{"id":15375,"date":"2015-06-07T11:02:33","date_gmt":"2015-06-07T09:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=15375"},"modified":"2015-06-07T11:02:33","modified_gmt":"2015-06-07T09:02:33","slug":"markt-as-markt-can","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2015\/06\/07\/15375\/","title":{"rendered":"Markt as Markt can"},"content":{"rendered":"<p>Matthias ist noch in G\u00f6ttingen, also \u00fcbernehme ich heute f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>In der aktuellen Spielbox bef\u00fcrchtet Christwart Conrad, dass die deutsche Vorreiterrolle in Sachen Brettspielen bald verspielt sein k\u00f6nnte. Der Grund: Die anderen L\u00e4nder holen nicht nur auf, sondern seien oft origineller und die Verlage pr\u00e4sentieren besser. Viele SdJ-Nominierungen stammen von ausl\u00e4ndischen Autoren, w\u00e4hrend der As d\u00d3r keine Deutschen Autoren nennt.<\/p>\n<p>Meine erste Reaktion war: &#8220;Na und?&#8221;. So lange gute Spiele produziert werden, ist es mir egal, woher die kommen. Und selbst wenn Deutschland seine Vorreiterrolle verlieren k\u00f6nnte (bereits hat?), werden hier doch weiterhin gute Spiele produziert.<\/p>\n<p>Doch letztlich lohnt es sich, \u00fcber das Thema einmal kurz nachzudenken. Warum kommt originelles zumindest gef\u00fchlt in letzter Zeit eher aus dem Ausland? Ein Grund ist sicherlich, dass das Ausland gr\u00f6\u00dfer ist, als das Inland und daher mit einer gr\u00f6\u00dferen Masse an Spielen auch eine gr\u00f6\u00dfere Masse an Originellem einschwappt. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal vorweg: Ich will niemanden die Schuld geben: Wie s<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2012\/02\/18\/2668\">chon einmal festgestellt<\/a>, bilden Autoren, Spieler und Verlage ein dynamisches System, aus dem die landestypische Spieleszene erw\u00e4chst. Daher ist es m\u00fc\u00dfig, die Schuldfrage zu stellen.<\/p>\n<p>Mir fallen zwei Dinge am Deutschen Markt auf: 1.) Er ist relativ konservativ und 2.) Viel- und Wenigspielerspiele sind eher getrennt. Mit 1) meine ich, dass seit der Erfindung der &#8220;German Games&#8221; (die ja nicht mit einem bestimmten Spiel entstanden) es vergleichsweise wenig\u00a0 Trends gab, die von\u00a0 Deutschland ausgingen (Sammelkarten, Deckbau, Kooperative, Mikrogames&#8230;). Der einzige Wechsel ist der vom &#8220;Kniziatypischen&#8221; Euro der 90er hin zum komplexen Euro \u00e1 la <em>F\u00fcrsten von Florenz<\/em>.\u00a0 Trends wie Kooperative Spiele f\u00fcr Erwachsene stammen \u00fcberwiegend (au\u00dfer <em>Herr der Ringe<\/em>, <em>Andor<\/em> und <em>Zwerge<\/em>) von Ausl\u00e4ndischen Autoren. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich \u00fcber die Microgames sagen. Ich w\u00fcrde fast soweit gehen, zu sagen, dass man ein Vielspielerspiel von vor 10 Jahren nicht von einem modernen Vertreter unterscheiden kann. Das ist jetzt <em><strong>keine<\/strong> <\/em>Wertung, der Markt bekommt ja, was er will. Aber es ist kein Markt, der &#8220;neue&#8221; Spiele f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Und dann sind wir bei Punkt 2. Der &#8220;komplexe Euro&#8221; ist per Definition komplex. Wenn ein Vielspielermarkt diese Spiele w\u00fcnscht und diese Spiele fast ausschlie\u00dflich herausbringt, dann kommen eben fast ausschlie\u00dflich\u00a0 Spiele heraus, die nicht f\u00fcr Familienspieler geeignet sind. Die haben dann ihren eigenen Markt. Und jetzt kommts: Der Markt in Deutschland scheint in der komfortablen Situation zu sein, sich zwei mehr und mehr auseinanderdriftende M\u00e4rkte leisten zu k\u00f6nnen. Das ist in anderen L\u00e4ndern anders und entsprechend sind die Spiele dort anders ausgerichtet. Gibt es eher einen Vielspieler- aber kaum ein Familiensegment, werden dort eher komplexe Spiele produziert (Italien, Portugal). Ist es anders herum, gibt es mehr Hybride, so wie in Frankreich. Im Prinzip k\u00f6nnte man argumentieren, dass German Games entstanden sind, weil man quasi komplexere Spiele haben wollte, die aber (mangelns Markt) regeltechnisch nicht zu schwierig sein durften. Das Resultat waren Spiele wie <em>Siedler<\/em>, <em>El Grande<\/em> oder\u00a0 <em>Euphrat &amp; Tigris<\/em>. Heute entf\u00e4llt der Zwang zum Kompromiss und die Spiele k\u00f6nnen es sich leisten, regeltechnisch zunehmends aufwendiger zu werden. Sie werden dennoch in gro\u00dfer Menge gespielt. Zw\u00e4nge sorgen aber f\u00fcr Innovationen und ohne Zw\u00e4nge gibt es einen Hang zum Status Quo. Das beste Beispiel sind die japanischen Spiele: Die Mikrogames entstanden aus dem Aufruf , Spiele f\u00fcr\u00a0 300 Yen zu produzieren. Das Ergebnis ist bekannt (Es gibt \u00fcbrigens einen neuen Aufruf: Ein Spiel mit nur zwei Sorten von Karten. Bin gespannt, was daraus wird). Vielleicht einigen sich aj mal ein paar Deutsche Verlage auf \u00e4hnliches ;-)<\/p>\n<p>Sollte Deutschland seine Vorreiterrolle tats\u00e4chlich verlieren, ist das kein Drama. Dass sich Deutschland zwei M\u00e4rkte leisten kann, mag nicht der beste N\u00e4hrboden f\u00fcr Kreatrivit\u00e4t\u00a0 sein, aber es ist\u00a0 auch nicht der schlechteste Grund, was die Zukunft unseres Hobbys betrifft.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias ist noch in G\u00f6ttingen, also \u00fcbernehme ich heute f\u00fcr ihn. In der aktuellen Spielbox bef\u00fcrchtet Christwart Conrad, dass die deutsche Vorreiterrolle in Sachen Brettspielen bald verspielt sein k\u00f6nnte. Der Grund: Die anderen L\u00e4nder holen nicht nur auf, sondern seien oft origineller und die Verlage pr\u00e4sentieren besser. 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