{"id":19551,"date":"2020-03-11T22:26:24","date_gmt":"2020-03-11T20:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=19551"},"modified":"2020-03-11T23:03:38","modified_gmt":"2020-03-11T21:03:38","slug":"ueber-den-tellerrand-die-spiele-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/03\/11\/19551\/","title":{"rendered":"\u00dcber den Tellerrand: Die Spiele der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Im Moment l\u00e4uft gerade <em>Picard<\/em>, die neue Star Trek-Serie. Als Trekkie Ausrede genug, mal ein paar Worte \u00fcber Spiele im Star Trek Universum zu verlieren.<\/p>\n<p>Generell gab es gerade bei Twitter die (nicht ganz ernst gemeinte) Frage, warum im Zeiten des Holodecks \u00fcberhaupt Brett- oder Kartenspiele gespielt werden sollten. Immerhin bieten die wortw\u00f6rtlich ja jedes Abenteuer mit hohem Realismusgrad an. Und sicherlich: Das Holodeck ist eine tolle M\u00f6glichkeit der Freizeitgestaltung. Aber genauso wie Computerspiele Brettspiele nicht \u00fcberfl\u00fcssig gemacht haben, werden auch Holodecks Brettspiele nicht \u00fcberfl\u00fcssig machen &#8211; Zum einen hat nicht jeder einen Zugang zum Holodeck, zum anderen will man nicht immer gleich physisch unterwegs sein. Die soziale Komponente oder auch der reine Wettstreit wird auch in Zukunft bei Brett- oder Kartenspielen stattfinden. Das ist keine haltlose These, sondern basiert auf der Entwicklung des Computer- und Brettspielmarktes in den letzten 40 Jahren.<\/p>\n<p>Jetzt wo das grunds\u00e4tzliche gekl\u00e4rt wurde, hier ein paar Gedanken \u00fcber eine Auswahl an konkreten Spielen aus Star Trek:<\/p>\n<p><strong>Dreidimensionales Schach<\/strong>: Wenn es so etwas wie ein &#8220;ikonisches Strartrek-Spiel&#8221; gibt, dann ist es nat\u00fcrlich das dreidimensionale Schach. Das ist nicht weiter verwunderlich, wurde es doch entwickelt, um m\u00f6glichst futuristisch auszusehen. Das gelingt dadurch, dass es nat\u00fcrlich an etwas bekanntem anlehnt, aber durch das dreidimensionale besonders intelligent wirken sollte. Regeln sind innerhalb der Serie nicht konsistent, die mittlerweile kommerziell verf\u00fcgbaren Faksimilies kamen mit Regeln daher, die irgendwie plausibel sind. Es ist nicht weder besser noch tiefer (nur un\u00fcbersichtlicher) als <em>Schach<\/em> und wohl auch nicht ausgeglichen. Wie gesagt ist das Spiel ein Prop, aber es basiert auf der Fehleinsch\u00e4tzung, dass kompliziert auch gleich Spieltiefe ist. Die Macher h\u00e4tten gut daran getan andere, existierende Schachvarianten zu nehmen, die z.T. tats\u00e4chlich mehr Spieltiefe bieten &#8211; Denn prinzipiell ist die Idee, dass man auch in Hunderten von Jahren noch <em>Schach<\/em> spielt, ja nicht falsch. Da aber jetzt schon <em>Schach<\/em> immer h\u00e4ufiger auf ein Unentschieden hinausl\u00e4uft &#8211; insbesondere ohne Zeitlimit &#8211; und die Gefahr durch Superdenker wie Vulkanier sicherlich eher gr\u00f6\u00dfer werden d\u00fcrfen, ist es wahrscheinlich, dass Schach einen Wandel durchmachen wird. Es w\u00e4re auch nicht das erste Mal &#8211; das Indische Original hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt neben dem modernen Schach entstammt auch das japanische <em>Shogi<\/em> oder das Chinesische Schach demselben Vorfahren. Im 15. Jahrhundert erst nahm das Schach die heutige Form an. Es folgten aber weitere Regelanpassungen, wie z.B. die Rochade. Es ist denkbar dass an einem fernen Punkt in der Zukunft das Schach erneut einen Sprung machen k\u00f6nnte &#8211; auch ins Dreidimensionale. Oder es f\u00e4llt in Vergessenheit wie z.B. <em>Rithmomachy.