{"id":1474,"date":"2010-07-03T14:05:31","date_gmt":"2010-07-03T12:05:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=1474"},"modified":"2010-07-03T14:25:13","modified_gmt":"2010-07-03T12:25:13","slug":"funktioniert-mindflex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/07\/03\/1474\/","title":{"rendered":"Funktioniert Mindflex?"},"content":{"rendered":"<p>Kurze Anmerkung: Werden die Marketing-Ideen immer bekloppter oder bin ich das? Days of Wonder h\u00e4lt es f\u00fcr eine gute Idee, ihr neues Spiel <em>Fictionaire <\/em>(eine Lexikonspiel-Variante) in Schachtel zu verkaufen, die an Zigarettenpackungen erinnern. Gut, gibt ja auch nicht viele Dinge, die in einem so positiven Licht stehen, wie Tabakkonsum. Der Weltkonzern\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/11\/26\/1154\">Penrose Press<\/a> dagegen bietet der interessierten \u00d6ffentlichkeit die einzigartige M\u00f6glichkeit den unfertigen Prototypen von <em>Serengeti <\/em>f\u00fcr 40$ zu erwerben. Der ist allerdings noch unvollst\u00e4ndig &#8211; wer das Spiel spielen will, muss weitere 10$ bezahlen und ausreichend Feedback \u00fcber das Spiel geben. Mit anderen Worten: Der Autor l\u00e4sst sich f\u00fcr das Testspielen bezahlen! Ich verstehe nicht viel von Marketing, habe aber so meine Zweifel, ob sich das auszahlt&#8230;<\/p>\n<p>Mattel dagegen macht es besser: Als zu viel Blei in ihren Spielen gefunden wurde und sie alles zur\u00fcckrufen mussten, was betroffen war, gabs neue Gesetze, die strengere Tests forderten. Die gelten nun aber ironischerweise nicht mehr f\u00fcr Mattel &#8211; denn die d\u00fcrfen jetzt selbst testen&#8230; Ich w\u00fcrde das nicht erw\u00e4hnen, <a href=\"http:\/\/www.purplepawn.com\/2009\/08\/mattel-secretly-exempted-from-third-party-lead-tests\/\">denn die Story ist schon \u00e4lter<\/a>. Aber ich wurde im September von Mattels PR-Abteilung schlicht angelogen und da bin empfindlich. Ich hatte gefragt, ob <a href=\"http:\/\/mindflexgames.com\/\">Mindflex <\/a>auch in Europa erscheinen soll und dies wurde klar verneint. Auf die Nachfrage hin ob die Spiegelmeldung, nach der Mindflex 2010 in Deutschland vertrieben werden soll, eine Ente w\u00e4re wurde mir erneut best\u00e4tigt: &#8220;Mindflex kommt definitiv nicht nach Deutschland&#8221;. Das war im September. In N\u00fcrnberg wurde das Spiel vorgestellt, wie ich gerade in der Spielbox las. Nunja, da das Spiel bereits aus den USA unterwegs war und ich eh weniger bezahlt habe, als es hier wohl kosten w\u00fcrde, ist mir kein Schaden entstanden, insofern&#8230; Jedenfalls ist das Spiel Donnerstag angekommen und ich nutze hier mal den Platz f\u00fcr ein paar Ersteindr\u00fccke &#8211; vermutlich die ersten in Deutscher Sprache.<\/p>\n<p>Mindflex bewegt sich sicherlich auf der Grenzlinie zwischen Spielzeug und Spiel: Mittels Gedankenkraft soll ein Ball \u00fcber einen Hindernisparcour gesteuert werden. Ja, mit Gedankenkraft. Kein Wunder, dass die Spielbox leise Zweifel \u00e4u\u00dferte, obs tats\u00e4chlich funktioniert (Denkt man z.B. an <em>Furby<\/em> zur\u00fcck, wei\u00df man, dass Spielzeugfirmen nicht immer ehrlich spielen) und auch eine Reihe von Kommentaren auf Amazon.com gehen in diese Richtung. Andererseits ist die Technik ja schon im medizinischen Bereich l\u00e4ngst im Einsatz &#8211; Gel\u00e4hmte Patienten oder Patienten mit Locked-In-Syndrom k\u00f6nnen so mit Hilfe eines Computers kommunizieren.<\/p>\n<p>Ganz so fortschrittlich ist <em>Mindflex <\/em>nun nicht. Ein Stirnband misst Betawellen, die das Gehirn aussendet, wenn man sich konzentriert. Dabei ist es unerheblich auf was man sich konzentriert, lediglich die Intensit\u00e4t der Konzentration wird vom Ger\u00e4t erfasst (\u00dcbrigens sieht man mit dem Stirnband und den angelegten Ohrl\u00e4ppchensensoren so l\u00e4cherlich aus, dass meine Frau vor Lachen unterm Tisch lag. Aber wer sich f\u00fcr ein Produkt wie <em>Mindflex<\/em> interessiert, dem schert sowas wohl nicht). Je intensiver nun die Konzentration desto st\u00e4rker der Luftstrom auf dem der erw\u00e4hnte Ball fliegt. Die Gedankenkraft (respektive die Konzentration) steuert also lediglich die H\u00f6he des Balls. Nach links und rechts bewegt man den Ball &#8211; genauer: Den Luftstrom, der den Ball tr\u00e4gt &#8211; ganz ordin\u00e4r manuell mit zwei Schaltern.