{"id":18771,"date":"2019-07-25T14:03:39","date_gmt":"2019-07-25T12:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18771"},"modified":"2019-07-25T12:06:06","modified_gmt":"2019-07-25T10:06:06","slug":"berlin-con-2019-level-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/07\/25\/18771\/","title":{"rendered":"Berlin-Con 2019 &#8211; Level up!"},"content":{"rendered":"<p>Die Berlin-Con 2019 ist nun seit einigen Tagen vorbei und mit der n\u00f6tigen Distanz l\u00e4sst sich vielleicht besser absch\u00e4tzen, wie man diese Veranstaltung einzuordnen hat. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich der Umfang als auch die Professionalit\u00e4t der Veranstaltung deutlich gesteigert hat. Das ist zum Teil der neuen \u00d6rtlichkeit anzurechnen. Statt des vertikal aufgebauten und ironisch betitelten K\u00fchlhaus, fand die Berlin-Con diesmal in der weitl\u00e4ufigeren Station Berlin statt. Das machte die Veranstaltung nicht nur einladender, sondern auch zu einem Ort an dem man sich dieses Wochenende gerne l\u00e4nger aufhielt.<\/p>\n<p>Nicht nur die Zahl der Essenst\u00e4nde auf dem Innenhof hatte deutlich zugenommen, auch die Organisation und Menge der Ausstellerst\u00e4nde hat durch den Umzug gewonnen. So erinnerte die Ausstellerhalle an die Messehallen der Spiel in Essen. Nur mit der dankenswerten Besonderheit, dass man sich gut und ohne Gedr\u00e4nge von Stand zu Stand bewegen konnte. Der Vergleich mit den Internationalen Spieletagen ist dabei in keinster Weise als Kritik, sondern ausschlie\u00dflich als Lob zu verstehen. W\u00e4hrend Berlin in den letzten Jahren in Sachen Brettspiel-Events durchaus d\u00fcnn aufgestellt war, ist der Berlin-Con sp\u00e4testens jetzt eine deutliche Ansage. Hier in Berlin wird Brett gespielt!<\/p>\n<p>Die Aufteilung des Gel\u00e4ndes in eine Aussteller- und eine Spielhalle macht aber auch sofort deutlich, dass die Berlin-Con einen anderen Schwerpunkt setzt als die Spiel. Letztere ist die wohl wichtigste internationale Neuheitenmesse der Branche. Die Berlin-Con setzt hier jedoch die Spielergemeinschaft, also die \u201cCommunity\u201d an oberste Stelle.<\/p>\n<p>Konkret l\u00e4sst sich das an der \u00fcppig aufgestellten Spielebibliothek erkennen, bei der man ohne Probleme Spiele ausleihen und vor Ort spielen konnte. Das Angebot reichte von Familienspielen oder Partyspielen wie Bang! bis hin zu schweren Brocken wie Brass Lancashire oder das nicht mehr erh\u00e4ltliche Verbotene Welten. Die oft hohe Auslastung der Spieltische zeigt dabei, dass dieses Angebot von den Besuchern mit offenen Armen empfangen wurde. Hier kamen frisch gekauftes wie auch alte Klassiker (in diesem Zusammenhang bedeutet das Spiel aus den Jahren 2015-2018) auf den Tisch.<\/p>\n<p>Dieser Schwerpunkt auf das Spielen selbst, hebt die Berlin-Con in meinen Augen deutlich von anderen, eher nach innen gerichteten Speilveranstaltungen ab. Hier trifft sich nicht nur eine gro\u00dfe Bandbreite der lokalen Gesichter, sondern auch Spieler aus dem unmittelbaren Umland (ja, in Brandenburg sollen wieder Brettspieler wohnen), kommen hier zusammen. Es wird deutlich, dass die Berlin-Con Wasser auf den trockenen Boden der Brettspielzene in und um Berlin gie\u00dft.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentlichen Spieletreffs gibt es in Berlin durchaus nicht wenige, aber sie alle leiden ein wenig darunter, dass das Klientel dann doch spezialisierter und, ja, auch nerdiger wirkt, als es etwa eine Veranstaltung wie die Berlin-Con suggeriert. Ganz davon abgesehen, dass gerade Brettspieler es oft schwer haben toxische Pers\u00f6nlichkeiten in ihre Schranken zu weisen. Ein Problem, welches in privaten Runden mit etwas Unwohlsein gel\u00f6st werden kann; aber in \u00f6ffentlichen Veranstaltungen sich oft nur durch anhaltende Abwesenheit bemerkbar macht.