{"id":25538,"date":"2024-07-24T16:38:41","date_gmt":"2024-07-24T14:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=25538"},"modified":"2024-07-24T16:38:41","modified_gmt":"2024-07-24T14:38:41","slug":"mighty","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/mighty\/","title":{"rendered":"Mighty"},"content":{"rendered":"<p>Traditionelles Spiel<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Korea Boardgames<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 4-6 (eigentlich: 5) Spielende <strong>ab<\/strong> 10 Jahren (nur wenn Stichspielerfahren, sonst h\u00f6her)<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 30-60 Minuten (volles Spiel)<\/p>\n<p>Letztes Jahr brachte der kleine US-Amerikanische Verlag <em>Little Dog Games<\/em> \u201eSchafkopf\u201c auf den Markt. Ja, das traditionelle Kartenspiel aus S\u00fcddeutschland. Auch wenn das aus hiesiger Sicht merkw\u00fcrdig erscheinen mag, ist dieses Spiel doch nur ein weiteres einer langen Reihe von traditionellen Spielen, die einem internationalen Publikum bekannt gemacht werden sollen.<\/p>\n<p><em>Mighty<\/em> ist ein ebensolches traditionelles Spiel und zwar aus Korea. Dass es nicht ganz so altehrw\u00fcrdig ist wir <em>Schafskopf<\/em>, merkt man schon daran, dass es mit einem franz\u00f6sischen Blatt gespielt wird. Anscheinend wurde es in den 70er Jahren in der Koreanischen Studentenszene entwickelt, basierend auf dem japanischen Spiel <em>Napoleon<\/em>.<\/p>\n<p>Vergleicht man traditionelle Stichspiele mit den modernen (Autoren-) Vertretern, so ist auff\u00e4llig, dass erstere eine sehr viel h\u00f6here Regelh\u00fcrde haben: Etwa Ausnahmen oder Sonderf\u00e4lle (man denke nur an <em>Doppelkopf<\/em> mit dem ganzen \u201eKarte A ist h\u00f6her als Karte B, au\u00dfer man hat Karte C auch, dann ist die h\u00f6her, au\u00dfer im letzten Stich\u2026\u201c-Ged\u00f6ns). Das ist logisch, sind die Regeln doch organisch gewachsen, statt gezielt um eine zentrale Idee herumentwickelt.<\/p>\n<p>Das ist bei <em>Mighty<\/em> nicht anders, hier gibt es beispielsweise drei Sonderkarten, deren Identit\u00e4t (Die h\u00f6chste Karte ist das Pik-As, au\u00dfer Pik ist Trumpf\u2026) und Reihenfolge von verschiedenen Faktoren abh\u00e4ngt. In Verbindung mit dem weitestgehendem Fehlen von Symbolen auf dem klassischen Deck, gibt es immer wieder kleine Irritationen, weil eine Ausnahme oder ein Sonderfall vergessen wurde.<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch, dass <em>Mighty<\/em> (\u00e4hnlich <em>Skat<\/em>) ein Spiel ist, bei dem anfangs gereizt wird, also die Person bestimmt wird, die Trumpf bestimmt und um Punkte spielt. Das hei\u00dft, dass man bereits vor der ersten Partie ins kalte Wasser geworfen wird und sein Blatt einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen muss. Diese typischen klassischen Marker schrecken erst einmal ab.<\/p>\n<p>Aber es gibt eben auch einen Grund, warum traditionelle Spiele immer noch in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung beliebt sind, obwohl sie schwieriger zu erlernen sind als ihre modernen Alternativen: Sie haben sich evolution\u00e4r eben auf eine Art entwickelt, die ein besonderes Spielerlebnis bietet und sind so \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit mehr Testspielen entstanden, als jedes Autorenspiel. Das macht sich bemerkbar.<\/p>\n<p><em>Mighty<\/em> bietet entsprechend erst einmal richtig gutes Stichspiel: Das f\u00e4ngt beim Grummeln \u00fcber die Karten an und h\u00f6rt bei den trickreichen \u00dcberlegungen wie viel man beim Reizen riskieren sollte und wie man seine Karten am besten spielt nicht auf. <em>Mighty<\/em> verbessert das klassische Spiel durch die pro Person einmalige M\u00f6glichkeit die Karten noch einmal neu geben zu lassen. Dadurch ist die Chance kleiner, dass jemand ein Oma-Blatt erh\u00e4lt &#8211; in der Regel wird dann jemand anderes neu mischen lassen, weil irgendwo m\u00fcssen die schlechten Karten ja sein, wenn die guten sich auf einer Hand b\u00fcndeln. So bleiben die einzelnen Bl\u00e4tter dichter beinander und die Runden bleiben spannend. Eines der gr\u00f6\u00dferen Probleme bei etwa <em>Skat<\/em> etwa ist ja, dass die uninteressanteren Bl\u00e4tter die meisten Punkte bringen. Das ist hier nicht so ohne weiteres der Fall (und wenn doch, hat jemand nicht aufgepasst).