{"id":1523,"date":"2010-08-05T14:14:47","date_gmt":"2010-08-05T12:14:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=1523"},"modified":"2010-08-05T14:16:03","modified_gmt":"2010-08-05T12:16:03","slug":"so-spielt-man-in-china-moderne-brettspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/08\/05\/1523\/","title":{"rendered":"So spielt man in China moderne Brettspiele"},"content":{"rendered":"<p>Gespielt wird in China nat\u00fcrlich schon sehr lange &#8211; <em>Go<\/em>, <em>Mahjong<\/em>, Chinesisches Schach, &#8220;Chinesisches Poker&#8221; (praktisch mehrere Pokerh\u00e4nde gleichzeitig aufbauen) oder &#8220;Climbing Games&#8221; we <em>Da Lao Er<\/em> (entspricht dem &#8220;Big Two&#8221; dessen Regeln in meinen &#8220;So spielt die Welt&#8221; beschrieben sind) sind in China durchaus verbreitet und werden mehr oder minder \u00fcberall gespielt. Doch wie sieht es mit modernen Brettspielen aus?<\/p>\n<p>Hier liegt die Wiege in Shanghai, genauer gesagt bei Funbox 365, einer Kette von Spielecafes. Der Gr\u00fcnder Jomy Huanng fragte bei <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/12\/19\/1224\">Swan Panasia<\/a> an, ob er dessen Spiele und vor allem das Brettspielkonzept \u00fcbernehme d\u00fcrfe. Er durfte und seitdem arbeiten die beiden Firmen in Partnerschaft zusammen. Das Konzept des Brettspielcafes war ein voller Erfolg und so ist die Anzahl der Shops von 20 (2008) auf 750 (Stand 2009) gestiegen. Etwa 22,000 bis 25,000 Spieler d\u00fcrfte es mittlerweile alleine in Shanghai geben. Und nat\u00fcrlich werden auch in anderen chinesischen Gro\u00dfst\u00e4dten flei\u00dfig Brettspielcafes gegr\u00fcndet. Sogar ein gedrucktes Spielemagazin soll in China existieren, leider kenne ich den Titel nicht.<br \/>\nLaut Jomy Huang spielen Chinesen besonders gerne Spiele, bei denen man Geld machen kann &#8211; insbesondere Manila erfreut sich gro\u00dfer Beliebtheit. Auch Spiele, in denen man andere verraten kann (z.B. &#8220;Rette sich wer kann&#8221; von Wettering) sind beliebt. Reine M\u00e4nnerspiele also? Weit gefehlt! \u00dcber die H\u00e4lfte der chinesischen Brettspieler sind Frauen!<\/p>\n<p>Das Brettspielcafes so beliebt sind hat zwei Gr\u00fcnde: Zum einen mag die Zielgruppe (haupts\u00e4chlich Studenten) Cafes und damit die M\u00f6glichkeit das Spiel erkl\u00e4rt zu bekommen, zum anderen unterl\u00e4uft das Spielecafekonzept das Hauptproblem des chinesischen Marktes: Raubkopien!<br \/>\nTats\u00e4chlich sind unlizensierte Kopien (oft aber nicht nur minderer Qualit\u00e4t) von Brettspielen im Umlauf. Die sind deutlich g\u00fcnstiger als die Originale, weil weder Verlage noch Autoren noch Graphiker an den Verk\u00e4ufen beteiligt sind. Nur die Onlineshops, welche diese Spiele verkaufen, machen damit Gewinn. Sch\u00e4tzungen zufolge sind Raubkopien von etwa 40 Spielen in China im Umlauf.<br \/>\nDaher ist es kein Wunder, dass kaum jemand in China Brettspiele verlegt. Und daher ist auch die Anzahl der chinesischen Eigenproduktionen \u00fcberschaubar. Und die Spiele, die es gibt, sind zum Gro\u00dfteil bekannte Spiele mit neuer Graphik und neuem Thema.<br \/>\nDas ber\u00fchmteste Beispiel ist &#8220;Killers of the three kingdoms&#8221;, dass genauso funktioniert wie &#8220;Bang&#8221;, aber in einer anderen Welt angesiedelt ist. Es hat sich bereits eine halbe Million mal verkauft und es gibt eine Online-Version davon. Wie gesagt &#8211; regeltechnisch ist es mit &#8220;Bang!&#8221; identisch, ohne dass deren Sch\u00f6pfer davon profitieren!<\/p>\n<p>Aber es gibt eine Art poetische Gerechtigkeit: <em>Xiyou Sha<\/em> ist wiederrum dasselbe Spiel wie <em>Killers of the three Kingdoms<\/em> mit neuer Graphik und noch kosteng\u00fcnstiger zu haben. Und da sich das ebenso gut verkauft wurde es ebenso wieder plagiatisiert: <em>Shuihu Sha <\/em>hei\u00dft das noch billigere Plagiat eines Plagiats eines Plagiats. Da die Herstellungsgeschichte aber den Spielern egal ist, verkaufen sich all diese Produkte gut in China, erweitern die Anzahl der Spieler und werden ihrerseits raubkopiert und zu Dumpingpreisen im Internet angeboten.<br \/>\nUnd so schlie\u00dft sich der Kreis: Funbox 365 und Swanpanasia bieten Verlagen, die den chinesischen Markt erobern m\u00f6chten, als Service an gegen Raubkopien vorzugehen, aber vor allem den Markt zu verstehen. Chinesische Plagiate haben nicht zuletzt deswegen den Vorteil gegen\u00fcber den Originalen, dass sie eine chinesische Geschichte transportieren. Und das ist den Chinesen wichtig. So wurde das Spiel <em>Burn Rate<\/em> mit einem neuen, passenden Thema zu <em>People Commune<\/em>, und hat statt der Dotcom-Blase das Aufbauen l\u00e4ndlicher Kommunen in China zum Thema. Solche Anpassungen erh\u00f6hen den potentiellen Verkauferfolg in China.<\/p>\n<p>ciao<br \/>\npeer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespielt wird in China nat\u00fcrlich schon sehr lange &#8211; Go, Mahjong, Chinesisches Schach, &#8220;Chinesisches Poker&#8221; (praktisch mehrere Pokerh\u00e4nde gleichzeitig aufbauen) oder &#8220;Climbing Games&#8221; we Da Lao Er (entspricht dem &#8220;Big Two&#8221; dessen Regeln in meinen &#8220;So spielt die Welt&#8221; beschrieben sind) sind in China durchaus verbreitet und werden mehr oder minder \u00fcberall gespielt. 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