{"id":19322,"date":"2020-01-05T22:17:29","date_gmt":"2020-01-05T20:17:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=19322"},"modified":"2020-01-05T22:42:26","modified_gmt":"2020-01-05T20:42:26","slug":"neujahrs-gedanken-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/01\/05\/19322\/","title":{"rendered":"Neujahrs-Gedanken 2020"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem k\u00fcrzlich vollzogenen Jahreswechsel hat auch der Gebrauch des archaischen Neujahrsvorsatzes wieder in Spielerkreisen Einzug gehalten. Ein Satz, der mir in unterschiedlichen Situationen begegnet ist, sprang mir dabei besonders ins Auge: weniger Spiele kaufen, mehr Spiele spielen.<\/p>\n<p>Dieser Satz ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil das eine so wenig mit dem anderen zu tun hat. Ob ich mich h\u00e4ufiger mit Freunden zum Spielen verabrede, h\u00e4ngt vor allem von der Zeitplanung aller Beteiligten ab. Der Kauf neuer Spiele hat damit herzlich wenig zu tun. Stattdessen wirkt dieser Vorsatz wie eine subtile Kritik an der eigenen Person. Vielleicht als augenzwinkernder Kommentar auf die eigene Aufmerksamkeitsspanne oder der selbst-diagnostizierten Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Hype.<\/p>\n<p>Dabei ist die interessantere Frage woher eigentlich die \u00dcberzeugung kommt, dass wir zu viele Spiele kaufen und zu wenige davon spielen. Hier scheinen mir vor allem vier Kernargumente im Raum zu stehen.<\/p>\n<p>1. Die ungespielten Spiele<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-18241\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/image_from_ios-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ein gekauftes Spiel ist mehr als nur ein Objekt. Es ist mehr als ein Ausstellungsst\u00fcck, das man in seinen Spieleschrank stellt. Wobei die Aufmachung und Gr\u00f6\u00dfe vieler Spielschachteln auch schon anderes nahe legen. Aber so ein Spiel wird in der Hoffnung gekauft, dass es zu einem bestimmten Spielerlebnis f\u00fchrt. \u00c4hnlich wie man Filme schaut, weil man sich erhofft bestimmte Emotionen zu erleben. Man kauft sich Spiele, um bestimmte Dinge damit zu erleben. Da sollte ein Stapel unerforschter Spielerlebnisse eher ein Grund zur Zuversicht sei, als ein Grund sich schlecht zu f\u00fchlen. Aber in der Praxis wird im halb-ironischen Ton vom \u201epile of shame\u201c gesprochen. Der Begriff kommuniziert so etwas wie Schande dar\u00fcber, dass man noch nicht alle Gef\u00fchle erlebt hat, auf die man sich beim Kauf des jeweiligen Spiels gefreut hat. Das halte ich f\u00fcr unfair. Schlie\u00dflich kommt es gerade bei Spielen darauf an die richtigen Leute in der richtigen Stimmung zusammenzubekommen. Gelingt das, kann man auch das erfahren, was durch das Spiel erm\u00f6glicht wird. Diese H\u00fcrde zu nehmen wird kaum schwieriger, wenn man mehr oder weniger Spiele sein Eigen nennt.<\/p>\n<p>2. Den Kaufpreis rechtfertigen<\/p>\n<p>Ebenfalls sehr beliebt ist das Geldargument. Schlie\u00dflich hat man ja so viel Geld ausgeben und hat daf\u00fcr au\u00dfer Pappe, K\u00e4rtchen und etwas Plastik fast nix bekommen. Beim Versuch einen \u201eobjektiven\u201c Ma\u00dfstab anzulegen wird der Kaufpreis und die tats\u00e4chlich investierten Spielstunden gegeneinander aufgerechnet. Wenn das Ergebnis dann unter einer willk\u00fcrlich gesetzten Grenze liegt, so hat sich der Kauf rentiert und man kann ausatmen. Die Kaufkosten haben sich nach einer bestimmten Zahl an Spielstunden quasi amortisiert. Die Last, das Spiel unbedingt spielen zu m\u00fcssen, wurde abgelegt. Diese Last setzt jedoch voraus, dass man sich mit dem Kauf eine Schuld aufgeb\u00fcrdet hat, die man begleichen muss. Die Ausgaben f\u00fcr das Spiel waren derart, dass man sich vor einer undefinierten Instanz daf\u00fcr rechtfertigen muss. Ein Spielkauf wird per se als nicht notwendig hingenommen und in einzelnen F\u00e4llen sogar als angehend unverantwortlich verstanden. Das wiederum ist ein Vorwurf, den man schnell entkr\u00e4ften will. Zum Beispiel, weil man mit dem Spiel seinen Spa\u00df hatte und der Kauf sich damit gelohnt hat. Sollte man wider Erwarten keinen Spa\u00df am Spiel finden, wird es schnell weiterverkauft. Die verantwortungslos get\u00e4tigte Investition soll mit m\u00f6glichst wenig Verlust abgesto\u00dfen werden. Wer sich schon immer gefragt hat, warum so viele gebrauchte Spiele zum quasi-Neupreis angeboten werden.. findet hier seine Antwort. Weniger Spiele zu erwerben und gleichzeitig \u00e4ltere Spiele zu spielen, schl\u00e4gt somit zwei Fliegen mit einer Klappe: man f\u00fchlt sich nicht zum Spielen verpflichtet und erh\u00f6ht parallel den Wert der bereits gekauften Spiele.