{"id":15899,"date":"2016-05-01T10:50:33","date_gmt":"2016-05-01T08:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=15899"},"modified":"2016-05-01T10:50:33","modified_gmt":"2016-05-01T08:50:33","slug":"reaktionen-auf-redaktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2016\/05\/01\/15899\/","title":{"rendered":"Reaktionen auf Redaktionen"},"content":{"rendered":"<p>Ich muss diese Woche einmal einen Kommentar \u00fcber etwas loswerden, dass erstmal nichts mit Spielen zu tun hat. Aber keine Angst: Ich versuche am Ende den Bogen wieder ordnungsgem\u00e4\u00df zu den Brettspielen schlagen!<\/p>\n<p>Es geht um ein Urteil des <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2016-04\/vg-wort-bgh-urteil-buchbranche-deutschland\">BGH <\/a>und ich hole erst einmal kurz aus: Ein Buch schafft nat\u00fcrlich Einnahmen durch Verk\u00e4ufe. Es gibt aber dar\u00fcber hinaus auch weitere Einnahmen (so m\u00fcssen Copyshops eine Pauschale zahlen), die von VG Wort verwaltet werden. Bislang war es Usus, dass diese Pauschalbetr\u00e4gt nach einem bestimmten Schl\u00fcssel\u00a0 zwischen Autor und Verlag aufgeteilt werden &#8211; in der Fachliteratur waren das 50:50. Das BGH hat nun festgestellt: Eine solche pauschale Abrechnung ist nicht mit dem Urheberrecht vereinbar. Die Autoren, nicht die Verlage, sind ausdr\u00fccklich auch trotz Redaktionsarbeit die Urheber und daher darf auch nicht \u00fcber deren Kopf hinweg eine Zahlung dieser Pauschale an die Verlage gehen. Was mich jetzt ein bisschen ge\u00e4rgert hat (und ja, sorry, aber das ist mein Blog, da schreibe ich was mich bewegt ;-) sind gleich zwei negative Kommentare in der Zeit, die beide komplett am Punkt vorbeigehen (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2016-04\/bgh-vg-wort-verlage-kommentar\">hier <\/a>und <a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwif9cTO9LPMAhXH8ywKHUurAB0QqQIIHjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Ffreitext%2F2016%2F04%2F27%2Fvg-wort-urteil-vogel-brief-koehler%2F&amp;usg=AFQjCNG1L-cOU-JRmqh6H3g66kZzmlpK7Q&amp;sig2=EBCD6DwZqojWN4WYecPXng\">hier<\/a>). Ich will gar nicht auf das offensichtlichere Problem mit diesen Kommentaren eingehen (sie adressieren das Gericht bzw. den Kl\u00e4ger. Nun ist es ja aber nicht Aufgabe des Gerichts Gesetze zu bewerten, sondern anzuwenden &#8211; der Gesetzgeber w\u00e4re der richtige Adressat). Auch kann ich nicht beurteilen, wie schlimm das Urteil den Buchmarkt wirklich trifft (in anderen L\u00e4ndern gibt es diese Abgabe allerdings ebensowenig wie eine Buchpreisbindung). Was ich aber kann, ist einmal auf den zweiten Denkfehler hinzuweisen: Das Urteil <em>verbietet<\/em> eine andere Aussch\u00fcttung nicht. Im Gegenteil: Es sagt nur aus, dass Verlage den Verteilungsschl\u00fcssel mit den Autoren vertraglich regeln m\u00fcssen, die Autoren also verhandeln k\u00f6nnen. Was am Ende dabei rauskommt, wird vermutlich ein Standardvertrag sein, so wie es ihn in den meisten anderen Punkten (z.B. der Verg\u00fctung) bereits gibt. Wenn sich die Verlage einen anderen Schl\u00fcssel nicht leisten k\u00f6nnen, dann m\u00fcssen sie entsprechend verhandeln.<\/p>\n<p>Was das Urteil f\u00fcr mich als <em>Brettspiel<\/em>autor interessant macht, ist die Feststellung des Gerichtes , dass die Redaktionsarbeit f\u00fcr ein Buch f\u00fcr den Verlag nicht ausreicht, um dort einen Teil der Pauschale zu beantragen. Nun gibt es nat\u00fcrlich keine VG Wort im Brettspielbereich (jedenfalls w\u00fcsste ich von keiner), aber bislang stellte sich die Frage hier gar nicht, ob die Redaktionen vielleicht Co-Autoren sind. Und das ist keine selbstverst\u00e4ndliche Erkenntnis. Immerhin umfasst die Redaktionsarbeit bei einem Brettspiel sehr viel mehr\u00a0 als bei einem Buch. Ich will die Lektorarbeit nicht kleinreden, aber die Redaktion k\u00fcmmert sich um die gesamte Gestaltung eines Brettspieles, um jegwedes Spielmaterial, um die Spielregel und nat\u00fcrlich ebenfalls um das Lektorar, das diesmal nicht selten die gesamte thematische Einbettung und die Bearbeitung des Mechanismuses betrifft. Die Redaktionsarbeit an <em>Mombasa<\/em> betrug laut Spielbox wohl einige tausend Stunden. Ich kenne einige F\u00e4lle, wo entscheidene Impulse vom Verlag kamen (ich kenne auch ein paar Beispiele, wo der Verlag das Spiel schlechter gemacht hat, aber das nur nebenbei), ohne welche die Spiele nicht das w\u00e4ren, was sie sind. Und dennoch wurde zumindest in meiner Gegenwart niemals in Frage gestellt, dass der Autor derjenige ist, der das Werk geschaffen hat.<\/p>\n<p>Und das ist auch richtig so.<\/p>\n<p>Ohne den Autor g\u00e4be es kein Werk, dass der Verlag bearbeiten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich will die Verlagsarbeit nicht kleinreden, wirklich nicht! Mir ist bewusst, was Redaktionen leisten (manche mehr, andere weniger). Aber ein Verlag hat nat\u00fcrlich das Interesse, ein Spiel zu pr\u00e4sentieren, dass sich m\u00f6glichst gut verkauft. Also schleift er einen Rohdiamanten zum Brillianten. Wichtige Arbeit. Aber sie kann den urspr\u00fcnglichen Diamanten nicht ersetzen. Das hat das Gericht erkannt- und die Kollegen in der Buchbranche sollten sich an der Spieleszene ein Beispiel nehmen und erkennen, dass es nichts mit (mangelnder\/hoher) Wertsch\u00e4tzung zu tun hat, wenn man erkennt, dass die Verlagsarbeit notwendige, wichtige, entscheidende\u00a0 Arbeit ist, aber eben deutlich mehr Arbeit als k\u00fcnstlerischer Akt.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss diese Woche einmal einen Kommentar \u00fcber etwas loswerden, dass erstmal nichts mit Spielen zu tun hat. Aber keine Angst: Ich versuche am Ende den Bogen wieder ordnungsgem\u00e4\u00df zu den Brettspielen schlagen! Es geht um ein Urteil des BGH und ich hole erst einmal kurz aus: Ein Buch schafft nat\u00fcrlich Einnahmen durch Verk\u00e4ufe. Es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-15899","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15899"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15899\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15902,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15899\/revisions\/15902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}