{"id":26624,"date":"2025-10-09T18:48:11","date_gmt":"2025-10-09T16:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=26624"},"modified":"2025-10-09T18:48:11","modified_gmt":"2025-10-09T16:48:11","slug":"treat-or-cheat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/treat-or-cheat\/","title":{"rendered":"Treat or Cheat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Julius Guan<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Ming-Yi Design<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 3-5 Personen <strong>ab<\/strong> 8 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 20-45 Minuten (eher 20-30 Minuten)<\/p>\n<p>Ich gebe zu: Dies war ein Rezensionsexemplar, dass ich <em>letztes Jahr<\/em> in Essen bekommen habe. Und ich habe es bekommen, weil ich den Titel falsch gelesen hatte (\u201eTrick\u201c statt \u201eCheat\u201c) und vom cover her ein Rennspiel erwartete. Oder vom Titel her ein Stichspiel. Ich wei\u00df nicht mehr, was ich erwartet habe. Auch egal, was ich erwartet habe, war es sowieso nicht. Was es stattdessen war, sollte mir einige Zeit verschlossen bleiben, denn aus unerfindlichen Gr\u00fcnden tat ich mich mit der Regel recht schwer: War es das unruhige, wilde Layout ohne klare Struktur? War es, dass ein mechanischer \u00dcberblick fiel, so dass mich die thematischen Begriffe wie <em>Triage<\/em> eher ablenkten. Oder ich war zu doof. Keine Ahnung.<\/p>\n<p>Dabei hilft das Thema <em>eigentlich<\/em> beim Verst\u00e4ndnis: Man m\u00f6chte seine Patienten m\u00f6glichst in die gut ausgestatteten Krankenh\u00e4user unterbekommen, denn dort gibt es mehr Punkte. Allerdings sind die Krankenh\u00e4user (nicht ganz unrealistisch) ziemlich ausgebucht und da ist Schlange stehen angesagt (ebenfalls nicht ganz unrealistisch)! Theoretisch ist das alles recht logisch: Schwerere F\u00e4lle kommen nach vorne in die Schlange und verdr\u00e4ngen leichtere nach hinten. Wird die Schlange zu lang, rutschen Patienten in die n\u00e4chstschw\u00e4chere Klinik ab. Nur beim Hausarzt d\u00fcrfen beliebig viele Leute anstehen. Auch das kennt man. Kommt es nun zur Wertung (eben jene \u201eTriage\u201c), werden die vordersten Patienten reingelassen (und punkten). Der Hausarzt behandelt die schwereren F\u00e4lle aber nicht selbst, sondern verschiebt diese, ausgestattet mit einem kleinen Punkte-Trostpflaster wieder nach oben. Da die Schlangen schnell voll werden, lohnt sich das Hausarztprinzip also oft. Fast so als w\u00e4re Karl Lauterbach f\u00fcr das Spiel verantwortlich <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26626\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-300x263.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-300x263.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-700x613.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-150x131.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-768x672.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-1536x1344.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-2048x1792.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-370x324.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-270x236.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-570x499.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-571x500.jpg 571w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251008_175529-740x648.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>gewesen.