{"id":15834,"date":"2016-02-27T22:04:20","date_gmt":"2016-02-27T20:04:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=15834"},"modified":"2016-02-26T22:41:00","modified_gmt":"2016-02-26T20:41:00","slug":"unprofessionell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2016\/02\/27\/15834\/","title":{"rendered":"Unprofessionell"},"content":{"rendered":"<p>Ein Rezensent dr\u00fcben in <a href=\"https:\/\/www.blackgate.com\/2016\/02\/23\/review-elizabeth-gilberts-big-magic-creative-living-beyond-fear-actually-rather-wise\/#more-125803\">Black Gate<\/a> hat das Buch <em>Big Magic<\/em> von Elizabeth Gilbert (<em>Eat Pray Love,<\/em> <em>The signature of all things<\/em> &#8211;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/customer-reviews\/R31O1KUL2DYZFS\/ref=cm_cr_pr_rvw_ttl?ie=UTF8&amp;ASIN=383330989X\">letzteres habe ich \u00fcbrigens gelesen<\/a>) rezensiert. Er fasst die Kernaussage des Buches so zusammen: Sei ernsthaft bem\u00fcht Spa\u00df dabei\u00a0 zu haben kreativ zu sein, aber nimmt dich dabei nicht zu ernst und erwarte nicht zu viel.<\/p>\n<p>Ob das dem Buch gerecht wird, wei\u00df ich nicht, aber ich halte das f\u00fcr ein ganz wunderbares Credo!<\/p>\n<p>Ich mache jetzt seit knapp zehn Jahren Brettspiele und ich mache es immer noch aus Spa\u00df. Und das ist auch wichtig: Es gab immer wieder Impulse von au\u00dfen, aber auch von mir selbst, mich an bestimmte Spiele zu versuchen &#8211; Spiele mit bestimmten Themen, Spiele mit bestimmten Material, Spiele mit bestimmten Mechanismus &#8211; weil die gerade gefragt sind oder weil die sich bestimmt toll verkaufen oder weil Verlag X gerade eine derartiges Spiel sucht. Ich habe gelernt: So funktioniere ich nicht. Wenn ich ein Spiel bastel, weil ich es &#8220;muss&#8221;, bzw, mit dessen Konzept ich mich nicht 100%ig identifiziere, dann wurde es in den meisten F\u00e4llen nix. Ich hatte oft das Gef\u00fchl, dass es zu gewollt r\u00fcberkam (war es ja auch) und das die Originalit\u00e4t, die W\u00fcrze fehlte.<\/p>\n<p>Seit der Geburt meiner zweiten Tochter habe ich noch weniger Gelegenheit an meinen Spielen zu arbeiten und ich muss noch genauer ausw\u00e4hlen, welche Ideen ich verfolge, welche Prototypen ich versuche zu verbessern. Und jetzt arbeite ich nur noch an Projekten, die mich wirklich reizen und dessen Konzepte mich wirklich \u00fcberzeugen. Das macht nat\u00fcrlich mehr Spa\u00df und ist weniger frustrierend. Aber tats\u00e4chlich habe (*aufHolzKlopf*) ich meine Erfolgsquote was &#8220;Spiele bei Verlagen unterzubringen&#8221; betrifft deutlich steigern k\u00f6nnen. Es ist schon witzig: Ich achte nicht mehr darauf, was den Markt interessieren k\u00f6nnte, sondern nur noch darauf was *mich* interessiert und bin damit erfolgreicher als vorher (Gut, das kann auch einfach eine statistische Anomalie sein, aber ich bin numal Optimist ;-) ). Das klappt eben auch, weil ich noch interessierter daran bin, dass die Spiele gut werden. Zudem ist der Markt mittlerweile gro\u00df genug um auch Verlage f\u00fcr Spiele mit kleineren Zielgruppen zu finden.