{"id":18616,"date":"2019-06-23T10:05:29","date_gmt":"2019-06-23T08:05:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18616"},"modified":"2019-06-23T10:20:19","modified_gmt":"2019-06-23T08:20:19","slug":"die-uno-killer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/06\/23\/18616\/","title":{"rendered":"Die Uno-Killer"},"content":{"rendered":"<p>Ferienzeit. Den Kindern l\u00fcstet es nach Kartenspielen &#8211; im Urlaub oder beim Besuch der erweiterten Familie oder Freunden oder so. Vielleicht nicht bei unsereins (vielleicht doch), aber <em>Uno <\/em>ist komischerweise immer noch ganz weit vorne, was schnelle Sommerkartenspiele betrifft. Warum? Weil man es einfach so wegspielt, weil es schnell geht und jeder die Regeln kennt. Und weil man sich gegenseitig \u00e4rgern kann. Mit <em>Uno-Extrem <\/em>wurde dies noch einmal potentiert: Mit Karten wie &#8220;Tausche alle Karten mit jemand anderem&#8221; wurden alle Ans\u00e4tze von Taktik vom Tisch geworfen. Gleichzeitig ist das Spiel nicht mehr portabel. Naja, da bleibt die L\u00fccke f\u00fcr anderes. Hier einige im Kreis der Zielgruppe getesteten Alternativen &#8211; wunderbar geeignet als Mitbringsel f\u00fcr die erweiterte Familie oder Freunde oder um in den Urlaub mitzunehmen. Hier ein paar Kandidaten, aufsteigend geordnet nach streng mathematisch ermitteltem <em>Uno<\/em>-Killer-Index:<\/p>\n<p><strong><em>Star Plus<\/em>:<\/strong> Bereits in<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/star-plus\/\"> meiner Rezension<\/a> beschrieb ich Star Plus als &#8220;das bessere <em>Uno<\/em>&#8221; und daran hat sich absolut nichts ge\u00e4ndert. <em>Star Plus<\/em> spielt sich fast genau wie Uno, aber man legt auf seinen eigenen Ablagestapel ab. Oh und es gibt keine Farben, man muss nur die Summe des Vorg\u00e4ngers weiterz\u00e4hlen (bis 12, dann geht es wieder bei 1 weiter). Wer nicht kann, muss nachziehen. Das ist in einer Minute erkl\u00e4rt. Und es gibt \u00c4rgerkarten &#8211; aber nur ein paar. Denn der ganz gro\u00dfe Vorteil von <em>Star Plus<\/em> ist: Man kann mit allen Karten \u00e4rgern! Wer seine Summe aus min. 3 Karten bildet, zwingt alle nachvolgenden dasselbe zu tun. Das sorgt f\u00fcr Gest\u00f6hne und B\u00f6se Blicke und genau das will man ja. Dabei ist niemand jemals total abgeschlagen. Wer viele Karten hat, kann auch eher die geforderten Summen bilden. Wo <em>Uno <\/em> schnell langweilig und frustrierend wird bleibt <em>Star Plus<\/em> bis zum Ende spannend. Dabei hat man gen\u00fcgend Kontrolle, um zu denken, man k\u00f6nnte das Ergebnis beeinflussen (daher macht es auch Erwachsenen Spa\u00df), aber nicht so viel, als dass die Kinder nicht st\u00e4ndig gegen die Erwachsenen gewinnen w\u00fcrden &#8211; So soll es sein! Der einzige Nachteil ist die knifflige Verf\u00fcgbarkeit &#8211; Meines Wissens ist<a href=\"https:\/\/www.nicegameshop.com\/korea-boardgames\/star-plus\"> Nice game shop<\/a> die einzige Einkaufsquelle in Deutschland.<\/p>\n<p><em><strong>L.A.M.A.<\/strong><\/em>: Georgios hat sich Knizias Kartenablegespiel <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/lama\/\">schon angenommen<\/a>. Auch hier ist Spielziel und -Ablauf so einfach, dass jeder innerhalb weniger Minuten einsteigen kann. Es gibt keine Sonderkarten, die direkten \u00c4rgererlebnisse kommen, weil es eben doch jemand schafft fertig zu werden, obwohl ich gerade noch eine Sechs aufgenommen habe oder weil ich ausgestiegen bin, obwohl alle anderen pl\u00f6tzlich noch flei\u00dfig Karten nachziehen oder vor allem, weil mein Vordermann eine 1 spielte, wo ich doch noch dringend das letzte Lama loswerden wollte. Hier ist der \u00c4rgerfaktor also ins Spielprinzip mit eingebaut, statt \u00fcber Karten k\u00fcnstlich erzeugt. Insbesondere die Regeln, dass jemand der fertig ist, einen schwarzen Chip loswird, sorgt daf\u00fcr, dass bis zum Ende alles offen ist &#8211; und es nicht selten spannende &#8220;Endspiele&#8221; gibt. <em>L.A.M.A.