{"id":14858,"date":"2014-06-21T17:34:30","date_gmt":"2014-06-21T15:34:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=14858"},"modified":"2014-06-21T17:34:30","modified_gmt":"2014-06-21T15:34:30","slug":"nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2014\/06\/21\/14858\/","title":{"rendered":"Nein Danke!"},"content":{"rendered":"<p>Angenommen, ein aufstrebender Jungautor (oder ein gealteter Autorenstar auf der Suche nach einem Comeback) m\u00f6chte einem Verlag seine Prototypen zeigen. Wichtig ist nat\u00fcrlich das Genre des Spieles. Das sollte zum Verlag passen. Und mit wenigen Ausnahmen gibt es auch eine ziemliche Negativliste von Spielen. Wenn man Nischenspiele die ihre eigenen Verlage haben (z.B. Rollenspiele oder Cosims) einmal ausklammert, so d\u00fcrfte das Ende der Interessenliste der Verlage in etwa so aussehen:<\/p>\n<p>93.: Versteigerungsspiele<\/p>\n<p>94.: Sportspiele<\/p>\n<p>999: Sammelkartenspiele<\/p>\n<p>(Liebe Verlage: Korrigiert mich ruhig, wenn ich mich irre. Denn das tue ich bestimmt. Schon allein, weil ich bestimmt Genres vergesse).<\/p>\n<p>Was ist das Problem mit diesen Genres?<\/p>\n<p><strong>Versteigerungsspiele<\/strong>: Interessanterweise gab es in den 90er Jahren eine ganze Menge Versteigerungsspiele und einige davon (z.B. Kuhhandel) gelten als Klassiker. Dennoch winken die Verlage ab, wenn sie das V-Wort h\u00f6ren. Selbst wenn es keine \u00fcbliche Versteigerung ist, sondern ein ungew\u00f6hnlicher Bietmechanismus. Ein Grund sind sicherlich schlechte Verkaufszahlen. Aber dar\u00fcber hinaus haben reine Versteigerungsspiele einfach einen schlechten Ruf: Sie gelten als abstrakt und vor allem als mathematisch-verkopft. Das sicherlich nicht zu Unrecht, denn es geht ja darum, einen guten (H\u00f6chst-) Preis f\u00fcr ein Ding zu berechnen. Wirtschaftsspiele sind aber ebenfalls nicht gefragt &#8211; offensichtlich will ein gro\u00dfer Kundenkreis keine Berechnungen anstellen. Hinzu kommen vermutlich noch zwei Faktoren: Einmal sind Versteigerungen selten Einsteigerfreundlich, denn gute Berechnungen sind oft nur mit Spielerfahrung m\u00f6glich und zum anderen bieten Versteigerungen oft wenig nivellierende Faktoren: Schlechtes Spiel wird oft hart bestraft. Das passt nicht zur modernen Familienspielkultur, wo alle bis zum Schlu\u00df Gewinnchancen haben. Aber der Hauptgrund ist wohl: &#8220;Verkauft sich nicht&#8221; (Andererseits: Wann kam das letzte vielversprechende Versteigerungsspiel heraus? Vielleicht geht es ja doch, wenns gut gemacht ist&#8230;)<\/p>\n<p><strong>Sportspiele<\/strong>: Mit der Ausnahme von Rennspielen haben Sportspiele einen gro\u00dfen Nachteil: Die Dynamik eines Sportes l\u00e4sst sich kaum auf ein normales Brettspiel \u00fcbertragen. Die Unw\u00e4gbarkeiten eines Wettbewerbes k\u00f6nnen eigentlich fast nur durch Zufallsfaktoren oder durch Geschicklichkeitselemente simuliert werden und nicht selten ist da zudem ein umfangreiches Regelwerk notwendig &#8211; zus\u00e4tzlich zu dem des Sportes! Wer aber einen Sport simuliert haben m\u00f6chte, der kann einfach zur Videospielkonkurrenz