{"id":18814,"date":"2019-08-04T12:59:33","date_gmt":"2019-08-04T10:59:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18814"},"modified":"2019-08-04T12:58:30","modified_gmt":"2019-08-04T10:58:30","slug":"wieso-weshalb-warum-wer-nicht-fragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/08\/04\/18814\/","title":{"rendered":"Wieso, weshalb, warum? &#8211; Wer nicht fragt&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wozu die ganze Spielerei? Es ist eine Frage, die im Brettspiel immer wieder mal aufkommt und deren Standardantworten sich in grob zwei Lager aufteilen lassen.<\/p>\n<p>So gibt es die Gruppe der esoterischen und idealistischen Antworten. Es geht im Spiel um das Zusammensein. Es geht darum kulturelle Werte spielen zu erleben. Um sich n\u00e4her zu kommen oder um spielend Mensch zu sein. Das ist durchaus richtig, aber in manchen Situationen vielleicht doch etwas zu weit gefasst.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch das Lager der trivialen und trockenen Antwort. Beim Spielen geht\u2019s um Spa\u00df. Wir spielen um zu Gewinnen oder um letztendlich Nichtiges. Auch diese Antworten haben in bestimmten Situationen ihre Daseinsberechtigung, aber sind oft derart tiefgestapelt, dass man sich fragen muss, warum man der Sache noch nicht entwachsen ist.<\/p>\n<p>Interessanter und meiner Meinung nach viel h\u00e4ufiger sind die pragmatischen und gewisserma\u00dfen handfesten Antworten, die gelegentlich in Worte gefasst werden aber meist eher als stillschweigend vorausgesetzt gelten.<\/p>\n<p>In den meisten Spielanleitungen findet man oft die Worte \u201cZiel des Spiels\u201d. Dort stehen in der Regel so tiefgr\u00fcndige Antworten wie: die meisten Siegpunkte erreichen oder als erster keine Karten auf der Hand haben, etc.<\/p>\n<p>Aber das Ziel einer Sache ist nicht gleichbedeutend mit ihrem Zweck. Wenn dem so w\u00e4re, dann w\u00fcrde es beim Herr der Ringe darum gehen ein verloren gegangenes Schmuckst\u00fcck zu recyclen. Die Mathearbeit w\u00fcrde nur existieren, damit Sch\u00fcler darin m\u00f6glichst viele Punkte sammeln k\u00f6nnen. Ein Ausflug w\u00fcrde lediglich in Angriff genommen werden, um wieder zu Hause anzukommen. Es w\u00e4re eine sehr alberne Sicht auf die Dinge.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18818\" aria-describedby=\"caption-attachment-18818\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-18818\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-700x465.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-370x246.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-270x179.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-570x379.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-753x500.jpg 753w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan-740x491.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/catan.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18818\" class=\"wp-caption-text\">Klaus Teubers Klassiker ist bekannterma\u00dfen ein Erfolg weil es um Siegpunkte geht<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei einem Spiel ist es \u00e4hnlich. Aus Autorensicht ist das Ziel eines Spiels die Rechtfertigung, um sich mit den mal mehr und mal weniger komplexen Herausforderungen des Designs abzugeben. Die 10 Punkte, die es bei Catan zu holen gilt, sind der Grund weshalb wir unsere Siedlung ausbauen, mit Mitspielern Ressourcen tauschen und uns dar\u00fcber \u00e4rgern, wenn der R\u00e4uber zu uns gesetzt wird. F\u00fcr die Spielerfahrung selbst, sind diese Fragen jedoch lediglich der \u00e4u\u00dfere Rahmen, den wir im Spiel mit Tiefe, Dynamik und auch Leben ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Es ist ein Ph\u00e4nomen, welches Roland Barthes bereits vorgezeichnet hat, als er feststellte, dass der Autor nun mal tot ist. Im Zusammenhang mit Literatur, verteidigte er damit den Standpunkt, dass der Autor eines Werks weder die oberste, noch die einzige Instanz ist, welche entscheidet was das Werk ausdr\u00fcckt. Ein Umstand, welcher sich im Spiel kaum deutlicher darstellen l\u00e4sst, als mit der Art wie unterschiedliche Spielgruppen das selbe Spiel spielen.