{"id":1160,"date":"2009-11-21T12:28:04","date_gmt":"2009-11-21T10:28:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=1160"},"modified":"2009-11-22T08:56:11","modified_gmt":"2009-11-22T06:56:11","slug":"metagaming","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/11\/21\/1160\/","title":{"rendered":"Metagaming"},"content":{"rendered":"<p>Ich lese geraden einen Essay von Robert Foster Wallace \u00fcber das Fernsehen, in dem er auch dar\u00fcber spricht, dass selbstreferenzielle Folgen oder gar ganze Serien oft gro\u00dfen Erfolg haben. Damit sind Serien gemeint, bei dem es um das Fernsehen selbst (wie bei Mad TV) oder um deren Hauptcharaktere (wie in Seinfeld) geht. Ich erinnere mich auch an eine Scrubs-Folge, bei der es um Dr. House (als Fernsehcharackter wohlgemerkt) geht.\u00a0 Solche Selbstbez\u00fcge sind bei Spielen noch sehr selten &#8211; sieht man von einigen graphischen Gags ab. Mir fallen nur vier Beispiele ein: Ein Tom Jolly Spiel bei der es um das Ver\u00f6ffentlichen von Prototypen geht (Name gerade entfallen), das seit Jahren angek\u00fcndigte, aber nie erschienene <em>Cleopatras Caboose<\/em>, bei der die Spieler in die Rollen von Spieleautoren-G\u00f6tter schl\u00fcpfen und deren Spezialf\u00e4higkeiten nutzen k\u00f6nnen (Details sind noch unbekannt, aber ich nehme an Knizia wird f\u00fcr eine Wertung zust\u00e4ndig sein), das Spielertatspiel <em>Ludoviel <\/em>und nat\u00fcrlich das just erschienene <em>Boardgamegeek Gane<\/em>, bei dem die Spieler Spiele kaufen und verkaufen.<\/p>\n<p>Nicht das mich die geringe Anzahl an entsprechenden Spielen \u00fcberraschen w\u00fcrde; die Zielgruppe ist nun einmal sehr eingeschr\u00e4nkt. Ich denke aber, dass die Anzahl der Selbstbez\u00fcge einen guten Ma\u00dfstab f\u00fcr die Verbreitung eines Mediums darstellt: Es gibt tausende von B\u00fcchern, die andere B\u00fccher zitieren oder gar darauf aufbauen, es gibt zahlreiche Serien und Filme, die andere Filme und Serien zitieren. Und es gibt eine Handvoll Spiele &#8211; werden es bald mehr sein?<\/p>\n<p>Und noch ein Ph\u00e4nomen ist mir so richtig bewusst geworfen: Ich verbringe mehr Zeit mit dem Lesen \u00fcber Spiele als mit Spielen selbst. Das ist auch etwas, was es vor dem Internet noch nicht gab und was die Spieleszene aktiv ver\u00e4ndert &#8211; alleine BGG d\u00fcrfte die Szene ganz massiv ver\u00e4ndert haben. Das &#8220;Wie&#8221; w\u00e4re mal ein interessantes Bet\u00e4tigunsgfeld f\u00fcr einen Spiele-Soziologen.<\/p>\n<p>Bis es soweit ist, trage ich meinen Teil zu diesem Ph\u00e4nomen bei und liefere hier meine Ersteindr\u00fccke der Spiele, die ich seit der Messe gespielt habe (minus die Quizspiele, die demn\u00e4chst im gro\u00dfen Quizspielvergleichstest kommen).<\/p>\n<p><strong>Fzzzt<\/strong>: &#8220;Blind Bidding goes Dominion&#8221; k\u00f6nnte man dieses kleine Kartenspiel \u00fcberschreiben. Die zu ersteigernden Karten unterscheiden sich im Versteigerungs-Wert und Einsatzm\u00f6glichkeiten. Dann sind noch ein paar Auftragskarten dabei, die ebenfalls ersteigert werden wollen und die bestimmte normale Karten erfordern, bei Spielende aber satt Punkte bringen. Der Spielverlauf ist simpel: Beliebig viele Karten bieten, gleichzeitig aufdecken, H\u00f6chstgebot gewinnt eine neue Karte f\u00fcr den eigenen Stapel. Sch\u00f6ne Dynamik, schnelles Spiel. Ich bin aber kein allzu gro\u00dfer Blind-Bidding-Freund. Au\u00dferdem ist es schwer einen Fehlstart aufzuholen: Schlechtere Karten bedeuten geringere Chancen sein Blatt zu verbessern. Oder: Wer gute Karten hat, bekommt gute Karten. Somit ist es nicht mehr als ein nettes Zwischendurchspiel. Aber auch nicht weniger.<\/p>\n<p><strong>The Island of Dr. Necreaux<\/strong>: Hier m\u00f6chte ich demn\u00e4chst eine Rezi verfassen (wenn ich die Zeit finde). Die Idee ist nett: Ein Kooperationsspiel in der Welt der schlechten 70er-Jahre-Filme. Sehr w\u00fcrfellastig, aber mit einem guten Mechanismus. W\u00fcrde eine Partie 30 Minuten dauern, w\u00fcrde mir das Spiel echt gut gefallen. Leider dauert es (wenn man erfolgreich ist zumindest) gut doppelt so lange und das ist weit mehr als die Idee zu tragen vermag. Schade!