<\/p>\n<p>Allerdings muss ich das ganze in zwei Punkten einschr\u00e4nken: Erstens sind B\u00fccher (auf die sich Gilbert bezieht) keine Spiele. Tats\u00e4chlich ist der Schaffensprozess fast entgegengesetzt: Bei B\u00fcchern ist man erst einmal sehr, sehr lange alleine besch\u00e4ftigt. Wenn die ersten anderen Leute das Produkt zu sehen kriegen, ist es im Printip schon fertig und wird &#8220;nur&#8221; noch editiert (auch wenn sich dann noch sehr viel \u00e4ndern mag). Bei Spielen sind sehr viel fr\u00fcher andere Leute mit involviert und man ist es den Testspielern durchaus schuldig, dass man tut was man kann, dass deren Aufgabe nicht zu unangenehm wird &#8211; In dem man sie ernst nimmt, in dem man im Vorfeld so viel selbst testet wie es nur geht (damit das Spiel zumindest in der Theorie funktioniert) und das man ihnen auch die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, eine verkorkste Partie abzubrechen. So viel Spa\u00df man auch selbst haben mag &#8211; andere wollen auch Spa\u00df haben (und ich habe schon einen Prototypen gespielt, bei dem 2 Stunden vor Schlu\u00df alles entschieden war, der Autor aber auf Fortsetzung bestand, um seine Statistik ordentlich f\u00fchren zu k\u00f6nnen) und das muss man respektieren.<\/p>\n<p>Zweitens: Wie gesagt: Jeder darf (und soll) so Spiele erfinden, wie er will. Jeder darf das Ma\u00df an Professionalit\u00e4t oder Unprofessionalit\u00e4t verwenden, dass er m\u00f6chte. Aber in dem Moment, wo man einen Verlag anschreibt, betritt man die Welt des Professionellen und dort sollte man sich auch entsprechend gegen\u00fcber den Verlagen verhalten. Hier alles aufzuf\u00fchren, worauf man achten sollte w\u00e4re Fehl am Platze, also nur eine Anekdote: Letztes Jahr sa\u00df ich in Essen am Tisch von <em>Japan Brand<\/em>, als ein Autor mit einem Koffer Prototypen ankam und fragte, wer der zust\u00e4ndige Redakteur w\u00e4re, denn er w\u00fcrde gerne eine paar Prototypen vorstellen. Er wurde dann aufgekl\u00e4rt, dass <em>Japan Brand<\/em> gar kein Verlag ist, sondern ein Zusammenschlu\u00df von selbstverlegenden Autoren (vergleichbar vielleicht mit <em>Spiel direkt<\/em>). Entsprechend g\u00e4be es niemanden, der an seinen Prototypen interessiert sei. Nun, das ist jetzt nicht schlimm, aber innerlich habe ich mich schon gewunden. Es ist nicht nur so, dass man schon schr\u00e4g r\u00fcberkommt, wenn man gar keine Ahnung hat, wem man seine Spiele eigentlich zeigt (davon ab, dass es zum guten Ton geh\u00f6rt im Vorfeld zumindest nach einen Termin zu fragen &#8211; was auch die Anzahl der Leute, die sich den eigenen Krams ansehen, deutlich erh\u00f6ht), sondern vielmehr, dass man viel Zeit verschwendet, wenn man Verlage bequatscht, die vom Verlagsprofil gar nicht in Frage kommen. Und zwar seine eigene Zeit und die der Redakteure, die dann anderen Autoren fehlt. Das ist unkollegial, aber eben auch nicht sonderlich effektiv. Und eigentlich auch wieder ein Wiederspruch zu &#8220;nimm dich nicht zu ernst&#8221;&#8230;<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Rezensent dr\u00fcben in Black Gate hat das Buch Big Magic von Elizabeth Gilbert (Eat Pray Love, The signature of all things &#8211;letzteres habe ich \u00fcbrigens gelesen) rezensiert. 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