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/memory-alpha.fandom.com\/wiki\/Kotra\">Kotra<\/a><\/strong> ist nur in einer einzigen Folge zu sehen: In der ausgezeichneten DS9-Folge <em>Empok Nor<\/em>. Es handelt sich um ein abstraktes Zweipersonenspiel und dient in der Folge vor allem als Allegorie des Zweikampfes zwischen O\u00b4Brian und Garak. Nog hat gegen Garak keine Chance, da Nog zu defensiv spielt. Trotz des Plastik-looks des Spieles wirkt Kotra als klassisches traditionelles Spiel absolut plausibel. Abstrakte Stellungsspiele geh\u00f6ren zu den \u00e4ltesten Spielen \u00fcberhaupt und es gibt keinen Grund, warum das auf Cadassia anders gewesen sein sollte. Auch dass die Spielweise offensiv sein muss ist nicht weiter bemerkenswert &#8211; viele unserer Spiele haben \u00e4hnliche Eigenschaften, etwa <em>Fanorama<\/em> oder Varianten des Soldatenspieles wie <em>Alquerque<\/em>, also Spiele bei denen man durch \u00dcberspringen des Gegners schl\u00e4gt, sind oft offensiv gepr\u00e4gt. In unserer Kultur hat sich aus dieser Spielegruppe nur <em>Dame<\/em> einigerma\u00dfen behaupten k\u00f6nnen, aber die Spieleevolution kann auf Cardassia ja durchaus einen anderen Weg gegangen sein- und vielleicht etwas wie <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/dvonn-und-puenct-und-die-ganze-gipf-famillie\/\">Dvonn<\/a> entwickelt haben, dass dieselbe DNS hat, aber ein modernes, zeitloses Spiel ist.<\/p>\n<p><strong>Dabo:<\/strong> Spielegeschichte ist ein gutes Stichwort, denn <em>Dabo<\/em> ist ganz klar aus der Kultur der Ferengi entsprungen: Irgendwo zwischen Gl\u00fccksspiel und <em>Monopoly<\/em> angesiedelt geht es hier um Geld. Die Spielegeschichte <em>unserer<\/em> Kultur hatte ebenfalls immer \u00dcberschneidungen mit Wett- und Gl\u00fccksspielen: Da ist der W\u00fcrfel der f\u00fcr sich alleine schon als Gl\u00fccksspiel dienen kann; Die moderne Wahrscheinlichkeitsrechnung entstand aus der Frage heraus ob eine 6 mit einem W\u00fcrfel wahrscheinlicher ist als ein Pasch in 24 W\u00fcrfen &#8211; ein beliebtes Wettspiel in der Rennaissance. Kombiniert mit einem Spielbrett hat man ein simuliertes Rennen, auf das man Wetten kann, wenn gerade keine Pferde oder Hunde oder sowas verf\u00fcgbar sind. Bei <em>Dabo<\/em> geht es ums Kaufen und Verkaufen, bedenkt man die Kultur der Ferengi keine \u00dcberraschung! Im Star Trek Universum ist Dabo vermutlich entstanden, um die Fluktation von Handelswaren zu simulieren. Wo wir Erdlinge Pferderennen oder Schlachten auf dem Spielbrett nachgestellt haben, haben die Ferengi Wirtschaftsprozesse im Blick gehabt &#8211; und auf die gewettet. Da <em>Dabo<\/em> sehr computerisiert daherkommt hat es vermutlich zahlreiche Umwandlungen mitgemacht (nicht zuletzt um Manipulationen zu erschweren). Auch das ist normal &#8211; Spiele wie <em>Blackjack<\/em> oder <em>Roulette<\/em> werden auch immer noch regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert und mit modernerer Technik kamen neue Gl\u00fccksspiele hinzu &#8211; etwa einarmige Banditen. Opportunisten wie die Ferengi werden das sichlich nicht gro\u00df anders gemacht haben. Oder anders machen werden. Oder so.