{"id":18928,"date":"2019-09-15T12:07:02","date_gmt":"2019-09-15T10:07:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18928"},"modified":"2019-09-15T21:47:05","modified_gmt":"2019-09-15T19:47:05","slug":"ich-dachte-du-wolltest-mich-nie-wiedersehen-wird-zu-du-hattest-mich-schon-nach-dem-hallo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/09\/15\/18928\/","title":{"rendered":"\u201eIch dachte du wolltest mich nie wiedersehen?\u201c wird zu \u201eDu hattest mich schon nach dem Hallo.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich diesen Artikel mit einem typischen Fehlschluss anfangen. Ich wollte dabei ein bekanntes Beispiel bringen und aufzeigen, wie das falsch interpretiert werden kann. Die meisten Fehlschl\u00fcsse, die mir dann aber eingefallen sind, sind ins politische abgeglitten oder haben was mit Aluhuttr\u00e4gern zu tun. Und auch wenn ich den Kampf gegen undemokratische Parteien f\u00fcr wichtig halte, so wollte ich eigentlich heute \u00fcber Brettspiele reden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/pandasaurusgames.com\/blogs\/news\/the-business-of-board-games-the-superstar-problem\">Fangen wir mit diesem Artikel an<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.boardgamegeek.com\/blogpost\/94438\/business-board-games-superstar-effect\">auch auf BGG<\/a>). Nathan McNair, der Autor des Artikels, ist einer der Eigent\u00fcmer von Pandasaurus und er hat in etwa dreieinhalb Tausend W\u00f6rtern erkl\u00e4rt was das Problem mit seltenen Spielen ist. Da ich nicht davon ausgehen m\u00f6chte, dass alle den Artikel gelesen haben (ich w\u00fcrde es dennoch empfehlen und warte hier auch so lange), gebe ich mal eine Zusammenfassung: Es geht darum, dass sich eine gro\u00dfe Menge an Leuten dar\u00fcber beschwert, dass es schwierig ist bestimmte Spiele zu erhalten und dass der Vorwurf aufkommt, diese werden mit Absicht selten gehalten, damit der Verlag mehr Reibach machen kann, was aber kompletter Bl\u00f6dsinn ist.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt warum es Bl\u00f6dsinn ist. Es ist schwer zu sagen, welches Spiel erfolgreich sein wird und wie man eigentlich \u2013 selbst mit Vorhersagen \u2013 das nicht absch\u00e4tzen kann. Denn die einzige Hilfe die Verlage haben, sind Gro\u00dfh\u00e4ndler, welche sich wiederum auf H\u00e4ndler st\u00fctzen m\u00fcssen, welche wiederum einsch\u00e4tzen m\u00fcssen, wie ihre Kunden reagieren. Und Vorhersagen sind nicht immer so wissenschaftlich wie beim Wetter. Doch selbst wenn Meteorologen inzwischen so gut sind das Wetter f\u00fcr morgen vorherzusagen, sie scheitern oft genug schon an \u00dcbermorgen. Die wirklich erfolgreichen Trader an den B\u00f6rsen haben Insiderinfos oder Gl\u00fcck oder sind einfach schneller als die meisten. In den Medien wird das nur anders vermittelt.<\/p>\n<p>Nathan f\u00e4ngt erst an zu erz\u00e4hlen, wie schwer das Risiko abzusch\u00e4tzen ist, und wie konservativ gearbeitet wird. Das mit garantierten 5.000 St\u00fcck besser gelaufen wird, als mit 10.000 Exemplaren, von denen die H\u00e4lfte \u00fcbrigbleibt. Ganz normale Risikoabsch\u00e4tzung, die eigentlich jeder Spieler eines Eurospiels im Blut haben m\u00fcsste, nur im echten Leben scheinbar nicht aufrufen kann. Wenn das Spiel ein Erfolg wird, wird sofort nachgedruckt. Das (un)tolle ist, dass das nat\u00fcrlich nicht am n\u00e4chsten Tag im Laden ist, sondern schon mal locker 3 Monate dauern kann. Im immer schneller werdenden Brettspielbusiness, wo ein Essen-Hit im Dezember schon kalter Kaffee ist, ist das nat\u00fcrlich zu lang f\u00fcr den Kunden.<\/p>\n<p>Ich muss gestehen, dass ich pers\u00f6nlich bisher nicht in der Situation war nicht liefern zu k\u00f6nnen. Keins der Spiele, die ich auf den Markt geworfen habe, waren solche Hits bisher. Daher kann ich das nur aus der Ferne betrachten. Aber er hat Recht. Es ist nicht so einfach. Und je mehr spezielle Teile ein Spiel hat, wie etwa Fl\u00fcgelschlag mit seinen Eiern, desto l\u00e4nger kann es dauern bis das nachproduziert ist. Aber das ist dann auch die Aufgabe eines Verlages, das im Blick zu haben und im Notfall reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dann nimmt der Artikel aber eine Wendung.