{"id":22057,"date":"2021-07-04T14:37:02","date_gmt":"2021-07-04T12:37:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=22057"},"modified":"2021-07-04T14:37:02","modified_gmt":"2021-07-04T12:37:02","slug":"wieviel-semi-ist-in-semikooperativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2021\/07\/04\/22057\/","title":{"rendered":"Wieviel semi ist in semikooperativ?"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Semikooperativ&#8221; hei\u00dft wortw\u00f6rtlich &#8220;halbkooperativ&#8221;, bzw.\u00a0 &#8220;teilkooperativ&#8221;. Also hei\u00dft &#8220;semikooperativ&#8221; erst einmal nur,\u00a0 dass kooperative Elemente im Spiel vorkommen, das Spiel selbst aber nicht vollkooperativ ist. Diese Bedeutung ist sehr weit gefasst und w\u00fcrde bedeuten, dass alle Spiele, in denen die Spielenden tempor\u00e4r mal zusammenarbeiten, semikooperative Spiele w\u00e4ren &#8211; z.B. auch Spiele wo zwei B\u00fcndnispartner:Innen tempor\u00e4r zusammenarbeiten, um jemand anderes zu stoppen.<\/p>\n<p>Niemand benutzt den Begriff auf diese Art und Weise.<\/p>\n<p>Es macht daher mehr sinn, zu untersuchen, welcher Sprachgebrauch sich in der Spieleszene durchgesetzt hat und welche Spielarten, obgleicht technisch gesehen &#8220;semikooperativ&#8221;, nicht als solche bezeichnet werden. Ich hatte als kleine Orientierung eine <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Koenigvonsiam\/status\/1402221736863674369?s=20\">nicht-repr\u00e4sentative Twitterumfrage gestartet<\/a>, die ich als Ausgangspunkt nutzen m\u00f6chte:<\/p>\n<p>Ich hatte eine kleine Liste mit Spielarten, bei denen gr\u00f6\u00dfere Teile kooperativ angelegt sind und in deren Zusammenhang ich den Begriff &#8220;Semi-kooperativ&#8221; schon mal geh\u00f6rt hatte:<\/p>\n<p>1. Teamgames (innerhalb des Teams kooperativ, aber nur ein Team gewinnt. Beispiel: <em>Doppelkopf<\/em>)<\/p>\n<p>2.\u00a0 Verr\u00e4terspiele (Alle Spielen kooperativ, bis auf die Verr\u00e4ter, die versuchen quasi dass Spiel f\u00fcr alle zu verlieren. Beispiel: <em>Schatten \u00fcber Camelot)<\/em><\/p>\n<p>3. <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/03\/31\/18365\/\">Pretendergames<\/a> (Eine Person ist der Betr\u00fcger\/Pretender und die anderen m\u00fcssen den aufsp\u00fcren. Beispiel: <em>Fake Artist goes to New York<\/em>)<\/p>\n<p>4. S\u00fcndenbockspiele (Alle spielen gemeinsam, aber eine Person verliert am Ende, w\u00e4hrend der Rest gemeinsam gewinnt. Beispiel: <em>Alcatraz<\/em>)<\/p>\n<p>5. Spiele in denen eine Person gewinnt, au\u00dfer ein bestimmtes Ereignis tritt ein, dann verlieren alle (Beispiel: <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/08\/03\/20299\/\">Terra<\/a>)<\/p>\n<p>Obwohl auf alle diese Spiele der Begriff &#8220;semi-kooperativ&#8221; im Wortsinn passen w\u00fcrde, waren die Abstimmungen im allgemeinen recht deutlich: 5) wurde ganz klar als &#8220;semi-kooperativ&#8221; bezeichnet, 1, 3 und 4 waren deutlich nicht semi-kooperativ. Nur bei 2 war es etwas knapper, aber auch dort hat sich eine Mehrheit gegen den Begriff &#8220;semi kooperativ&#8221; ausgespochen. Das entspricht auch meine Gef\u00fchl. wie dieser Begriff \u00fcberwiegend verwendet wird (auch wenn es nat\u00fcrlich vereinzelt Ausnahmen gibt &#8211; keine der Abstimmungen war einstimmig, trotz Abstimmungszahlen zwischen 20 und 50).<\/p>\n<p>Meine Hypothese ist, dass &#8220;Semi-kooperativ&#8221; eigentlich als <em>Genre<\/em>bezeichnung wahrgenommen wird, nicht als Namen f\u00fcr einen <em>Mechanismus<\/em> oder eines <em>Spielelementes<\/em>. Da Teamgames, Verr\u00e4terspiele, Pretenderspiele und S\u00fcndenbockspiele bereits eben diese Bezeichnungen haben und zudem die ersten mit &#8220;semi-kooperativ&#8221; bezeichneten Spiele genau diesen Mechanismus &#8220;alle verlieren&#8221; haben, hat sich dieser enge Sprachgebrauch durchgesetzt. Es macht insofern auch sinn, den Begriff in Zukunft so zu benutzen, denn ein kritischer Brettspieldiskurs wird durch klare Begrifflichkeiten vereinfacht.