{"id":21348,"date":"2021-01-17T15:43:51","date_gmt":"2021-01-17T13:43:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=21348"},"modified":"2021-01-18T17:34:08","modified_gmt":"2021-01-18T15:34:08","slug":"rassismus-und-spiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2021\/01\/17\/21348\/","title":{"rendered":"Rassismus und Spiele"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><em><strong>Update<\/strong>: Sonntag abend ging ein neues Statement von Ion Game Design ein: Sie sind vertraglich verpflichtet die Spiele von Eklund weiter zu vertreiben, aber es wird keine Essays oder Fu\u00dfnoten geben, die \u00fcber die Erl\u00e4uterungen der Regeln hinausgehen. Also keine wilden Weltanschauungen mehr von Eklund in den Spielen. Ob Eklund weiter neue Spiele f\u00fcr Ion betreuen oder kreieren darf, geht nicht aus dem Text hervor. <\/em><\/li>\n<li><strong>Update 2<\/strong>: <em>Der Hans im Gl\u00fcck-Verlag hat sich entschlossen die Spiele<\/em>Auf den Spuren von Marco Polo<em> und<\/em> Auf den Spuren von Marco Polo II<em> nicht weiter zu vertreiben. Alle Einnahmen die noch durch diese Spiele f\u00fcr den Verlag generiert werden, werden Anti-Rassismus-Organisationen gespendet. Das lesenswerte und m.E. vorbildliche Statement gibt es <a href=\"https:\/\/www.hans-im-glueck.de\/news\/statement-zu-rassistischen-aeusserungen.html\">hier<\/a>.\u00a0<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Board&amp;Dice ist der Verlag von Spiele wie <em>Teotihuacan<\/em>, <em>Tawantinsuyu<\/em> oder\u00a0 <em>Tekhenu<\/em>. Einer der Autoren dieser Spieler ist der Italiener Daniele Tascini. Dieser hat in den letzten Tagen ein Facebookpost verfasst, bei dem es urspr\u00fcnglich um die Frage ging, ob Orcs eine schwarze Hautfarbe haben m\u00fcssen und was dies aussagt. Tascini ging in dem Post von den Orcs auf Schwarzafrikaner \u00fcber, die er &#8220;nicht als schwarz&#8221; bezeichnet, weil &#8220;die Hautfarbe varriert&#8221;. Er w\u00fcrde seine schwarzen Freunde stattdessen mit dem N-Wort bezeichnen, aber die m\u00fcssen ja wissen dass das nicht als Beleidigung gemeint sei.<\/p>\n<p>Kurz nachdem ein Screenshot des Posts im englischsprachigem Sprachraum geteilt wurde, wurde der Original-Post gel\u00f6scht. Nun hat Tascini ein weiteres Statement geschrieben, bei dem er sein Bedauern dar\u00fcber ausdr\u00fcckte, dass seine Worte \u00fcbersetzt und entdeckt wurden und dass er sich daf\u00fcr entschuldige, da er als Autor ja h\u00e4tte besser wissen m\u00fcssen, als sich so in der \u00d6ffentlichkeit zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Board&amp;Dice haben jetzt ihrerseits ein <a href=\"https:\/\/boardanddice.com\/about\/statement-on-daniele-tascini\/\">Statement ver\u00f6ffentlicht<\/a>, dass sie zwar vertraglich verpflichtet sind, die bereits produzierten Spiele weiter zu vertreiben, aber keine Spiele mehr von Tascini zeichnen werden. Sie halten\u00a0 die Entschuldigung als f\u00fcr nicht ausreichend, ablenkend und relativierend und erkennen keinen Willen zur \u00c4nderung des Verhaltens, nur ein Bedauern dar\u00fcber, dass seine Aussagen in die \u00d6ffentlichkeit gelangten.<\/p>\n<p>Board&amp;Dice wird damit m.E. ihrer Verantwortung als Verlag gerecht. Rassismus hat im Brettspielbereich, nein im <strong>Leben!<\/strong>, nichts zu suchen und sogenanntes &#8220;Deplatforming&#8221; ist ein effizientes Mittel dazu: Nicht nur nimmt man rassistischen Ideen ihre Kan\u00e4le, sondern es wird eben auch ein deutlichen Zeichen nach au\u00dfen gesetzt was akzeptabel ist, und was nicht. Menschen orientieren sich an anderen Menschen und deren Handlungen. Deswegen ist Vielfalt und Diversit\u00e4t, deswegen ist das deutliche Aufzeigen von Werten nach au\u00dfen, so wichtig.