{"id":19191,"date":"2019-12-10T17:24:29","date_gmt":"2019-12-10T15:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=19191"},"modified":"2019-12-11T17:18:26","modified_gmt":"2019-12-11T15:18:26","slug":"mark-your-game-and-dont-close-your-fridge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/12\/10\/19191\/","title":{"rendered":"Mark Your Game and don&#8217;t Close your Fridge"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich eines immer wieder sehe, dann wie sehr in dem gr\u00f6\u00dfer werdenden Brettspiel-Business die Meinungen aufeinander klatschen. Es gibt ja vier gro\u00dfe Gruppen. Diese sind in etlichen Bereichen \u00fcberlappend, aber f\u00fcr meine Betrachtung tut es das heute mal.<\/p>\n<p>Gruppe 1: Die Spieleautoren, die sich tolle Spiele einfallen lassen<br \/>\nGruppe 2: Die Verlage, die die Spiele bearbeiten und ver\u00f6ffentlichen<br \/>\nGruppe 3: Die Rezensenten und Blogger, die \u00fcber die Spiele berichten<br \/>\nGruppe 4: Die Spieler, die die Spiele dann spielen.<\/p>\n<p>F\u00fcr meine Betrachtung heute sind die Autoren au\u00dfen vor, Ich will hier nur die Beziehung von den letzten drei Gruppen betrachten. Ich tue dies &#8211; versucht &#8211; aus allen drei Perspektiven, werde aber ganz oft den Hut des Verlegers aufhaben. Damit biete ich Angriffsfl\u00e4che vor allem an der Front, lasst euch also nicht davon abhalten das auch zu kritisieren an diesem Artikel.<\/p>\n<p><strong>Springen wir mal ins Verlagswasser<\/strong><\/p>\n<p>Ein (Verleger)-Kollege hat mir vor ein paar Jahren mal gesagt, dass es ihm egal ist, ob die Leute seine Spiele oft oder richtig oder \u00fcberhaupt spielen. Sie haben sie ja gekauft. Das mag mathematisch betrachtet stimmen, aber es ist nat\u00fcrlich so, dass der Faktor, wenn die Leute ein Spiel toll finden, in einer Zeit in der jedes Jahr eine ordentliche 4-stellige Zahl von Spielen auf den Markt kommt, es nicht reicht \u00fcberhaupt was zu bringen und es die Leute kaufen zu lassen. Denn sie k\u00f6nnten damit irgendwann aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und das w\u00e4re nicht gut. Es gleicht eh einem Lotteriespiel, ob das eigene Spiel wahrgenommen wird, ob es bei den Leuten ankommt und ob es im Nachhinein auch Umsatz oder eine Zweitauflage oder vergleichbares bringt, oder es eigentlich schon abst\u00fcrzt und die erste Auflage im Lager mehr Kosten verursacht als sie irgendwann noch einbringen kann.<\/p>\n<p>Um in der Masse sein Risiko zu streuen, streuen es auch die Verlage &#8211; logischerweise &#8211; und bringen deswegen noch mehr Spiele auf den Markt. Es wird halt un\u00fcbersichtlich. Und das ist eine Spirale.<\/p>\n<p><strong>Das Wesen des Rezensenten<\/strong><\/p>\n<p>Eine Gruppe, die nat\u00fcrlich sich auch auf die Fahne gesetzt hat, \u00dcbersicht in dieses Dickicht zu bringen, sind die Rezensenten. Sie wollen sagen was gut ist und was nicht. Da gibt es nat\u00fcrlich Geschm\u00e4cker und bestimmt sagen etliche gleich, das w\u00e4re gar nicht ihr Anspruch, auf der anderen Seite ist es gerade in meinen Augen aber eigentlich ihre Aufgabe. Wer sich nicht angesprochen f\u00fchlt, der darf gerne aufh\u00f6ren zu lesen.*<\/p>\n<p>Es gibt sehr viele (sogar die \u00fcberwiegende Mehrheit) Blogger da drau\u00dfen, die vor allem Spa\u00df haben an dem was sie machen und es auch nur aus dem Spa\u00df daran machen. Und das finde ich super. In den USA hat aber inzwischen schon l\u00e4ngst eine Professionalisierung der Blogger eingesetzt. Damit meine ich nicht nur, dass diese davon leben wollen und k\u00f6nnen, sondern auch dass da einiges Drumherum geboten wird. Allein der Output vom Dice Tower ist nur machbar, weil es ein ganzes Team ist und nicht nur Tom alleine. Diese Blogger machen neben den Rezensionen aus Spa\u00df auch etliche