{"id":18895,"date":"2019-09-08T13:25:17","date_gmt":"2019-09-08T11:25:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18895"},"modified":"2019-09-08T22:12:16","modified_gmt":"2019-09-08T20:12:16","slug":"das-goldene-kalb-des-wiederspielwerts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/09\/08\/18895\/","title":{"rendered":"Das goldene Kalb des Wiederspielwerts"},"content":{"rendered":"<p>In der Vorbereitung auf die Neuerscheinungen im Oktober habe ich mir eine Vielzahl an Rezensionen und Spielvorstellungen zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt, um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, welche der dort angebotenen Spiele sich f\u00fcr mich lohnen k\u00f6nnten. Manches Lob wiederholte sich dabei oft von einem Spiel zum n\u00e4chsten. So scheint ein geringes Zufallselement bei vielen Kritikern auf Gegenliebe zu sto\u00dfen, wird doch oft erw\u00e4hnt wie man es durch taktisches Spiel umgehen kann. Gelegentlich wird auch gelobt, wenn ein Verlag statt der allgegenw\u00e4rtigen Plastikminiaturen, eher auf klassische Holzspielsteine setzt.<\/p>\n<p>Aber die lobenswerte Erw\u00e4hnung, die mir am h\u00e4ufigsten im Ged\u00e4chtnis blieb, war der Wiederspielwert eines Spiels. Wie oft kann man das Spiel auf den Tisch packen, bevor man es ausgespielt hat? Auf den ersten Blick ist dieses Argument auch nachvollziehbar. Schlie\u00dflich will man ja etwas f\u00fcr sein Geld haben. Ein Spiel welches man immer wieder spielt, rentiert sich finanziell offensichtlich. Was f\u00fcr einen einen Sandwichtoaster oder W\u00e4schetrockner gilt, kann ja f\u00fcr ein Spiel nicht falsch sein.<\/p>\n<p>Aber das ist eine Sicht auf Spiele, die eher den Gebrauchsgegenstand sieht als das Kulturobjekt. Bei einem Film oder Buch leiten wir die Qualit\u00e4t ja auch nicht davon ab, ob wir lange genug brauchen um zum Ende zu kommen, damit sich die Investition gelohnt hat. Keine davon punkten damit, dass wir uns lange daran abarbeiten m\u00fcssen. Stattdessen bewerten wir die emotionale Erfahrung, die das Filmschauen oder Buchlesen ausgel\u00f6st hat. Ich wage zu behaupten, dass ein Spiel auch wegen dieser emotionalen Erfahrung in Erinnerung bleibt und gesch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p>Da sich aber die \u00dcberzeugung breit gemacht hat, dass man ein gutes Spiel auch am hohen Wiederspielwert erkennen kann, legen Autoren und Spieleentwickler Wert darauf, auch das zu liefern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18896\" aria-describedby=\"caption-attachment-18896\" style=\"width: 351px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18896\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"351\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-700x394.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-370x208.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-270x152.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-570x321.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-889x500.jpg 889w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130350-740x416.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 351px) 100vw, 351px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18896\" class=\"wp-caption-text\">Mit nur wenigen Kniffen immer wieder zur Weltherrschaft<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein h\u00e4ufiges Hilfsmittel mit dem man den K\u00e4ufer von einem guten Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis \u00fcberzeugen kann, ist variabler Spielaufbau oder Regelrahmen. So gibt es viele, die etwa Kingdom Builder von Donald X. Vaccarino f\u00fcr die hohe Varianz bei der abschlie\u00dfenden Punktewertung und dem modularen Spielplan loben. Hier gelten mal diese und mal jene Regeln, wenn es um Sonderaktionen geht, oder was durch Siegpunkte belohnt wird. Beim etwas weniger bekannten Nefarious greift er eine \u00e4hnliche Idee auf. In jedem Spiel werden zuf\u00e4llig zwei der insgesamt 50 Regelkarten eingebunden. Diese ver\u00e4ndern den Spielablauf nur unwesentlich. Die Knobelei, die dem Spiel zu Grunde liegt, wird auf feink\u00f6rnige Weise ver\u00e4ndert. Mal kostet eine Aktion etwas mehr, oder eine andere wird etwas ertragreicher.<\/p>\n<p>Der Wiederspielwert dieser Spiele spricht vor allem die Neugier der Spieler an. Die n\u00e4chste Spielrunde mag zwar zu fast 90% identisch sein, aber es sind die kleinen Abweichungen und Besonderheiten, die man erforschen will.<\/p>\n<p>Ein Spiel kann aber auch v\u00f6llig statisch bleiben und aufgrund seiner Komplexit\u00e4t ein wiederholtes Spielen einfordern. Wenn die einzelnen Regelkomponenten ausreichend miteinander verzahnt sind, kann es schwer sein die Zusammenh\u00e4nge beim ersten, dritten oder sogar neunten Mal zu begreifen. Man arbeitet sich als Spieler daran ab, bis man zum ersehnten Aha-erlebnis gelangt. Statt von jeder Wendung im Spielverlauf aus der Bahn geworfen zu werden, sehnt man sich danach kompetent genug zu sein, um sich dem Auf und Ab des Spiels selbstsicher stellen zu k\u00f6nnen. Dies ist vor allem bei komplexen Strategiespielen zu erkennen. Aber auch stark asymmetrische Spiele wie z.B. <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/root\/\">Root<\/a>, locken Spieler mit ihrer Undurchschaubarkeit.