{"id":19076,"date":"2019-11-10T17:56:20","date_gmt":"2019-11-10T15:56:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=19076"},"modified":"2019-11-17T20:27:40","modified_gmt":"2019-11-17T18:27:40","slug":"kein-lorbeeer-fuer-den-aussteiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/11\/10\/19076\/","title":{"rendered":"Kein Lorbeeer f\u00fcr den Aussteiger"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin inzwischen Ex-Jury-Mitglied. Ich war nie in der Jury Spiel des Jahres, aber ich war die letzten drei Jahre in der innoSpiel-Jury. Als wir mit dem InnoSpiel Preis vor inzwischen drei Jahren angefangen haben, war da nur die Idee von Frau Metzler einen Preis zu haben der deutlich macht, dass es Innovationen gibt, dass diese auch Motor sind unsere Szene, unser Business voranzutreiben und die gew\u00fcrdigt werden m\u00fcssen. Es war Frau Metzler die uns als bunte Truppe ((Michael Blum\u00f6hr, Chriswart Conrad, Karsten H\u00f6ser, Nadine Pick, Christoph Post und ich) zusammengew\u00fcrfelt hat und wir haben als solche an allem gefeilt, was den Preis jetzt ausmachen d\u00fcrfte aber genug offengelassen, dass der Preis noch weiterwachsen kann. Wir hatten Diskussionen \u00fcber den Namen des Preises, welche Spiele daf\u00fcr in Frage kommen und vor allem, was wir als innovativ ansehen. Und da kann alles dazugeh\u00f6ren, wie die neun Nominierten in dieser Zeit schon deutlich machen.<\/p>\n<p>Nun bin ich aus der Jury ausgetreten und zwei andere Kollegen f\u00fcllen die L\u00fccke. Aber warum bin ich ausgetreten? Seit dem ersten Jahr habe ich von den Leuten geh\u00f6rt, ein toller Preis, aber was machst du in der Jury? Ich habe das von anderen Verlagen geh\u00f6rt. Ich habe das von Autoren geh\u00f6rt. Ich habe das von anderen Journalisten geh\u00f6rt. Ich habe das sogar von regul\u00e4ren Spielern geh\u00f6rt. Woher kommt diese Frage?<\/p>\n<p>Transparenz und Vertrauen sind heute sehr wichtige G\u00fcter. Vermutlich viel wichtiger als sie es fr\u00fcher waren, ohne dass die Leute sich je vorstellen konnten das sie nicht wichtig waren. Im Jahre 2001 traten etliche Mitglieder der Jury Spiel des Jahres aus. Auch wenn die Aussagen sehr schwammig sind und die Spielbox damals zwar 8 Seiten dazu gef\u00fcllt hatte, so erscheint es nicht immer deutlich. 2 Gr\u00fcnde sind mir in Erinnerung geblieben zu sein.<\/p>\n<p>Zum einen waren einige Mitglieder nicht ausreichend vorbereitet und hatten zum Teil keine Ahnung f\u00fcr was sie da abstimmten. Ein Umstand, den ich gut verstehen kann, aber einer der definitiv schon lange nicht mehr gilt. Die Jury ist dank moderner Medien noch st\u00e4rker mit einander im Gespr\u00e4ch und tauscht sich regelm\u00e4\u00dfig aus. Da wird wirklich viel gespielt.<\/p>\n<p>Zum anderen war es die Verkn\u00fcpfung mit dem Archiv in Marburg. Da flossen wohl Gelder in die Subvention des Archivs und auch sonst war das wohl alles nicht ganz sauber in den Augen der Austretenden. Der Umstand ist etwas was die Jury aber sehr stark bek\u00e4mpft hat. Keiner in der Jury darf irgendeine Verbindung zu einem Verlag haben oder zu einem Vertrieb oder auch nur zu einem Autor. Kein Jurymitglied erh\u00e4lt Geld von der Jury f\u00fcr sein T\u00e4tigkeit und erst durch den Ausstieg von Wieland Herold beispielsweise konnte sein Sohn nun selber ein Spiel ver\u00f6ffentlichen. Eine saubere Trennung.