<\/p>\n<figure id=\"attachment_25540\" aria-describedby=\"caption-attachment-25540\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-25540\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-300x179.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-700x418.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-150x90.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-768x458.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-1536x917.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-2048x1222.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-370x221.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-270x161.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-570x340.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-838x500.jpg 838w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/20240724_163024-740x442.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25540\" class=\"wp-caption-text\"><em>Schick gestaltet aber Linksh\u00e4nder nehmen vermutlich doch lieber ein eigenes Deck<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Der interessanteste Aspekt <em>Mightys<\/em> ist aber die Partnerwahl. In der Regel spielt man n\u00e4mlich nicht gegen die anderen vier, sondern sucht sich einen \u201eFreund:in\u201c. Das geschieht meistens in dem eine bestimmte (in der Regel hohe) Karte genannt wird dessen Besitzer:in als Partner mit ins Boot geholt wird. Wie bei <em>Doppelkopf<\/em> ist die Teamzugeh\u00f6rigkeit so erst einmal unklar, was eine sch\u00f6ne Spannung enth\u00e4lt. Allerdings gibt es den zus\u00e4tzlichen Gag, dass man als Freund:in eher zuf\u00e4llig mitgenommen wird und sich auch nicht dagegen wehren kann. So ist auch die Auswahl der bestimmenden Karte noch spannend f\u00fcr alle Beteiligten und Unbeteiligten.<\/p>\n<p>Auch bei der Wertung sieht man die klassischen Wurzeln: Sie ist nicht die einfachste Wertung im Sticjspielland, aber gerade dadurch erm\u00f6glicht sie es (\u00e4hnlich wie bei <em>Tichu<\/em>), riskantere aber ertragreichere Spiele zu w\u00e4hlen. Gerade f\u00fcr alteingesessene Stichspielende eine nette W\u00fcrzung, die genau die St\u00e4rke der organisch gewachsenen Regeln demonstriert.<\/p>\n<p>Es ist schon ein St\u00fcck Kultur, dass <em>Korea Boardgames<\/em> da versucht zu verkaufen. Insbesondere ein normales Kartendeck mit Regeln auf den Markt zu bringen ist sicherlich nicht einfach &#8211; aber auf der anderen Seite hat ein \u201eechtes\u201c Kartendeck auch immer etwas gediegenes. In der Kneipe gespielt, w\u00fcrde <em>Mighty<\/em> allenfalls deswegen hochgezogene Augenbrauen verursachen, weil es ein Kartenspiel f\u00fcr f\u00fcnf Personen ist (die Varianten f\u00fcr vier oder sechs sind eher Kr\u00fccken), was hierzulande durch die traditionellen Vertreter nicht abgedeckt wird. Das hat schon was! Schade ist allenfalls, dass dadurch die traditionelle Einkleidung (Spielpartei hei\u00dft \u201eRegierungspartei\u201c bestehend aus Pr\u00e4sident und Vize, die anderen sind die Opposition\u201c, das Reizen ist der \u201eWahlkampf\u201c) verloren gegangen ist. Was vielleicht auch Absicht war, um ja keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass wir hier eben ein klassisches Kartenspiel und keinen neumodischen Autorenkram vorliegen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Traditionelles Spiel Verlag: Korea Boardgames F\u00fcr 4-6 (eigentlich: 5) Spielende ab 10 Jahren (nur wenn Stichspielerfahren, sonst h\u00f6her) Spieldauer: 30-60 Minuten (volles Spiel) Letztes Jahr brachte der kleine US-Amerikanische Verlag Little Dog Games \u201eSchafkopf\u201c auf den Markt. Ja, das traditionelle Kartenspiel aus S\u00fcddeutschland. 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