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/memory-alpha.fandom.com\/wiki\/Pixmit\">Pixmit<\/a><\/strong>: Das Spiel, dass diesen Artikel inspirierte ist das j\u00fcngste der hier vorgestellten Spiele, in dem Sinne, als dass es erst in der neuen Serie <em>Picard<\/em> auftrat. Dies ist ein romulanisches Legespiel mit dreieckigen Karten. In <em>Picard<\/em> wird es sowohl zum Wahrsagen benutzt, aber auch als Gesellschaftsspiel in der Kneipe gespielt. Auch das ist nat\u00fcrlich plausibel &#8211; Wahrsagen ist neben dem Gl\u00fccksspiel die zweite Quelle vieler Spiele. Ja, es ist m.W. tats\u00e4chlich noch nicht sicher ob die ersten W\u00fcrfel (bzw. deren Vorg\u00e4nger aus Tierknochen) zuerst zum Orakeln oder zuerst zum Wetten verwendet worden sind (eventuell auch verschiedene Reihenfolgen in verschiedenen Teilen der Erde). Bei Pixmit stand bei den Serienschreibern offensichtlich unser <em>Tarot<\/em> Pate: Urspr\u00fcnglich wurden die Karten zum Wahrsagen ausgelegt, aber sie wurden recht schnell dann auch zum Spielen genutzt. Eine parallele Entwicklung ist auch auf Romolus denkbar gewesen. Dass <em>Pixmit<\/em> ein Legespiel ist, ist ein netter Touch &#8211; auf der Erde war <em>Domino<\/em> (das \u00e4lteste mir bekannte Legespiel) zwar deutlich sp\u00e4ter als andere Brettspiele (es kam etwa im 11. Jahrhundert auf), aber es gibt keinen Grund, warum eine andere Kultur auf einen anderen Planeten nicht Legespiele viel fr\u00fcher (oder nachhaltiger) entwickelt haben sollen. Legespiele sind recht nat\u00fcrlich; man ordnet etwas und durch die gemeinsame Auslage erschafft man auch ein gemeinsames Bild. Nicht ganz passend ist, dass Pixmit mit dreieckigen Karten gespielt wird. Es gab in den letzten 30 Jahren immer mal Versuche Spiele mit anderen Kartenformen auf den Markt zu bringen &#8211; vor allem Spiele mit runden Karten haben es den Spieleautoren anscheinend angetan &#8211; aber durchgesetzt hat es sich nie. Rechteckige Karten einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe sind einfach die Form, die sich am besten halten l\u00e4sst, wenn die Informationen auf den Karten noch gut erfassbar sein soll. Die Karten aus Pixmit sind dagegen ein Usability-Alptraum: Informationen auf allen drei Seiten kann man schon kaum erfassen, wenn man nur eine davon in der Hand h\u00e4lt, geschweige denn mehrere. Die Schauspieler in der Szene hatten schon sichtbare Schwierigkeiten, dass einigerma\u00dfen plausibel aussehen zu lassen. Es ist m.E. nach ziemlich ausgeschlossen, dass sich ein Spiel in dieser Form lange h\u00e4lt, ohne dass irgendwer auf die Idee kommt, die Karten dick genug zu machen, als dass sie auf dem Tisch stehen k\u00f6nnen &#8211; wie dreiecke Dominosteine eben (wie <em>Triominos<\/em>) . Ob das Spiel zu den Romulanern passt, sei dahingestellt. Romulaner werden immer als Super-Agenten dargestellt, das Spiel kommt aber anscheinend ohne gro\u00dfe Deduktions- oder Verr\u00e4terelemente aus. Von der Warte aus w\u00fcrde man eher Social Deduction Games erwarten. Aber vielleicht ist die gemeine Bev\u00f6lkerung ja gar nicht so geheimnisvoll, wenn sie es nicht m\u00fcssen. <em>Pixmit<\/em> als Einblick auf die wahre Seele des Romulaners? Das w\u00fcrde gut zu den Themen aus Star Trek passen.