{"id":16090,"date":"2016-09-17T18:19:09","date_gmt":"2016-09-17T16:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=16090"},"modified":"2016-09-15T19:42:51","modified_gmt":"2016-09-15T17:42:51","slug":"ich-bin-keine-sternwarte-lass-mich-hier-exiten-escape-the-room-und-exit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2016\/09\/17\/16090\/","title":{"rendered":"Ich bin keine Sternwarte, Lass mich hier exiten- Escape the Room und Exit"},"content":{"rendered":"<p><em>Escape Games<\/em> sind das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding. Das letzte Mal, dass in \u00e4hnlicher Manier sich \u00e4hnlich viele Verlage auf dasselbe Prinzip st\u00fcrzten, kamen ein Dutzend <em>Sudoku<\/em>-Spiele auf den Markt. Da kann man nur hoffen, dass das Output dieses Mal nicht so grottig wird &#8211; gl\u00fccklicherweise eine eher niedrige H\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich spiele schon ziemlich lange Escape-Games &#8211; auf dem Computer . Meine pers\u00f6nliche Empfehlung sind die Werke von <a href=\"http:\/\/neutralxe.net\/esc\/index.html\">Neutral<\/a>, die zwar allesamt ordentlich knifflig sind, aber auch originelle R\u00e4tsel ohne unfairen Kram bieten.<\/p>\n<p>Nach recht gro\u00dfem Erfolg der Browsergest\u00fctzten Escape Games, kamen dann irgendwann \u201eReal Escape Games\u201c auf &#8211; Hier kann man sich in Gruppen von vier Personen (Plusminus; Raumabh\u00e4ngig) einschlie\u00dfen lassen und in Echtzeit echte R\u00e4tsel l\u00f6sen, bis sich die echte T\u00fcr wieder \u00f6ffnet. Hier gibt es anders als am Computer ein Zeitlimit, vermutlich schon aus organisatorischen Gr\u00fcnden. Browser- und Echtzeitversionen sind unterschiedliche Variationen derselben Idee und beide haben ihre Vor- und Nachteile und beide haben ihre Berechtigung: Die Browserspiele sind <a href=\"http:\/\/jayisgames.com\/tag\/escape\">umsonst<\/a>, gut f\u00fcr zwischendurch und bieten normalerweise knackigere R\u00e4tsel (schon allein, weil dem L\u00f6ser unendlich viel Zeit zur Verf\u00fcgung steht). Die &#8220;echte&#8221; Variante lebt vom Gruppenerlebnis und vom Zeitdruck, aber vor allem von der Physis: Man kann alles fest anfassen, alles ausr\u00e4umen, man muss echt suchen, man muss selbst entscheiden, was Deko ist und was relevant (anders als am Browser, wo man nicht manipulierbares nicht anklicken kann). Beides ist empfehlenswert, auch wenn die echten Escape Games doch zu teuer sind, um die jeden Abend zu spielen&#8230;<\/p>\n<p>Nun kommen Escape-Games auch als \u201eBrettspiele\u201c auf den Markt. Wobei das etwas missverst\u00e4ndlich ist: Man bekommt Schachteln mit Spielmaterial, die R\u00e4tsel anbieten, die gel\u00f6st werden wollen. Ein Browser-Escape-Spiel in Papierform also. Allerdings mit Zeitdruck &#8211; vermutlich, um die R\u00e4tsel schwieirger zu machen und\/oder mehr Brettspielfeeling aufkommen zu lassen. Hier fehlt allerdings dennoch sowohl die Physis der <em>real Escape Games<\/em> als auch die freie Verf\u00fcgbarkeit der Browserspiele. Ich stehe dem Konzept also erst einmal kritisch gegen\u00fcber und m\u00fcsste erst einmal \u00fcberzeugt werden. Daher habe ich <em>Das Geheimnis der Sternwarte<\/em>\u00a0 (erstes Spiel der Reihe <em><a href=\"http:\/\/www.thinkfun.com\/escapetheroom\/de\/\">Escape the Room<\/a><\/em>)von Nicholas Cravotta &amp; Rebecca Bleasu (Think Fun) und das Promo von<em> <a href=\"http:\/\/www.exit-das-spiel.de\/\">Exit The Game<\/a><\/em> von Inka und Markus Brand (Kosmos) durchgespielt (mal ein passender Begriff f\u00fcr ein Brettspiel).