greifen, wo die Simulation samt Dynamik und Regelkunde einfacher und besser abl\u00e4uft. Nat\u00fcrlich gibt es Ausnahmen (<em>Street Soccer, En Garde, Finale<\/em>&#8230;) aber in den meisten F\u00e4llen ist der Sport auf den taktischen Aspekt abstrahiert und das spricht eben eher Spieler an, als die Fans der Sportart. Spieler sind aber (was man von Verlagen so h\u00f6rt) nicht unbedingt Sportfans und sind bei Sportverspieleungen nicht selten so kritisch wie bei Merchandising. Neben den Designproblemen fehlt hier schlicht also der Markt.<\/p>\n<p><strong>Sammelkartenspiele<\/strong>: Als <em>Magic<\/em> herauskam folgten gef\u00fchlt Tausende weiterer Sammelkartenspiele. Die Rollenspieleszene wurde schwer getroffen, denn (fast) jeder Rollenspielverlag machten lieber sein eigenes TCG (&#8220;Trading Card Game&#8221;) als ein neues Quellenbuch. 20 Jahre sp\u00e4ter gibt es Magic immer noch und eigentlich so gar nichts von all den anderen (unter den Opfern durchaus vielversprechende Exemplare wie <em>Jyhad<\/em> (aus der World of Darkness &#8211; Rollenspielserie), <em>Middle-Earth<\/em> oder das k\u00fcrzlich als Living Card Game reanimierte <em>Netrunner<\/em>). Aber die Abneigung von Verlagen gegen\u00fcber Sammelkartenspielen ersch\u00f6pft sich nicht in &#8220;verbrannte Finger&#8221;, nein ein Sammelkartenspiel ist einfach <em><strong>das<\/strong><\/em> risikoreichste Genre der Brettspielwelt: Die Einstiegskosten sind enorm, denn es muss eine gro\u00dfe Zahl von Karten gestaltet und vor allem auch ausbalanziert werden. Dann kann ein TCG nur funktionieren, wenn von Anfang an klar ist, dass das System \u00fcber einen langen Zeitraum l\u00e4uft, denn nur dann haben auch die Spieler Interesse und lust zu investieren &#8211; denn bei TCG m\u00fcssen auch die Spieler bereit sein enorme Mengen an Zeit und Geld einzubringen (au\u00dfer bei Magic ist das eigentlich nur bei <em>Pokemon<\/em> der Fall). Das bedeutet, dass man mindestens 3 Jahre lang weitere Karten zuschie\u00dft (wieder Kosten beim Graphik + Ausbalanzieren) und zudem ordentlich die Werbetrommel r\u00fchrt, z.B. Turniere veranstaltet. Dazu muss ein Verlag schon SEHR von einem Produkt \u00fcberzeugt sein. Das klappt allerh\u00f6chstens bei einer zugkr\u00e4ftigen Lizenz, wo die Zielgruppe entsprechend eingesch\u00e4tzt wird (und selbst das ist keine Garantie &#8211; siehe Jyhad). Zusammengefasst kann man sagen, dass TCG mit die h\u00f6chsten Einstiegskosten f\u00fcr alle Spielarten f\u00fcr einen Verlag bedeuten und gleichzeitig das Risiko enorm hoch ist, dass es floppt. Aus diesen Gr\u00fcnden wird sich an dem &#8220;Spitzenplatz&#8221; der &#8220;Nein, Danke!&#8221;-Spiele f\u00fcr TCG in naher Zukunft nichts \u00e4ndern&#8230; (Und ja, es gibt &#8220;Living Card Games&#8221; , mit denen befasse ich mich aber ein anderes Mal!)<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angenommen, ein aufstrebender Jungautor (oder ein gealteter Autorenstar auf der Suche nach einem Comeback) m\u00f6chte einem Verlag seine Prototypen zeigen. 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