{"id":17107,"date":"2018-02-04T12:55:49","date_gmt":"2018-02-04T10:55:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=17107"},"modified":"2018-02-04T12:55:49","modified_gmt":"2018-02-04T10:55:49","slug":"gelesen-oxford-history-of-boardgames","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2018\/02\/04\/17107\/","title":{"rendered":"Gelesen: Oxford History of Boardgames"},"content":{"rendered":"<p>Guten Abend, meine Damen und Herren! Matthias ist noch in N\u00fcrnberg also bin ichs mal wieder. Matthias kommt dann n\u00e4chsten Sonntag zur\u00fcck und schreibt vielleicht was \u00fcber die Messe oder auch nicht oder so.<\/p>\n<p>Ich habe mal wieder was gelesen und zwar &#8220;The Oxford History of Boardgames&#8221; von David Parlett. Dies ist der Nachfolger von <em>The history of Cardgames,<\/em> dass ich <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/03\/01\/276\">hier <\/a>bereits kurz besprochen habe. Dieses Buch ist relativ selten und ist eigentlich nur zu Mondpreisen zu bekommen. Aber Geduld zahlt sich aus und als bei Amazon ein Buch f\u00fcr 30\u20ac verf\u00fcgbar war, habe ich gleich einmal zugegriffen. Ich will hier einmal ein bisschen was \u00fcber das Buch schreiben und dann einen Aspekt herausgreifen, den ich interessant fand:<\/p>\n<p>Wie der Titel schon sagt, geht es um die Geschichte der Brettspiele, wobei sich Parlett auf die eher klassischen Spiele konzentriert, auch wenn moderne Spiele durchaus ihren Platz haben (insbesondere wenn sie einen &#8220;klassischen&#8221; Aspekt weiterentwickeln). Das letzte Kapitel geht auch kurz auf moderne Spiele ein, wobei er vor allem den thematischen Aspekt hervorhebt &#8211; aber wegen dieses Kapitel kauft man sich das Buch bestimmt nicht!<\/p>\n<p>Wer die anderen B\u00fccher von Parlett kennt, wei\u00df dass er sehr pr\u00e4zise schreibt und hier liegt eine St\u00e4rke des Buches: So versucht er sich am Anfang an einer Definition von &#8220;Brettspiel&#8221; so wie an einer grunds\u00e4tzlichen Einordnung der abstrakten Spiele in verschiedene Gruppen. Zwangsl\u00e4ufig muss eine solche Zuordnung problembehaftet sein, weil es einfach zu viele Grauzonen gibt und weil Spiele historisch zusammengeh\u00f6ren, die sich dann aber in verschiedenen Gruppen wiederfinden. Aber weil Parlett diese Probleme erkennt und eben sch\u00f6n pr\u00e4zise schreibt, sind diese Abhandlungen sehr lesenswert und ich fand gleich auf den ersten Seiten mehrere S\u00e4tze, die ich gerne eingerahmt h\u00e4tte. Wer sich f\u00fcr Spieldesign interessiert, findet hier viel lesenswertes.<\/p>\n<p>Das eigentliche Buch befasst sich ja aber nun mit der Brettspielgeschichte und die ist -soweit ich das beurteilen kann &#8211; umfassend dargestellt. Die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che ist, dass das Buch mindestens h\u00e4tte doppelt so lange sein m\u00fcssen, denn oft werden viele Varianten vorgestellt, ohne komplett auf die Regeln oder die Auswirkungen der Unterschiede einzugehen. So sind manche Spielebeschreibungen weder Fisch noch Fleisch: Zu lang, f\u00fcr die Informationen, die sie bieten, aber zu kurz, um wirklich etwas damit anfangen zu k\u00f6nnen. Und manchmal verliert Parlett einem bei dem Tempo auch. Tats\u00e4chlich sind die st\u00e4rksten Kapitel die, in denen er sich ausf\u00fchrlicher einem Spiel widmet. Sicher, gibt es z.B. reine Schachhistorienb\u00fccher, aber dennoch ist das Kapitel \u00fcber die verschiedenen Entwicklungsstufen des <em>Schachs<\/em> absolut schl\u00fcssig und lesenswert, auch weil es sich auf die ganzen Kapitel davor beziehen kann, in denen die Geschichte der Vorg\u00e4nger beschrieben wurden (nebenbei zerst\u00f6rt er dabei den oft geh\u00f6rten Mythos, dass Schach ein Autorenspiel sei, ziemlich vollst\u00e4ndig, genauso wie, dass es urspr\u00fcnglich mit W\u00fcrfeln gespielt worden w\u00e4re).