<\/p>\n<p><strong>Beer &amp; Pretzels<\/strong>: Oder:\u00a0 &#8220;Bierdeckelzielwerfen&#8221; . Damit ist schon fast alles gesagt: Erkl\u00e4rt und Gespielt in 5 Minuten. Macht\u00a0 durchaus Spa\u00df, aber ein Spiel bedarf es daf\u00fcr eigentlich nicht. Schon gar keins f\u00fcr diesen Preis.<\/p>\n<p><strong>Die Werft<\/strong>: Sehr viele Mechanismen, die erst einmal verstanden werden m\u00fcssen. Im eigentlichen Spiel ist dann aber alles sehr logisch und schl\u00fcssig. So w\u00e4re die Einstigesh\u00fcrde gar nicht so hoch, wenn es nicht neben den zahlreichen Spezialauftr\u00e4gen noch zahlreiche Sonderpl\u00e4ttchen g\u00e4be, die gelernt werden m\u00fcssen. Vielspieler lassen sich von sowas nicht abschrecken und werden Spa\u00df an der <em>Werft <\/em>haben. Mir hats auch sehr gefallen, denn es geh\u00f6rt zu den Spielen, wo man st\u00e4ndig das Gef\u00fchl hat, das falsche zu tun oder nicht genug oder nicht schnell genug oder&#8230; Die Entscheidungen fallen alle schwer und man agiert mit 10 Daumen an jeder Hand. Aber das geht allen so :-) Sehr sch\u00f6nes, vielschichtiges Spiel mit ein paar neuen Ideen (Insbesondere die Jungerfenfahrt als Wertungsmechanismus). Thematisch h\u00e4tte es auch ein anderes Thema sein k\u00f6nnen, aber ungew\u00f6hnliche Themen mag ich ja. Daumen geht klar nach oben!<\/p>\n<p><strong>Alice in Wonderland &#8211; Parade:<\/strong> Ein sehr trickreiches Kartenspiel in der Tradition von <em>6 nimmt!<\/em> oder <em>Mow<\/em>, aber taktischer als die eben genannten. Der Mechanismus ist schnell verstanden (wenn die Regel das nicht etwas verhindern w\u00fcrde), das Spiel h\u00e4lt aber ein paar gute Feinheiten bereit. Das Thema hat allerdings nix mit dem Spiel zu tun &#8211; dennoch w\u00fcrde ich es z.B. Kosmos f\u00fcr deren Kartenspielreihe w\u00e4rmstens ans Herz legen. F\u00fcr mich eines der besten Kartenspiele der letzten Jahre (so auf einem Level mit <em>R-Eco).<\/em><\/p>\n<p><strong>Birds on a Wire:<\/strong> Ein Legespiel mit ein paar ungew\u00f6hnlichen Regeln. Gespielt habe ich entgegen meiner Gewohnheit nur die Fortgeschrittenen Version (die Familienversion soll recht langweilig sein, wurde mir mehrheitlich berichtet) und die leider nur einmal, weil dann der Besuch gehen musste. Das ist insofern schade, als dass<em> Birds on a Wire <\/em>definitiv zu den Spielen geh\u00f6rt, die man 2x hintereinander spielen muss. Bei der ersten Partie denkt man n\u00e4mlich erst &#8220;Das ist alles?&#8221; und bemerkt erst nach und nach die M\u00f6glichkeiten und Gemeinheiten. So muss man einen passenden Vogel anlegen, wenn man kann. Man kann dem Gegner V\u00f6gel zuschustern, wenn man auf dem neutralen Brett eine Reihe vervollst\u00e4ndigt oder (mit einem Sonderpl\u00e4ttchen) eine Reihe auf einem Spielerbrett leert. Der Gegner muss nehmen, was er kann. Das ist insofern schlecht, als dass nur die kleinsten Gruppen von passenden V\u00f6geln am Ende z\u00e4hlt. Und wenn man eine der kleinsten Gruppen gr\u00f6\u00dfer macht, f\u00e4llt sie aus der Wertung raus &#8211; Gemein! Macht auf jeden Fall einen interessanten Eindruck!<\/p>\n<p><strong>Alcazar<\/strong>: Bislang habe ich nur die <em>Alcazar<\/em>-Variante probiert. Ein merkw\u00fcrdiges Ding: Es sieht toll aus und macht mir auch Spa\u00df, hinterl\u00e4sst aber ein komisches Gef\u00fchl im Magen. <em>Alcazar <\/em>ist im Kern ein Knobelspiel: Wie bringe ich meine Leute m\u00f6glichst effizient nach oben, m\u00f6glichst ohne Karteneinsatz? Der Aspekt macht Spa\u00df (zumindest wenn man solche Knobelaufgaben mag). Aber es sind eine Menge Regeln, die wohl noch von der <em>Big-Boss<\/em>-Zeit \u00fcbrig geblieben sind und die kaum einen Einfluss auf den Spielverlauf haben &#8211; Viele Regeln mit wenig Effekt also. Das verwirrt, denn man denkt, man bekommt