren in meinen Augen wichtigen Punkt umrei\u00dfen. Als Kritiker*in sollte man verstehen wie ein Spiel eigentlich funktioniert. Gemeint ist damit nicht die Regeln des Spiels gelesen und verinnerlicht zu haben. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":22954,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Wie werde ich Spielekritiker (II) \u2013 Medienkompetenz - @joedizzy f\u00fchrt seine Reihe \u00fcber die Grundlagen der Spielkritik weiter","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-22946","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Bild-2-scaled.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22946"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22946\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22959,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22946\/revisions\/22959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22954"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}