{"id":1599,"date":"2010-09-12T08:35:57","date_gmt":"2010-09-12T06:35:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=1599"},"modified":"2010-09-12T08:35:57","modified_gmt":"2010-09-12T06:35:57","slug":"alle-spiele-sind-nicht-toll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/09\/12\/1599\/","title":{"rendered":"Alle Spiele sind nicht toll"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich gewundert hat, dass zwei Verlagsvorstellungen hintereiander erschienen sind: Das ist auf menschliches Versagen zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; ich hab den falschen Knopf gedr\u00fcckt&#8230; Damit nix verloren geht: <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/09\/10\/1480\">Hier <\/a>der Link f\u00fcr die Vorstellung von Medusa Games (Great Fire of London) und <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/09\/09\/1587\">hier <\/a>f\u00fcr die von Strothmann-Spiele (i9n).<\/p>\n<p>Wenn man sich mit Leuten unterh\u00e4lt, die nicht aus dem Hobby kommen wird man als Autor immer dasselbe gefragt: Kann man davon leben? Wie viel verdient man so? Woher kommen die Ideen? Die Antworten darauf sind einfach (Nein\/Wenig\/42). Wird man dagegen als Rezensent gefragt, was denn nun ein gutes Spiel ausmacht und wie man ein Spiel bewertet, dass einen selbst nicht gef\u00e4llt, aber wohl anderen, ist die Antwort nicht so leicht. Zumindest ist sie nicht so kurz. Tats\u00e4chlich wird die Frage oft auch online diskutiert, ohne dass es eine echte Antwort gibt. Michael Knopf antwortete mal auf eine entsprechende Frage: &#8220;Man m\u00fcsse allgemeiner urteilen&#8221;, was nix aussagt. Andere meinen pl\u00f6tzlich und kontr\u00e4r zum sonstigen Bewertungsverhalten, es g\u00e4be eigentlich keine schlechten Spiele, denn irgendjemanden macht das Spiel ja schon Spa\u00df. Gibt es also keine schlechten Spiele sondern nur schlechte Spieler?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es zwei h\u00e4ufige Ans\u00e4tze, die beide aber imho falsch sind:<\/p>\n<p>1.) <strong>Je mehr Leute ein Spiel gut finden desto besser ist das<\/strong>. Klingt auf den ersten Blick irgendwo einleuchtend und auch objektiv. Gut, <em>Monopoly<\/em> mag mir nicht gefallen, aber es h\u00e4lt sich so lange auf dem Markt, da muss doch irgendwas gut dran sein? Argumentiert man so, ist die Bild-Zeitung auch die beste Zeitung und bei McDonalds gibt es das beste Essen. Vor allem aber hie\u00dfe das: Alle Hasbro-Spiele sind automatisch gut und alle Spiele von Kleinverlag XYZ automatisch schlecht. Dieses Argument f\u00fchrt in eine Sackgasse &#8211; wenn \u00fcberhaupt m\u00fcsste man den Ratio &#8220;Leute m\u00f6gen es&#8221; gegen &#8220;Leute m\u00f6gen es nicht&#8221; befragen. Und das ist unm\u00f6glich herauszufinden (und \u00fcberraschend viele Leute werden auf Anfrage angeben dass sie a) Monopoly m\u00f6gen und es b) seit sie 15 waren nicht mehr gespielt haben).<\/p>\n<p>2.) <strong>So lange es der Zielgruppe gef\u00e4llt, ist ein Spiel gut.<\/strong> Dies ist schon schwieriger. Das Hauptproblem ist das Wort &#8220;Zielgruppe&#8221;, dass zu den am h\u00e4ufigsten falsch gebrauchten Worten der Spieleszene geh\u00f6rt. Was die meisten meinen ist: Wenn es Leute gibt, denen das Spiel gef\u00e4llt, kann es nicht schlecht sein. Nach der Argumentation gibt es keine schlechten Spiele, denn selbst Spiele mit physischen Schmerzen wie &#8220;Fingerkloppel&#8221; oder Messer-schnell-zwischen-Finger-einstechen (Hat das einen Namen?) werden von irgendwelchen Leuten gespielt. Das ist aber -mit alle, Respekt gegen\u00fcber dem Fingerkloppel-Fanclub &#8211; schlicht Unsinn. Nur weil es irgendjemanden gef\u00e4llt, muss ein Spiel kein gutes Spiel sein.