<\/p>\n<p>Und diese scharfe Trennung tr\u00e4gt die Jury nach au\u00dfen. Aber da geht es um die Jury, und da geht es im Geld. Und immer, wenn es um Geld geht ist Transparenz um so wichtiger. Beim innoSpiel geht es nicht um Geld. Weder hat auch nur ein Jurymitglied Geld bekommen, noch nimmt der Merz-Verlag mit dem Logo Geld ein. Das hei\u00dft nicht, dass man keine Transparenz walten lassen muss. Und deswegen wurde die Jury auch nicht verheimlicht, sondern bekannt gemacht und auf die B\u00fchne geschickt bei der Preisverleihung.<\/p>\n<p>Die innoSpiel-Jury ist sogar vielseitig, etwas was wir als St\u00e4rke nutzen konnten und wollten. Da gibt es nicht nur gestandene Journalisten, sondern auch die H\u00e4ndlerin, den Autor und mich als Verleger. Wir hatten in mehreren Meetings und regem Austausch unsere Sichtweise eingebracht und wir haben auch diskutiert was Innovation f\u00fcr jeden von uns bedeutet. Und ich denke wir haben auch alle dabei was gelernt. Wir haben unsere Sicht auf Produkte in Diskussionen gesch\u00e4rft und festgestellt das manchmal die Innovationen klein und manchmal gro\u00df sind. Manchmal sind sie ein gro\u00dfer Wurf und manchmal ein feines Rad. Manchmal mechanisch und manchmal thematisch. Manchmal kann man sie gut sehen oder springen einen an und manchmal muss man sie selber ersp\u00fcren und erleben, um zu begreifen was da passiert. Und vieles war nur m\u00f6glich, weil wir von verschiedenen Seiten gekommen sind.<\/p>\n<p>Neben den drei Siegern und den sechs weiteren Nominierten hatte ich in den drei Jahren auch etwa 100 Spiele erlebt welche innovativ waren aber leider nicht gut. Spiele wo es einen selber schmerzt zu sehen, welch grandiose Idee da nicht zu Ende bearbeitet wurde. Gleichzeitig aber zu wissen, ich h\u00e4tte es selber vielleicht nicht besser machen k\u00f6nnen bringt einen auf den Boden zur\u00fcck. Es hat auch meine Sicht auf Innovation gesch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Und das ist und war auch m\u00f6glich, weil wir halt alle einen anderen Hintergrund in dieser Jury haben. Jeder bringt seine eigene Sicht auf die Produkte und was sie erf\u00fcllen m\u00fcssen. Und ich glaube das diese verschiedenen Sichten den Preis eher st\u00e4rken und ihm mehr Charakter und Wert verleihen. Aber ich (und scheinbar nur ich) wurde aber auch in jedem Jahr gefragt, was ich in dieser Jury mache. Eine Frage die mich Zwang in eine Verteidigungshaltung zu gehen, eine Haltung, die ich nicht m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Unterm Strich habe ich die Jury nun verlassen, weil ich meine Zeit anderen Aufgaben in Zukunft widmen m\u00f6chte und nicht wegen all der Fragen. Und wenn die Aufgaben vor mir nicht w\u00e4ren, w\u00fcrde ich noch in der Jury sitzen.<\/p>\n<p>Es bringt einen aber auch zum Nachdenken, was der Szene, dem Business fehlt. Was ist das Ziel von Preisen und Auszeichnungen? Zum einen sollen sie einen Wegweiser f\u00fcr Leute darstellen, die nicht so tief in der Materie stecken. Zum anderen sollen sie aber auch Anerkennung f\u00fcr Erfolge und Resultate bringen. Echte Highlights sollen unterstrichen werden.