{"id":187,"date":"2007-03-04T15:39:15","date_gmt":"2007-03-04T13:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/03\/04\/187"},"modified":"2007-03-04T15:39:15","modified_gmt":"2007-03-04T13:39:15","slug":"venedig-und-die-medici","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/03\/04\/187\/","title":{"rendered":"Venedig und die Medici"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es eine Stadt, die h\u00e4ufiger spielerisch umgesetzt wurde als Venedig? Mir f\u00e4llt jedenfalls keine ein.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat Vendedig einige Vorteile die es f\u00fcr eine Umsetzung pr\u00e4destinieren: Jeder denkt sofort an ein bestimmtes, sehr positiv besetztes Setting (was ja -siehe letzte Kolumne- so schlecht nicht sein kann), sie gilt als ausgesprochen sch\u00f6ne Stadt und, was vielleicht das wichtigste ist, sie hat einen topologisch interessanten Stadtplan. Durch die Kan\u00e4le ist Venedig bereits in bestimmte Gebiete eingeteilt, was den Plan insbesondere f\u00fcr Mehrheitenspiele interessant macht. Und siehe da: Venecia, San Marco, Canal Grande, Doge: Alles Mehrheitenspiele. Thematisch wurde Venedig bei Inkognito oder dem neuen S\u00e4ulen von Vendig umgesetzt, aber das ist eher eine Minderheit. Dennoch, macht es Spa\u00df, sich andere Orte zu \u00fcberlegen, die \u00e4hnlich interessant w\u00e4ren, aber nicht umgesetzt wurden: Singapur, z.B. (ebenfalls aus einem Sumpf entstanden) oder Dubai (der Staat mit der Palmeninsel). Bangkok oder Havannah sind vielleicht topologisch nciht so interessant, aber auch deren Namen verbindet der Kopf sofort mit einer eigenen Athmosph\u00e4re. Komisch das diese St\u00e4dte noch nie spielerisch umgesetzt wurden (soweit ich wei\u00df).<\/p>\n<p>Ein Nachteil von Vendig ist, dass es eben so beliebt ist. Da besteht die Gefahr, dass mehrere Spiele mit demselben Thema zeitnah erscheinen (Da so ein Prototyp schon mal mehrere Jahre bis zur konkreten Umsetzung bei einem Verlag liegt, sind diese B\u00fcndelungen tats\u00e4chlich immer zuf\u00e4llig). Mal ganz abgesehen davon, dass man die einzelnen Venedigvertreter schon einmal durcheinander bekommt.<br \/>\n&#8220;<strong>Venedig<\/strong>&#8221; von Klaus-J\u00fcrgen Wrede jedenfalls ist gerade bei Amigo erschienen und sollte nicht mit &#8220;Die S\u00e4ulen von Venedig&#8221; verwechselt werden. Ich habs gestern gespielt, &#8220;frisch aus dem Ofen&#8221; sozusagen. Es geh\u00f6rt zu den Venedig-Spielen, die vor allem die Topologie benutzen: Die verschiedenen Inseln spielen eine kleine Rolle f\u00fcr die Wertungen, dazwischen bewegt sich die Siegpunktegondel umher, deren Position ebenfalls von Bedeutung ist. Am Anfang des Spieles besteht Venedig noch weitestgehend aus Sumpf und folgerichtig ist es eine der Aktionen, die ein Spieler durchf\u00fchren kann,  ein oder zwei Sumpfpl\u00e4ttchen zu nehmen. Damit werden einerseits Baupl\u00e4tze frei und andererseits sind die Pl\u00e4ttchen 0-2 Gold wert. Bevor was freiger\u00e4umt wird, werden Karten gespielt. Die Karten stehen f\u00fcr Geb\u00e4ude, die errichtet werden. Pro Geb\u00e4ude sind 1-4 Karten dieser Sorte zu spielen und da man selten 4 passende Karten f\u00fcr eine Basilika (ich hoffe ich erinner mich richtig an die Geb\u00e4udebezeichnungen) haben d\u00fcrfte, darf man auch ein Geb\u00e4ude anfangen. Andere Spieler k\u00f6nnen sich dann in ihrem Zug daran beteiligen und die fehlenden Karten erg\u00e4nzen. Das Gros der Siegpunkte (1 f\u00fcr ein Haus, 7 f\u00fcr eine Basilika, die anderen h\u00e4ngen vom Baugrund ab, bringen aber in der Regel 2-4) bekommt der Spieler mit den meisten Karten, der Rest die abgerundete H\u00e4lfte. Originell ist, dass Spieler, die mit ihrer Siegpunktgondel an die Insel angrenzen, sich ein Goldpl\u00e4ttchen (4-6 Gold) nehmen d\u00fcrfen. 5 Gold entsprechen einem Siegpunkt, der jederzeit w\u00e4hrend eines Zuges eingesetzt werden kann &#8211; z.B. um vor einer Wertung noch die passende Insel zu erreichen. Au\u00dferdem werden besetzte Felder der Siegpunktleiste \u00fcbersprungen, so dass auch hier ein gut eingesetzter Extrasiegpunkt gleich einen mittleren Schritt bedeuten kann.