{"id":14749,"date":"2014-04-06T12:17:31","date_gmt":"2014-04-06T10:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=14749"},"modified":"2014-04-06T12:17:31","modified_gmt":"2014-04-06T10:17:31","slug":"tom-und-die-brettspielfabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2014\/04\/06\/14749\/","title":{"rendered":"Tom und die Brettspielfabrik"},"content":{"rendered":"<p>Tom Felber hat Recht mit seinem Artikel. So kann man es kurz zusammenfassen und wer ihn nicht gelesen hat, sollte es gleich mal an dieser Stelle nachholen. <a href=\"http:\/\/www.spiel-des-jahres.com\/cms\/front_content.php?idcat=22&amp;idart=1339\">Hier der Link<\/a><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich liegt er auch Falsch. Also er hat halt nicht zu 100% recht. Aber gehen wir auf die Sachen einzeln ein.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem logischsten. Solch ein Artikel ist auch immer gut f\u00fcr eine Selbstreflexion. Ich habe nat\u00fcrlich so eine Janus-Position, da ich auf der einen Seite f\u00fcr zwei Verlage Arbeiten \u00fcbernehme und von einigen als Vertreter dieser Verlage wahrgenommen werde und auf der anderen Seite auch eine Privatperson bin, die eine eigene Meinung hat und diese meist ungefragt, aber immer \u00f6fter auch gefragt, in den \u00c4ther streut.<\/p>\n<p>Das ist auch eine f\u00fcr mich sehr wichtige Sache. Ich betrachte mich nicht als Journalist oder Kritiker. Ich bilde mir ein, dass ich Sachen kritisch betrachten kann und \u00fcber dies auch in meinen Blog schreiben darf, aber ich wei\u00df, dass ich dies nur zu einem gewissen Grade machen kann um glaubw\u00fcrdig zu sein. Deswegen w\u00fcrde ich nie meine Meinung zu den Spielen der von mir betreuten Firmen schreiben solange ich f\u00fcr diese arbeite. Diese Trennung ist f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndlich. Und nur durch sie kann ich eine Glaubw\u00fcrdigkeit erreichen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist der Grad zwischen Meinung und Kritik auf der einen Seite und PR und Werbung auf der anderen Seite sehr d\u00fcnn. Deswegen ist es mir auch wichtig, lieber \u00fcber jedes Spiel, das auf meinen Tisch kommt zu schreiben als mich auf die guten zu konzentrieren. Auch ich schaffe es nicht alles zu spielen und auch ich bin selten der schnellste, aber wenn mir ein Spiel nicht gef\u00e4llt, dann versuche ich das auch niederzuschreiben. Und im Notfall gegen den Strom zu schwimmen \u2013 und Die Legenden von Andor nicht zu empfehlen macht mir nichts aus.<\/p>\n<p>Entscheiden ist die Begr\u00fcndung. Und da wird es schwierig die guten und die schlechten Spiele zu unterscheiden. Wie schon bei der Diskussion zum New Board Game Journalism wird schnell klar, dass es sinnvolle und sinnlose Elemente gibt.<\/p>\n<p>Das Material hat inzwischen so einen hohen Standard, dass es sich nur lohnt darauf einzugehen, wenn er noch h\u00f6her ist, oder einfach schlecht, wie z.B. bei Papiergeld. Die Regeln sind in den letzten Jahren zwar besser geworden, bleiben aber oft immer noch echt schlecht. Erw\u00e4hnenswert sind also Regeln die echt gut sind, wie die von Russian Railroads oder einzigartig, wie die von Andor. Was bleibt sind die Mechanismen und das Spielgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Was ich an den beiden Enden mit harten Fakten belegen kann freut mich und was nicht bleibt schwammig. Etwas, was mir nicht gef\u00e4llt, aber was ja so gerne auch von Jury-Mitgleidern abgetan wird mit dem einfachen Ausspruch: &#8220;Es muss halt Spa\u00df machen.\u201c Und den kann ich oft nur in meiner Gruppe einfangen. Das alleine macht meine Meinungen oft nicht zu der besten Grundlage, aber hoffentlich zu einer sinnvollen Erg\u00e4nzung f\u00fcr den Leser.<\/p>\n<p>Aber was sind belegbare Fakten? Da gibt es Leute die den letzten Dreck spielen, solange das Thema stimmt und dieses transportiert wird. Egal ob dazu eine 100-seitige Anleitung beiliegt oder erst ein FAQ-W\u00e4lzer von der Webseite heruntergeladen werden muss. Auf der anderen Seite stehen Leute, die der Mechanismus begeistert und die die damit verbundene geistige Herausforderung lieber m\u00f6gen, egal was das Thema ist oder selbst wenn es keines hat.