{"id":19009,"date":"2019-10-06T22:03:28","date_gmt":"2019-10-06T20:03:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=19009"},"modified":"2019-10-06T22:03:28","modified_gmt":"2019-10-06T20:03:28","slug":"der-kleinste-gemeinsame-nenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/10\/06\/19009\/","title":{"rendered":"Der kleinste gemeinsame Nenner"},"content":{"rendered":"<p>Es mag den einen oder anderen \u00fcberraschen, aber es macht mir keinen Spa\u00df ein Spiel schlecht zu beurteilen oder gar zu zerrei\u00dfen. Sp\u00e4testens wenn man Spieleautoren pers\u00f6nlich kennen gelernt hat oder auch die Entwicklung eines Spiels vom Prototypen zum fertigen Produkt gesehen hat, geht ein vernichtendes Urteil nur schwer von der Hand. Aber nicht nur mir geht es so. Andere fahren auch oft ein hartes Urteil etwas herunter. So ist ein Spiel zum Beispiel \u201cnicht ganz schlecht\u201d, oder \u201cf\u00fcr andere Gruppen bestimmt gut geeignet\u201d, oder auch \u201cnur f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nicht so gelungen\u201d. Eine solche Differenzierung machen zu wollen ist v\u00f6llig menschlich und auch richtig. Spiele lassen sich nur selten in ein schlichtes Gut\/Schlecht-Schema pressen.<\/p>\n<p>Aber nur weil man feststellt, dass Dinge nicht nur schwarz oder wei\u00df sind, hei\u00dft das ja noch lange nicht, dass es Schwarz und Wei\u00df nicht gibt. Darum habe ich mal in verschiedenen Onlinekreisen und auch Offline-Runden die Frage in den Raum geworfen, was denn ein Spiel leisten muss, damit man es als schlecht bezeichnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Antworten waren unterschiedlichster Art. So galt f\u00fcr manche ein Spiel als schlecht, wenn man nur wenig Einflussnahme auf das Geschehen hatte. Noch schlimmer, wenn das noch mit langer Spieldauer verbunden war. Unverst\u00e4ndliche Regelwerke, nicht intuitive Mechanismen oder umst\u00e4ndliche Spielabl\u00e4ufe wurden erw\u00e4hnt. Mit anderen Worten die Spielbarkeit war hier von gro\u00dfer Bedeutung. Damit ein Spiel schlecht sei, muss die Spielbarkeit vekorkst sein.<\/p>\n<p>Andere Antworten stellten eher pers\u00f6nliche Erfahrungen in den Vordergrund: fehlender Spa\u00df, \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoher Frustfaktor und \u00e4hnliches. Auch das war nachvollziehbar. Aber wer Spiele rezensiert, kann solche Kriterien nat\u00fcrlich nicht als Ma\u00dfstab nehmen und erwarten ernst genommen zu werden. Ein Spiel haushoch zu verlieren und sich dar\u00fcber zu \u00e4rgern, sollte nicht die Grundlage sein, weshalb man ein Spiel ablehnt. Von Vielspielern und Rezensenten erwartet man mehr.<\/p>\n<p>Oft kamen aber auch ausweichende Antworten auf meine Frage. So zum Beispiel die Feststellung, dass Qualit\u00e4t relativ sei und das Urteil zu einem Spiel von den Erwartungen daran abh\u00e4ngt. Oder die Erkenntnis, dass Qualit\u00e4t subjektiv empfunden wird, und daher nicht f\u00fcr jeden Spielertyp benannt werden kann. Oder auch der Einwand, dass Qualit\u00e4t sich aus ganz vielen unterschiedlichen Punkten zusammensetzt. Diese Aussagen sind zwar alle inhaltlich zutreffend, aber schienen mir das eigentliche Thema zu verfehlen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich steckt ja im Kern der Frage die Annahme, dass ein Urteil \u00fcber ein Spiel nur dann fundiert sein kann, wenn es zumindest eine Grenze gibt, die ein Spiel zumindest theoretisch unterschreiten k\u00f6nnte. Wenn es kein schlechtes Spiel gibt, welchen Wert hat es dann ein anderes gut zu nennen?<\/p>\n<p>Ich halte die Auseinandersetzung mit dieser Frage f\u00fcr durchaus wichtig. Zumindest wenn man sich die M\u00fche machen will Spiele qualitativ zu ordnen, um beispielsweise gute Rezensionen zu schreiben. Dabei geht es nicht darum die einzig wahre und richtige Grenze zu finden, die ein schlechtes Spiel von einem guten unterscheidet. Wenn es so etwas g\u00e4be, dann br\u00e4uchte man kaum mehr als eine Hand voll Leute, die \u00fcber das gesamte Hobby urteilen. Dann w\u00e4re Spielekritik nur wenig mehr als ein Benchmark-Test, den fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch eine Maschine aus\u00fcben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber eine gute Spielkritik ist eben mehr als das. Eine kritische Auseinandersetzung \u00fcbersteigt das simple Wiedergeben der eigenen Spielerfahrung. Was man gespielt hat und wie es sich angef\u00fchlt hat, ist eben nur der Anfang. Eine gute Kritik analysiert das eigene Erlebnis und sucht die Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Sie benennt die Elemente des Spiels, die zu den Momenten f\u00fchrten, die f\u00fcr dieses Spiel typisch sind. Sie erkennt Ursache und Wirkung der einzelnen Bestandteile des Spiels und legt sie, wenn m\u00f6glich, f\u00fcr alle offen. Vor allem aber, arbeitet sie darauf hin am Ende ein Urteil \u00fcber all diese Dinge zu f\u00e4llen. Ein Urteil, welches in seiner einfachsten, primitivsten und grundlegendsten Funktion nun einmal zwischen gut und schlecht unterscheiden muss. Genau das ist eben um ein Vielfaches schwieriger, wenn man eben nicht wei\u00df, wo das Grau endet und das Schwarz beginnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es mag den einen oder anderen \u00fcberraschen, aber es macht mir keinen Spa\u00df ein Spiel schlecht zu beurteilen oder gar zu zerrei\u00dfen. Sp\u00e4testens wenn man Spieleautoren pers\u00f6nlich kennen gelernt hat oder auch die Entwicklung eines Spiels vom Prototypen zum fertigen Produkt gesehen hat, geht ein vernichtendes Urteil nur schwer von der Hand. 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