<\/p>\n<p>Wenn die Berlin-Con einen Feind hat, dann ist es auch dieses Jahr wieder das Wetter bzw. die Temperaturen au\u00dferhalb und innerhalb der Hallen. So war die Ausstellerhalle aufgrund des direkten Sonneneinstrahls in einzelnen Bereichen, und geringer Luftzirkulation in den anderen eine schwei\u00dftreibende Angelegenheit; selbst wenn man nur gesessen und gespielt hat. Die Spielhalle war im direkten Vergleich einige angenehme Grad k\u00fchler. Das machte den Spielbereich ungewollt attraktiver, was sicherlich auch kein Fehler ist.<\/p>\n<p>Aufsehenerregend war in der Berlin-Con sicherlich der Flohmarkt, der bereits kurz nach \u00d6ffnen der Tore eine derart lange Warteschlange nach sich zog, dass diese sich wohl durch die gesamte Ausstellerhalle bis hin zum Laufgel\u00e4nde zog. Nachdem sowohl Aussteller als auch Brandschutz sich zu Wort meldete, legte sich der Andrang mit der Zeit. So konnten dann sp\u00e4tere Flohmarktbesucher \u00fcber ambitionierte Preisvorstellungen f\u00fcr Spiele schmunzeln, die vermuten lie\u00dfen, dass der Verk\u00e4ufer sich nicht wirklich vom Spiel trennen wollte.<\/p>\n<p>Aber Brettspieler sind nun auch oft Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger, weshalb die besonders begehrten Artikel dann auch schnell einen Abnehmer fanden und flei\u00dfige Sammler umgehend mit gro\u00dfen T\u00fcten beladen ihre Errungenschaften zum Auto schleppten. Der Flohmarkt wirkte zu Beginn der Veranstaltung wie ein alles zu sich ziehende Masse, die erst mit der Zeit an Reiz verlor. Das mag die Con kurzfristig ins Stocken gebracht haben, aber ob es eine bessere, oder sogar faire L\u00f6sung gibt, das im n\u00e4chsten Jahr anders zu handhaben, kann ich nicht einsch\u00e4tzen. Zumindest rutscht der Flohmarkt auf meiner To-Do-Liste so deutlich nach unten.<\/p>\n<p>In einem Gespr\u00e4ch mit einem der ehrenamtlichen Helfer der Berlin-Con, konnte ich auch einen kurzen Einblick dar\u00fcber gewinnen, wie Leute zur Berlin-Con und auch zum Brettspiel kommen, die nicht schon seit \u00fcber 15 Jahren Resourcen zu Siegpunkten umwandeln. So wurde Splendor zum Einsteigerspiel und Terra Mystica zum Folgespiel, mit dem das Hobby einen neuen treuen Anh\u00e4nger gewann. Auch die Mithilfe schien in diesem Fall nicht direkt \u00fcber das Hunter&amp;Cron-Fan-Dasein zu kommen, sondern freiwillige Hilfe, um etwas Tolles auf die Beine zu stellen. Ganz ohne monet\u00e4re Verg\u00fctung. Aber das ist nicht die einzige Art wie die Berliner Start-Up Kultur auch auf der Berlin-Con am Leben gehalten wird.<\/p>\n<p>Neben dem Blick hinter die Kulissen, und dem gelegentlichen Erstkauf-Recht bei einem besonders begehrten Flohmarkt-Angebot, gibt es auch prestige-tr\u00e4chtige \u201cTeam\u201d-Badges. Ein typischer YouTuber l\u00e4uft eben doch mit deutlich geschwollener Brust und einem Hauch von Wichtigtuerei durch die G\u00e4nge, wenn er aufgrund des eigenen Anh\u00e4ngers \u00fcberall Zutritt erh\u00e4lt. Community schon und gut, aber es geht manchen eben nichts dar\u00fcber zu den Very Important Gamers zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Berlin-Con war eine Veranstaltung, die beeindruckt hat und zumindest mich mit einem mehr Zuversicht in die Zukunft der lokalen Spielszene blicken l\u00e4sst. Aber auch, da Berlin nun mal durchaus eine Stadt mit Signalwirkung ist, auch auf das Hobby als solches. W\u00e4hrend die Neuheitenschau in Essen immer deutlicher vom internationalen Fachpublikum dominiert ist, kann sich die Berlin-Con sichtlich anders positionieren. In wenigen Jahren k\u00f6nnte sie die Brettspiel-Veranstaltung f\u00fcr Jedermann und Jederfrau sein, der es gelingt jenseits des Vielspieler-Klientels neue Menschen f\u00fcr das Hobby zu begeistern. Da passt die zeitliche N\u00e4he zur Spiel des Jahres Verleihung am darauffolgenden Montag morgen zumindest thematisch perfekt.<\/p>\n<p>Ansprechend und einladend ist die Berlin-Con schon dieses Jahr gewesen. Jetzt muss es sich nur noch bei den Menschen jenseits unserer eingeschworenen Spielegemeinde herumsprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berlin-Con 2019 ist nun seit einigen Tagen vorbei und mit der n\u00f6tigen Distanz l\u00e4sst sich vielleicht besser absch\u00e4tzen, wie man diese Veranstaltung einzuordnen hat. 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