<\/p>\n<p>Mit einem solchen Verst\u00e4ndnis lassen sich auch andere Grenzf\u00e4lle eher zuweisen: Sind B\u00fcndnisspiele semikooperativ? Nein, denn die sind analog zu Teamspielen, nur dass sich die Teams eben w\u00e4hrend des Spieles erst finden und nicht aus einer gleichen Anzahl von Personen bestehen m\u00fcssen (inkl. 1)<\/p>\n<p>Was w\u00e4re mit kooperativen Spielen, bei denen eine Einzelperson aber eine eigene Siegbedingung hat, die er unabh\u00e4ngig von den anderen erf\u00fcllen muss (und er gewinnt unabh\u00e4ngig vom Rest)? Wenn sein Sieg die Niederlage der anderen ist, dann liegt ein Verr\u00e4terspiel vor. Wenn der Sieg der anderen die Niederlage des Einzelspielers bedeutet, ein S\u00fcndenbockspiel. Und wenn beides unabh\u00e4ngig voneinander ist w\u00fcrde ich f\u00fcr einen Sonderfall eines Teamspieles argumentieren, bei dem ,beide Teams gewinnen k\u00f6nnen. Oder aber f\u00fcr eine eigene Kategorie. Der Grund: Nach der aktuellen Bedeutung ist der kooperative Anteil im Spiel erst einmal klein: Das Charakteristikum ist, dass ein Einzelspieler gewinnen kann. Es\u00a0 besteht lediglich die M\u00f6glichkeit einer gemeinsamen Niederlage, quasi als Ausnahme (auch wenn die Ausnahme bei einigen Semi-kooperativen Spielen\u00a0 wie <em>Terra<\/em> in der Praxis recht h\u00e4ufig ist). F\u00e4llt eines dieser Elemente weg, ist das Charakteristikum des Genres &#8220;semikooperativ&#8221; nicht gegeben. Anders ausgedr\u00fcckt: Semikooperative Spiele sind eher kompetitive Spiele, bei denen alle gemeinsam verlieren k\u00f6nnen, und weniger kooperative Spiele, bei denen auch mal ein Einzelspieler gewinnen kann.<\/p>\n<p>Damit m\u00fcsste ich auch Spielen wie <em>Kyoto<\/em> das Label &#8220;semi-kooperativ&#8221; verweigern, Spiele also, wo nicht alle verlieren sondern nur ein Teil der Spielenden (im Falle von <em>Kyoto<\/em> nur die punktbeste Person, aber es ist nicht schwierig sich andere F\u00e4lle &#8211; die besten zwei, alle bis auf eine Person, alle mit mehr Punkten als der Durchschnitt etc. &#8211; auszumalen). Dieser Fall scheint mir ein normales komparatives Spiel mit besonderer Wertung zu sein &#8211; wobei es schon einen spielerischen Unterschied zu mehrstufigen Wertungen \u00e1 la <em>Himalaya\/Lords of Xybit<\/em> gibt: Durch die Verkn\u00fcpfung an Siegpunkte, also an genau an die Leistung der Gesamtgruppe, wird spielerisch ein \u00e4hnlicher Effekt erreicht, wie bei reinen semi-kooperativen Spielen: Die Spielenden spielen nicht ganz effizient, sondern achten immer wieder auf &#8220;die Allgemeinheit&#8221;. Ich k\u00f6nnte daher auch mitgehen, wenn man <em>Kyoto<\/em> als semi-kooperativ bezeichnet. Allerdings gilt dieses Ausscheiden nur, wenn eine Bedingung nicht erf\u00fcllt wird (analog zu semi-kooperativen Spielen im klassischen Sinn wie oben definert). W\u00e4re Kyoto ein semi-kooperatives Spiel, wenn <em><strong>immer<\/strong> <\/em>nur der zweite gewinnt? Auf diese Frage habe ich f\u00fcr mich noch keine Antwort gefunden.<\/p>\n<p>,<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>Weitere Leseangebote: <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/01\/27\/18101\/\">Hier <\/a>ein vertiefender Artikel \u00fcber die Probleme vieler semikooperativer Spiele und <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2013\/03\/16\/4292\/\">hier <\/a>ein paar \u00dcberlegungen zu Teamspielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Semikooperativ&#8221; hei\u00dft wortw\u00f6rtlich &#8220;halbkooperativ&#8221;, bzw.\u00a0 &#8220;teilkooperativ&#8221;. Also hei\u00dft &#8220;semikooperativ&#8221; erst einmal nur,\u00a0 dass kooperative Elemente im Spiel vorkommen, das Spiel selbst aber nicht vollkooperativ ist. 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