<\/p>\n<p>Die meisten werden damit kommen, dass es nat\u00fcrlich die richtige Mischung ausmacht. Aber was ist die richtige? Nat\u00fcrlich behauptet hier jeder von sich, die richtige Mischung zu kennen, und sofort sehen zu k\u00f6nnen welches Verh\u00e4ltnis dieses ausmacht. In Wahrheit ist die richtige Mischung so geheim wie die Coke-Formel oder die Schokoladenrezeptur von Herrn Wonka. Die Jury kann an der Stelle auch nur versuchen einen Konsens zu finden.<\/p>\n<p>Diesen Konsens gibt es jedoch schon nicht mehr, wenn es um die Definition geht, was Kulturgut bedeutet. Wer Brettspiele mit Kino, Fernsehen, B\u00fcchern, Theater und auch Computerspielen in eine Reihe stellt (was ich leider auch viel zu h\u00e4ufig mache) verkennt zwei wesentliche Merkmale. Da w\u00e4re nicht nur der bedingungslose Konsum im Vergleich zum selber erleben eines Brettspiels, sondern vor allem auch das alleinige Konsumieren im Vergleich zur Interaktion eines Brettspiels. Selbst wenn ich mit einem Freund ins Kino gehe. Wenn ich drin sitze, k\u00f6nnte ich auch alleine sein.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das der wahre Erfolg von Monopoly. Nicht nur, dass alle es kennen, wenn auch nicht mit den richtigen Regeln, sondern, dass es einfach konsumiert wird. Es muss nicht nachgedacht werden beim Spielen. Es gibt keine Entscheidungen zu treffen. W\u00fcrfeln, laufen, kaufen oder zahlen, der N\u00e4chste bitte. Aber von solchen Besch\u00e4ftigungen reden wir ja eigentlich hier nicht.<\/p>\n<p>Es gibt Brettspiele, wo die Spieler alleine vor sich hin gr\u00fcbeln und die Menschen am Tisch so gut wie gar nicht miteinander interagieren. Manche sehen das als schlechte Spiele an, aber die Interaktion findet auf dem Brett statt. Es gibt auch Spieler die nicht nachdenken m\u00fcssen sondern einfach aus dem Bauch spielen oder wo es auf andere Qualit\u00e4ten wie Reaktion oder Wissen ankommt. Jedes dieser Elemente kann funktionieren mit den richtigen Spielern. Aber so gut wie kein anderes Kulturgut ist so abh\u00e4ngig von den Freunden. Es gibt Leute, mit denen will ich nicht spielen. Tom Felber hatte das in seiner Spielbox-Kolumne auch schon aufgebracht.<\/p>\n<p>Ein Spiel kann noch so gut sein, wenn es am Tisch versagt. Weil ich es auf einem Spieletreff mit den falschen Leuten am Tisch gespielt habe, ist es doof. Reaktion ist gefordert und alle sind lahme Enten? Durchgefallen. Deduktion ist gefordert und alle sind kaputt und wollen nur den Bauch nutzen? Durchgefallen. Es ist einfacher dem Spiel als den Leuten die Schuld zu geben. Ich liebe Love Letter und habe schon mehr als eine Kopie verschlissen. Aber bei meiner Runde zu Hause musste ich Schl\u00e4ge einstecken, wie ich auf die Idee k\u00e4me es w\u00e4re Spiel des Jahres-w\u00fcrdig. Keiner in meiner normalen Runde mochte es. Keiner. Ich habe es immer mit Fremden unterwegs gespielt. Zum Gl\u00fcck bin ich oft unterwegs. Eigentlich zu oft.<\/p>\n<p>Das alles macht &#8220;Spielen als Kulturgut&#8221; schwer zu handhaben, das Spiel aber auch zu einem wahren Kulturgut. Es f\u00fcllt eine L\u00fccke, die alle anderen G\u00fcter offen lassen. Unabh\u00e4ngig davon, dass ich viele tolle Menschen durchs Spielen kennengelernt habe und fast alle tollen Erfahrungen auf&#8217;s Spielen zur\u00fcckf\u00fchren kann, ist es vielleicht zu einzigartig, um von den Unkonvertierten, den Muggeln, den Nichtspielern, den Neulingen oder wie immer wir sie nennen wollen, erkannt zu werden. Die Spiel des Jahres Jury macht hier einiges richtig und die Verkaufszahlen von Qwirkle und Hanabi sprechen eine positive Sprache, dass etwas bewegt wird. Auch, dass die Jury nicht nur einfach einen Preis vergibt sondern das Geld in viele, viele Projekte steckt ist mehr als l\u00f6blich.<\/p>\n<p>Aber kommen wir zur Qualit\u00e4t. Als Kritiker will man gute Spiele? Es ist nicht die Qualit\u00e4t die das Problem ist, denn die Spielequalit\u00e4t ist in meinen Augen im Gesamten nur nach oben gegangen. Der Anspruch aber auch. Fr\u00fcher kamen 50 Spiele raus und nur 10 waren gut. Heute kommen 500 Spiele raus, aber 100 sind gut. In Zahlen gibt es viel mehr schlechte Spiele, aber auch viel mehr gute. Aber die meisten schlechten kommen auf kaum einen Tisch, au\u00dfer den der Jury, die alles ansehen muss.