{"id":2021,"date":"2011-02-13T09:35:56","date_gmt":"2011-02-13T07:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=2021"},"modified":"2011-02-20T12:02:11","modified_gmt":"2011-02-20T10:02:11","slug":"aehnlichkeiten-waeren-rein-zufaellig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2011\/02\/13\/2021\/","title":{"rendered":"\u00c4hnlichkeiten w\u00e4ren rein zuf\u00e4llig"},"content":{"rendered":"<p>Vergleiche zwischen Spielen gibt es seit Anbeginn der Zeit. Bereits die R\u00f6mer hatten M\u00fchle als Backgammon-Clon abgetan. Und mich w\u00fcrde nicht wundern, wenn die \u00c4gypter das Spiel von Ur gesehen haben und sich gedacht haben: &#8220;Das ist ja wie Nilopoly!&#8221;.<\/p>\n<p>Doch es gibt Vergleiche die immer wieder auftauchen, ohne dass ich den Autoren &#8220;hirnloses Nachplappern&#8221; attestieren k\u00f6nnte. Aktuelle Beispiele sind &#8220;Arcana bzw.F\u00fcrstenfeld sind Dominion-Varianten&#8221; , &#8220;7 Wonders ist wie Fairy Tale&#8221; oder &#8220;K\u00f6nig Arthus und die Tafelrunde sieht aus wie Die Tafelrunde&#8221;. Aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden erg\u00e4nze ich diese Liste noch um ein Beispiel: Die Westpark Gamers berichten \u00fcber den Test eines Prototypen, bei dem B\u00e4ume im Schwarzwald gef\u00e4llt werden und ein Kommentar verglich das gleich mit &#8220;Die Fl\u00f6\u00dferei&#8221; von eggertspiele. Wie kommt es zu diesen Vergleichen?<\/p>\n<p>Nun imho gibt es drei Arten von \u00c4hnlichkeiten:<\/p>\n<p>1) Echte \u00c4hnlichkeit: Die Spiele sind tats\u00e4chlich \u00e4hnlich, siehe <em>Bisikle <\/em>und <em>Carabande<\/em>.<\/p>\n<p>2) Strukturelle \u00c4hnlichkeit: Die Spiele sind eigentlich von Thema und Mechanismus her unterschiedlich, das Spielgef\u00fchl ist aber \u00e4hnlich. Beispiele sind z.B. viele Kartenversteigerungsspiele oder die &#8220;Geschichtenerz\u00e4hlspiele&#8221;. Diese \u00c4hnlichkeit kommt nat\u00fcrlich daher, dass man mit unterschiedlichen Regeln \u00e4hnliche spielerische Effekte erzeugen kann. Es ist mehr eine &#8220;Bauchgef\u00fchl\u00e4hnlichkeit&#8221;, aber letztlich ist das ein Problem, gerade bei einfachen Spielen: \u00c4hnliche Regeln k\u00f6nnen ganz unterschiedliche Spielverl\u00e4ufe ergeben (Bei Skat spielen sich etwa Grand und Ramsch v\u00f6llig unterschiedlich, obwohl die Regeln bis auf die Punkteregelung gleich sind) und unterschiedliche Regeln k\u00f6nnen einen \u00e4hnlichen Spielverlauf erzeugen (etwa Anno Domini und -ich glaube es hie\u00df so, ich hoffe ich verwechsel es nicht &#8211; Timeline, wobei erstes sich aufgrund deutlich einfacherer Regeln durchgesetzt hat).<\/p>\n<p>3. Gef\u00fchlte \u00c4hnlichkeit. Und da sind wir bei den obigen Beispielen.<\/p>\n<p>Was haben 7 Wonders und Fairy Tale eigentlich wirklich gemein? Bei beiden gehen Karten rum, aus denen man sich eine nimmt und den Rest weitergibt. Nun spielt man die ausgesuchte Karte bei 7 Wonders sofort aus, w\u00e4hrend man sie bei Fairy Tale erst einmal auf der Hand beh\u00e4lt. Die FT-Karten werden erst in einer zweiten Phase nacheinander und gleichzeitig (wie bei 7W) ausgespielt. Diese Phase gibt es bei 7W so nicht. Und bei FT beh\u00e4lt man Karten auf der Hand, man kann also dem anderen Karten vorenthalten ohne sie selbst spielen zu m\u00fcssen, was bei 7W auch nicht geht. Vor allem sind aber auch die Karten selbst v\u00f6llig anders: Bei 7 Wonders baut man auf und -Rohstoffe vorrausgesetzt &#8211; kann auch alles bauen, was man will. Bei Fairy tale legt man zwar auch Karten raus, aber oft mit dem Ziel Karten bei Mitspielern zu verhindern. Bleibende Effekte wie bei 7 Wonders gibt es hier (fast) nicht: Es geht nur um Punkte und darum, welche gegnerische Karten deaktiviert (bzw eigene aktiviert) werden. Im Prinzip sind die beiden Spiele nicht \u00e4hnlicher als jedes mit Notre Dame, das ja ebenfalls einen Draft-Mechanismus benutzt (man k\u00f6nnte auch sagen sie sind so unterschiedlich wie Favoriten und Mensch-\u00c4rgere -Dich-Nicht, beides W\u00fcrfellaufspiele).