<\/p>\n<p>Der P\u00f6ppel des Spiel des Jahres wird oft als der Oscar der Brettspielszene bezeichnet. Aber der Oscar ist so viel mehr. Er steht daf\u00fcr das eine gesamte Wirtschaft sich selber feiert. Sie sind vor allem Anerkennung f\u00fcr alle die an dem Erfolg mitarbeiten. Hier wird nicht nur der beste Film ausgezeichnet, sondern auch die beste Regie, die beste Kamera, die beste Musik, der beste Schnitt und viele weitere in derzeit insgesamt 24 Kategorien. Und das seit 1929. V\u00f6llig Neidfrei w\u00e4hlen dabei Schauspieler die Leistung anderer Schauspieler. Regisseure die Leistung anderer Regisseure und B\u00fchnenbildner die Leistung anderer B\u00fchnenbildner. Es ist ein Preis aus dem Business f\u00fcr das Business. Und das funktioniert, weil nicht der Neid und die Gier daf\u00fcr im Vordergrund stehen, sondern die Leistung und die Anerkennung.<\/p>\n<p>Wenn ich an Treffen in Willingen, Oberhof, Mallorca oder G\u00f6ttingen schaue, dann merke ich das wir Verlage in Deutschland ein gepflegtes Miteinander k\u00f6nnen. Wir arbeiten zusammen und helfen uns Gegenseitig. Ohne dass wir uns nur als Konkurrenten begreifen. Denn wenn es allen besser geht, dann geht es auch dem Business f\u00fcr alle besser. Und ich w\u00fcnschte mir wir k\u00f6nnten gute Arbeit der Redakteure auszeichnen oder grandiose Marketingkampagnen die den Markt f\u00fcr alle St\u00e4rken. St\u00e4rkung durch positive Belohnungen. Durch Auszeichnungen.<\/p>\n<p>Im Brettspielmarkt gibt es zwei gro\u00dfe Preise.<\/p>\n<ul>\n<li>Der Spiel des Jahres ist der Preis der (ausgew\u00e4hlten) Presse.<\/li>\n<li>Der Deutsche Spielepreis ist der Preis der Spieler.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber &#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>Wo ist der Preis des Handels?<\/li>\n<li>Wo ist der Preis der Verlage?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich w\u00fcrde mir einen Preis w\u00fcnschen, den die Verlage vergeben. Und einen der nicht nur f\u00fcr Spiele ist, sondern vor allem auch f\u00fcr Personen. Denn Gesellschaftsspiel kommt nicht nur vom geselligen Spielen zusammen, denn das ist auch nur ein (wenn auch vermutlich der gr\u00f6\u00dfte) Teil der Spieler, sondern auch vom Austausch und der Gesellschaft, f\u00fcr die sie steht. Und am Ende stehen auch die K\u00f6pfe f\u00fcr das soziale Miteinander.<\/p>\n<p>Wir haben kleine Preise die versuchen L\u00fccken zu f\u00fcllen, wie den a la carte Preis das beste Kartenspiel auszeichnet oder den Graf Ludo, der sich um die Illustrationen und die optische Pr\u00e4senz, aber rundum ist das noch nicht. Warum sollten Verlage in Deutschland nicht auch die Leistung anderer Verlage in Deutschland anerkennen. Warum sollte eine Gruppe, wie die Spieleverlage e.V. nicht nur versuchen die Verlage beim Marketing zu unterst\u00fctzen, sondern auch bei all ihrer anderen Arbeit.<\/p>\n<p>Der innoSpiel will nicht dieser Preis sein, aber er er\u00f6ffnet Dimensionen. Er ist verst\u00e4ndlich und transparent. Er f\u00fcllt diese L\u00fccke durch die Kombination vieler verschiedener Teilnehmer. Er erg\u00e4nzt das Angebot hervorragend. Ein bisschen betrauere ich die Jury verlassen zu haben, aber den Blick, den ich in den 3 Jahren gewonnen habe, betrachte ich als etwas, dass ich nicht vergessen m\u00f6chte. Und vielen Dank an Dominique f\u00fcr die Chance mich einbringen zu k\u00f6nnen und von einem tollen Team was gelernt zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin inzwischen Ex-Jury-Mitglied. Ich war nie in der Jury Spiel des Jahres, aber ich war die letzten drei Jahre in der innoSpiel-Jury. 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