{"id":18365,"date":"2019-03-31T11:31:44","date_gmt":"2019-03-31T09:31:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=18365"},"modified":"2019-03-31T11:31:44","modified_gmt":"2019-03-31T09:31:44","slug":"mehr-taxonomie-social-deduction-games","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/03\/31\/18365\/","title":{"rendered":"Mehr Taxonomie: Social Deduction Games"},"content":{"rendered":"<p>Keine Ahnung, ob meine \u00dcberlegungen zur Brettspielfachsprache jemanden innerhalb oder gar au\u00dferhalb meiner Blase interessieren, aber jedenfalls nach <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2017\/03\/25\/16331\/\">Legacy-Spielen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2018\/06\/03\/17468\/\">Zivilisationsspielen<\/a> hier ein paar Gedanken \u00fcber <em>Social Deduction Games<\/em>. Wie immer: Das ist kein reiner Selbstzweck, ich denke es hilft bei der Kommunikation, wenn sich eine Art Fachsprache entwickelt hat. Umgekehrt birgt das nat\u00fcrlich das Risiko, dass Au\u00dfenstehende nicht mehr wissen wor\u00fcber man redet. Aber gut, bediene ich jetzt erst einmal die Gruppe der Eingeweihten!<\/p>\n<p><em>Social Deduction Game<\/em> als Genrebezeichnung ist insofern ein bisschen ein Problem, als dass es nicht wirklich gut definiert ist &#8211; oder \u00fcberhaupt. Ein &#8220;Deckbauspiel&#8221; bietet &#8220;Deckbau&#8221; in irgendeiner Form, ein &#8220;Drafting Spiel&#8221; einen Draft in zumindest etwas prominenter Position (<em>Magic<\/em> wird auch mit Draft nicht zum Draftingspiel). Aber was ist &#8220;Social Deduction&#8221;? Und reicht die pure Existenz davon, um ein <em>Social Deduction-Spiel<\/em> zu sein? Braucht man das Genre \u00fcberhaupt oder ist es nicht eine spezielle Form eines Bluffspieles, vielleicht verbunden mit Kommunikation oder gar <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2019\/01\/06\/18045\/\">Verhandlungen<\/a>?<\/p>\n<p>Die letzte Frage will ich einmal mit &#8220;Ja, ist es, aber ein so wichtiger Spezialfall, dass sich eine eigene Typenbezeichnung m.E. lohnt&#8221; beantworten. Die Abgrenzung macht es aber nicht einfacher&#8230;<\/p>\n<p>Ich will hier anders vorgehen als bei Zivilisationsspielen: Dort habe ich das Thema speziell vom Genre getrennt, hier lohnt es sich m.E. die Chance zu ergreifen, die das neue Definieren von W\u00f6rtern bietet und mich auf die Bedeutung von &#8220;Socual Deduction&#8221; konzentrieren: &#8220;Social Deduction&#8221; hei\u00dft ja im Prinzip, dass hier auf die Rollen anderer Spieler geschlossen werden soll. Anders als bei einem normalen Deduktionsspiel wie <em>Cluedo<\/em> oder <em>Sleuth<\/em> ist hier kein Logikr\u00e4tsel zu l\u00f6sen, sondern es gibt die soziale Komponente: Nicht das Spielmaterial wird zum deduzieren genutzt, sondern das Handeln der Mitspieler, inklusive das Meta-Spiel, welches man gemeinhin als &#8220;Bluffen&#8221; bezeichnet. Das macht die Abgrenzung von Bluff-Spielen schon einmal schwierig, zumal nicht alle Social Deduction Games Bluffspiele sind<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/cf.geekdo-images.com\/imagepage\/img\/EVWHWQCeMIH4N14MVFcesHsDEhY=\/fit-in\/900x600\/filters:no_upscale()\/pic2263739.jpg\" alt=\"Quelle: Boardgamegeek\" width=\"264\" height=\"376\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Soziale Deduktion ohne Bluffen<\/em><\/p>\n<p>Also: &#8220;Social