{"id":25997,"date":"2025-01-14T17:46:23","date_gmt":"2025-01-14T15:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=25997"},"modified":"2025-01-14T17:46:23","modified_gmt":"2025-01-14T15:46:23","slug":"national-economy","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/national-economy\/","title":{"rendered":"National Economy"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Hiroshi Nishimura<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Dexker Games<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 1-4 Personen <strong>ab<\/strong> 12 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 30-45Minuten (f\u00fcr unerfahrene Gruppen eher 20 Minuten pro Person)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Kurze Anmerkung: Die Bilder zeigen die Chinesische Ausgabe. Es gibt auch eine vollst\u00e4ndig englischsprachige<\/em><\/p>\n<p>Eine obsolet gewordene Kunst ist es, Computerprogramme so zu schreiben, dass sie Speicherplatz sparen. Musste noch bis in die sp\u00e4ten 90er Jahre jeder Trick angewandt werden, um ein Computerspiel noch unfallfrei auf die Diskette zu bekommen, kann man heutzutage nicht einmal mehr im Internet surfen, ohne Datenmengen im Gigabytebereich anzusammeln. Ich will nicht sagen, dass die Spiele damals <em>besser<\/em> waren, aber die Programme an sich (also das Coding), waren <em>kreativer<\/em>.<\/p>\n<p>Ein bisschen f\u00fchle ich mich bei einer Reihe von modernen Expertenspielen an diese Entwicklung erinnert. Nur dass es jetzt nicht um Speicherplatz\u00a0 sondern um den \u201eDesign Space\u201c geht. Der war zwar genau genommen nie beschr\u00e4nkt, aber die Notwendigkeit von schlanken Regeln ist dennoch mittlerweile durch die Internationalisierung des Vielspielermarktes ziemlich aufgeweicht; Will ein\/e Autor:in einen bestimm<\/p>\n<figure id=\"attachment_26001\" aria-describedby=\"caption-attachment-26001\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26001\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball-300x212.png\" alt=\"Wizball screenshot C64\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball-300x212.png 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball-150x106.png 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball-370x261.png 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball-270x191.png 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Screenshot_of_the_Commodore64_version_of_Wizball.png 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26001\" class=\"wp-caption-text\"><em>Hat nichts mit National Economy zu tun: Wizball<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>ten Effekt erreichen, so kann dies mit einer fast beliebigen Anzahl von Regeln geschehen. Insbesondere wird Komplexit\u00e4t oft durch ein <em>Mehr<\/em> an Regeln erzeugt: Wenn es dr\u00f6lf Variablen gibt, die balanciert werden m\u00fcssen und zig verschiedene Wertungsm\u00f6glichkeiten beachtet werden wollen so schafft das zweifellos Komplexit\u00e4t, aber eben auf Kosten einer hohen Lernkurve. Wenn ein Spiel eine \u00e4hnliche Komplexit\u00e4t mit deutlich weniger aber cleveren Regeln erreicht, so nennt man ein Spiel \u201eelegant\u201c. Zyniker m\u00f6gen anmerken, dass Eleganz allein noch kein gutes Spiel macht, aber das ist Tinnef, Minimal verringern elegante Regeln die Einstiegsh\u00fcrde und erlauben es den Spielenden sich auf die spielerischen Elemente zu konzentrieren, statt nur darauf, nichts falsch zu machen.<\/p>\n<p>Ich finde Eleganz aber auch auf handwerklicher Ebene bewundernswert. Es ist f\u00fcr mich ebenso beeindruckend was die Sch\u00f6pfer von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ioJLJmz2rHU\"><em>Wizball<\/em><\/a> aus den sehr begrenzten F\u00e4higkeiten des C64 herausgeholt haben, wie wenn es einer spieleschaffenden Person gelingt, mit wenigen Regeln ein spannendes Wirkungsgeflecht zu kreieren. So wie es etwa \u00a0<em>National Economy<\/em> tun (Hatte ich eigentlich erw\u00e4hnt, dass mein Bruder und ich zu zweit <em>Wizball<\/em> zweimal durchgespielt haben? Einmal auf dem Amiga, einmal Jahre sp\u00e4ter auf einem Emulator. So, <em>jetzt<\/em> habe ich das erw\u00e4hnt. Das war mir wichtig. Zur\u00fcck zur Sendezentrale).