<\/p>\n<p><strong>Poker<\/strong>: Das aus meiner Sicht unrealistischste Spiel im Star Trek Universum ist <em>Poker<\/em>. Ich verstehe, warum es immer wieder eingesetzt wird &#8211; es erlaubt den Schauspielern miteinander zu reden, ohne dass alle nur so dasitzen. Es kann pointierte Enden erlauben (einer gewinnt einen Bluff oder verliert alles). Das Bluffen kann man als Metapher verwenden und es gibt den Szenen eine gewisse Spannung. Aus Sicht der SF sind die Pokerrunden aber unwahrscheinlich. Der offensichtliche Elefant ist, dass die Variante, die in Star Trek &#8211; The next Generation gespielt wird, schon heutzutage als veraltet gilt. <em>5-Draw-Poker<\/em> ist schlicht uninteressant &#8211; zum einen weil die Chance auf ein interessantes Blatt viel zu niedrig ist, zum anderen weil man praktisch gar keine Hinweise auf die anderen Bl\u00e4tter hat. Das heutzutage pr\u00e4ferierte <em>Texas Hold em<\/em> ist in beiden Belangen besser und hat deswegen einen Pokerboom ausgel\u00f6st&#8230;. der schon fast wieder vorbei ist, <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/09\/22\/18923\/\">da die KIs mittlerweile gerade im Onlinebereich ein echtes Problem darstellen<\/a>. Poker ist aber auch kulturhistorisch kaum das Spiel, dass ich w\u00e4hlen w\u00fcrde, wenn ich ein Spiel aussuchen m\u00fcsste, das man noch in 300 Jahren spielt. <em>Poker<\/em> wird in erster Linie online gespielt. Au\u00dferdem spielt <em>Poker<\/em> eine gewisse Rolle f\u00fcr Turniere &#8211; aber in dem Bereich gibt es deutlich verbreitere Vertreter (<em>Bingo<\/em> oder <em>Craps<\/em> z.B.). Wenn es um traditionelle Spiele geht, die man &#8220;\u00fcberall&#8221; spielt, ist <em>Poker<\/em> au\u00dferhalb der USA nicht sehr weit vorne dabei. Welches Spiel w\u00e4re eine bessere Wahl gewesen? Nun, es muss ein traditionelles Spiel sein, mit klaren Regeln, das mit mehr als zwei Spielern funktioniert (also kein <em>Backgammon<\/em>) und bei dem es klar identifizierbares Spielmaterial gibt (also keine <em>Werw\u00f6lfe<\/em>). Topkandidat w\u00e4re wohl <em>Mah Jongg<\/em>, dass im Asiatischen Raum eine enorme Verbreitung hat. Nachteil: Es m\u00fcssen genau vier Spieler sein. Eine Alternative w\u00e4re <em>Domino<\/em>, dass vor allem im Lateinamerikanischen Raum eine hohe Beliebtheit hat. Hier g\u00e4be es gen\u00fcgend Varianten, die sich auch szenisch gut umsetzen lassen w\u00fcrden. Muss es unbedingt ein Kartenspiel sei, dann w\u00fcrde ich zu <a href=\"https:\/\/www.pagat.com\/climbing\/bigtwo.html\">Big Two<\/a> raten &#8211; ein in Asien in zahlreichen Varianten gespieltes enorm popul\u00e4res Spiel, bei dem es in erster Linie darum geht, seine Hand loszuwerden. Das in Spielerkreisen beliebte Tichu basiert auf diesem traditionellem Spiel. Auch hier sind sehr dramatische Spielverl\u00e4ufe m\u00f6glich und auch wenn die Regeln vom Zuschauer nicht verstanden werden, erfasst man doch schnell, dass man seine Karten irgendwie loswerden muss und dass dabei Poker(sic)kombinationen eine Rolle spielen. Das \u00dcberleben von <em>Big Two<\/em> in den n\u00e4chsten 300 Jahren ist angesichts der gro\u00dfen Popularit\u00e4t zumindest etwas wahrscheinlicher als bei <em>Poker<\/em>. Stichspiele, die Gruppe, an die man hierzulande am ehesten denkt, wenn man an Kartenspiele denkt, sind lokal zu unterschiedlich und von den Regeln zu schwer nachzuvollziehen, zumal die Dramatik ja in den gewonnenen Stichen liegt. Sehr ungeeignet f\u00fcr Star Trek, denke ich.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Moment l\u00e4uft gerade Picard, die neue Star Trek-Serie. Als Trekkie Ausrede genug, mal ein paar Worte \u00fcber Spiele im Star Trek Universum zu verlieren. 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