{"id":26962,"date":"2026-03-03T19:34:27","date_gmt":"2026-03-03T17:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=26962"},"modified":"2026-06-14T12:38:50","modified_gmt":"2026-06-14T10:38:50","slug":"take-time","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/take-time\/","title":{"rendered":"Take Time"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autoren<\/strong>: Alexi Piovesan &amp; Julien Prothi\u00e8re<br \/>\n<strong>Illustrationen<\/strong>: Maud Chalmel<br \/>\n<strong>Verlag<\/strong>: Libellud<br \/>\n<strong>f\u00fcr<\/strong> 2-4 Spieler*innen<br \/>\n<strong>ab<\/strong> 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 30 Minuten<\/p>\n<p>Das kooperative Kartenspiel ist schon l\u00e4nger keine Nische in der Brettspielszene. Entsprechend entgleisen auch niemandem mehr die Gesichtsz\u00fcge, wenn man Take Time als Kartenspiel vorstellt, welches man nicht gegeneinander sondern gemeinsam spielt. Den Feink\u00f6stern unter den Freunden des kooperativen Spiels wird allerdings der Co-Autor Julien Prothi\u00e8re etwas sagen. Ist er doch ma\u00dfgeblich f\u00fcr ehrgeizige Designs wie u.a. <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/07\/03\/20100\/\">Kreus<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/precognition\/\">Precognition<\/a> oder auch <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/romeo-julia\/\">Romeo &amp; Julia<\/a> verantwortlich. Letztere stachen vor allem durch ihren hintergr\u00fcndigen Anspruch hervor, der manchen Gruppen viel abverlangte, um einen Sieg einzufahren.<\/p>\n<p>Take Time kann auch mit der ein oder anderen T\u00fccke auffahren, um Spielgruppen aus der Reserve zu locken. Dabei ist das Kernkonzept noch verbl\u00fcffend schnell erkl\u00e4rt und verstanden. Reihum werden Karten verdeckt um eine Spielscheibe (hier \u201eUhr\u201c genannt) ausgelegt. Dabei m\u00fcssen die ausliegenden Karten am Ende bestimmte Bedingungen erf\u00fcllen, um die Runde zu gewinnen. W\u00e4hrend des Spiels sind Absprachen nicht m\u00f6glich, so dass man sorgf\u00e4ltig deduzieren und vermuten muss, um die eigenen Karten zielf\u00f6rdernd platzieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Besondere an Take Time sind dabei nicht unbedingt die Aufgaben selbst oder ihre Variationen \u00fcber die 40 \u201eUhren\u201c hinweg. Je mehr man von ihnen spielt, umso mehr wei\u00df man den Einfallsreichtum der beiden Autoren Alexi Piovesan und Julien Prothi\u00e8re zu sch\u00e4tzen. Aber sie formen das Spielerlebnis weit weniger, als man erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26965\" aria-describedby=\"caption-attachment-26965\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26965\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-300x252.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-300x252.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-700x588.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-150x126.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-768x645.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-1536x1290.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-2048x1719.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-370x311.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-270x227.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-570x479.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-596x500.jpg 596w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Take-Time-cards-740x621.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26965\" class=\"wp-caption-text\">Das Ergebnis sorgf\u00e4ltiger Absprachen und nervenzehrendem Ausspielen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der gro\u00dfe Kniff in Take Time steckt in der strategischen Absprache unter den Spieler*innen, welche stattfindet bevor man die eigene Kartenhand gesehen hat. Hier treten die Pers\u00f6nlichkeiten, Gewohnheiten aber auch taktischen Ausrichtungen der Mitspielenden zu Tage und setzen den Rahmen in dem die Gruppe das Spiel erleben wird. Von den Mikromanagern-qua-Alpha-Gaming, zu den sorgevollen \u201eWas-w\u00e4re-wenn\u201c-Denkern bis hin zu den leichtsinnigen Gl\u00fccksrittern, die voll und ganz auf ihr K\u00f6nnen setzen, ihr Gegen\u00fcber jederzeit richtig einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Die Gruppe kommt zusammen und entwirft einen Schlachtplan, der so kleinschrittig oder auch grob gezeichnet ist, wie es den Charakteren am Tisch entspricht.<\/p>\n<p>Trotz aller Fiktion, die wir um den Wert und die Wichtigkeit des Spielsiegs heraufbeschw\u00f6ren, kreist das kooperative Spielerlebnis um die Menschen mit denen man am Tisch sitzt. Es geht am Ende doch darum man selbst zu sein und von anderen gesehen zu werden. Das gelingt hier auf ganz unerwartete, aber sehr effektive Weise. Unsere Zusammenarbeit findet wie bei vielen kooperativen Spielen im Dialog mit den anderen statt, und unser Erfolg oder Misserfolg, ist dabei lediglich der Vorwand, den wir f\u00fcr unsere Kooperation ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>So bilden unsere Absprachen emergente Regeln nach denen wir das laufende Spiel spielen werden. Wir bestimmen diese selbst, mit Blick auf die uns vorgegebenen Einschr\u00e4nkungen, und er\u00f6rtern gemeinsam wie wir unser Ziel erreichen wollen. Damit lassen sich so manche kooperativen Spiele umschreiben, aber Take Time gelingt es diese Dynamik mit wenigen, eing\u00e4ngigen Regeln entstehen zu lassen und ohne daf\u00fcr thematische Schlaglichter werfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Von der Bezeichnung der Spielscheiben als Uhren einmal abgesehen, pr\u00e4sentiert sich Take Time ohne irgendwie geartete thematischen Bez\u00fcge. Dennoch sollte man die grafische Aufbereitung von Maud Chalmel hier besonders betonen. Die schwunghaften Verzierungen auf den Spielkarten, die goldfarben umrahmten Formen aber auch die subtilen, warmen Farbverl\u00e4ufe auf den Spielscheiben verleihen Take Time eine Aura des Wertvollen und Erlesenen. Es ist ein Spiel, bei dem man sich ein paar Gl\u00e4ser eines satten Rotweins auf dem Tisch weit besser vorstellen kann, als halb ausgetrunkenes Dosenbier und eine Schale \u00fcbersalzener Erdn\u00fcsse. Die Pr\u00e4sentation suggeriert eine intellektuelle Herausforderung, die sowohl Logik als auch Empathie verlangt. Das visuell unterf\u00fctterte Ambiente tr\u00e4gt dazu bei, dass sich eine Partie trotz der schnell kommunizierten Aufgabenstellung nach etwas von Substanz anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Take Time mag nur ein Kartenspiel sein, aber es ist auch eine t\u00fcftelige Herausforderung. Eine Aufgabe, in der die kurzfristige Stille am Tisch B\u00e4nde spricht; das Z\u00f6gern beim Ausspielen einer Karte schon bald zu deduktiven Schl\u00fcssen verleitet, die einem Sherlock Holmes w\u00fcrdig w\u00e4ren. Schon allein f\u00fcr dieses gro\u00dfartige Gef\u00fchl das Oberst\u00fcbchen auf Hochtouren gefahren zu haben, lohnt es sich Take Time auf den Tisch zu holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoren: Alexi Piovesan &amp; Julien Prothi\u00e8re Illustrationen: Maud Chalmel Verlag: Libellud f\u00fcr 2-4 Spieler*innen ab 10 Jahren Dauer: 30 Minuten Das kooperative Kartenspiel ist schon l\u00e4nger keine Nische in der Brettspielszene. Entsprechend entgleisen auch niemandem mehr die Gesichtsz\u00fcge, wenn man Take Time als Kartenspiel vorstellt, welches man nicht gegeneinander sondern gemeinsam spielt. 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