<\/p>\n<p>Warum nun der Vergleich: Wir haben in beiden F\u00e4llen einen sehr typischen und relativ seltenen Kernmechanismus: Den Draftmodus. Zudem werden in beiden Spielen Karten gleichzeitig gespielt. Das macht schon zwei typische Mechanismen. Und das scheint zu reichen. Bei Arcana\/Dominion reicht schon ein Mechanismus: Das Karten in ein Deck kommen und dieses dann immer wieder verwendet wird, also ein Deckbaumechanismus. Das Arcana ansonsten komplett anders funktioniert ist nebens\u00e4chlich: Je prominenter ein bestimmter Mechanismus ist, desto eher werden Spiele, die etwas \u00e4hnliches machen als &#8220;\u00e4hnlich&#8221; wahrgenommen. Spiele mit bekannteren Mechanismen werden nicht miteinander verglichen &#8211; siehe die vielen Aufbauspiele, bei denen es aber nie hei\u00dft: A ist ja wie b! Das hat gewisse Probleme. Denn ein Spiel, dass jetzt ein Draft-und-gleichzeitig-Ausspielen-Mechanismus verwendet wird zwangsl\u00e4ufig mit 7 Wonders verglichen werden -egal wie sich das Spiel ansonsten \u00e4hnelt oder unterscheidet. Erst wenn der Draft-Modus verbreitet genug ist, wirds vermutlich aufh\u00f6ren. Das konnte man gut bei El Grande beobachten: Die erste Welle von Mehrheitenspiele wurden noch mit El Grande verglichen (bei Faidutti hei\u00dft es heute noch &#8220;El Grande and its followers&#8221;), mittlerweile redet man nur noch von &#8220;Mehrheitenspielen&#8221;. \u00c4hnlich war die Lage bei Worker Placementspielen und Caylus. Ich propheziehe dass es bei Deckbau- und Draft-Spielen \u00e4hnlich zugehen wird (insbesondere wenn strukturell komplett unterschiedliche Spiele mit diesen Mechanismen erscheinen).<\/p>\n<p>Und genau wie ein prominenter Mechanismus ausreicht, um gef\u00fchlte \u00c4hnlichkeit herbeizuf\u00fchren, so reicht ein prominentes Thema: Das zeigt z.B. das Westpark-Gamers-Beispiel. Sicherlich werden bei beiden Spielen B\u00e4ume gef\u00e4llt und mit Fl\u00fcssen transportiert &#8211; aber das bedingt ja das Thema! Genauso k\u00f6nnte man behaupten zwei Autorennspiele w\u00e4ren paktisch gleich, weil Regeln bzgl. Kurvendrift und Windschatten vorkommen. Zooloretto wurde damals mit Zoosim verglichen, obwohl die Spiele au\u00dfer dem Thema schlicht gar nichts gemein haben. Aber: Zoospiele sind selten. Turmbauspiele sind h\u00e4ufig und darum vergleicht niemand Firenze mit Asara.<\/p>\n<p>Und beim kommenden Alea-Spiel &#8220;K\u00f6nig Arthus und die Tafelrunde&#8221; haben wir zwar kein ganz ungew\u00f6hnliches Thema (Tafelrunde) und keinen ganz ungew\u00f6hnlichen Mechanismus (Punktwert h\u00e4ngt von der Position des Tisches ab), aber diese Kombination gab es eben schon in einem anderen Spiel (Tafelrunde). Hinzu kommt, dass man sonst eben wenig \u00fcber das Spiel wei\u00df. Daher konzentriert sich der Eindruck auf diese \u00c4hnlichkeit (wobei wohl niemand behauptet, das eine w\u00e4re vom anderen inspieriert).<\/p>\n<p>Fassen wir also zusammen: Ein Spiel, dass mit der Masse schwimmt, was Thema und Mechanismus betrifft, wird eher selten mit einem anderen Spiel verglichen. Ein Spiel das v\u00f6llig neuartig in beiden Bereichen ist auch nicht. Wer aber einen Mechanismus oder ein Thema verwendet, dass es nur 1 oder 2 mal gab, der muss sich darauf einstellen, dass sein Spiel ungerechtfertigt verglichen wird. Weniger \u00c4hnlichkeiten sind in diesem Fall anscheinend mehr&#8230;<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergleiche zwischen Spielen gibt es seit Anbeginn der Zeit. Bereits die R\u00f6mer hatten M\u00fchle als Backgammon-Clon abgetan. Und mich w\u00fcrde nicht wundern, wenn die \u00c4gypter das Spiel von Ur gesehen haben und sich gedacht haben: &#8220;Das ist ja wie Nilopoly!&#8221;. 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