<\/p>\n<p>Hiroshi Nishimura scheint sich die Frage gestellt zu haben: \u201eWie minimalistisch kann ein nicht-triviales Arbeitereinsetzspiel sein?\u201c und seine Antwort ist ein lautes Ja!<\/p>\n<figure id=\"attachment_25998\" aria-describedby=\"caption-attachment-25998\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-25998 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-225x300.jpg\" alt=\"Card from National Economy is showing a school and a +1orker symbol\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-525x700.jpg 525w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-370x493.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-270x360.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-570x760.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-375x500.jpg 375w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-740x987.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174437-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25998\" class=\"wp-caption-text\"><em>In der Schule gibt es neue Arbeiter<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>In der ersten Runde sind unsere M\u00f6glichkeiten \u00fcberschaubar: Es gibt nur zwei Arbeiter pro Person und nur wenige Einsatzm\u00f6glichkeiten. Entsprechend werden sich die einzelnen Er\u00f6ffnungsz\u00fcge in den verschiedenen Partien sehr \u00e4hneln. Dass sich die gew\u00e4hlten Strategien (und Spielverl\u00e4ufe) dennoch in fast exponentieller Geschwindigkeit voneinander entfernen, liegt an den Geb\u00e4uden, die man baut &#8211; letzteres stellt logischerweise eine Einsatzm\u00f6glichkeit f\u00fcr die eigenen Worker dar. Die Geb\u00e4ude kommen in Kartenform daher (entsprechend\u00a0 ist das Ziehen einer Geb\u00e4udekarte eine weitere Workeroption), geben in der Regel weitere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung (daher unterscheiden sich einzelne Partien recht bald voneinander) und werden mit weiteren Handkarten bezahlt. Handkarten mit Handkarten bezahlen zu m\u00fcssen, bei vielen Spielen f\u00fcr interessante Entscheidungen, hier hat Nishimura noch den Kniff hinzugef\u00fcgt, dass der einzige Rohstoff \u201eBananen\u201c ist . Handkarten ohne Funktion, die aber billig gewonnen und so zum Geb\u00e4udebau ohne Reue wieder abgeworfen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle wird man vielleicht denken: \u201eOK, ein sehr schlankes Arbeitereinsetzspiel mit Sondergeb\u00e4uden. Nett, aber vermutlich doch etwas eindimensional.\u201c Wer gerne Spiele anhand von vagen Beschreibungen bewertet, wird vielleicht sogar bef\u00fcrchten, dass hier nur kalte, absolut gnadenlose Effizienz gefragt ist und alle schw\u00e4cheren Spielenden bald abgeh\u00e4ngt werden. Ich will das mit der Effizienz nicht ganz verneinen, aber dass <em>National Economy<\/em> wirklich mehr bietet als eine optimale Kartenreihenfolge liegt an zwei sehr clever vernetzten\u00a0 Regeln: Einmal m\u00fcssen die Arbeiter am Rundenende bezahlt werden &#8211; und zwar im Laufe des Spieles immer besser. Die Inflation trifft uns alle! Gelingt dies nicht, so m\u00fcssen die eigenen Geb\u00e4ude verstaatlich werden: Man bekommt den Siegpunktwert als Geld ausgezahlt und kann damit die Arbeiter bezahlen. Das verstaatliche Geb\u00e4ude und dessen Funktion ist aber nicht weg, sondern steht lediglich ab der n\u00e4chsten Runden <em>allen<\/em> zur Verf\u00fcgung. Nur die Siegpunkte sind halt in die Taschen der Untergebenden geflossen.<\/p>\n<p>Das ist nicht nur ein witziger Mechanismus, es l\u00e4sst die Anzahl der Optionen jede Runde steigen (ein neuer Arbeitereinsatzplatz kommt zudem immer dazu) und \u00e4ndert so die Dynamik des Spieles. Nebenbei sorgt es auch f\u00fcr thematisch nette Momente.