<\/p>\n<p>Bis zu diesem Punkt <em>Treat or Cheat<\/em> wohlgeordnet und logisch. Es g\u00e4be aber wenig Trickserei jenseits von \u201eHausarzt\u201c und \u201egleich in die richtige Schlange stellen\u201c. Daher gibt es noch zwei Kniffe: Zum einen gibt es recht viele \u201eAngeh\u00f6rige\u201c im Deck. Die sind nicht krank. \u00d6ffnet Onkel Doktor die T\u00fcre, dann kommen die mit Patienten desselben Spielenden ins Krankenhaus und bringen so Bonuspunkte. Ansonsten stehen die mit in der Schlange und verl\u00e4ngern sie do.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kann man noch viermal Personen verdeckt in die Schlange stellen und sich so vordr\u00e4ngeln. Das bringt aber nur unmittelbar etwas, wenn n\u00e4mlich die Schlange zu lang wird und so Karten ins n\u00e4chste Geb\u00e4ude runtergestuft werden. Bei der Sprechstunde selbst ist der Vorteil dann ausgebraucht &#8211; der Doktor runzelt ab solchem Verhaltens v\u00e4terlich die Stirn und stellt alle dort in die Schlange, wo sie hingeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Diese beiden Regeln scheinen klar (deshalb habe ich sie auch so ausf\u00fchrlich beschrieben), sind aber in der Praxis seltsam hakelig. Insbesondere was Timingfragen betrifft: Werden Patienten-Verwandten-Paare wieder getrennt? Wann wird nochmal sortiert? Und wann nicht? Bisweilen f\u00fchlt es sich an, als h\u00e4tte Cole Wehrle Karl Lauterbach bei der Entwicklung geholfen.<\/p>\n<p><em>Treat or Cheat<\/em> ist ein Spiel, bei dem man Karten in eine Reihe spielt, damit man selbst in der Reihe m\u00f6glichst weit vorne steht, wenn es zu einer Wertung kommt. Da werden Erinnerungen an <em>Guillotine<\/em>, <em>Beasty Bar <\/em>oder Saashis <em>In Front of Elevators<\/em> wach. Allerdings sind jene Spiele alle sehr viel klarer in ihrer Struktur: Es ist nun einmal eine <em>Schlange<\/em>, die Karten sind <em>geordnet<\/em>, das umordnen ist ein aggressiver Akt gegen\u00fcber den anderen und in ihrer Wirkung unmittelbar sichtbar. <em>Treat or Cheat<\/em> fehlt dieses Element; das Einordnen in die Schlange ist nur ein erster Schritt. Was nach mehreren Umordnungswertungen passiert, ist kaum abzusch\u00e4tzen. Dadurch ist das Spiel aber in erster Linie harmloser als die vorgenannten: Wenn eine verschobene Karte am Ende doch punktet, vielleivht nicht einmal weniger, ist der emotionale Impact eher gering. Wo sonst eine Wertung verschwindet, eine tolle Karte weg ist, gibt es hier eine leichte Wertminderung. Vielleicht. Das Salz was in der Suppe fehlt, kann man auch nicht in die Wunde legen oder so, denn die Handlungsm\u00f6glichkeiten sind beschr\u00e4nkt. Das sind sie zwar auch bei den oben genannten, vergleichbaren Spielen, aber dort sorgen \u00c4rger- und Chaosfaktor f\u00fcr den n\u00f6tigen Verve. Weder Taktische noch \u00c4rgerm\u00f6glichkeiten sind bestechend.<\/p>\n<p>Bleibt das Thema. Die Problematik der Triage und der Personalmangel in Krankenh\u00e4usern ist es durchaus wert verspielt zu werden. Ob <em>Treat or Cheat<\/em> eine politische Aussage machen wollte? Ich denke nicht, am Ende kommen die meisten Patienten schon irgendwie unter &#8211; das Fehlen einer Chefarztbehandlung oder von Heerscharen der Mischpoke im Behandlungszimmer ist das, was punktetechnisch die Partie entscheidet und das ist f\u00fcr eine scharfe Satire etwas wenig. Auch hier w\u00fcnscht man sich eine Infusion mit guter, alter Natriumchloridl\u00f6sung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Julius Guan Verlag: Ming-Yi Design F\u00fcr 3-5 Personen ab 8 Jahren Spieldauer: 20-45 Minuten (eher 20-30 Minuten) Ich gebe zu: Dies war ein Rezensionsexemplar, dass ich letztes Jahr in Essen bekommen habe. Und ich habe es bekommen, weil ich den Titel falsch gelesen hatte (\u201eTrick\u201c statt \u201eCheat\u201c) und vom cover her ein Rennspiel erwartete. 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