{"id":1581,"date":"2010-09-03T11:04:50","date_gmt":"2010-09-03T09:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=1581"},"modified":"2010-09-18T17:06:19","modified_gmt":"2010-09-18T15:06:19","slug":"gastartikel-von-ralf-gringmuth-zu-unrecht-verkannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/09\/03\/1581\/","title":{"rendered":"Gastartikel von Ralf Gringmuth: Zu Unrecht verkannt"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorwort von Peer: Wie keine Verlagsvorstellung heute? Nein! Diesen Donnerstag erscheint endlich der erste Teil eines Gastkommentares. Aber heute ist doch gar nicht Donnerstag? \u00c4h ja, stimmt. Hatte gestern keine Zeit *h\u00fcstel*. Jedenfalls geht es jetzt los und wir bitten um Feedback!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Serie \u00fcber zu wenig gew\u00fcrdigte Pers\u00f6nlichkeiten der Spielewelt<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Motto dieser kleinen Reihe :<\/strong><\/p>\n<p>Diese Texte sind subjektiv. Aber sie versuchen, dem jeweiligen Gegenstand der Betrachtung gerecht zu werden.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrung: Weshalb gibt es diese Artikelserie?<\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich auf die Eingangsfrage n\u00e4her eingehe, m\u00f6chte ich mich meinen zuk\u00fcnftigen Lesern kurz vorstellen, denn \u00fcber M\u00fcnchen hinaus bin ich wahrscheinlich den wenigsten bekannt. Mein Name ist Ralf Gringmuth, ich wurde 1966 in Kempten geboren, und bin gelernter Buchbinder. Ab den 90er Jahren arbeitete ich in vielen Bereichen, u.a. als Erdbeerpfl\u00fccker in England und als Landschaftsg\u00e4rtner in Bayern. Seit Ende der 90er Jahre gebe ich unregelm\u00e4ssig Literaturkurse, meist mit den Schwerpunkten Thriller oder Historischer Roman. In M\u00fcnchen trete ich des \u00f6fteren \u00f6ffentlich auf und lese aus einer Novelle oder einem Essay vor. Die gr\u00f6sste Veranstaltung dieser Art war eine szenische Lesung meiner Novelle \u201eDas Monster von Nantes\u201c mit insgesamt sechs unterschiedlichen Sprechern.<\/p>\n<p>Neben anderen Leidenschaften stelle ich seit 2006 anderen Menschen immer mal wieder Spiele von mir vor: Spieler, Spieleautorenkollegen, Redakteuren. Im Gegensatz zu vielen anderen Nachwuchs-Spieleautoren will ich mit meinen Brettspielen nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches vollbringen. Wenn ein paar Kinder eins meiner Spiele spielen, und ein paar Strategen meine anderen Sachen, dann bin ich vollauf zufrieden.<\/p>\n<p>Nun gibt es aber Kollegen, die es im Gegensatz zu mir nicht nebenbei machen, sondern vom Spielemachen leben wollen. Und f\u00fcr die ist es ein Schlag ins Kontor, wenn die Jury \u201aSpiel des Jahres\u2019 sie (leider) wieder einmal nicht w\u00fcrdigt \u2013 mit eben diesem Preis, dem ber\u00fchmten roten P\u00f6ppel auf der Spieleschachtel, der die Verk\u00e4ufe ins Unermessliche steigert.<\/p>\n<p>Da\u00df einer der Kollegen, dem ich es seit Jahren g\u00f6nne, dieses Jahr wieder mal knapp an einer Auszeichnung vorbeischrammte, schmerzt und tut weh. Es war f\u00fcr mich der Anlass, mich mal grunds\u00e4tzlich zu fragen: woran liegt so eine Nicht-Auszeichnung? Und: ist das alles nur viel Wind um nichts, wenn man die Entscheidungen der Jury in Frage stellt, bzw. hat sie vielleicht in manchen Dingen sogar recht, wenn man die Spiele dann mal n\u00e4her unter die Lupe nimmt und vergleicht?<\/p>\n<p>Die Antwort auf die oben gestellte Frage (weshalb gibt es diese Artikelserie?) f\u00fchrt also zu einer Reihe weiterer Fragen. \u2013 Nat\u00fcrlich wird es im Rahmen von \u201aZu Unrecht verkannt\u2019 nicht ausschlie\u00dflich um Autoren und diese eine Auszeichnung drehen. Da sie aber f\u00fcr Spieleautoren \u2013 insbesondere diejenigen, die regelm\u00e4ssig ver\u00f6ffentlichen \u2013 und Verlage ganz wichtig ist, sei ihr in dieser Reihe breiter Raum einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Ganz von selbst ergibt sich aus der T\u00e4tigkeit der angesprochenen Personen, dass ihr Werk, sprich: die von ihnen gefertigten, herausgebrachten oder besprochenen Spiele im Mittelpunkt dieser Reihe stehen werden. In manchen Artikeln kann der Eindruck entstehen, dass es sehr technisch wird, weil ich ab und an auch mal verschiedene Produkte miteinander vergleiche.