Dienstleistungen f\u00fcr Verlage, die aber Geld kosten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den normalen Rezensenten. Sie haben folgenden Vorteil oder auch Nachteil: Sie m\u00fcssen sich durch alles durchw\u00fchlen und die Perlen finden. F\u00fcr viele gibt es damit aber auch einen guten Grund sich zu vernetzen, um sich auszutauschen und die Last der Spiele auf mehrere Schultern zu verteilen. Wenn ein Spiel von zwei, drei oder vier Rezensenten eher mau angenommen wird, kann sich der Rest es eigentlich schenken. Das macht Zeit frei f\u00fcr andere Spiele. Das klingt doch attraktiv. Es bringt aber das Problem mit sich, dass manche Spiele von allen besprochen werden, weil sie gut sind, und andere von niemanden. Meist weil sie schlecht sind, aber \u00f6fters auch mal, weil sie in der Masse durchs Raster gefallen sind. Und je mehr Spiele es werden desto h\u00e4ufiger passiert das auch.<\/p>\n<p>Zeitgleich kommen wir zu einem anderen Problem. Mehr Spiele bedeutet auch mehr Verteilung auf das Jahr. Spiele die nicht sofort in die Rezensenten-Rotation kommen, werden nach 4 Monaten schon als alter Hut aufgenommen. Es interessiert weder den Rezensenten noch den Viel-Spieler. Die Spirale dreht sich weiter.<\/p>\n<p><strong>Der (un)informierte Spieler<\/strong><\/p>\n<p>Und da sind die Spieler. Es gibt die, die eh viel Spielen, selten ein Spiel \u00f6fter als 3-mal auf dem Tisch haben und auch ansonsten gut Bescheid wissen. Diese Spieler brauchen keine Rezensionen, au\u00dfer um sich gut zu f\u00fchlen und ihre Meinung best\u00e4tigt zu sehen oder sich die Zeit zu vertreiben, wenn gerade nicht gespielt wird. Was auch alles v\u00f6llig ok ist.<\/p>\n<p>Aber es gibt die Spieler die nur einmal in der Woche einen Abend, oder gar nur einmal im Monat zum Spielen kommen. Ihnen ist die Spielzeit wichtig und wertvoll. Sie wollen da eine gute Beratung, sie wollen wissen was sie vielleicht verpassen k\u00f6nnten. Die Gruppe der Spieler die Rezensionen und Let\u2019s Plays nur als Selbstzweck konsumieren wie andere ein Fu\u00dfballspiel gibt es auch, aber sie sind f\u00fcr diese Betrachtung einfach mal au\u00dfen vor.<\/p>\n<p><strong>Die Dreiecksbeziehung<\/strong><\/p>\n<p>Was wollen die Spieler von den Rezensenten? Sie wollen informiert oder unterhalten werden oder am Besten beides. Vielleicht st\u00f6\u00dft man auf diese Weise auf eine Perle und erfreut sich daran oder wird davon abgehalten ein Spiel zu spielen, dass zwar gut sein mag, aber eigentlich nicht ins eigene Schema passt. Ein Wegweiser w\u00e4re am Besten.<\/p>\n<p>Was wollen die Rezensenten von den Spielern? Sie wollen informieren oder unterhalten. Sie wollen sich selber darstellen oder auch dazu geh\u00f6ren. Sie wollen Spa\u00df vermitteln oder auch neue Menschen erreichen. Sie wollen der Wegweiser sein. Da gibt es bestimmt f\u00fcr jeden ein eigens pers\u00f6nliches Ziel, aber das Bed\u00fcrfnis auch seine Meinung nach au\u00dfen zu tragen, kann eigentlich keiner verneinen.<\/p>\n<p>Was wollen die Spieler von den Verlagen? Gute Spiele. Und gut ist, was einem gef\u00e4llt. Das ist ein weites Feld. Die Spieleunterhaltung soll gut sein. Was allerdings gut ist, sieht ja jeder anders.<\/p>\n<p>Was wollen Verlage von den Spielern? Dass sie kaufen. Gerne viel und gerne das eigene Programm. Vielleicht, dass sie es noch anderen weiterempfehlen. Captain Obvious kann hier keine Geheimnisse aufdecken.<\/p>\n<p>Was wollen die Rezensenten von den Verlagen? Spiele. Am Besten umsonst oder g\u00fcnstig. Vor allem aber gute Spiele.<\/p>\n<p>Was wollen Verlage von Rezensenten? Das sie die eigenen Spiele vorstellen. Das sie dar\u00fcber reden, diese erw\u00e4hnen. Gute Noten sind ein Schmankerl on top, aber nicht n\u00f6tig. Und wer denkt das Verlage schlechte Bewertungen den Rezensenten \u00fcbel nimmt, der irrt gewaltig, auch wenn er das eine Gegenbeispiel parat hat.