{"id":21295,"date":"2021-01-10T19:30:08","date_gmt":"2021-01-10T17:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=21295"},"modified":"2021-01-12T18:30:38","modified_gmt":"2021-01-12T16:30:38","slug":"kritiker-und-ihre-rezensionsexemplare-2-wasser-auf-muehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2021\/01\/10\/21295\/","title":{"rendered":"Kritiker und ihre Rezensionsexemplare 2 &#8211; Wasser auf M\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/12\/12\/21137\/\">ersten Teil<\/a> dieser nun schon zweiteiligen Artikelreihe habe ich meine \u00dcberlegungen aufgeschrieben, ob Rezensionsexemplare zu einer Befangenheit bei Kritikern f\u00fchren. Unabh\u00e4ngig davon wie man dazu steht, f\u00e4llt irgendwann auch die Frage, welchen Zweck Rezensionsexemplare \u00fcberhaupt erf\u00fcllen. Spielkritik k\u00f6nnte doch auch ohne sie vorstellbar sein. Wenn die Vergabe eines Rezensionsexemplars den Verkauf nicht direkt ankurbelt, hat der Verlag ja nach Schildb\u00fcrger-Logik keinen Grund sie zu vergeben.<\/p>\n<p>Rezensionsexemplare erm\u00f6glichen aber gerade Kritiken, welche mehr einbeziehen als allein die Sicht eines potentiellen K\u00e4ufers. Sie kann unser Verst\u00e4ndnis von Spielen erweitern und so nicht nur zu einer h\u00f6heren Wertsch\u00e4tzung, als auch zu einer gr\u00f6\u00dferen Verbreitung des Mediums f\u00fchren.<\/p>\n<p>Denn wer ein Spiel kauft, ist unweigerlich Konsument. Aus Sicht eines Verlags ist dessen Meinung und Beurteilung des Produkts nur eine gehobene Form der Mundpropaganda. Es ist eine \u00f6ffentlich verbreitete Kundenempfehlung, um neue Kunden anzuwerben.<\/p>\n<p>Erh\u00e4lt ein Kritiker jedoch ein Spiel ohne Kosten, so ist dessen Urteil entweder ein Beleg f\u00fcr die Qualit\u00e4t des Spiels oder dient wom\u00f6glich als Indikator daf\u00fcr wie erfolgreich das Spiel in einem bestimmten Marktsegment sein wird. Statt als Werbemittel zu fungieren, nutzt man die Kritik als eine Art der Marktforschung. Ist die Besprechung positiv, so kann man die Werbetrommel r\u00fchren in der Erwartung den Umsatz steigern zu k\u00f6nnen. (N\u00e4heres dazu findet ihr in dieser Podcastfolge von <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/12\/20\/21185\/\">Das Thema.<\/a>)<\/p>\n<p>Ein kompetenter Verk\u00e4ufer im Spielgesch\u00e4ft ber\u00e4t potentielle Kunden derart, dass diese Vertrauen aufbauen, um auch in Zukunft in diesem Laden einzukaufen. Als Kritiker kann man sich entscheiden diese Aufgabe erf\u00fcllen, auch wenn es nicht das ist, was den Kritiker ausmacht. Eine effektive Werbeinitiative f\u00fchrt dazu, dass potentielle Kunden neugierig auf ein Produkt werden und erw\u00e4gen es sich zu kaufen. Auch diese Aufgabe kann man als Kritiker erf\u00fcllen, aber f\u00fcr das Verteilen von Flyern werden Studenten zumindest bezahlt. Daher sollte ein Kritiker auf dieses Geld nicht freiwillig verzichten. Auch wenn das ebenfalls nicht seine Hauptbesch\u00e4ftigung ist.<\/p>\n<p>Was die Funktion eines Kritikers am St\u00e4rksten ausmacht, ist eine der Stimmen zu sein, die zeigen wie \u00fcber ein Spiel gesprochen wird und werden kann. Eine Kritik spiegelt immer die aktuelle Spielkultur wider. Sie dr\u00fcckt aus was Spiele tun, wof\u00fcr sie stehen und was wir an ihnen wichtig finden.<\/p>\n<p>Wer sich nun fragt, ob es daf\u00fcr wirklich Rezensionsexemplare ben\u00f6tigt, begn\u00fcgt sich vielleicht damit eine zu enge Perspektive einzunehmen. Es ist nicht unvorstellbar, dass Kritik ihre Funktion auch ohne solche Rezensionsexemplare erf\u00fcllen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es gibt schlie\u00dflich genug Spielende, die ausreichend Aufmerksamkeit und Sprachtalent besitzen, um gute Kritik zu \u00fcben. Nat\u00fcrlich gibt es auch Spielende, die in der Lage sind neue Spiele in kurzer Zeit mehrfach und in unterschiedlichen Kombinationen zu spielen. Es gibt sogar solche, die die finanziellen Mittel besitzen (oder aufzubringen bereit sind), um alle relevanten und vielversprechenden Ver\u00f6ffentlichungen eines Spielejahrs zu kaufen.<\/p>\n<p>Die \u00dcberschneidungen dieser drei Personengruppen ist jedoch klein. Sie ist zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr wei\u00df, m\u00e4nnlich und Teil der oberen Mittelschicht. Das ist kein Vorwurf, sondern schlichte Feststellung. Es sollte niemanden \u00fcberraschen, dass eine derart homogene Gruppe nur wenige Facetten des Mediums beleuchten kann. Es braucht unterschiedliche Perspektiven.<\/p>\n<p>Rezensionsexemplare weichen eine dieser Barrieren nun auf. Sie erm\u00f6glichen Spielenden als Kritiker in Aktion zu treten ohne den hohen Eintrittspreis zu zahlen, um aus der reinen Konsumentenrolle in die des Kritikers zu wechseln.<\/p>\n<p>Das Spiel wird sich erst dann als Kulturgut etablieren k\u00f6nnen, wenn es auch als ein solches besprochen wird. Daf\u00fcr braucht es eine kritische Auseinandersetzung an der sich so viele unterschiedliche Stimmen beteiligen k\u00f6nnen, wie nur m\u00f6glich.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@bp_miller?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">BP Miller<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@bp_miller?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Teil dieser nun schon zweiteiligen Artikelreihe habe ich meine \u00dcberlegungen aufgeschrieben, ob Rezensionsexemplare zu einer Befangenheit bei Kritikern f\u00fchren. Unabh\u00e4ngig davon wie man dazu steht, f\u00e4llt irgendwann auch die Frage, welchen Zweck Rezensionsexemplare \u00fcberhaupt erf\u00fcllen. Spielkritik k\u00f6nnte doch auch ohne sie vorstellbar sein. 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