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte meine bescheidenen Anmerkung hier nicht zu hoch h\u00e4ngen. Darum geht es mir nicht darum, zu sagen: Autor X oder Spiel Y hat dieses oder jenes zur Spielgeschichte beigetragen. Das kann man einem anderen Ort sicher besser.<\/p>\n<p>Mein Anliegen ist es, ganz subjektiv auf einzelne Personen und deren Werk (Spiele oder Besprechungen bzw. Auszeichnungen) hinweisen. Nat\u00fcrlich gibt es auch \u201aGesamtk\u00fcnstler\u2019, deren Werk nicht ganz so einfach zu erfassen ist, weil sie viel f\u00fcr die Spielkultur in Deutschland getan haben und man dies nicht einfach ins Raster \u201eAutor\u201c, \u201eRedakteur\u201c, \u201eJournalist\u201c oder wie auch immer einf\u00fcgen kann.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist es mein Ziel, durch die hier erzielte Aufmerksamkeit, meine Leser dazu zu bringen, das zu machen, was ich auch gemacht habe: sich mit Pers\u00f6nlichkeiten bzw. deren Spielen oder deren Anliegen auseinanderzusetzen. Oder sich einfach die Spiele \/ Artikel \/ B\u00fccher besorgen und mal schauen: was macht der Typ eigentlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">*******<\/p>\n<p>Da ich meine eigenen Thesen und Fragen gerne \u00fcberpr\u00fcfe, wurde die Recherche f\u00fcr diese Reihe zu einem weit ausf\u00fchrlichen Arbeitsgebiet, als ich vorher dachte: denn normalerweise schreibe ich aus bereits vorhandener Kenntnis \u00fcber einen Gegenstand bzw. Menschen, oder ich lese mich mittels B\u00fcchern und Internetrecherche ein. \u2013 Nun ging es aber relativ h\u00e4ufig um Spiele, und die kann man nicht einfach \u201anachlesen.\u2019 Ich mu\u00dfte also, bevor es ans Schreiben ging, mir einige der Spiele besorgen, Spieler einladen und praktisch \u00fcberpr\u00fcfen, wie weit haltbar meine theoretischen Thesen waren.<\/p>\n<p>Das war ein sehr interessanter Prozess: dadurch, dass ich so gr\u00fcndlich \u2013 aber auch langwierig \u2013 an den Aufs\u00e4tzen arbeitete, versetzte ich mich nicht nur in die Perspektive der jeweiligen Spieleautoren. Zugleich versuchte ich auch, mich (gerade beim ersten Aufsatz) in die Rolle des Verlags zu versetzen und nachzuvollziehen, welche Ziele Redakteur und Graphiker beim Erstellen der Spielregel hatten. \u2013 Dadurch, dass ich Spiele aber gr\u00fcndlicher \u00fcberpr\u00fcfen musste als der Normalspieler (denn ich wollte ja \u00fcber sie schreiben, und zwar etwas, das Hand und Fuss hatte), zwang ich mich zu einem genauen und gr\u00fcndlicherem Blick. Selbst die Spiele, die zun\u00e4chst privat zu meinen \u201aLieblingen\u2019 geh\u00f6rten, wurden schonungslos analysiert.<\/p>\n<p>Das tat gut. Sicher ist es nicht nett f\u00fcr Autoren und Verlage, dieses oder jenes lesen zu m\u00fcssen. Aber ich versuchte, stets nur an die Zielgruppe zu denken, und wie das jeweilige Spiel bei ihnen ankommt.<\/p>\n<p>Das war das eine Ziel. \u2013 Das Andere enstand erst w\u00e4hrend der Arbeit an den ersten beiden Aufs\u00e4tzen, als ich merkte, dass es noch mehr \u201azu Unrecht verkannte\u2019 Pers\u00f6nlichkeiten in der Spielewelt gibt.<\/p>\n<p>Immer wieder spreche ich Leute aus der Szene auf bestimmte Personen an \u2013 und schon der Name des Betreffenden ist ein Reizthema. Dabei handelt es sich in der Regel um jemanden, der viel f\u00fcr die Szene geleistet hat. Doch nicht alle k\u00f6nnen oder wollen dies w\u00fcrdigen. Und es ist ganz menschlich, dass es in einer so kleinen und \u00fcberschaubaren Szene, wo fast jeder jeden kennt, dass es hier Eifers\u00fcchteleien, Futterneid und Erfolgsdruck gibt. \u2013 Dieser Druck ist insbesondere bei den hauptberuflichen Spieleautoren da, denn sie m\u00fcssen ja davon leben.