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #808080\">(Als Gegenbeispiel mag Ion Game Design dienen: Das ist der Verlag, der die Phil Eklund Spiele herausbringt und vertreibt. Phil Eklund hat in Fu\u00dfnoten seiner Spiele, in den Design Notes aber auch auf seinen Social Media-Kan\u00e4len immer wieder den Kolonialismus verherrlicht sowie rassistische und sexistische \u00c4u\u00dferungen verteidigt und auch selbst get\u00e4tigt. Jetzt wo er zudem Anti-Coronama\u00dfnahmen angreift und Corona verharmlost hat sich jetzt mal der Verlag zu Wort gemeldet: Zwar w\u00e4re das nicht richtig, was der Phil da tut und der Kopf des Verlages verurteilt es auch, aber er wird dennoch keine Aussagen Eklunds irgendwie ver\u00e4ndern, geschweige denn dessen Spiele einzustellen. Besonders pikant ist, dass dagegen ein Artikel von Cole Wehrle, der sich mit diesen Punkten befasst und der in einer Spielanleitung abgedruckt werden sollte, ohne Wissen Wehrles\u00a0 zusammengestrichen wurde, so dass es jetzt nur noch um strategische \u00dcberlegungen geht, nicht mehr um Inhaltliches. Das zeichnet ein klares Bild: Eklund kann schreiben was er will, kritisiert werden sollte er bitte nur au\u00dferhalb des Mediums, quasi in der Sekund\u00e4rliteratur des Internets, wo die Reichweite geringer ist.)<\/span> <\/em><strong>Siehe Update oben<\/strong><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Eines muss klar sein: Sowohl als Autor als auch als Verlag tr\u00e4gt man durchaus eine Verantwortung. Ein Autor, der einigerma\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig Spiele ver\u00f6ffentlicht, steht eben in der \u00d6ffentlichkeit. Wenn ein Steffen Benndorf etwa auf Facebook regelm\u00e4\u00dfig Corona verharmlost, so profitiert er dort auch von eben jener Reichweite, die er durch seine regelm\u00e4\u00dfigen Ver\u00f6ffentlichungen bei NSV erhalten hat. Als K\u00e4ufer kann man entscheiden, ob man dies ignorieren will oder daraus R\u00fcckschl\u00fcsse auf sein Kaufverhalten schlie\u00dft. Als Verlag muss einem aber bewusst sein, dass ein \u00f6ffentliches Schweigen von Verlagsseite wenn nicht als Zustimmung, dann zumindest als Duldung gewertet werden kann.<\/p>\n<p>Die Spieleszene gilt immer als progressiv und es gibt auch definitv sehr viele sehr korrekte Leute. Aber das bedeutet eben nicht, dass Rassismus\/Sexismus ein &#8220;Problem anderer Leute&#8221; w\u00e4re. Gerade auch latenter Alltagsrassismus findet sich schnell schon an den Oberfl\u00e4chen: Sei es zum Beispiel stereotypische Graphiken oder Werbeaktionen (wie z.B. &#8220;chinesische&#8221; oder andere vermeidlich ethnische aber letztlich stereotypische Verkleidungen bei Messen oder Werbefotos), sei es das mixen von &#8220;exotischen&#8221; Themen ohne jegliche Basis auf der tats\u00e4chlichen Historie, oder auch nur die Behandlung von sensiblen Themen als leere Leinwand, die vom privilegierten Autoren beliebig bemalt werden k\u00f6nnte (<a href=\"https:\/\/kulturgutspiel.de\/politik-und-gesellschaft\/historische-themen-in-brettspielen-geschichte-spielen-oder-holzkloetzchen-schieben\/\">Artikeltipp<\/a>). Es ist wichtig, dass wir uns diesen Problemen bewusst werden und dass war sie klar und \u00f6ffentlich benennen. Das betrifft insbesondere diejenigen mit gro\u00dfer Reichweite: Verlage, <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2016\/05\/07\/15907\/\">Jurymitglieder<\/a> und Blogger\/Youtuber\/podcaster (die leider immer noch zu oft Mechanismen und Spielspa\u00df \u00fcber thematische Entgleisungen stellen), aber auch Autoren, die sich ihrer Rolle als Kulturschaffenden mehr bewusst sein m\u00fcssen, als sie es jetzt vielleicht tun. Tascini ist bereits vorher dadurch aufgefallen, dass er sich \u00fcber die komplizierten Schreibweisen Aztekischer Namen lustig machte und dass die Themen seiner Spiele untergegangene Kulturen nur als Spielplatz wahrnimmt, wo er sich beliebig austoben kann, ohne gro\u00df recherchieren oder R\u00fccksicht nehmen zu m\u00fcssen. Das h\u00e4tte man auch vor den deutlicheren Entgleisungen schon einmal be- und anmerken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Update: Sonntag abend ging ein neues Statement von Ion Game Design ein: Sie sind vertraglich verpflichtet die Spiele von Eklund weiter zu vertreiben, aber es wird keine Essays oder Fu\u00dfnoten geben, die \u00fcber die Erl\u00e4uterungen der Regeln hinausgehen. Also keine wilden Weltanschauungen mehr von Eklund in den Spielen. 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