<\/em> hat alles was einen Uno-Killer ausmacht &#8211; das es mangelns Rechnerei auch von meiner Sechsj\u00e4hrigen (die erst nach den Sommerferien in die erste Klasse kommt) gespielt werden kann, hebt <em>L.A.M.A.<\/em> mittlerweile \u00fcber das eigentlich bessere<\/p>\n<p><strong><em>Skyjo<\/em><\/strong>: Warum halte ich <em>Skyjo<\/em> f\u00fcr \u00fcberlegen? Rein von den nackten Zahlen her hat <em>Skyjo<\/em> den unglaublichen Vorteil, dass es in allen Besetzungen -von 2 bis 8 Spielern &#8211; gleich gut funktioniert, w\u00e4hrend <em>L.A.M.A<\/em>. zu zweit gerade so funktioniert und erst mit steigender Mitspieleranzahl an Spa\u00df gewinnt. Rein von der Meta-Ebene her halte ich <em>Skyjo<\/em> auch deswegen f\u00fcr \u00fcberlegen, weil es ganz anders funktioniert als die typischen Spiele der Spielgruppe, ohne das es jedoch auff\u00e4llt &#8211; Aufdecken von verdeckten Karten oder austauschen einer (offenen oder verdeckten) Karte &#8211; das f\u00fchlt sich intuitiv an. Das drei gleiche Karten aus den Spiel genommen werden, sorgt f\u00fcr etwas Taktik und etwas Zock, dass man seine Minuspunkte verdoppeln muss, wenn man die Runde beendet, ohne die niedrigste Punktzahl zu haben, sorgt f\u00fcr Spannung. Und all das, ohne dass es sich &#8220;kompliziert&#8221; anf\u00fchlen w\u00fcrde &#8211; auch nicht f\u00fcr Wenigspieler. Die blo\u00dfe Tatsache, dass sich <em>Skyjo<\/em> nur \u00fcber Fl\u00fcsterpropaganda zu einem kleinen Hit gemausert hat, zeigt, dass es die Zielgruppe perfekt bedient. Der obligatorische Nachteil? Der Platzbedarf, der einen Tisch bedingt, den man unterwegs in der Regel nicht hat. Aber sonst? Das Spiel ist in meiner Familie seit einem Jahr ein Hit und auch wenn neuere Spiele mittlerweile etwas h\u00e4ufiger auf dem Tisch kommen, kommt es eben doch immer noch auf den Tisch. Von den hier vorgestellten Spielen mein pers\u00f6nlicher Favorit. Platz drei im <em>Uno<\/em>-Killer-Index eigentlich nur, weil ein direkter \u00c4rgerfaktor fehlt.<\/p>\n<p>Diese drei Spiele sind f\u00fcr mich die wichtigsten Waffen im Kampf gegen <em>Uno<\/em>. Im folgenden stelle ich noch drei Spiele vor, die eine \u00e4hnliche Zielgruppe abdecken, spielerisch aber doch ganz anders funktionieren:<\/p>\n<p><em><strong>Birds of a feather<\/strong><\/em>: \u00c4hm OK, es ist mir etwas peinlich, aber dieses Spiel gibt es wohl nur noch <a href=\"http:\/\/www.nothingsacredshop.com\/shop\/birds-of-a-feather\">direkt beim Verlag in den USA <\/a>oder gebraucht via BGG (oder so). Sicherlich nicht optimal, aber ich wollte das Spiel hier vorstellen, und wie ich beim Brexit gelernt habe, darf man seine einmal gefasste Meinung nicht mehr \u00e4ndern und muss seine Pl\u00e4ne durchziehen, auch wenn sie vielleicht in der Zwischenzeit komplett obsolet geworden sind (Ich schreibe dies \u00fcbrigens an dem Tag, an dem \u00fcber die PKW Maut entschieden wird). Jedenfalls ist <em>Birds of a feather<\/em> ein Kartenspiel das g\u00e4nzlich anders funktioniert als <em>Uno<\/em>, aber dennoch vom Spielgef\u00fchl her definitiv ein Uno-Killer ist: Es spielt sich fluffig, die Regeln sind einfach und man kann sich \u00e4rgern. Es spielt sich einfach, denn alle spielen gleichzeitig und geheim eine Karte. Die Karten zeigen V\u00f6gel unterschiedlichen Typs und Farbe. Alle Spieler, die eine Karte derselben Farbe gespielt haben, &#8220;sehen&#8221; die V\u00f6gel derselben Farbe die von irgendwem in dieser<strong> oder der Vorrunde<\/strong> gespielt wurden. Was man sieht darf man ankreuzen, wobei es nur darum geht, die Symbole, die man kreuzt \u00fcberhaupt zu sehen &#8211; wie oft spielt keine Rolle. Das ist ungew\u00f6hnlich, aber intuitiv. Und man kann ein bisschen spekulieren, denn Ziel ist es eine Farbe m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu kreuzen. Vom Spielgef\u00fchl her ist <em>Birds of a feather<\/em> eher an einem &#8220;Roll and Write&#8221; dran (Gleichzeitiger Chaos-Mechanismus und dann kreuzen) als an <em>Uno<\/em>, aber das ist absolut OK. Der \u00c4rgerfaktor