{"id":18760,"date":"2019-07-22T18:42:58","date_gmt":"2019-07-22T16:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18760"},"modified":"2019-07-22T21:11:10","modified_gmt":"2019-07-22T19:11:10","slug":"aber-was-sollen-denn-die-leute-denken-spiel-des-jahres-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/07\/22\/18760\/","title":{"rendered":"Aber was sollen denn die Leute denken? &#8211; Spiel des Jahres 2019"},"content":{"rendered":"<p>Montag, 22. Juli 2019. Es ist ein warmer Nachmittag. Die Spiel des Jahres Verleihung ist vorbei und nachdem die Eilmeldungen nun durch die einhelligen Online-Medien gegangen sind, konnte man die Geschehnisse schon kurz sacken lassen. Was genau ist heute eigentlich passiert?<\/p>\n<p>Der Verein Spiel des Jahres hat zur Verleihung des begehrten und einflussreichsten Preises der Brettspielbranche geladen. In zwei Kategorien gab es je drei Nominierungen \u00fcber die im Vorfeld auf unterschiedlichen Plattformen ausgiebig berichtet bzw. rezensiert wurde. Die Verleihung fand erstmalig im Hotel nhow Berlin statt. Mit kleineren \u00c4nderungen im Ablauf, aber im Gro\u00dfen und Ganzen mit den bekannten Vertretern der Spielemedien und einigen etablierteren Kan\u00e4len.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18761\" aria-describedby=\"caption-attachment-18761\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18761 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-700x511.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-150x110.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-768x561.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-1536x1122.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-2048x1496.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-370x270.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-270x197.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-570x416.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-684x500.jpg 684w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190722_093850-e1563813599553-740x541.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18761\" class=\"wp-caption-text\">So sieht ein Kennerspiel im Jahre 2019 aus<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der erste Spannungsknoten platzte dann gleich mit der Enth\u00fcllung des Kennerspiel des Jahres 2019. Fl\u00fcgelschlag von Elizabeth Hargrave konnte die Jury f\u00fcr sich gewinnen. Das ist eine nachvollziehbare und mehr noch gute Wahl. Dem Anspruch der Jury hier das Kulturgut Brettspiel voranzutreiben und auch pr\u00e4senter zu machen, wird hier Rechnung getragen. Das liegt nat\u00fcrlich auch an der Aufmachung des Spiels. Viele kritisierten gerade das bei Carpe Diem von Altmeister Stefan Feld. Aber auch die zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen an die Spielgruppe spielen hier eine Rolle. Ein Punkt bei dem Detective von Ignacy Trzewiczek sicher so manche Grenze \u00fcberschreitet, wenn \u00fcber mehrere Spielsitzungen hinweg \u00fcber Mordf\u00e4lle gesprochen werden muss. Aber im Umfeld gab es auch Kritik an der vermeintlich geringen Spieltiefe des Erstlingswerks Fl\u00fcgelschlag.<\/p>\n<p>Jedoch muss man sich hier auch fragen, ob es tats\u00e4chlich die Spieltiefe ist, die unerfahrene Neuspieler zu \u00fcberzeugen wei\u00df und ans Hobby bindet. Denn auch der Kennerspiel-Preis will nicht die eingeschworene Vielspielergemeinde f\u00fcr sich gewinnen, sondern den neu Interessierten den Weg zum Vielspieler-Dasein ebnen.<\/p>\n<p>Anders gesagt: ein Kennerspiel-Preis ist ein Vorgeschmack auf mehr Anspruch und mehr Tiefe im Brettspiel. Es ist Andeutung, dass es in diesem Hobby auch noch mehr Herausforderungen zu entdecken gibt. Er ist jedoch nicht der Preis, der eben diese Komplexit\u00e4t und diesen Anspruch hochzuhalten versucht. Die attraktive Aufmachung des Siegers ist also nicht Blendwerk, sondern essentieller Bestandteil des gesamten Spiels und des Mehrwerts. Es macht nicht nur Lust auf mehr, es nimmt diesem \u201emehr\u201c auch ein klein wenig das Einsch\u00fcchternde und \u00dcberfordernde.<\/p>\n<p>Die Preise der Jury zielen augenscheinlich darauf, wie sie auf die Leute wirken, welche das Hobby eben nicht jede Minute des Tages atmen. (Ja, ich wei\u00df auch nicht wie das gehen soll.) Auch wenn m\u00e4kelnde und krittelnde Stimmen gerne anderes behaupten: Brettspiele m\u00fcssen niemandem mehr noch beweisen, dass sie aktuell, interessant oder relevant sind. Das sind Gefechte, die im Gro\u00dfen und Ganzen gewonnen sind. Nicht zuletzt der j\u00e4hrliche Umsatzzuwachs sendet da deutliche Signale.<\/p>\n<p>Jetzt ist es an der Zeit das Hobby f\u00fcr neue Gesichter und neue Ideen zu \u00f6ffnen. Da ist eine attraktive Illustration nicht Schmuckwerk, sondern zentraler Bestandteil. Da ist ein unterrepr\u00e4sentiertes Thema nicht Gimmick sondern eine Ansage. Die Au\u00dfenwirkung der SdJ-Nominierung und Auszeichnung ist Sinn und Zweck des Ganzen.