<\/p>\n<p>Aber halt! Da ist noch mehr! Nur bei der Verstaatlichung kommt das Geld aus der <em>Bank<\/em>. Bei allen Arbeiter-Aktionen, bei denen aus Handkarten Geld generiert wird (die einzige andere M\u00f6glichkeit an Geld zu bekommen), kommt das Geld aus der <em>Staatskasse<\/em>. Und die f\u00fcllt sich einzig und allein aus den gezahlten Geh\u00e4ltern, ist also sehr begrenzt. Wenn jemand am Anfang der Runde per Aktion Geld aus der Kasse nimmt, leert sich der Pool. Wer zu lange mit Geld &#8211; Aktionen wartet, muss nehmen was \u00fcbrig bleibt und das kann bald deutlich zu wenig sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25999\" aria-describedby=\"caption-attachment-25999\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-25999\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-300x261.jpg\" alt=\"Card from National Economy and 10$\" width=\"300\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-300x261.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-700x608.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-150x130.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-768x667.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-1536x1335.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-2048x1780.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-370x322.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-270x235.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-570x495.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-575x500.jpg 575w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250112_174418-740x643.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25999\" class=\"wp-caption-text\"><em>Die Aktion w\u00fcrde gegen Abgabe von 3 Handkarten satte 18$ generieren (pro Worker zahlt man zwischen 2$ und 6$), in der Staatskasse sind aber nur noch 10$<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Spannung, die sich durch die Exklusivit\u00e4t des Arbeitereinsatzortes ergibt, ist in vielen Spielen diesen Genres Teil des Spielspa\u00dfes. <em>National Economy<\/em> ist schlanker als die meisten anderer Vertreter, so dass die Auswirkungen einer bestimmten Wahl transparent sind. In Verbindung mit der stets knappen Staatskasse wird diese Spannung besonders gef\u00f6rdert: Man muss absolut priorisieren, in welcher Reihenfolge man die eigenen Aktionen machen will, denn es ist immer m\u00f6glich, ja wahrscheinlich, dass die anderen die eine oder andere Aktion ebenfalls durchf\u00fchren wollen oder aber die Staatskasse leeren: <em>Es w\u00e4re gut wenn ich mir erst Handkarten holen w\u00fcrde, weil ich ohne nicht bauen kann und dann die Aktion des Geb\u00e4udes, auf meiner Hand nicht nutzen k\u00f6nnte, weil es ja noch nicht gebaut ist. Aber ich brauche auch dringend Geld und wenn ich warte, ist wahlweise mein Wunschfeld besetzt oder die Staatskasse leer\u2026 Sollte\u00a0 ich darauf setzen im Notfall dann mein Lieblingssgeb\u00e4ude zu verstaatlichen\u2026?<\/em><\/p>\n<p>Wirklich jeder Zug ist stellt einen Kompromiss dar, jede Zug der anderen wird spannend be\u00e4ugt- und dennoch hat man immer das Gef\u00fchl, dass man noch auf einen Notfallplan ausweichen kann. Optimieren ja, aber eben nicht gnadenlos.<\/p>\n<p><em>National Economy<\/em> ist aber auch ein Experimentierkasten: Wenig Arbeiter zw\u00e4ngen mich schon sehr ein, aber kosten halt nichts. Viele Arbeiter schaffen was weg, aber ich brauche auch viele Aktionen um entweder gen\u00fcgend Geld oder gen\u00fcgend zu verstaatlichende Geb\u00e4ude zu generieren. Und wann ist der beste Zeitpunkt f\u00fcr den Arbeiterzuwachs? Die Frage wird verkompliziert, weil ich neue Arbeiter zwar erst eine Runde sp\u00e4ter nutzen, aber bereits in der laufenden Runde bezahlen muss. Theoretisch ist man auf f\u00fcnf Arbeiter beschr\u00e4nkt, aber mit speziellen Geb\u00e4uden kann man bis zu sieben Arbeiter haben. Sieben! Das hat noch niemand gewagt! Zu Unrecht? Was anderswo ein automatischer Zug ist, ist hier alles andere als trivial. Zumal auch die verf\u00fcgbaren Geb\u00e4ude eine gro\u00dfe Rolle spielen d\u00fcrften, welche Strategien welche Wirkung haben. Das ist spannend. Und -bedenkt man das schlanke Regelwerk &#8211; auch ungemein beeindruckend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Hiroshi Nishimura Verlag: Dexker Games F\u00fcr 1-4 Personen ab 12 Jahren Spieldauer: 30-45Minuten (f\u00fcr unerfahrene Gruppen eher 20 Minuten pro Person) Kurze Anmerkung: Die Bilder zeigen die Chinesische Ausgabe. 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