<\/p>\n<p>Aber auch Journalisten sind sich gegenseitig manchmal nicht besonders gr\u00fcn, wenn man an den Zoff denkt, den es vor etwa 10 Jahren gab, als etliche Jurymitglieder der Jury Spiel des Jahres Reformen innerhalb dieses Spiel-des-Jahres-Kreises anmahnten und schliesslich gemeinsam aus der Jury austraten.<\/p>\n<p>Mittlerweile sehe ich es \u00fcbrigens als sehr positiv an, dass es nur ca. zwanzig hauptberufliche Spieleautoren gibt. Denn es ist au\u00dferordentlich schwer, \u00fcber Jahre hinweg, ein gleichbleibend hohes Niveau zu halten und ein gutes Spiel nach dem anderen auf den Markt zu bringen.<\/p>\n<p>Da ist mir das andere Extrem dann fast schon lieber: Autoren, die sehr selten ver\u00f6ffentlichen \u2013 was sie aber herausbringen, das hat Hand und Fuss\u2026 und ist vielleicht schon fast genrebildend.<\/p>\n<p>Darum sch\u00e4tze ich die Spiele \u201aLa Citta\u2019 und \u201aGiganten\u2019 beide sehr, denn diese Spiele sind grossartig und in ihrer Art nahezu un\u00fcbertrefflich. Schade freilich, dass die beiden Spieleautoren Gerd Fenchel und Wilko Manz nur so wenige Spiele ver\u00f6ffentlicht haben. Diese beiden erw\u00e4hne ich deswegen vorab, weil ich zu wenig \u00fcber sie wei\u00df, um jetzt schon \u00fcber sie schreiben zu k\u00f6nnen. Und ein einziges, bekanntes Spiel als Grundlage ist mir hier halt auch zu wenig. (Wer mich, wie hier im Falle Fenchel, auf mehr ver\u00f6ffentlichte Werke von ihm hinweist, bereitet mir eine grosse Freude. Vielleicht gibt\u2019s ja doch noch mehr im Bereich der Erwachsenenspiele, und ich hab\u2019s nur nicht gefunden).<\/p>\n<p>Nun, bei den Spieleautoren, die ich in dieser Serie beschreibe (es kommen auch kreative Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Bereich Verlag und Journalismus dran) gibt es manche, deren Namen oder Gesicht noch nicht allen Spielern bekannt ist. \u2013 Sie kritisch zu w\u00fcrdigen, ihre Lichtseiten einem gr\u00f6sseren Publikum zu offenbaren, ist mir ein Anliegen. Da\u00df ich dabei allen, die mir Vorbild sind, versuche, m\u00f6glichst gerecht zu werden, und sehr leidenschaftlich f\u00fcr sie Partei ergreife, zugleich aber nicht blind gegen\u00fcber ihren Schw\u00e4chen bin, ist mir wichtig.<\/p>\n<p>Denn hier findet nicht, wie ein bekannter Entertainer einmal gesagt hat, \u201edie ultimative Lobhudelei\u201c statt, sondern ich m\u00f6chte stets eine Pers\u00f6nlichkeit als Ganzes erfassen. Da\u00df ich dabei \u00f6fters mal eine Nase etwas l\u00e4nger zeichne als sie ist, gewisse Charakterz\u00fcge \u00fcberh\u00f6he, oder mit den Mitteln des Vergleichs \u2013 manchmal sogar mit Analogien zum Comic und zur Theaterb\u00fchne \u2013 Gestalten st\u00e4rker herausarbeite, so wie ein K\u00fcnstler mit dem Zeichenstift Konturen und Schatten eines Menschen auf das Papier bringt, dazu bekenne ich mich ausdr\u00fccklich.<\/p>\n<p>Das ist echt spielerisch, und ich gestatte mir, ab und zu ins scheinbar Unseri\u00f6se und Irrlichternde abzugleiten, nur f\u00fcr einen Augenblick lang, bis der oder die Portr\u00e4tierte wieder im vollen Scheinwerferlicht ernst und w\u00fcrdig auf der B\u00fchne steht.<\/p>\n<p>Nun denn, packen wir\u2019s an!<\/p>\n<p>(Im September erscheinen voraussichtlich die ersten beiden Folgen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort von Peer: Wie keine Verlagsvorstellung heute? Nein! Diesen Donnerstag erscheint endlich der erste Teil eines Gastkommentares. Aber heute ist doch gar nicht Donnerstag? \u00c4h ja, stimmt. Hatte gestern keine Zeit *h\u00fcstel*. Jedenfalls geht es jetzt los und wir bitten um Feedback! 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