<\/p>\n<p>Und Spiele altern. So wie ein Film, der mich 1990 noch begeistert hat, heute eher als schlecht gelten darf, hat auch die Erfahrung an manchem Spiel des Jahres Preistr\u00e4ger eher was zum aussetzen gefunden. Man schaue sich aber an, welche Spiele schon alles gewonnen haben und wie viele davon noch als gut gelten. Die Qualit\u00e4t ist da. Es ist die Welt drumherum die da nicht mithalten kann.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend die Jury die Besten rausfinden muss, ist es vermutlich nicht schwer, gute Spiele zu finden, sondern gute Spiele zu finden, die auch f\u00fcr Nichtspieler interessant sind. Spiele die Neulinge m\u00f6gen k\u00f6nnen. Spiele die das Kind und die Oma auch verstehen. Einer in meiner Spielegruppe hat als Kind mit einer Oma El Grande sehr oft gespielt und w\u00e4re vermutlich nicht der Gerne-Spieler der er heute ist, wenn nicht so ein anspruchsvolles Spiel gewonnen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Vielleicht ist der Schl\u00fcssel, den Spielern da drau\u00dfen mehr zuzutrauen und sich nicht von R\u00fcckschl\u00e4gen wie z.B. den Verkaufszahlen von Dominion oder Kingdom Builder einsch\u00fcchtern zu lassen. Die Jury w\u00fcrde es nie zugeben, aber unterbewusst wird da bestimmt bei dem ein oder anderen was anderes ablaufen. Ist Russian Railroads zu hoch f\u00fcr den Kennerpreis? Ist Love Letter ohne Chance weil schon letztes Jahr ein kleines Spiel gewonnen hat? Die Jury kann nicht still vor sich hin leben ohne mit dem Rest der Welt zu agieren, um das Spiel des Jahres zu finden. Daf\u00fcr sind Spiele zu wenig Konsum und zu viel gesellig.<\/p>\n<p>Was also der Jury fehlt ist ein Feedback-Instrument. Etwas messbares, was ihnen sagt wie gut sie ihre Arbeit machen. Einziges Instrument neben der Menge an negativen E-Mails sind da nur die Verkaufszahlen der Spiele. Solange die Jury da nichts anderes hat, sitzen sie von der Ferne betrachtet im selben Boot oder im gekoppelten Nachbar-Boot aber auf derselben Seite. Beides ist nicht gut. Da ist ein Aufruf nach mehr guten Spielen nur logisch, bevor das Boot kentert. Der Aufruf alleine l\u00e4sst es wie dasselbe Boot erscheinen.<\/p>\n<p>Ich bin froh zu wissen, dass dieser Eindruck falsch ist, dass die Jury wirklich einfach das beste Spiel finden will. In den vielen Gespr\u00e4chen, die ich mit den verschiedenen Vertretern hatte, wird das auch immer deutlich. Die Begeisterung des Spielens steht im Vordergrund. Aber bessere Spiele kommen von ganz alleine solange es der Branche gut geht. Und dass es ihr gut geht ist der Eindruck den Messen wie Essen und Neuheitenlisten im vierstelligen Bereich vermitteln.<\/p>\n<p>Etwas womit ich oft k\u00e4mpfen musste als TCG Betreuer, ist die Tatsache, dass manche Menschen einfach in ihrem Verhalten so sch\u00e4dlich sind, dass die Leute wieder aus dem Laden rennen. Manchmal sind es Spieler, manchmal die Ladenbesitzer und manchmal auch ein ganze Gruppe. Das soziale an Gesellschaftsspielen ist der Flaschenhals. Ich w\u00fcnsche mir nicht bessere Spiele. Denn diese sind auch zu wenig Selbstzweck, der sie doch eigentlich sein wollen, und der dem Namen anhaftet. Die Verbissenheit, mit der so mancher an die Sache rangeht, nullifiziert viele Bem\u00fchungen. Ich w\u00fcnsche mir bessere Spieler. Spieler die sozial umgehen k\u00f6nnen und selber lieber spielen und Spa\u00df haben als verbissen zu gewinnen oder andere f\u00fcr&#8217;s schlechte Spielen auslachen oder diesen den Spa\u00df nehmen. Aber das kann weder die Jury bew\u00e4ltigen, noch k\u00f6nnen das die Verlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tom Felber hat Recht mit seinem Artikel. So kann man es kurz zusammenfassen und wer ihn nicht gelesen hat, sollte es gleich mal an dieser Stelle nachholen. Hier der Link Nat\u00fcrlich liegt er auch Falsch. Also er hat halt nicht zu 100% recht. Aber gehen wir auf die Sachen einzeln ein. Beginnen wir mit dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1],"tags":[144,317,136,203,315,314,316],"class_list":["post-14749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1","tag-jury","tag-sozial","tag-spiel-des-jahres","tag-spiele","tag-spieler","tag-tom-felber","tag-verhalten"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14749"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14764,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14749\/revisions\/14764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}