<br \/>\nSoweit klingt alles sch\u00f6n und gut. Nette und originelle Ideen versprechen einen interessanten Spielablauf. Doch genauso wie es der Graphiker es als erster Graphiker der Spielegeschichte geschafft hat, einen v\u00f6llig langweiligen, ja sogar h\u00e4\u00dflichen Spielplan aus der Karte der Lagunenstadt zu pinseln, so schafft es das Spiel, dass alle interessanten Ideen in einem absolut belanglosen Spiel verpuffen. Zum einen ist das Spiel vom Handling her fizzelig, vom Spielrhytmus her nervig (Die Regel, dass eine vergessene Aktion verloren ist, deutet schon darauf hin, dass der Spielzug eines Spielers nicht intuitiv aufgebaut ist), zum anderen sind die ganzen vermeintlich interessanten Steuerungselemente letztlich v\u00f6llig Banane. Wo ich die Geb\u00e4ude hinsetze ist oft egal und selbst welches macht den Kohl kaum Fett, mal 3 Siegpunkte, mal vier, mal gar deren 7. Da gibt es nicht viel rauszuholen, denn dadurch dass jeder fast st\u00e4ndig irgendwie Gold holt, bekommt man sch\u00e4tzungsweise 1\/3 der Siegpunkte mehr oder minder passiv \u00fcbers Gold. Und da ja besetzte Felder \u00fcbersprungen werden, k\u00f6nnen die hintenliegenden Spieler \u00fcbers Gold immer wieder herankommen. Resultat: Absetzen durch geschicktes Spiel ist fast unm\u00f6glich. Da das Gold aber nicht aktiv gewonnen wird, ist es fast egal ob man gut oder schlecht <em>aktiv <\/em>spielt. Viel wichtiger ist es, dass man bei Spielende zuf\u00e4llig vorne liegt &#8211; das ist aber kaum steuerbar. Und f\u00fcr ein Spiel ohne echte Kontrolle ist es zu kompliziert.<br \/>\nViel schlimmer ist es aber noch, dass es keinen Spa\u00df macht. Und es macht keinen Spa\u00df weil jegliche Zw\u00e4nge fehlen. Was ich wann f\u00fcr Karten spiele ist weitestgehend egal. Allemal ganz am Anfang k\u00f6nnen Baupl\u00e4tze knapp werden. Ich kann nichts falsch machen und optimales Spiel wird -siehe oben &#8211; fast nicht belohnt. Wozu also \u00fcberhaupt anstrengen?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht ob die Medici in Venedig aktiv waren (vermute es mal), aber ich weiss, dass nicht nur Verlage Pech mit Doppelungen haben k\u00f6nnen. Mit <strong>Medici vs. Strozzi <\/strong>ist das erste Spiel erschienen, dass so hei\u00dft, wie einer meiner Prototypen. Allerdings ist mein Prototyp noch lange nicht fertig, er funktioniert nicht richtig &#8211; das kann man \u00fcber das gleichnamige Spiel von Reiner Knizia, erschienen bei Rio Grande, nicht sagen. Es ist eine Zweipersonenvariante des schon ziemlich guten Spieles &#8220;Medici&#8221; und es ist tats\u00e4chlich vielleicht sogar noch besser als das Urspiel. Ich hab schon viel geschrieben und bin ein bisschen krank, also nur kurz: Es haben sich ein paar Details ge\u00e4ndert &#8211; so zwerden jetzt Schiffe mit begrenzter Ladekapazit\u00e4t gef\u00fcllt, die sozusagen das Handlimit ersetzen. Wichtigste \u00c4nderung ist aber der Versteigerungsmodus: Spieler 1 zieht 1-3 Pl\u00e4ttchen aus dem Beutel (wie die Karten bei Medici) und nennt dann einen Preis. Der andere Spieler kann die Auslage zu diesem Preis bezahlen oder ablehnen. Lehnt er ab, muss der erste Spieler diesen Preis zahlen und die Pl\u00e4ttchen nehmen. Ah, da kommt ne Menge Psychologie ins Spiel! Der Preis ist praktisch nicht berechenbar, zumal die beiden Spieler ja unterschiedliche Dinge ben\u00f6tigen. Zudem ist der Mechanismus einfach &#8211; das Spiel h\u00e4tte hervorragend in die Kosmos-2er-Reihe gepasst. Allerdings muss man sich damit abfinden, einen Preis aus dem Bauch  heraus zu nennen &#8211; sicherlich nicht jedermanns Sache. Denn ob 27 oder 32 ist letztlich kaum zu begr\u00fcnden&#8230;<\/p>\n<p>ciao<br \/>\npeer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine Stadt, die h\u00e4ufiger spielerisch umgesetzt wurde als Venedig? Mir f\u00e4llt jedenfalls keine ein. 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