<\/p>\n<p>Der Parcour selbst kann beliebig gestaltet werden. Dazu liegen zahlreiche Hindernisse im sch\u00f6nsten Spielzeug-Plastik bei. Sieht die Konsole ohne alles etwas wie die Yvio-Konsole aus, so erinnert sie mit Hindernissen an Mousetrap. Nun versucht man also seine Konzentration so zu steuern, dass der Ball niedrig unter Torb\u00f6gen hindurchschwebt und hoch durch Ringe fliegt (oder umgekehrt). Und das ist gar nicht so einfach.<\/p>\n<p>Zum einen ist man nicht gewohnt seine Konzentration zu steuern, insbesondere, wenn man sich nciht auf etwas bestimmtes konzentrieren muss. Man muss also erst einmal lernen, was die Maschine von einem will. Zum anderen ist das Gehirn kein Joystick: Das Aussenden von Betawellen ist nun nicht die pr\u00e4ziseste aller Steuerungen und zudem mit etwas Zeitverz\u00f6gerung behaftet.<\/p>\n<p>Entsprechend hatte ich nach meinen ersten Gehversuche tats\u00e4chlich nicht das Gef\u00fchl viel Kontrolle zu haben. W\u00e4re der Luftstrom zufallsgesteuert, h\u00e4tte das Ergebnis \u00e4hnlich ausgesehen. Gegen Ende wurde ich etwas besser (der Ball flog h\u00f6her) &#8211; doch auch das h\u00e4tte von der Maschinensoftware her vorgegeben sein k\u00f6nnen. Am n\u00e4chsten Tag wollte ich es dann noch mal wissen und probierte es in aller Ruhe nochmal aus und siehe das: Es gelang mir viel besser den Ball durch Ringe, K\u00e4fige und Kreisel zu schleusen. Insofern kann ich best\u00e4tigen: Ja, es funktioniert! Sollte das alles in ein Psychotrick ist (wie der Spiegel meint &#8211; ich konnte das Experiment dort allerdings nicht verifizieren, was aber auch an meinem Tuch gelegen haben mag), dann ists ein guter und ich lass mich gerne t\u00e4uschen. Ich kann mir auch vorstellen, dass nicht Betawellen gemessen werden,  sondern die Leitf\u00e4higkeit der Haut. Die Ver\u00e4ndert sich in Ma\u00dfen auch  durch Konzentration, wegen des Schwitzens. Das k\u00f6nnte auch erkl\u00e4ren  warum ein feuchtes Tuch eventuell \u00e4hnliche Resultate liefert: H\u00e4ngt es  an einem windigen Ort, ver\u00e4ndert es seine Leitf\u00e4higkeit ebenfalls  permanent und der Luftstrom \u00e4ndert sich zuf\u00e4llig. Das hie\u00dfe die  Kontrolle \u00fcber den Luftstrom per Gedanken w\u00e4re m\u00f6glich, aber\u00a0 sehr\u00a0  unpr\u00e4zise. F\u00fcr diese Theorie spricht auch, dass ich an den beiden sehr hei\u00dfen Tagen das subjektive Gef\u00fchl hatte, sehr viel weniger kontrollieren zu k\u00f6nnen als an den etwas k\u00fchleren, wo ich weniger geschwitzt habe.<\/p>\n<p>Gehen wir aber mal davon aus, dass eine Form von Kontrolle m\u00f6glich ist (oder man sich zumindest einbilden kann, man h\u00e4tte sie): Lohnt es sich auch? Nun, es lebt nat\u00fcrlich vom Coolness-Faktor: Den Ball per Gedankenkraft steuern ist schon ungew\u00f6hnlich (Ist es dann eigentlich noch ein &#8220;Geschicklichkeitsspiel&#8221;?) und hat auch einen hohen Aufforderungscharakter. Wer es sieht, wills auch mal ausprobieren. Wie schnell das Ger\u00e4t seinen Reiz verliert, vermag ich aber nat\u00fcrlich nach den paar Tagen nicht abzusch\u00e4tzen. Man hat eine Reihe von Spielm\u00f6glichkeiten und auch einen Mehrspielermodus (in den meisten geht es darum, den Parcour m\u00f6glichst schnell zu absolvieren) aber der Hauptreiz ist wohl das Ausprobieren an sich. Zumal im Mehrspielermodus st\u00e4ndig das Headset gewechselt werden muss und der Spieler am Zug sich ja auch konzentrieren muss und so nicht mit seinen Mitspielern interagieren <em>kann<\/em>.Insofern sollte man Mindflex wohl wirklich nur kaufen, wenn man das Konzept interessant findet (interessant genug f\u00fcr rund 100\u20ac jedenfalls)<\/p>\n<p>Als Liebhaber von obskuren Spielen musste ich <em>Mindflex <\/em>aber nat\u00fcrlich haben und hab den Kauf auch nicht bereut&#8230;<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurze Anmerkung: Werden die Marketing-Ideen immer bekloppter oder bin ich das? 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