{"id":292,"date":"2008-04-12T15:45:04","date_gmt":"2008-04-12T14:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=292"},"modified":"2010-09-23T17:52:19","modified_gmt":"2010-09-23T15:52:19","slug":"liebe-intrige","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/liebe-intrige\/","title":{"rendered":"Liebe &#038; Intrige"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/liebeintrige.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Goldsieber Spiele<br \/>\nAutoren: Ellen Maria Ernst \/ Kira Verena Samol<br \/>\nSpieleranzahl: 2-4<br \/>\nAlter: ab 10 Jahre<br \/>\nSpieldauer: ca. 50 Minuten<\/p>\n<p>Zielgruppe.<\/p>\n<p>Kein anderes Wort wurde seit Wolfgang Kramers Stellungsnahme vor einigen Monaten so diskutiert, wie das W\u00f6rtchen \u201eZielgruppe\u201c. Und kein anderes Wort ist in der kommenden Rezension von Goldsiebers <em>Liebe &#038; Intrige<\/em> wichtiger.<br \/>\nBereits die rosa Schachtel ruft aus \u201eHier, ich bin ein Spiel, dass sich nicht an die Spieleszene richtet! Ich bin was besonderes! Ich richte mich an Frauen!\u201c<br \/>\nSo zumindest die Theorie der Autorinnen, die in das Seelenleben des weiblichen Geschlechts zweifellos mehr Einblick haben, als der maskuline Rezensent.<br \/>\nDaher z\u00e4ume ich das Pferd einmal von hinten auf und definiere die Zielgruppe von <em>Liebe &#038; Intrige<\/em> anhand dessen, was das Spiel zu bieten hat:<\/p>\n<p><strong>1. Die Zielgruppe mag Romane von Jane Austen oder vergleichbares<\/strong><br \/>\nDas Thema ist eindeutig: Ende des vorletzten Jahrhunderts wollen die besorgten Eltern ihre drei T\u00f6chter verheiraten. Das muss nat\u00fcrlich in der richtigen Reihenfolge geschehen (bevor die h\u00e4ssliche Tusnelda nicht unter der Haube ist, kann die mitrei\u00dfende Amelie keinen Mann finden) und nat\u00fcrlich haben die Herren besondere Anspr\u00fcche \u2013 desto adliger der Mann, desto h\u00f6here. Und der Ruf kann schon leiden, wenn die angeblich so tugendhafte Tochter mit Casanova in die Kiste h\u00fcpft oder sich in der Kneipe das Hirn wegtrinkt. Da helfen nur Besuche im Theater oder die Hilfe bei der Armenspeisung um das ramponierte Image wieder aufzupolieren! Und wo Liebe ist, darf die Intrige nat\u00fcrlich nicht fehlen, schlie\u00dflich sind bei ersterer ja alle Waffen erlaubt. Entsprechend darf man seinen lieben Mitspielerinnen schon mal die M\u00e4nner abspenstig machen oder sie sogar mit Pocken infizieren! Also Sehnsucht, Kalk\u00fcl und Schicksalsschl\u00e4ge wollen gemeistert werden \u2013 ganz so wie bei Stolz und Vorurteil.<br \/>\nFazit: Wer jetzt schreiend die Flucht ergreift, um nach Rittern, Raketen oder Bohnenfeldern Ausschau zu halten, kann nicht zur Zielgruppe dieses Spieles geh\u00f6ren. Wer dagegen denkt: \u201eNa, das ist doch mal ein Thema, das mich anspricht!\u201c, der darf weiterlesen.<\/p>\n<p><strong>2. Die Zielgruppe stellt Thema \u00fcber Mechanik<\/strong><br \/>\nWer jetzt fragt: \u201eWie geht das Spiel \u00fcberhaupt?\u201c Der ist schon einmal grundfalsch bei diesem Spiel. Die Mechaniken sind Nebensache (wie eigentlich auch der Spielsieg, wenn man\u2019s genau nimmt).  