<\/p>\n<p><strong>Ist das aber wirklich so?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Darstellungen sind vermutlich zu arg vereinfacht. Und es gibt unendlich viele Beispiele, die dem widersprechen. Es gibt Verleger, die einfach Freude daran haben, Spiele zu machen, die etwas abseits sind, oder Rezensenten, die vor allem sich in neuen Medien ausprobieren wollen, oder Spieler, die einfach eine tolle Zeit mit Freunden haben m\u00f6chten. Egal mit welchem Spiel.<\/p>\n<p>Und gerade bei der Beziehung zwischen Verlag und Blogger bin ich mir nicht so sicher. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass hier einiges an ambivalentem auftaucht, welches von vielen falsch verstanden wird. Und nat\u00fcrlich, dass ich als Verleger mir meine eigene Meinung dazu gebildet habe.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Umgang mit Rezensionsexemplaren an. Klar m\u00f6chte der Rezensent die gerne umsonst haben. Er hat damit echt Arbeit. Er muss das Spiel mehrmals spielen, von mehreren Leuten Eindr\u00fccke bekommen, die verschiedenen Spielerzahlen betrachten, es auf Herz und Nieren testen. Jeder Rezensent, der das nicht vollzeitig macht, kann auf diese Weise nur einen Bruchteil der Spiele des Jahrgangs betrachten. Aber diese Arbeit kostet halt Zeit und Zeit ist Geld und diese Zeit kostet die Verlage nur ein Exemplar ihres Spiels. G\u00fcnstiger geht es f\u00fcr die Verlage nicht.<\/p>\n<p>Diese Milchm\u00e4dchenrechung stimmt, wenn das Spiel diese Behandlung abbekommt. Oft passiert es aber, dass es nach einem schlechten ersten Test eher verschwindet und unter einem Stapel versteckt landet. Es kommt keiner hinterher. Selbst wenn das Spiel am Ende dem Rezensenten gef\u00e4llt, kann es locker 6-12 Monate gedauert haben, bis er an dem Punkt ankommt. Ich selber habe meine Hansa Teutonica Rezension erst 2 Jahre nach Erscheinen schreiben k\u00f6nnen. Und damals war die Zahl der Neuheiten in Essen noch unter 500.<\/p>\n<p>Dazu kommt die unfassbare Zahl an Rezensenten. Allein im Deutschsprachigen Bereich gibt es etwa 300 mir bekannte. Und ich habe vor etwa 2 Jahren aufgeh\u00f6rt alle zu protokollieren. Da sind Schreiber, YouTuber, Podcaster, etc&#8230; alle dabei. Die Meisten haben eine Reichweite von ein paar Dutzend bis vielleicht Hundert Spielern. Ist es f\u00fcr die Verlage \u00fcberhaupt wert ihre Zeit in solche kleinen Kan\u00e4le zu tun? Manchmal erreichen die aber tats\u00e4chlich neue Spieler oder genau die Zielgruppe die es braucht.<\/p>\n<p>300 Spiele einer Auflage von etwa 1000 bis 3000 Spielen kann jedoch kein Verlag rausgeben. Das ist in der Kalkulation einfach nicht drin. Au\u00dfer vielleicht wenn das Spiel gerade einen P\u00f6ppel gewinnt. Das schaffen aber nur 3 Spiele im Jahr, daher gehen wir davon mal nicht aus. Wenn also Verlage anbieten, das Spiel auch f\u00fcr den Rezensenten g\u00fcnstig anzubieten, dann geht es hier darum, einen Weg zu finden, wo man sich entgegenkommen kann. Die allermeisten verstehen das.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch einen anderen Grund: Den Rechtlichen. Wenn ein Verlag ein Spiel an einen Rezensenten umsonst gibt, muss dieser das Spiel als geldwerten Vorteil versteuern und als Einnahme in seiner Steuererkl\u00e4rung angeben. Wer nur ein paar Spiele bekommt, erreicht damit keine Grenzen, wer aber da schon auf eine ordentliche Menge an Exemplaren kommt, k\u00f6nnte bei einer Pr\u00fcfung vor Problemen landen. Die Spiele g\u00fcnstiger zu kaufen, ist also auch f\u00fcr den Rezensenten eine Absicherung.<\/p>\n<p>Kommen wir zu meinem Lieblingsargument: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BK8dHzlV5wk\">Der Rezensent macht doch da auch Werbung f\u00fcr den Verlag und sein Spiel<\/a>. G\u00fcnstiger geht es nicht.