<\/p>\n<p>Es geht darum ein Bild zu formen, welches die selten-spielenden Schichten der Gesellschaft nicht nur tolerieren k\u00f6nnen, sondern dass sie abzuholen wei\u00df. In dieser Hinsicht war diese Verleihung in mehrerer Hinsicht ein Erfolg. So waren die Kurzvorstellungen bei der Nennung der Nominierten auch diesmal wieder mit einem kurzen Video vertreten. Anders als in den Jahren zuvor, wurde nicht versucht das Spielerlebnis von au\u00dfen in Bildern einzufangen. Stattdessen durften einzelne Jury-Mitglieder den Reiz des nominierten Spiels in eigenen Worten kurz erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Das hatte zur Folge, dass man der sonst oft nur als schemenhaft bekannten Jury Gesichter zugewiesen werden konnten, sondern auch Stimmen und auch ein gewisser Charakter. Wenn Julia Zerlik \u00fcber Werw\u00f6rter spricht, Harald Schrapers \u00fcber L.a.m.a. oder Udo Bartsch \u00fcber Detective, dann ergibt das alles mehr Sinn und ist auch nachvollziehbarer, als es die erkl\u00e4rende Off-Stimme in den Videoeinspielern der letzten Jahre war. Das Menschliche steht im Spiel im Vordergrund und nun auch bei den Spielen, welche die Jury f\u00fcr besonders preisverd\u00e4chtig h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber der Au\u00dfenwirkung wurde nicht nur durch Videoeinspieler Rechnung getragen. Auch die Rede der anwesenden Kulturpolitikerin Monika Gr\u00fctters wurde vom beeindruckten Publikum mit viel Wertsch\u00e4tzung aufgenommen. Nicht nur dass hier die Branche mit einer sorgf\u00e4ltig recherchierten und mit viel Fachverst\u00e4ndnis vorbereiteten Rede Respekt gezollt wurde; man hatte auch durchaus den Eindruck, dass der Branche (und zu einem gewissen Teil der Jury selbst) ein wichtiger Wunsch erf\u00fcllt wurde: das Brettspiel wurde ausdr\u00fccklich als Kulturgut angesprochen und von Frau Gr\u00fctters auch wie ein solches behandelt.<\/p>\n<p>Dieser Moment mag bei manchen einer kleinen Sensation gleich kommen und bei anderem zumindest eine zufriedene Genugtuung wecken. Denn jetzt kann man auch jenseits des engen Kreis der Hobbyisten auf die kulturelle Relevanz des \u201eanalogen Spiels\u201c hinweisen. Das Brettspiel ist Teil unserer modernen Kultur. Und das ist auch gut so!<\/p>\n<figure id=\"attachment_18499\" aria-describedby=\"caption-attachment-18499\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18499 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-487x700.jpg 487w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-104x150.jpg 104w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-370x532.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-270x388.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-570x820.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne-348x500.jpg 348w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JustOne.jpg 712w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18499\" class=\"wp-caption-text\">Die Laudatio fiel dann doch l\u00e4nger aus als Just One &#8230;. Wort<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gut war dann auch das Ergebnis der Abstimmung zum Spiel des Jahres 2019. Just One von Repos Productions belagerte die B\u00fchne mit einer gro\u00dfen Entourage an Mitwirkenden und Vertretern. Die Freude bei den Franzosen war gro\u00df und auch innerhalb der Branche waren viele Stimmen mit dieser Wahl zufrieden. Die Leidenschaft und das Herzblut, welches man diesem Verlag immer noch in jedem ver\u00f6ffentlichten Spiel anmerkt, g\u00f6nnt man eine solche W\u00fcrdigung gerne.<\/p>\n<p>Wer die Diskussionen im Vorfeld der Auszeichnung mitverfolgt hat, wird sicherlich auch bemerkt haben, dass nicht jeder Anw\u00e4rter auf den Preis ganz ohne Vorbelastung ins Rennen ging. Ein anderer Preisgewinner h\u00e4tte in der Branche Signale gesetzt, welches kleinere Verlagen oder auch weniger einflu\u00dfreiche Autoren deutlich geschw\u00e4cht h\u00e4tte. Dahingehend ist es nur deutlich zu begr\u00fc\u00dfen, dass die Spiel des Jahres Jury hier ihre Verantwortung als Impulsgeber f\u00fcr die Verlage nicht vernachl\u00e4ssigt hat. Etwaige pers\u00f6nliche Spielvorlieben m\u00f6gen anderes gewichtet gewesen sein \u2013 auch wenn man derartiges von den verschwiegenen Jurymitgliedern nie und nimmer herausbekommt.<\/p>\n<p>Just One mag auch hier <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/just-one\/\">nicht unbedingt jedem Kritikers Liebling<\/a> sein, aber es ist ohne Frage das Spiel welches \u2013 wie der Preistr\u00e4ger Bruno Sautter best\u00e4tigte \u2013 auch der eigenen Schwiegermutter zu gefallen wei\u00df. Eine Zielgruppe, die man mit einer noch so gelungenen App-Unterst\u00fctzung, vielleicht nicht unbedingt abgeholt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Verleihung des Spiel des Jahres Preis 2019 ist in jeder Hinsicht ein Erfolg. Die Au\u00dfenwahrnehmung ist dank der Anwesenheit und Rede der Kulturpolitikerin Gr\u00fctters deutlich gestiegen. Die ausgezeichneten Spiele stellen dar, dass Brettspielen f\u00fcr Menschen unterschiedlichster Hintergr\u00fcnde zug\u00e4nglich und offen sein kann und will. Aber auch der Branche konnte vielleicht signalisiert werden, dass der Versuch neue Spielegruppen zu er\u00f6ffnen und an das Hobby zu f\u00fchren ein lohnenswertes und auch lobenswertes Ziel ist.<\/p>\n<p>Mehr kann man von einem Spielepreis nicht erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 22. Juli 2019. Es ist ein warmer Nachmittag. Die Spiel des Jahres Verleihung ist vorbei und nachdem die Eilmeldungen nun durch die einhelligen Online-Medien gegangen sind, konnte man die Geschehnisse schon kurz sacken lassen. Was genau ist heute eigentlich passiert? 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