einen Aspekt gar nicht mit. Und es st\u00f6rt mein \u00e4sthetisches Empfinden, denn es wirkt inneffizient. Aber andererseits gefielen mir den letzten Partien immer besser. Ich denke es kein absolutes Toppspiel, halte es aber f\u00fcr interessant genug, um sich weiter und n\u00e4her damit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Triumvirat<\/strong>: Ich habs bekommen, weil der Autor den Wertungsmechanismus aus <em>K\u00f6nig von Siam<\/em> f\u00fcr dieses Spiel \u00fcbernommen hat und mir so f\u00fcr die Inspiration danken wollte. Dar\u00fcber bin ich sehr froh, denn dieses 2-Personenspiel ist echt klasse! Es ist eine Art Stichspiel, nur dass die Stiche nicht dem Punkte bringen, der sie macht, sondern der Farbe (derer gibt es drei), in der sie gemacht wurden. Die Farbe, die als erstes drei Stiche macht, gewinnt die Runde. Gewinnt eine Farbe drei Runden, gewinnt sie den &#8220;Satz&#8221; und bringt dem Spieler den Sieg, der zuvor die meisten Punkte in der Farbe beiseite gelegt hat. Beiseite legen darf man pro Satz drei Karten und zwar Handkarten, die verdeckt bleiben (Das ist der Teil aus<em> K\u00f6nig von Siam,<\/em> der aber eigentlich kaum noch was mit KvS gemein hat). Der andere wei\u00df also nicht, welche Karten der andere gesetzt hat und die fehlenden Karten schw\u00e4chen die entsprechende Karte. Das ist interessant und sorgt f\u00fcr subtiles Spiel. Aber da ist noch mehr innovatives: So beh\u00e4lt man ungespielte Karten auf der Hand &#8211; da eine Entscheidung theoretisch nach drei Karten gef\u00e4llt sein kann (wenn die ersten drei Stiche in derselben Farbe gemacht werden) k\u00f6nnen das recht viele sein &#8211; und f\u00fcllt diese nur mit neuen Karten auf. So kann man Karten einerseits bewusst zur\u00fcckgalten (damit der Gegner die nicht bekommen kann) und muss andererseits aufpassen, dass man nicht auf Karten in einer Farbe sitzen bleibt, die man gar nicht spielen will&#8230; Das Spiel ist nicht nur ein hervorragendes 2-Personen-Stichspiel (was ja sowieso schon selten genug ist) sondern auch sehr innovativ mit vielen <em>Aha!<\/em>-Erlebnissen. F\u00fcr mich eines der Highlights in diesem Jahr!<\/p>\n<p><strong>Eine gegen Eine<\/strong>: Das ber\u00fchmte Spiel ohne Regeln! Das wichtigste: Ja, es funktioniert! Und es ist durchaus witzig mal so eine spielerische &#8220;Wundert\u00fcte&#8221; zu spielen, bei der man vorher noch gar nicht wei\u00df, um was es sich handelt (man erarveitet sich die Regeln w\u00e4hrend des Spieles, und \u00f6ffnet das Spiel auch erst vor der ersten Partie,daher wi\u00df man wirklich nicht, was einen erwartet). Spielerisch liegt Eine gegen Eine allerdings so auf mittlerem &#8220;Edition Spielbox&#8221;-Niveau: Nicht schlecht, aber spielen muss ichs nicht unbedingt nochmal. Die erste Partie ist was z\u00e4hlt und die Leistung der Autoren neue Ans\u00e4tze f\u00fcr einsteigerfreundliche Regeln gefunden zu haben!<\/p>\n<p>Ach ja, der Quizspielvergleichstest verz\u00f6gert sich wohl um 1-2 Wochen, da ich kurz nach der Deadline noch 2 Rezi-Quizspiele bekommen habe, die ich noch einbauen m\u00f6chte. Und letzten Donnerstag erschien kein Interview, da ich die Ank\u00fcndigung der Spieleumfrage nicht nach hinten schieben wollte &#8211; am kommenden Donnerstag erscheint daf\u00fcr eines. Der Beriucht \u00fcber Taiwan verschiebt sich aufgrund meiner momentanen Klausurbelastung.. Ja, &#8220;P\u00fcnktlich wie die Bahn&#8221; ist unser Motto (und wer die Berliner S-Bahn kennt, wei\u00df, dass wir es auch mit der Umsetzung sehr genau nehmen!)<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lese geraden einen Essay von Robert Foster Wallace \u00fcber das Fernsehen, in dem er auch dar\u00fcber spricht, dass selbstreferenzielle Folgen oder gar ganze Serien oft gro\u00dfen Erfolg haben. Damit sind Serien gemeint, bei dem es um das Fernsehen selbst (wie bei Mad TV) oder um deren Hauptcharaktere (wie in Seinfeld) geht. 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