deduction&#8221; bedeutet, herauszufinden, was f\u00fcr Rollen die Mitspieler haben. Und um dieses Genre von Bluffspielen im allgemeinen und Spielen wie <em>Coup<\/em> oder <em>Masquerade<\/em> im speziellen abgrenzen zu k\u00f6nnen w\u00fcrde ich noch hinzuf\u00fcgen, dass die Rollen f\u00fcr das <em>Spielziel<\/em> entscheident sind: Ich wechsel die Rollen selten oder gar nicht und welche Rolle ich letztendlich innehalte bestimmt, ob ich gewonnen oder verloren habe. Die Rollen beschr\u00e4nken sich also nicht auf Fertigkeiten o.\u00e4. sondern beeinflussen ganz konkret mein Spielverhalten. Sie k\u00f6nnen Sonderaktionen erlauben, jedoch ist das keine Bedingung &#8211; entscheident ist, was am Ende rauskommt.<\/p>\n<p>Diese Definition sorgt daf\u00fcr, dass <em>Social Deduction Games<\/em> eine sehr breit gefasste Kategorie darstellt. Tats\u00e4chlich w\u00e4ren dadurch Verr\u00e4terspiele (wie <em>Schatten \u00fcber Camelot<\/em>) und Spiele mit geheimen Teams (wie <em>Saboteur<\/em>) ebenso enthalten wie die <em>Werwolf\/Mafia<\/em>-Ableger, die gemeinhin gemeint sind, wenn man \u00fcber &#8220;Social Deduction Games&#8221; redet. Ich halte das nicht f\u00fcr einen Nachteil, sondern f\u00fcr eine genauere Taxonomie &#8211; Jeder andere Ansatz bekommt Probleme mit den Grauzonen zwischen diesen Unterkategorien. Neben den genannten Bezeichnungen g\u00e4be es noch andere Marker, um die Unterkategorien voneinander sauber abzugrenzen: Wie viele Teams gibt es? Wie viele Teams k\u00f6nnen gleichzeitig gewinnen? Und auch wichtig: Ist das Herausfinden der Rollen Selbstzweck, also kann man verlieren, obwohl man alle Rollen allen Mitspielern richtig zugeordnet hat? Kann man das Spiel theoretisch verlieren, obwohl zu Spielbeginn alle Rollen bekannt sind? Letzteres ist zum Beispiel bei vielen &#8220;Verr\u00e4terspielen&#8221; der Fall &#8211; <em>Schatten \u00fcber Camelot<\/em> ist sehr viel leichter, wenn man wei\u00df, wer auf der eigenen Seite sitzt, aber gewinnen muss man es trotzdem erst einmal. Sind aber die Werw\u00f6lfe bekannt, so werden sie in der ersten Runde gelyncht. Letzteres ist ein Marker um Werwolf-\u00e4hnliche Spiele von den anderen Unterkategorien abzugrenzen, obgleich es auch dort Grauzonen geben d\u00fcrfte &#8211; z.B. <em>Time Bomb \/Tempel des Schreckens<\/em>. Die bisherige Praxis bezeichnet genau diese Spiele als &#8220;Social Deduction Games&#8221; &#8211; will man diese Nomenklatur beibehalten, ist es zumindest sinnvoll bei den anderen Kategorien von einem &#8220;Social Deduction Mechanismus&#8221;-zu sprechen, analog Deckbauspielen\/Spielen mit Deckbau. Schlie\u00dflich ist das Raten der Rolle (=&#8221;Social Deduction&#8221;) ja nach wie vor intergraler Bestandteil des Spieles, wenn auch nicht der einzige Bestandteil. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/cf.geekdo-images.com\/imagepage\/img\/jw2YyqFPWAYW55uPBbc2pQp4FV0=\/fit-in\/900x600\/filters:no_upscale()\/pic172332.jpg\" alt=\"Quelle: Internet\" width=\"445\" height=\"293\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00dcbrigens KEIN Verr\u00e4terspiel<\/em><\/p>\n<p>Einige Sonderf\u00e4lle w\u00e4ren <em>Bang<\/em> (versteckte Teams) oder <em>Archipelago<\/em> (eine Art Verr\u00e4ter). Die Frage bei ersterem w\u00e4re, ob es gen\u00fcgend M\u00f6glichkeit gibt, Teammitglieder an ihren Handlungen zu erkennen. Aber ja, es ist ein