kann mit der optionalen Regel erh\u00f6ht werden, dass Raubv\u00f6gel andere V\u00f6gel vertreiben, was die Sache deutlich kniffliger macht. Ich brauche das nicht unbedingt, aber <em>Uno<\/em> und so&#8230; Die Spielerzahl ist \u00fcbrigens zwar ,it 1-7 angegeben, aber so richtig gut ist es vor allem im Bereich 4-5, was nun nicht gerade ein wenig umk\u00e4mpftes Segment ist. Dennoch: Nicht zuletzt auch wegen der tollen Bilder (<em>Birds of a feather<\/em> hat die beste Graphik aller hier vorgestellten Spiele) ein Hit bei der Zielgruppe und sehr Urlaubskompatibel: Spiel rausholen, 20 MInuten runterspielen, Schwimmen gehen. Passt.<\/p>\n<p><em><strong>Ohanami<\/strong><\/em>: Und wo wir sowieso in Kartenspielwelten weitab von <em>Uno<\/em> sind: Warum nicht ein Draftspiel? <em>Ohanami<\/em> ist die Draftversion von <em>The Game<\/em>, allerdings spielt hier jeder f\u00fcr sich. Karten ausw\u00e4hlen, anlegen weitergeben, n\u00e4chste Karte. Dabei spielt jeder f\u00fcr sich in seine eigene Auslage, die aus maximal drei Reihen besteht und bei der man nur an den Enden (oberhalb \/ unterhalb) anlegen kann. F\u00fcr gelegte Karten gibt es je nach Farbe Punkte, wobei nur bei der Endwertung tats\u00e4chlich alle Karten punkten. Das ist sehr entspannend, weil konfliktneutral und tats\u00e4chlich ist das anlegen in den meisten F\u00e4llen leichter als man denkt. Wenn man nicht total Pech hat oder extrem hohes Risiko geht, sollte man eigentlich kaum in Probleme geraten. Die Wertung ist etwas zu rechenlastig f\u00fcr die Zielgruppe, die muss schon ein professioneller Kopfrechner \u00fcbernehmen. Ich habe auch das Gef\u00fchl, es lohnt sich kaum auf Blau zu spielen &#8211; zu gering der Ertrag im Vergleich zu den anderen Farben. Viele Leute beklagen zudem das <em>Ohanami<\/em> zu simpel ist, was ich absolut nachvollziehen kann. Es ist eben ein <em>ent<\/em>spannendes Spiel und nicht unbedingt ein spannendes. Das aber passt in den Urlaub und ein paar Runden <em>Ohanami<\/em> sind schnell runtergespielt. Es kam in den <em>Uno<\/em>kreisen trotz fehlendem \u00c4rgerfaktors bislang immer gut an.<\/p>\n<p><em><strong>Cat Lady<\/strong><\/em>: Meine j\u00fcngere Tochter ist jetzt sechs Jahre. Und <em>Cat Lady<\/em> ist ihr Lieblingskartenspiel -das erw\u00e4hne ich, denn auf dem Papier ist es alles andere als ein &#8220;Uno-Killer&#8221;: Zwar ist der grunds\u00e4tzliche Mechanismus einfach (Eine Zeile oder Spalte der Kartenauslage nehmen und zu sich legen), aber die Abrechnung ist kompliziert, weil alle m\u00f6glichen Wertungssysteme verwendet werden: Mehrheiten f\u00fcr dies, Mindestanzahl f\u00fcr jenes, Bonuspunkte f\u00fcr solches. Und jede Katze muss gef\u00fcttert sein, um Siegpunkte abzuwerfen und dann kann sie ggf. sogar noch Sonderfertigkeiten anwenden, die andere Katzen beeinflussen&#8230; Das alles mit Text, d.h. jemand muss mitspielen, der lesen kann (ist jetzt bei uns nicht so die H\u00fcrde&#8230;). Zudem beschr\u00e4nkt sich der \u00c4rgerfaktor auf das Nehmen einer Karte, die man selbst gerne gehabt h\u00e4tte und liegt damit weit im unteren Eurogamebereich. <em>Cat Lady<\/em> zieht seinen Reiz tats\u00e4chlich vor allem aus dem Thema &#8211; was bei dem Genre &#8220;Aktionskarten mit Text nehmen&#8221; oft versucht wird, aber nur selten klappt. Das Thema zieht, die Katzen sind s\u00fc\u00df und Spielablauf simpel genug um zu fesseln. Zudem entwickelt der Zwang seine Katzen m\u00f6glichst genau zu f\u00fcttern (sowohl ungef\u00fctterte Katzen wie als auch nicht verf\u00fcttertes Futter z\u00e4hlen Minuspunkte) gen\u00fcgend Spannung, um das Spiel auch\u00a0 mechanisch zu tragen. Im <em>Uno<\/em>-Killer-Index weit unten, ist Cat Lady doch bei der Zielgruppe weit oben und damit der Beweis, dass alle Theorie die Farbe n\u00e4chtlicher Katzen hat.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Ferien!<\/p>\n<p>Peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ferienzeit. 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