Nein, hier geht es darum, sich gegenseitig mit den zweifelhaften Tugenden und Praktiken der T\u00f6chter zu \u00e4rgern, \u00fcber eigene Schicksalsschl\u00e4ge zu lamentieren und sich \u00fcber die der Gegner lustig zu machen. \u201eTable-Talk\u201c nennen die Amis das und die haben das thematische Spiel ja quasi erfunden. Und Table-Talk wird durchaus gef\u00f6rdert: \u201e\u00c4tsch deine h\u00e4ssliche Tochter, bekommt nie jemanden!\u201c, \u201eAh ja, mit Casanova im Bett erwischt \u2013 Typisch!\u201c, Ja, gelacht und gescherzt werden darf man schon bei Liebe &#038; Intrige.<br \/>\nFazit: Nur wer die Geschichte in einem Spiel liebt, kann zum n\u00e4chsten Absatz \u00fcbergehen. Wer jedoch meint, Zug um Zug sei das Nonplusultra in Sachen Simulation, darf sich den Rest dieser Rezension sparen.<\/p>\n<p><strong>3. Die Zielgruppe will nicht (zu viel) denken<\/strong><br \/>\n\u201eBitte kein Spiel wo man nachdenken muss!\u201c h\u00f6rt man gelegentlich. Meistens wird der Satz in Verbund mit \u201eNichts zu kompliziertes!\u201c ge\u00e4u\u00dfert. Ert\u00f6nen diese S\u00e4tze so springt <em>Liebe &#038; Intrige<\/em> auf und ruft \u201eHier bin ich! Nehmt mich! Ich bin das Ziel eurer Gel\u00fcste\u201c Und das nicht zu Unrecht: Die Regeln sind glaskar und wirklich nicht zu kompliziert: Setzen. Eigenschaften verbessern. Manchmal w\u00fcrfeln oder eine Karte spielen. Karte ziehen. N\u00e4chster Spieler. Das ist in drei Minuten begriffen. Und in 5 Minuten hat man alle Strategien verinnerlicht. Denn so richtige Strategien gibt es eigentlich gar nicht. Die M\u00f6glichkeiten sind a) Woanders hingehen, seine Eigenschaften verbessern und hoffen, dass dort ein Mann liegt, den man will oder b) Woanders hingehen und versuchen jemand anderem den Mann auszuspannen. Die einzige andere Frage w\u00e4re: Nehmen was kommt oder sich auf die wirklich edlen (und anspruchsvollen) Herrschaften konzentrieren?<br \/>\nFazit: Wer gerne plant, geschickte Winkelz\u00fcge ausbr\u00fctet, langfristige Strategien hegt und vom ersten Moment an auf Sieg spielt, der sollte weitergehen, hier gibt es nichts f\u00fcr ihn zu sehen. Nur wer aus dem Bauch heraus spielt, wem Gedeih oder Verderben egal ist, solange er irgendwie besch\u00e4ftigt wird und wer auf gr\u00f6\u00dfere Spielkontrolle verzichten kann, kommt \u00fcberhaupt als Zielgruppenmitglied in Frage.<\/p>\n<p><strong>4. Die Zielgruppe sieht das Brettspiel nur als Plattform f\u00fcr kultivierte Gespr\u00e4che<\/strong><br \/>\nWarum spielt man eigentlich, wenn die strategische Herausforderung, also der Wettkampf an sich, nicht als Motivation in Frage kommt? Nat\u00fcrlich der Unterhaltung wegen! Auf der Unterhaltungsebene bietet <em>Liebe &#038; Intrige<\/em> den bereits erw\u00e4hnten \u201eTable-Talk\u201c und die sich daraus ergebenen Gespr\u00e4che. Und Gespr\u00e4che werden durchaus gef\u00f6rdert, denn so richtig ablenkend wirkt das Durchf\u00fchren des eigenen Zuges nicht wirklich. Hier ein bisschen setzen, optimieren, Karte vorlesen \u2013 Das hat eher den Charakter einer Besch\u00e4ftigung als einer geistigen Herausforderung und geht bald in Routine \u00fcber, wirkt sogar ab der zweiten Tochter etwas repetiv (Ich h\u00e4tte mir \u2013 wo ich gerade dabei bin \u2013 \u00fcbrigens abwechslungsreichere Aktionskarten gew\u00fcnscht. Gibt das Thema da wirklich nicht mehr her? Und was sollen die \u201eSiegpunktkarten\u201c? Die sind wirklich \u00fcberfl\u00fcssig! Oder verzichtet tats\u00e4chlich jemand mal darauf sie zu spielen?). Insofern kann man sich durchaus unterhalten, nach dem Motto \u201eWas wollte ich sagen, bevor ich meine Karten sortiert habe? Ach ja, also die Else, die hat gestern wieder&#8230;\u201c Und da sich die Spannungsphasen im Spiel rar machen, ist so eine verbale Ablenkung hier tats\u00e4chlich nicht \u00c4rgernis sondern Programm.