<\/p>\n<p>Die einen st\u00fcrzen sich auf den Wettbewerbscharakter und ringen um jeden Punkt, jeden Vorteil und jede scharfsinnig gedeutete Regel. Andere richten ihre Aufmerksamkeit eher auf den Akt des Spiels selbst, die einzelnen Herausforderungen und Knobeleien, die sie f\u00fcr sich selbst meistern wollen. Wieder andere behandeln das Spiels als Besch\u00e4ftigung, die das pers\u00f6nliche Miteinander erg\u00e4nzt aber nur wenig Auswirkung auf Atmosph\u00e4re des gemeinsamen Abends hat. Es ist ein weites und vielfarbiges Spektrum an Spielverhalten, das hier hervortreten kann.<\/p>\n<p>Der Autor hat in jedem dieser F\u00e4lle herzlich wenig Mitspracherecht. Es sind die Spieler selbst, die sich auf die Art von Erlebnis einpendeln, die sie praktizieren werden. Faszinierend ist daran, dass dieses Einpendeln meiner Erfahrung nach fast nie im Vorfeld ausdiskutiert wird. Niemand setzt sich hin und erkl\u00e4rt haarklein, wie kompetitiv oder zur\u00fcckhaltend man spielen will. Niemand formuliert genaue Richtlinien dar\u00fcber welches Spielerverhalten in welcher Situation angemessen ist und welches gegen den guten Ton verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Das liegt aber nicht daran, dass man bei Spielenden einen weitl\u00e4ufigen Konsens voraussetzen kann. Es gibt keine Leitkultur des Spiels, welche diese Dinge festlegt. Auch ein Regelwerk kann so etwas nicht leisten. Die meisten Regelwerke sind bereits damit \u00fcberfordert den Umgang mit dem Spielmaterial vollst\u00e4ndig und nachvollziehbar wiederzugeben.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel daf\u00fcr liegt bei den Spielern selbst. Sie sind es, welche die Grenzen f\u00fcr ihre Gruppe ziehen, erforschen und in einigen F\u00e4llen auch ausloten m\u00fcssen. Gelingt das nicht, so f\u00fchrt das nicht selten zu Verstimmungen am Spieltisch, welche fernab irgendwelcher Frustration bez\u00fcglich Sieg oder Niederlage liegen. Was wom\u00f6glich als Missverst\u00e4ndnis beginnt, steigert sich schnell zu einer tiefen Unzufriedenheit mit einem Mitspieler oder &#8211; in besonders argen F\u00e4llen &#8211; zu einem passiv-aggressiven Hick-Hack, welches das Spielerlebnis nachhaltig f\u00e4rbt.<\/p>\n<p>Worum es in einem Spiel geht, handeln die Spieler aus und nicht das Regelwerk. Das gr\u00f6\u00dfte Konfliktpotential, das ich in Spielrunden mit unterschiedlichsten Mitspielern erlebt habe, haben dabei nicht unterschiedliche Ans\u00e4tze, \u00dcberzeugungen oder sogar Vorlieben. Schlie\u00dflich dauern nur wenige Spiele derart lange, dass man nicht auch mal seine Vorlieben f\u00fcr eine Spiel hinten anstellen kann.<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chliche Schwierigkeit liegt &#8211; wie so oft &#8211; in den soft skills der Spielenden begraben. Je st\u00e4rker diese ausgepr\u00e4gt sind, umso stabiler ist die unausgesprochene \u00dcbereinkuft worum es in dem Spiel geht. Man kann sich schnell und einfach an den anderen Spielern orientieren und so den Spielzweck ausloten, der f\u00fcr alle Teilnehmer angenehm und akzeptabel ist. Der Zweck eines Spiels wird erst von den Spielenden gesetzt, aber daf\u00fcr m\u00fcssen sie sich nicht nur ihres Einflu\u00df, sondern auch ihrer eigenen Absichten bewusst sein.<\/p>\n<p>Vielleicht hilft es ja doch sich zu fragen, warum man eigentlich spielt und wie man diesem Zweck im Spiel am besten nachkommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wozu die ganze Spielerei? Es ist eine Frage, die im Brettspiel immer wieder mal aufkommt und deren Standardantworten sich in grob zwei Lager aufteilen lassen. So gibt es die Gruppe der esoterischen und idealistischen Antworten. Es geht im Spiel um das Zusammensein. Es geht darum kulturelle Werte spielen zu erleben. 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