<\/p>\n<p>3. Spieltiefe erforschen<\/p>\n<p>Wenn Spieler beklagen, dass sie ihre Spiele zu selten spielen, wird auch oft der diffuse Begriff der Spieltiefe herangezogen. Ein vermeintlich gutes Spiel lie\u00dfe sich nur dann voll und ganz genie\u00dfen, wenn man es wiederholt spielt. Zum einen lassen sich so unterschiedliche Strategien am praktischen Beispiel testen. Man spekuliert aber auch darauf, dass sich neue Situationen und Regelkombinationen ergeben, welche f\u00fcr \u00dcberraschungen sorgen. Wer seine Spiele eh nach Kaufpreis und Spielstunden bewertet, findet sich bei Spielen, die sich erst mit deutlichem Zeitaufwand entfalten, sofort wieder. Es erscheint vollkommen logisch, dass ein derartiges Spiel auch zwingend ein gro\u00dfartiges Spiel sein muss. Neben Brettspielen wird diese Eigenschaft nur noch bei sperrigen Konzeptalben als Zeichen gro\u00dfer Qualit\u00e4t gesehen. Aber auch hier ist der Zusammenhang zwischen neuer Anschaffung und R\u00fcckkehr zu vertrauten Spielen sehr d\u00fcnn. Vielmehr sehen sich Spieler hier vor eine oft nicht ganz einfache Entscheidung gestellt. Auf der einen Seite ist das vertraute Spielerlebnis, bei dem man hofft, dass sich mit zunehmender Erfahrung weitere Facetten er\u00f6ffnen. Auf der anderen Seite steht das Versprechen eines neuen, vielleicht ganz anderen Spielerlebnisses. Aber es stellt sich einem die Frage, wenn die Entdeckung neuer Facetten so viel Mehrwert besitzt, weshalb man sich per Neujahrsvorsatz dazu bringen muss eben diese zu entdecken. Sollte ein Spiel nicht aus sich heraus den Wunsch nach einer weiteren Partie wecken, unabh\u00e4ngig davon wieviele Spiele noch verpackt im Schrank stehen?<\/p>\n<p>4. Spiele sind Luxusg\u00fcter<\/p>\n<p>Zum Abschluss f\u00e4llt auch oft und gerne das Argument, dass es sich bei Spielen letzten Endes nur um Luxusg\u00fcter handelt. Auf den Kauf zu verzichten ist nicht nur vern\u00fcnftig und bodenst\u00e4ndig, es ist auch \u00f6kologisch verantwortungsvoll. Luxus ist schlie\u00dflich nicht lebensnotwendig. Sich Luxus zu g\u00f6nnen und wiederholt Spiele zu kaufen, ist prunkvoll und fast schon vulg\u00e4r. Ich frage mich, ob ein \u00e4hnliches Argument auch f\u00fcr B\u00fccher, Filme oder Musik in Gebrauch ist. M\u00fcssen sich B\u00fccherliebhaber, Cineasten oder Musikbegeisterte ihre Regale voller erworbener Produkte \u00e4hnlich rechtfertigen? Oder darf man diese erlesenen Medien auch genie\u00dfen, ohne zu f\u00fcrchten, dass man der konsumgeilen V\u00f6llerei erlegen ist? Vor allem w\u00fcrde irgendjemand aufh\u00f6ren Neues zu lesen, zu schauen oder zu h\u00f6ren, nur weil man die alten Sachen noch nicht zur Ersch\u00f6pfung durchgekaut hat?<\/p>\n<p>Ich selbst habe mir Neujahrsvors\u00e4tze in Sachen Spiele gespart. Sicherlich w\u00fcnsche ich mir regelm\u00e4\u00dfiger zu spielen oder Spiele wieder auf den Tisch zu holen, deren Spielgef\u00fchl ich vermisst habe; aber das h\u00e4ngt eher von meinen Mitspielern ab als von mir. Die Zahl der Spiele, die ich mir dieses Jahr kaufen werde, h\u00e4ngt davon ab wieviele mich dieses Jahr interessieren, und welche ich nur zu Gesicht bekommen werde, wenn ich sie mir selbst hole. Ist das V\u00f6llerei, kopfloses Geld verpulvern oder oberfl\u00e4chliches Neuheiten-Gezocke? Es f\u00fchlt sich eigentlich nach nichts davon an. Ich spiele was ich will, so oft ich kann. Das ist kein Vorsatz; das ist lediglich meine Leidenschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem k\u00fcrzlich vollzogenen Jahreswechsel hat auch der Gebrauch des archaischen Neujahrsvorsatzes wieder in Spielerkreisen Einzug gehalten. Ein Satz, der mir in unterschiedlichen Situationen begegnet ist, sprang mir dabei besonders ins Auge: weniger Spiele kaufen, mehr Spiele spielen. 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