{"id":22871,"date":"2022-02-06T15:09:25","date_gmt":"2022-02-06T13:09:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=22871"},"modified":"2022-02-07T08:41:30","modified_gmt":"2022-02-07T06:41:30","slug":"spielen-in-der-mongolei-ulus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2022\/02\/06\/22871\/","title":{"rendered":"Spielen in der Mongolei: Ulus"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl Ost- und S\u00fcdostasien mittlerweile ja durchaus auf der Spielelandkarte auftaucht, assoziiert man mit der Mongolei ja eher weniger mit modernen Spielen. Dank Beeple-Kollege <a href=\"https:\/\/lidude.net\/\">Hilko Drude<\/a> kann ich nun \u00fcber ein besonderes Projekt aus dem \u00f6stlichen Zentralstaat berichten: <em><strong>Ulus : Legends of the Nomads<\/strong><\/em> war 2020 ein ganz besonderes <a href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/endangeredatlas\/ulus-a-game-to-save-a-culture\/description\">Kickstarterprojekt<\/a>. Hier sollte es nicht darum gehen ein beliebtes Spiel der Kindheit wieder aufzulegen, eine Schachtel voller Plastikfiguren zu verkaufen oder einen unver\u00f6ffentlichten Prototypen an den Mann zu bringen. Vielmehr geht es um nichts geringeres als die Erhaltung eines Kulturgutes: Der mongolischen Schriftsprache, die w\u00e4hrend der sowjetischen Besetzung verboten war und nun als eine &#8220;bedrohte Sprache&#8221; gilt. Doch wie f\u00f6rdert man eine Sprache?\u00a0 B\u00fccher bieten sich an -und die gibt es auch &#8211; aber damit spricht man nur eine sehr spezielle Zielgruppe an. Das Ziel war zudem nicht nur die Schrift zu retten, sondern auch die dazugeh\u00f6rige Kultur. Ein Spiel schien eine geeignete Verbindung zu sein, da es inhaltliche narrativen (also z.B. Sagen), graphische Elemente (in diesem Fall eben die Schrift) und kulturelle Handkungen, also Spielelemente verbinden kann. Das Ergebnis ist <em>Ulus (<a href=\"http:\/\/ulusgame.com\">Link<\/a>)<\/em>.<\/p>\n<p>Traditionell spielt man in der Mongolei nicht mit W\u00fcrfeln, sondern mit &#8220;Shagai&#8221;, also Schafskn\u00f6cheln, die sich \u00e4hnlich wie W\u00fcrfel werfen lassen, deren Seiten aber nicht dieselben Wahrscheinlichkeiten bieten. Nat\u00fcrlich ist diese Ungleichverteilung Bestandteil vieler traditioneller Spiele. Prinzipiell ist Ulus nun eine Art Minispielesammlung, wobei die einzelnen Bestandteile eben zusammen ein gro\u00dfes Ganzes ergeben. Das funktioniert, weil <em>Ulus<\/em> thematisch ein gro\u00dfes Mongolisches Fest simuliert, bei dem es verschiedene &#8220;Disziplinen&#8221; wie Bogenschie\u00dfen, Ringkampf oder Geschichten erz\u00e4hlen gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-22873\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220206_134237-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><em>Das ganze Spielmaterial passt in den Spielplan, der als Stoffbeutel auch als Verpackung dient<\/em><\/p>\n<p>Dabei dient die erste H\u00e4lfte des Spieles quasi der Vorbereitung: Es wollen verschiedene Monster aus der mongolischen Mythologie zu besiegen, ohne viel Zeit zu verlieren. ZU gewinnenn gibt es G\u00f6tterkarten -ebenfalls aus der mongolischen Mythologie. Dieser Teil wirkt im Design durchaus modern, ein Eindruck der durch die Anmerkungen des Autorens auch best\u00e4tigt wird. Insbesondere k\u00f6nnen auch die Mitspielenden um Hilfe gebeten werden. Man merkt dem Spiel druchaus an, dass es versucht auf spielerische Weise ein St\u00fcck Mythologie zu vermitteln. Die Karten sind wundersch\u00f6n gezeichnet und machen neugierig auf die Begleittexte. Spielerisch haben wir es hier eher mit einem &#8220;Bier&amp;Bretzel&#8221;-Spiel zu tun, aber auch westliche Dungeon Crawler sind oft auch nicht unbedingt taktischer.<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des Spieles ist nun das erw\u00e4hnte Turnier und hier werden nicht nur die traditionellen Disziplinen vorgestellt, sondern auch traditionelle mongolische Spiele, aus deren Mechansimen die einzelnen Spiele zusammengesetzt sind. So ist das Pferderennen ein einfaches Laufspiel, nur das statt mit W\u00fcrfeln mit Shagai &#8220;gew\u00fcrfelt&#8221; wird.<\/p>\n<p>Aus Spielersicht ist das vermutlich etwas d\u00fcnn, auch wenn die anderen Disziplinen immerhin Schnipsspiele sind, die etwas mehr Kontrolle erlauben. Aber darum geht es hier ja nicht &#8211; es geht um die Kultur, die einem n\u00e4her gebracht werden soll. Und das gelingt m.E. wunderbar! Das mag sich f\u00fcr den einen oder anderen wie eine Ausrede anh\u00f6ren, aber der Bewertungsma\u00dfstab f\u00fcr <em>Ulus<\/em> muss ein anderer sein, als f\u00fcr andere Spiele. Ich kann mir aber schon vorstellen, <em>Ulus<\/em> drau\u00dfen am Lagerfeuer zu spielen &#8211; die Athmosph\u00e4re des Spieles, die durch das Material, aber auch durch die Handhabung der Shagai erzeugt wird, ist schon etwas besonderes. Zudem sorgt das Gewinnen der Karten durchaus f\u00fcr Teilerfolge. Mich erinnert das ein bisschen an das eggertspiel <em>Rummelplatz<\/em>, wo es f\u00fcr die Gewinner:innen der Teilspiele immer Lose gab, aus denen die Person bestimmt wird, die das Spiel insgesamt gewonnen hat. Es wird auch der Effekt erzeugt, dass es um den Gesamtsieg eigebtlich gar nicht geht: Man misst sich in verschiedenen Disziplinen und mal verliert man, und mal gewinnen die anderen. Das ist schon sehr stimmig.<\/p>\n<p>Als Projekt ist <em>Ulus<\/em> aber noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Mir fehlt die Qualifikation, um einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wie viel &#8220;Impakt&#8221; das Spiel nun tats\u00e4chlich haben wird, als Didaktiker finde ich es aber ausgesprochen gelungen. Man hat nicht den Eindruck eines der \u00fcblichen Lernspiele vor sich zu haben &#8211; dies ist kein Quiz und kein simples Roll&amp;MOve, sondern vermittelt auf verschiedenen Kan\u00e4len einen Teil der mongolischen Kultur. Es zeigt dabei ganz nebenbei auch, dass Spiele mehr k\u00f6nnen als &#8220;nur&#8221; zu unterhalten und Spa\u00df zu machen.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl Ost- und S\u00fcdostasien mittlerweile ja durchaus auf der Spielelandkarte auftaucht, assoziiert man mit der Mongolei ja eher weniger mit modernen Spielen. Dank Beeple-Kollege Hilko Drude kann ich nun \u00fcber ein besonderes Projekt aus dem \u00f6stlichen Zentralstaat berichten: Ulus : Legends of the Nomads war 2020 ein ganz besonderes Kickstarterprojekt. 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