<\/p>\n<p>Formulieren wir es so: Das ist es, was sich der Verlag w\u00fcnscht. Wenn No Pun Included jede Woche genau eine Rezension machen &#8211; und man sieht, dass da echt viel Arbeit reingeflossen ist &#8211; dann ist das vor allem das, was es sein m\u00f6chte: Eine Rezension. Und wenn diese positiv ausf\u00e4llt, dann hofft der Verlag, dass es im Verkauf etwas bringt. Wobei es aber vor allem auch Werbung f\u00fcr No Pun Included ist, wenn sie gute Arbeit machen, denn das sorgt daf\u00fcr, dass mehr Spieler sie sehen und sie so attraktiver werden f\u00fcr die Meinungsbildung. Und die Gro\u00dfen kennen auch die meisten. Jeder wei\u00df, wer Hunter &amp; Cron ist oder Shut Up &amp; Sit Down oder Dice Tower. Das sind selber schon Marken.<\/p>\n<p>Oft passiert aber das, was ich \u00fcberall beobachte. Die Rezension versendet sich. Jeden Tag eine Rezensionen zeigt nicht, dass da eine Auswahl getroffen wurde, dass da dem Leser\/Zuschauer\/Zuh\u00f6rer geholfen wurde einen Blick durch das Dickicht zu finden. Klar, wenn man alles rezensiert, kann man zu allem eine Info finden, aber dann ist das auch nicht mehr, als die Wochenberichte auf unknowns zu lesen. Und die reichen daf\u00fcr doch, oder? Hatte ich nicht eingangs erw\u00e4hnt, dass der Rezensent im Dickicht der Masse helfen soll? In Wahrheit sind die Wochen- oder Monatsberichte schon mehr wert.<\/p>\n<p>Was in meinen Augen dem Verlag viel mehr bringt, wenn sein Spiel \u00f6fter erw\u00e4hnt wird. Und das vor allem in den Formaten, die den Leuten viel mehr Spa\u00df machen: Listen. Wenn einer erz\u00e4hlt, was er diesen Monat gespielt hat, und ein entsprechendes Spiel zum dritten Mal erw\u00e4hnt wird, dann bleibt das eher haften. Wenn ein Spiel auf einigen Top-Listen auftaucht bringt es den meisten Verlagen mehr, als eine weitere Rezension unter vielen. Das Boxenhochhalten ist wertvoll, vor allem wenn das nicht nur das Hochhalten ist, sondern auch das Anf\u00fcllen mit einigen knackigen wertvollen S\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Rezensionen sind im Berichterstattungs-Mix auch echt wichtig, aber sie sind nur ein Baustein und dazu noch keiner, der ann\u00e4hend 30% ausmacht. Das Grundrauschen ist viel wichtiger. Je mehr \u00fcber ein Spiel reden, desto besser. Wenn man in aller Munde ist, dann hilft das einfach mehr. Und damit sind nicht nur die Rezensenten gemeint, welche nur eine Teilgruppe der Spieler darstellen, sondern vor allem die gesamte Spielerschaft an sich.<\/p>\n<p>Und das ist in meinen Augen die gr\u00f6\u00dfte Problematik zwischen der Beziehung zwischen den Rezensenten und den Verlagen. Und selbst wenn das klappt, kann das Spiel trotz etlicher Erw\u00e4hnungen sich nicht verkaufen. Denn geben wir es zu, die meisten K\u00e4ufer kennen die meisten Blogger\/YouTuber\/Podcaster nicht. Aber K\u00e4ufer w\u00e4ren da nochmal eine andere Gruppe. Und das wollte ich heute nicht betrachten.<\/p>\n<p>&#8211;<\/p>\n<p>*Aus dem Feedback, der letzten zwei Artikel, wei\u00df ich, dass die nicht von allen vollst\u00e4ndig gelesen wurden oder ich zu bl\u00f6d bin zu erkl\u00e4ren, was ich sagen m\u00f6chte. Das ist wie mit Anleitungen von Spielen. Die werden auch oft nicht korrekt gelesen oder bl\u00f6d geschrieben und die Spiele werden dann falsch gespielt, aber das ist wie der Kollege am Anfang sagt, heute mal egal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich eines immer wieder sehe, dann wie sehr in dem gr\u00f6\u00dfer werdenden Brettspiel-Business die Meinungen aufeinander klatschen. Es gibt ja vier gro\u00dfe Gruppen. Diese sind in etlichen Bereichen \u00fcberlappend, aber f\u00fcr meine Betrachtung tut es das heute mal. 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