<br \/>\nFazit: Sie gr\u00fcbeln gerne \u00fcber ihren Zug? Soziale Kontakte bereiten Ihnen \u00dcbelkeit? Das Spiel soll f\u00fcr sich stehen und auch ohne externen Ablenkungen Spa\u00df machen? Ich wei\u00df nicht, was Ihnen Ihr Arzt oder Apotheker empfiehlt, wir empfehlen Ihnen jedenfalls  NICHT <em>Liebe &#038; Intrige<\/em>.<br \/>\nSie betrachten Spiele als Mittel zum Zweck? Sie wollen sich eigentlich unterhalten und suchen etwas, mit denen sie ihre H\u00e4nde besch\u00e4ftigen wollen, wollen aber nicht mit dem Rauchen anfangen? <em>Liebe &#038; Intrige<\/em> k\u00f6nnte genau auf Ihrer Wellenl\u00e4nge liegen! Bleiben Sie dran!<\/p>\n<p><strong>5. Die Zielgruppe kennt keine anderen Spiele<\/strong><br \/>\nUm Wolfgang Kramer zu parodieren: Leute, die keine Spiele kennen, halten bestimmte Spiele f\u00fcr die besten Spiele, die sie kennen. So geht es auch \u201e<em>Liebe &#038; Intrige<\/em>\u201c \u201eUnfassbar was heute alles m\u00f6glich ist!\u201c m\u00f6gen Spielemuffel ausrufen, die ihren letzten spielerischen Kontakt mit Kinderlotto hatten. Tats\u00e4chlich muss man den Autorinnen bescheinigen, auf die \u00fcblichen Mechanismen wie \u201eW\u00fcrfeln, wie viele Felder man vorw\u00e4rts darf\u201c verzichtet und durchaus einige moderne Mechanismen verwendet zu haben. Dass unterm Strich das Thema das einzig originelle an diesem Spiel sein d\u00fcrfte, st\u00f6rt die Zielgruppe nicht, denn die kennt die zahlreichen Vorbilder nicht. Zudem: Siehe Punkt 2.<br \/>\nFazit: Sie ben\u00f6tigen beim Umzug einen ganzen M\u00f6belwagen nur f\u00fcr ihre Spiele? Sie k\u00f6nnen ohne nachzudenken 10 Spiele nennen, mit denen sie ihre nichtspielenden Nachbarinnen zu begeisterten Spielerinnen konvertieren k\u00f6nnen? Wieso haben sie \u00fcberhaupt bis hierher gelesen?<br \/>\nSie halten Zooloretto f\u00fcr eine Vormittagssendung und wundern sich, dass es Leute gibt, die mehr als 3 Spiele besitzen, wo sie doch nicht einmal Monopoly jemals zu Ende gespielt haben? Werfen Sie mal einen Blick auf <em>Liebe &#038; Intrige<\/em>, es wird sie \u00fcberraschen! Und \u2013 nur aus Neugier \u2013 wie haben sie diese Seite entdeckt?<\/p>\n<p>Ob das Experiment \u201e<em>Liebe &#038; Intrige<\/em>\u201c f\u00fcr Goldsieber aufgeht? Ich wei\u00df es nicht. Als Geschenk f\u00fcr die nichtspielende Liebesromanleserin ist es dank der liebevollen Aufmachung allemal geeignet. Ob und wie oft es dann allerdings tats\u00e4chlich auch gespielt wird vermag ich aber beim besten Willen nicht zu sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Goldsieber Spiele Autoren: Ellen Maria Ernst \/ Kira Verena Samol Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 10 Jahre Spieldauer: ca. 50 Minuten Zielgruppe. Kein anderes Wort wurde seit Wolfgang Kramers Stellungsnahme vor einigen Monaten so diskutiert, wie das W\u00f6rtchen \u201eZielgruppe\u201c. Und kein anderes Wort ist in der kommenden Rezension von Goldsiebers Liebe &#038; Intrige wichtiger. 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