<\/p>\n<p>Rein vom Material her ist die Sternwarte ein ganzes St\u00fcck besser: Gr\u00f6\u00dfere Umschl\u00e4ge, liebevollere Graphik aber vor allem dickere Pappe und durchaus richtig haptische Gimmicks, w\u00e4hrend <em>Exit<\/em> etwas &#8220;flimsig&#8221; ist (zumindest das Promo). Das liegt aber auch am Ansatz: Die Sternwarte kann man durchspielen und dann wieder &#8220;auf Anfang&#8221; setzen und jemand anderem zum Durchspielen geben. Oder gar scheitern und von vorne beginnen (wobei ich nicht wei\u00df, ob das tats\u00e4chlich jemand macht).\u00a0 Bei <em>Exit<\/em> wird das Spielmaterial dagegen verbraucht und das Spiel ist nach einer Partie weg. Daher kann der Preis da gar nicht so hoch gesetzt werden und daher uss nat\u00fcrlich am Material gespart werden.<\/p>\n<p>Rein mechanisch verwenden beide Spiele tats\u00e4chli einen \u00e4hnlichen Ansatz: Es werden jeweils Codes gesucht (und zwar linear immer einer nach dem anderen) und die dann mittels Codescheibe \u00fcberpr\u00fcft. Bei Exit zeigt die Scheibe dann eine Karte an, die gezogen werden kann und die bei falschem Code eben &#8220;Falscher Code&#8221; zeigt und bei richtigem Code weitere Anweiungen gibt. Bei der Sternwarte gibt die\u00a0 Codescheibe ein verklausuliertes &#8220;OK!&#8221; und man darf den Umschlag \u00f6ffnen, dessen Code man dann gerade geknackt hat. Das funktioniert thematisch etwas besser als bei Kosmos, da man so &#8220;wirklich&#8221; den Tresor oder die T\u00fcr oder sonstwas \u00f6ffnet. \u00dcberhaupt wurde bei der Sternwarte deutlich mehr wert auf das Thema geachtet und man hat auch eine irgendwo interessante Hintergrundgeschichte (So lange man kein<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Deus_Ex\"> Deus Ex <\/a>erwartet) . Bei Kosmos dagegen ist die Hintergrundgeschichte nichtexistent &#8211; das kann aber auch am Promo gelegen haben. Wie thematisch die &#8220;echten&#8221; F\u00e4lle sind, ist mir nicht bekannt. Etwas umst\u00e4ndlich in der Handhabung sind beide &#8211; das liegt in der Natur der Sache. Der Kontrollmechanismus muss &#8220;von hand&#8221; ausgef\u00fchrt werden, w\u00e4hrend er im Browser oder im realen Raum im Hintergrund abl\u00e4uft &#8211; ich sehe sofort ob etwas funktioniert und muss nicht erst diverse Dinge divers einstellen. Das war aber bereits vorher klar, dass das ein Schwachpunkt sein w\u00fcrde&#8230;<\/p>\n<p>Doch das sind alles Nebenschaupl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Escape Games aller Art stehen und fallen mit den R\u00e4tseln. Beide Spiele haben f\u00fcr mich schon einmal den gewaltigen Nachteil, dass sie linear sind. Ein R\u00e4tsel muss gel\u00f6st werden, bevor das n\u00e4chste gel\u00f6st werden kann. Bei einem guten Escape-Spiel kann ich aber an mehreren R\u00e4tseln gleichzeitig arbeiten, so dass ich -komme\u00a0 ich bei a) nicht weiter, vielleicht etwas bei b) erreiche. Au\u00dferdem kann man nat\u00fcrlich besser mit mehreren knobeln, wenn verschiedene Leute auch verschiedene Dinge machen k\u00f6nnen und nicht alle auf dasselbe R\u00e4tsel starren, das sowieso nur einer zur Zeit bearbeiten kann. Und hier liegt <em>Exit<\/em> meilenweit vorne.<\/p>\n<p>Tut mir Leid, Think Fun, aber ich war zwischendurch regelrecht sauer auf das Gebotene! Au\u00dfer dem Bonusr\u00e4tsel ganz am Ende war kein R\u00e4tsel irgendwie originell. Mehr noch: Ein gro\u00dfer Reiz bei Escape Games ist es herauszufinden, was eigentlich die Aufgabe ist. Man sieht Hinweise und muss damit entschl\u00fcsseln, welcher Hinweis zu welchem Code geh\u00f6rt. Bei der Sternwarte m\u00fcssen vorwiegend handels\u00fcbliche Legepuzzle gepuzzelt werden. Mit der Ausnahme von eben jenem Bonusr\u00e4tsel, war immer sofort klar, was gemacht werden muss: Ah, wir m\u00fcssen das nachpuzzlen. Ah, die kommen darauf und m\u00fcssen so und so verbunden werden. Oh, die Teile geh\u00f6ren darauf. Der Rest ist das Verschieben von Teilen auf postkartengro\u00dfen Papptafeln. Und an dieser Stelle: Was hat euch geritten, liebe Thinkfun-Leute, f\u00fcr &#8220;3-8 Spieler&#8221; auf die Schachtel zu schreiben? Was sollen die Leute, die keine Puzzleteile in der Hand haben denn machen? Ich meine, Tangram kann man nicht zu sechst (geschweige denn zu acht!)