<\/p>\n<p>Diese Spiele wecken nicht unbedingt die Neugier, sondern vielmehr den Ehrgeiz die Herausforderungen endlich zu meistern. So legt Root nahe es mindestens vier Mal zu spielen, damit man auch jede Fraktion im Spiel ausprobieren konnte. Aber am besten gleich acht Mal, um wirklich zu kapieren, was am Tisch passiert und wie man am Besten damit umgeht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18897\" aria-describedby=\"caption-attachment-18897\" style=\"width: 169px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18897 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-169x300.jpg 169w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-394x700.jpg 394w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-84x150.jpg 84w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-768x1365.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-864x1536.jpg 864w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-370x658.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-270x480.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-570x1013.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-281x500.jpg 281w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-740x1316.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190908_130534-e1567941056342-scaled.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18897\" class=\"wp-caption-text\">Die Kosten f\u00fcr dieses Motiv lassen sich nur sch\u00e4tzen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn die Feinjustierungen durch Regelabwandlungen oder die Tiefe durch Komplexit\u00e4t das Spiel nicht wiederholt auf den Tisch bringen, kann man aber auch zu Modularit\u00e4t greifen. In diesem Fall wird das Spiel in Einzelteilen konzipiert, die man nach Lust und Laune kombinieren kann. In seiner reinsten Form findet man sich hier beim Trading Card Game (TCG), Collectible Card Game (CCG) oder auch Living Card Game (LCG) wieder. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wird das Spiel hier durch neue Regelbausteine erweitert oder ver\u00e4ndert. Neue Kartens\u00e4tze f\u00fchren neue Regelideen ein, oder kombinieren bereits bestehende Regeln auf spezifische Art und Weise neu miteinander. Es ist hier besonders beliebt das Verh\u00e4ltnis zwischen Vorteilen und Beschr\u00e4nkungen der Karte zu variieren, um leicht andere Kartenkombinationen im Kartensatz zu erlauben. Der Deckbau, der bei Spielen wie Android Netrunner einen wichtigen Bestandteil des Spielerlebnisses darstellt, lebt vor allem von seiner \u00fcberw\u00e4ltigenden Anzahl an Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten. Der bastelfreudige Spieler kann sich hier nach Belieben austoben.<\/p>\n<p>In kleinerem Rahmen ist dies nat\u00fcrlich auch mit Erweiterungen m\u00f6glich, welche selbst unterschiedliche Module anbieten, die man in das bekannte Grundspiel einbinden kann. Dabei kann so eine Erweiterung auch mal das Spielkonzept sogar tiefgreifend umkrempeln. So l\u00e4sst sich die kooperative Spielform bei Pandemie mit Hilfe des Bio-Terroristen in ein kompetitives Spiel verwandeln. Aber auch die Umkehrung von kompetitiv zu kooperativ ist m\u00f6glich, wie es Orl\u00e9ans zeigt. Diese Module versprechen ein sp\u00fcrbar anderes Spielerlebnis und sollen die Gruppe dazu bewegen das Spiel erneut zu spielen.<\/p>\n<p>Dem einen oder anderen f\u00e4llt vielleicht auf, dass diese Versuche den Wiederspielwert zu erh\u00f6hen vor allem darauf abzielen das Spiel reizvoller f\u00fcr die Gruppe zu machen. Es soll die Lust auf das Spiel erneut geweckt werden. Das macht solche Design- und Produktentscheidungen dann auch zu einer Art Glutamat des Brettspiels. Es ist weniger eine wichtige Zutat mit der das Spiel s\u00e4ttigender wird, sondern ein k\u00fcnstlicher Geschmacksverst\u00e4rker, der das Erlebnis lediglich verl\u00e4ngert oder intensiver macht.<\/p>\n<p>Das soll nicht hei\u00dfen, dass ich einen hohen Wiederspielwert f\u00fcr etwas Schlechtes halte. Aber es scheint mir, dass wir hier zu schnell Ursache und Wirkung vertauschen. Es ist nicht der Wiederspielwert, der die Qualit\u00e4t des Spiels erh\u00f6ht. Vielmehr ist es die hohe Qualit\u00e4t des Spiels, welche den Wiederspielreiz liefert, der uns immer wieder an den Tisch lockt.<\/p>\n<p>So ist es mir zum Beispiel vor kurzem mit der spanischen Kartenspiel-Reihe Sherlock (im Vertrieb von Abacusspiele) ergangen. Es ist ein unscheinbar anmutendes Knobel- bzw. Deduktionsspiel, in dem jeder Kartensatz einen Kriminalfall erz\u00e4hlt. Dieser l\u00e4sst sich genau ein Mal spielen bzw. l\u00f6sen, bevor man das Spiel aufgebraucht hat. Die Spielerfahrung empfand ich als so spannend und erf\u00fcllend, dass ich nach der ersten Partie umgehend noch mehr spielen wollte. Die Spielidee ist so gut und elegant umgesetzt, dass ich sie wiederholt auf den Tisch bekommen will. Selbst wenn das nur mit neu gekauften F\u00e4llen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die hohe Qualit\u00e4t des Spiels l\u00e4sst sich daran erahnen, dass ich es wiederholt spielen will, nicht dass ich es wiederholt spielen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Vorbereitung auf die Neuerscheinungen im Oktober habe ich mir eine Vielzahl an Rezensionen und Spielvorstellungen zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt, um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, welche der dort angebotenen Spiele sich f\u00fcr mich lohnen k\u00f6nnten. Manches Lob wiederholte sich dabei oft von einem Spiel zum n\u00e4chsten. 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