Spiel mit versteckten Teams und daher ist zumindest ein Social Deduction Mechanismus erkennbar. Bei <em>Archipelago<\/em> w\u00fcrde ich davon nicht sprechen, denn zum einen ist die Existenz der einen Rolle nicht garantiert, vor allem aber kann der Separatist auch gewinnen, wenn er seine Siegbedingung nicht erf\u00fcllt &#8211; es gelten dann f\u00fcr ihn die normale Siegbedingungen. Damit fehlt aber ganz konkret die Bedinung, dass die Rolle entscheidet, ob ich gewinne oder verliere. Nein, der Separatist bringt kein Social Deduction &#8211; Element in <em>Archipelago<\/em> ein, sondern regelt nur einen Sonderfall beim Spielende.<\/p>\n<p>Ein ganz anderer Fall sind die Kommunikationsspiele der Gattung<em> Fake Artist goes to New York<\/em> (und \u00e4hnliche Spiele wie dieses Sternspiel von Zoch, <em>The Chameleon<\/em> oder <em>Detective Club<\/em>), <em>Insider<\/em>, <em>Werw\u00f6rter<\/em> oder gar <em>When I dream. <\/em>Hier gibt es jeweils immer einen Verr\u00e4ter und das Abschneiden von allen h\u00e4ngt davon ab, ob der Verr\u00e4ter gefunden wird oder nicht &#8211; die Rolle bestimmt also ob man gewonnen oder verloren hat. Sicherlich, oft ist es nicht gleich das ganze Spiel das gewonnen oder verloren wurde, sondern nur eine einzelne Runde, doch da die Runden hier im Prinzip nichts anderes sind als kleine Minipartien, sehe ich das nicht als entscheidend an. Dieses Genre ist also eine klare Unterkategorie von Social Deduction, aber auch eine, die bislang noch nicht benannt wurde &#8211; &#8220;Fake artist \u00e4hnliche Spiele&#8221; habe ich schon gelsen, auch &#8220;Aktion-Social Deduction&#8221; oder gar &#8220;Kommunikations Social Deduction Spiele&#8221; w\u00e4ren denkbar, aber doch etwas unhandlich. Gemein ist diesen Spielen, dass ein Spieler der &#8220;Verr\u00e4ter&#8221; ist, aber &#8220;Ver\u00e4ter&#8221; ist ja im Prinzip falsch, da er ja die Gruppe nicht scheitern l\u00e4sst (bei <em>Fake Artist<\/em> gibt es prinzipiell ja auch kein scheitern, au\u00dferhalb von &#8220;Verr\u00e4ter nicht erkannt&#8221;), im Prinzip gilt also jemanden aufzusp\u00fcren, der nur so tut, als w\u00e4re er ein normales Gruppenmitglied. In Anlehnung an &#8220;Verr\u00e4terspiele&#8221; w\u00fcrde ich daher &#8220;Betr\u00fcgerspiele&#8221; oder international vielleicht &#8220;Pretender Games&#8221; f\u00fcr dieses Genres vorschlagen.<\/p>\n<p>Ob sich das durchsetzt, wird man sehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-18368\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-525x700.jpg 525w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-370x493.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-270x360.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-570x760.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-375x500.jpg 375w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927-740x987.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/thumbnail_20190330_163927.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Oh yes, Im the great pretender!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Ahnung, ob meine \u00dcberlegungen zur Brettspielfachsprache jemanden innerhalb oder gar au\u00dferhalb meiner Blase interessieren, aber jedenfalls nach Legacy-Spielen und Zivilisationsspielen hier ein paar Gedanken \u00fcber Social Deduction Games. 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