<\/p>\n<p>Auf einmal geht es nicht mehr um die Superstars, sondern ums Risiko und was das f\u00fcr Pandasaurus bedeutet. Und auch wenn ich die Aussagen verstehe und f\u00fcr richtig empfinde, sie als Ergebnis des Artikels hinzustellen ist einfach ein Fehlschluss.<\/p>\n<p>Distributoren reduzieren ihr Risiko, indem sie in die Breite gehen. Wenn sie das Kapital auf mehr Spiele verteilen, kann im Notfall das eine das andere auffangen. H\u00e4ndler machen das auch auf ihre Weise. Sie haben ein sehr breites Sortiment, oft von verschiedenen Distributoren eingekauft, um ihr Risiko noch weiter zu streuen. Das ist nicht neu. Das macht die Musikindustrie auch schon ewig, und das macht auch Hollywood. Wenn von 10 Filmen einer ein Hit wird, und zwei sich selber tragen, darf der Hit die anderen sieben mitfinanzieren. Alles nichts neues.<\/p>\n<p>Aber Nathan geht den Jerry Maguire-Ansatz. Weniger Spiele mit mehr Betreuung. <a href=\"https:\/\/www.alderac.com\/2019\/04\/25\/publish-fewer-new-games\/\">Auch John Zinser von AEG geht diesen Ansatz<\/a>. Und wei\u00df damit zu k\u00e4mpfen. Und ich finde diesen Ansatz auch richtig und nachvollziehbar. Warum halbgare Ware auf den Markt werfen?<\/p>\n<p>Das Problem kommt, wenn man bei Jerry Maguire die letzten 10 Minuten wegl\u00e4sst. Denn Jerry war ein gebeutelter Mensch kurz vor Ende. Er hatte alles verloren. Und wenn das Gl\u00fcck, wie es in einem Film dazu geh\u00f6rt, nicht eintrifft, dann w\u00e4re es nie passiert, dass es funktioniert h\u00e4tte. Deswegen macht Hollywood auch 10 Filme, statt dem einen der ein Hit wird. Sie wissen es auch nicht. Aber dem Publikum will man ein Happy End geben, denn sonst geht es unzufrieden aus dem Kino.<\/p>\n<p>Nathan hat in seinem Artikel am Ende gesagt warum nur Spiele nach dem Prinzip 3.000 St\u00fcck und durch, und dann zum n\u00e4chsten Spiel eine Option sind. Und die Wahrheit ist, weil es die Rechnungen bezahlt. Und wenn was h\u00e4ngen bleibt und es ein Riesenhit wird, dann k\u00f6nnen aus den 3.000 gerne 30.000 werden. Und wie Nathan schon vorher schrieb, wer wei\u00df schon, welches Spiel ein Erfolg wird. Wenn ich mich ins Zeug lege, um das gro\u00dfe Spiel zu machen und es wird \u2013 um bei Nathans Analogie zu bleiben \u2013 nur Little Root und nicht Root, dann habe ich es nicht geschafft. Dann kann es sein, dass ich am Ende einfach pleite bin. Warum soll ein Publisher nicht auch sein Risiko streuen d\u00fcrfen und lieber drei statt nur einem Spiel machen?<\/p>\n<p>Der Ansatz, weniger Spiele zu machen und diese besser zu betreuen ist richtig. Gehen kann ihn aber eigentlich nur jemand, der das finanzielle Polster hat, falls es nicht funktioniert. <a href=\"https:\/\/www.alderac.com\/2019\/09\/13\/publish-fewer-games-autopsy-1-do-you-believe-in-this-thing\/\">AEG hat mit Thunderstone Quest und Mysthic Vale eine gro\u00dfe Aufmerksamkeit und viel Umsatz<\/a>. Das kann helfen. Hans im Gl\u00fcck hat mit Carcassonne ein Spiel, das den gesamten Verlag finanziert und wenn die zwei Spiele, die sie im Jahr machen, nichts werden, gehen sie davon nicht Pleite. Kosmos hatte schon viele Gl\u00fccksgriffe mit Catan, Ubongo, Andor und nun auch noch Exit, oder wie ich zu sagen Pflege: K\u00f6nnen ist, wenn Gl\u00fcck zur Gewohnheit wird. Da kann ein Fundament der Ewigkeit, was dann im Markt nicht so funktioniert, kein Beinbruch sein. Asmodee hat bei ihren Zuk\u00e4ufen sehr wohl darauf geachtet starke Titel unter ihre Hand zu bekommen. Sie haben in den USA Catan und Carcassonne und Zug um Zug und Agricola und vieles mehr.<\/p>\n<p>Aber wenn ein kleiner Verlag nach einem oder zwei Spielen wieder verschwindet, kann es daran liegen, dass alles auf ein Pferd gesetzt wurde, und es wurde verloren.<\/p>\n<p>Nathan hat da zwei wundervolle Artikel geschrieben, die leider zu einem zusammengewachsen sind. Beide haben ihre Berechtigung und sind richtig. Aber miteinander zu tun haben sie nichts. Da eine Verbindung zu sehen, w\u00e4re f\u00fcr mich ein klassischer Fehlschluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich diesen Artikel mit einem typischen Fehlschluss anfangen. Ich wollte dabei ein bekanntes Beispiel bringen und aufzeigen, wie das falsch interpretiert werden kann. Die meisten Fehlschl\u00fcsse, die mir dann aber eingefallen sind, sind ins politische abgeglitten oder haben was mit Aluhuttr\u00e4gern zu tun. 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