<\/p>\n<p>Insgesamt w\u00fcrde ich nach wie vor nicht empfehlen sich f\u00fcr eine gebrauchte Version dieses Buches zu verschulden, aber die 30\u20ac, die ich bezahlt habe, ist es definitiv als Nachschlagwerk wert &#8211; auch gerade wegen den oben erw\u00e4hnten Nebens\u00e4tzen und Beoachtungen.<\/p>\n<p>Eine davon ist:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center\">&#8220;A point of interest about modern boardgames is their gradual shift of emphasis from the board and into the circle of players.&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center\"><em>(Ein interessanter Punkt ist die Verlagerung des Schwerpunktes bei modernen Brettspielen: Weg vom Spielbrett und hin zu den Spielern selbst.)<\/em><\/p>\n<p>Er f\u00fchrt das noch etwas aus: Bei klassischen Brettspielen wie <em>Schach<\/em> oder <em>M\u00fchle<\/em> findet alles auf dem Brett statt. Bei Spielende kann ein Unbeteiligter einen Blick auf das Brett werfen und wei\u00df, wer gewonnen hat. Bei den meisten modernen Spielen kommt ein Gro\u00dfteil des Materials gar nicht in Kontakt mit dem Spielbrett. Der Spielplan wird zwar noch ben\u00f6tigt, aber er ist nicht die einzige Spielfl\u00e4che, ein Blick auf ihn reicht i.A. nicht aus, um den Gewinner zu ermitteln &#8211; <em>Terraforming Mars<\/em> ist ein sch\u00f6nes Beispiel, bei dem der Spielplan\u00a0 nur einen kleinen Teilaspekt abbildet, eine Schnittmenge zwischen den Spielern. Bei anderen Spielen ist das Brett dann nur noch eine Punkteanzeige und das eigentliche &#8220;Spiel&#8221; findet woanders statt &#8211; Man denke an <em>Der Wiederstand<\/em>, aber auch an Quizspiele. Rollenspiele sind dann die logische Fortsetzung des Prozesses, wo es dann (normalerweise) gar kein Spielbrett mehr gibt. Auch R\u00e4tselspiele wie Escape-Games w\u00fcrde ich hier erw\u00e4hnen wollen.<\/p>\n<p>Diese Beobachtung finde ich h\u00f6chst interessant! Nat\u00fcrlich gibt es nach wie vor &#8220;reine&#8221; Brettspiele, aber der Trend geht in der Tat runter vom Brett &#8211; und in erster Linie in Karten. Karten erm\u00f6glichen \u00dcberraschungen (verdeckte Informationen) und k\u00f6nnen extrem flexibel gestaltet werden. Spiele, die komplett auf dem Brett gespielt werden, f\u00fchlen sich tats\u00e4chlich manchmal recht &#8220;Old School&#8221; an (ohne dass das jetzt negativ oder positiv w\u00e4re).<\/p>\n<p>Mehr noch: Das Brettspiele jetzt immer breiter aufgestellt sind &#8211; mit den ganzen modernen &#8220;Partyspielen&#8221; , R\u00e4tselspielen, Bluffspielen etc. kann man darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass man das Brett durch etwas anderes ersetzt, das man sich langsam davon l\u00f6st. &#8220;Brettspiele&#8221; sind nat\u00fcrlich historisch bedingt an ein Brett gekoppelt (Sagt ja schon der Name&#8230;) und daher ist es kein Wunder, dass sich Autoren schwer getan haben, sich von dem zu l\u00f6sen und die M\u00f6glichkeiten zu nutzen, die im Brettlosen Spiel stecken. Sicherlich <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2017\/01\/21\/16271\">wieder <\/a>ein Zeichen daf\u00fcr, dass Originalit\u00e4t im Regelbruch steckt!<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Abend, meine Damen und Herren! Matthias ist noch in N\u00fcrnberg also bin ichs mal wieder. Matthias kommt dann n\u00e4chsten Sonntag zur\u00fcck und schreibt vielleicht was \u00fcber die Messe oder auch nicht oder so. Ich habe mal wieder was gelesen und zwar &#8220;The Oxford History of Boardgames&#8221; von David Parlett. 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