\u00a0 l\u00f6sen &#8211; das geht allerh\u00f6chstens zu zweit. Alle anderen gucken im besten Fall zu und st\u00f6ren im schlechtesten Fall. Ich habe die Sternwarte mit meiner Frau zu zweit gespielt und selbst da, hat sich zwischendurch oft einer gelangweilt. Da es ja nicht weitergeht, wenn ein Puzzle nicht gel\u00f6st wurde, die Teile aber eher klein geraten sind, kann man nur zusehen, wie ein anderer sich abstrampelt. Da h\u00e4tten die Puzzles ganz anders gestaltet werden m\u00fcssen (Nur das erw\u00e4hnte Bonuspuzzle ist gelungen: Es ist originell, da kann sich tats\u00e4chlich jeder an der L\u00f6sung beteiligen und es ist eben nicht ganz klar, wie es gel\u00f6st werden muss. Leider ist es das einzige dieser Art in dem Spiel). Bei mir blieb das Gef\u00fchl ein R\u00e4tselbuch nachzuspielen: Ein R\u00e4stel! Ein paar Zeieln Text! Noch ein R\u00e4tsel! Ein paar Zeilen Text! Und&#8230;wieder ein R\u00e4tsel! Und leider eben keine spannenden, interessanten oder verbl\u00fcffenden R\u00e4tsel, sondern die Klassiker, die man schon huindertmal gesehen hat, wenn man schon mal R\u00e4tsel <em>irgendwo<\/em> gel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Exit macht hier dagegen einiges richtig: Die Aufgaben sind vielf\u00e4ltiger und origineller und vor allem muss der Code wirklich <em>gefunden<\/em> werden. Es ist nicht sofort klar, was man machen muss und man kann eben zu zweit oder zu dritt durchaus diskutieren und gemeinsam die L\u00f6sung suchen. Leider war das Promo recht kurz, ich hoffe, die eigentlichen Aufgaben sind l\u00e4nger. Aber ich hatte in der verk\u00fcrzten Zeit mehr as Spa\u00df als bei der Sternwarte. Vielleicht mag man das anders sehen, wenn man sich normalerweise nicht f\u00fcr diese Art Spiel interessiert &#8211; aber warum sollte man\u00a0 denn dann ausgerechnet <em>jetzt<\/em> damit anfangen?<\/p>\n<p>Doch ganz ehrlich: So richtig bis ganz zuletzt \u00fcberzeugt haben mich beide Spiele nicht wirklich. Die Vorteile der Browserspiele sind einfach zu deutlich: Nicht nur sind sie umsonst, sondern auch einfach in der Handhabung. Aber auch denke ich, h\u00e4tte man die F\u00e4lle etwas weniger linear machen k\u00f6nnen. Das w\u00e4re mit etwas Aufwand problemlos m\u00f6glich gewesen! Aber ich kann mir schon noch vorstellen, mal <em>ein<\/em> Exit zu verschenken und w\u00fcrde mich durchaus auch freuen, wenn ich eines geschenkt bek\u00e4me. Die Sternwarte ist dagegen doch eher etwas, dass man in einem Ferienhaus parken kann: Bei schlechtem Wetter erfreut es vielleicht die G\u00e4ste und man braucht nicht st\u00e4ndig R\u00e4tselb\u00fccher zu kaufen. Aber den Anspruch, den ich an ein gutes Escape Game stelle, verfehlt es leider auf ganzer Linie.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Escape Games sind das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding. Das letzte Mal, dass in \u00e4hnlicher Manier sich \u00e4hnlich viele Verlage auf dasselbe Prinzip st\u00fcrzten, kamen ein Dutzend Sudoku-Spiele auf den Markt. Da kann man nur hoffen, dass das Output dieses Mal nicht so grottig wird &#8211; gl\u00fccklicherweise eine eher niedrige H\u00fcrde. 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