<\/p>\n<p>Das Problem hier ist, dass die Zielgruppe falsch definiert wird: Sie wird n\u00e4mlich als die Gruppe festgelegt, der das Spiel gef\u00e4llt. Und das ist schlicht falsch. Die Zielgruppe ist die Gruppe, f\u00fcr die das Spiel <em>gedacht <\/em>ist, die sich durch das Spiel angesprochen f\u00fchlen <em>sollte<\/em>. Ob sie es tut steht auf einem anderen Blatt. Im Prinzip ist es so wie mit einem Dartspiel: Man h\u00e4ngt erst das Brett auf und sieht dann ob man trifft. Die Zielgruppe als die Gruppe zu definieren, die <em>mein <\/em>Spiel mag, ist so als w\u00fcrfe man zuerst auf eine Wand und male dann eine Scheibe um den Einschlagspunkt.<\/p>\n<p>Damit kommen wir aber zu einer brauchbaren Definition: Ein gutes Spiel ist ein Spiel, dass der (vorher festgelegten)\u00a0 Zielgruppe gef\u00e4llt. Genauer: Ein Spiel welches die Zielgruppe besser bedient als andere Spiele. Die Bewertung ist nat\u00fcrlich immer noch subjektiv, aber man hat jetzt zumindest eine relative Messlatte &#8211; relativ zu anderen Spielen f\u00fcr diese Zielgruppe. Zuerst muss ein Rezensent also erst einmal herausfinden, f\u00fcr wen das Spiel eigentlich gedacht ist. Wenn das schwer f\u00e4llt, ist das schon mal ein recht sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass das Spiel nicht zielgruppengerecht ist (Anmerkung: Eine <em>undefinierte <\/em>Zielgruppe ist was anderes als eine <em>kleine <\/em>Zielgruppe. Spiele wie Mystic Path oder die zehnst\u00fcndigen 18xx-Monster (wie Ungarn IICR) haben eine kleine, aber sehr klar definierte Zielgruppe). Ist das getan, so muss das Spiel im Vergleich mit anderen Spielen aus derselben Zielgruppe bestehen &#8211; und dazu stehen dem Rezensenten dann die bekannten Werkzeuge wie Aufforderungscharakter, Originalit\u00e4t, Wiederspielreiz, Einflussm\u00f6glichkeiten, Komplexit\u00e4tsgrad etc. zur Verf\u00fcgung (die je nach Zielgruppe nat\u00fcrlich unterschiedlich angewandt werden).<\/p>\n<p>Mit dieser Definition wird auch klar, warum Spiele, die vor 20 Jahren noch als gut galten heute oft nicht mehr als so gut wahrgenommen werden, obwohl sie ja nicht schlechter geworden sein k\u00f6nne: Die Spiele haben sich nicht ge\u00e4ndert, aber die Zielgruppe ist h\u00e4rter umk\u00e4mpft und die Spiele m\u00fcssen sich mit mehr Konkurrenten messen. Wer eine Zielgruppe alleine abdeckt, muss dies nicht besonders gut tun, Hauptsache jemande tut es. Kommt aber Konkurrenz dazu, werden nur die besten \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Beliebt ist das Argument: &#8220;Leute, die sonst nicht spielen, finden das Spiel aber toll&#8221;. Das Argument ist aber -wie man nun sieht &#8211; ung\u00fcltig. &#8220;Leute die sonst nicht spielen&#8221; ist keine Zielgruppe &#8211; denn gemeint ist eigentlich &#8220;Leute, die nur mein Spiel kennen&#8221;&#8230; Mag sein, dass denen das Spiel gef\u00e4llt. Das sei denen unbenommen. Ein Rezensent muss aber pr\u00fcfen, ob denen nicht mit einem anderen Spiel mehr gedient w\u00e4re.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich gewundert hat, dass zwei Verlagsvorstellungen hintereiander erschienen sind: Das ist auf menschliches Versagen zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; ich hab den falschen Knopf gedr\u00fcckt&#8230; Damit nix verloren geht: Hier der Link f\u00fcr die Vorstellung von Medusa Games (Great Fire of London) und hier f\u00fcr die von Strothmann-Spiele (i9n). 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