{"id":25204,"date":"2024-03-30T10:22:22","date_gmt":"2024-03-30T08:22:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=25204"},"modified":"2024-05-20T12:32:42","modified_gmt":"2024-05-20T10:32:42","slug":"gods-of-rome","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/gods-of-rome\/","title":{"rendered":"Gods of Rome"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Antonio Sousa Lara<br \/>\n<strong>Verlag<\/strong>: Pythagoras<br \/>\n<strong>f\u00fcr<\/strong> 1-4 Spieler*innen<br \/>\n<strong>ab<\/strong> 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 60 Minuten (oder deutlich l\u00e4nger)<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Aufgaben einer Spielkritik besteht darin das Potential eines Spiels zu umrei\u00dfen. Es geht darum zu sagen was ein Spiel erm\u00f6glicht, wenn die Spielgruppe dem Design entgegenkommen kann und will. Mehr noch als an den pers\u00f6nlichen Vorlieben des Kritikers \/ der Kritikerin, sollte ein Spiel daran gemessen werden, ob es halten kann, was Aufmachung und Regeln versprechen.<\/p>\n<p>Gods of Rome pr\u00e4sentiert sich als das was man in der Szene als Mehrheitenspiel bezeichnet. Darin setzt man die eigenen Spielfiguren auf unterschiedliche Gebiete des Spielbretts, um den Figuren der anderen Spieler*innen zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegen zu sein. Wenn das im richtigen Moment gelingt, holt man sich so Punkte und nach einigen Runden vielleicht sogar den Spielsieg. Konflikte sind in diesen Spielen entsprechend vorprogrammiert. Viele Spieler*innen sch\u00e4tzen die Spannung, die daraus entsteht und damit auch die emotionale Intensit\u00e4t sehr. Das Mehrheitenspiel ist \u2013 trotz seiner taktischen und strategischen Abstraktion \u2013 vor allem ein emotionales Spielgenre.<\/p>\n<p>Darum hilft es, wenn die Regeln des Spiels diesen Emotionen nicht im Weg stehen. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie Transparenz und Eleganz zusammenbringen. Es muss jederzeit klar sein, welche Konsequenzen und Risiken einzelne Entscheidungen mit sich bringen. Gleichzeitig m\u00fcssen die Regeln so geschaffen sein, dass sie wie aus einem Guss wirken. So als w\u00fcrden sie einer inneren Logik folgen, welche man nutzen kann, sobald man sie verstanden hat. Gods of Rome gelingt leider nur einer dieser Punkte. Tragischerweise ist es der schwierigere der Beiden und so bleibt Gods of Rome hinter dem zur\u00fcck was es sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25210\" aria-describedby=\"caption-attachment-25210\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-25210\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-300x181.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-700x423.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-150x91.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-768x464.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-1536x928.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-2048x1238.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-370x224.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-270x163.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-570x345.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-827x500.jpg 827w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-tableau-740x447.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25210\" class=\"wp-caption-text\">Zwei erweiterte und eine aufgewertete Aktion<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Regelstruktur von Gods of Rome ist elegant und daher einfach umrissen. Man hat im eigenen Zug f\u00fcnf unterschiedliche Aktionen zur Auswahl. Eine ist die notwendige Vorbedingung, um Punkte zu erhalten. Die andere rechnet die eigene Pr\u00e4senz auf dem Spielbrett in eben diese Punkte um. Die drei \u00fcbrigen Aktionen ver\u00e4ndern die Verteilung der Spielfiguren auf dem Spielbrett. Der erste clevere Designschritt erlaubt es diese drei Aktionen abzuwandeln und bietet damit effektiv sechs unterschiedliche Aktionen zur Beeinflussung der Figuren. Eine dieser Abwandlungen f\u00fchrt dazu, dass man diese Einzelaktionen f\u00fcr den Rest der Partie in zwei von einander unabh\u00e4ngige Aktionen aufwertet. Die \u00fcberschaubare Zahl an Handlungsm\u00f6glichkeiten wird so w\u00e4hrend des Spiels vervielfacht. Das ist handwerklich so sauber arrangiert, dass es eine Freude macht sich damit zu besch\u00e4ftigen und es auszuprobieren.<\/p>\n<p>Im Laufe des Spiels wird durch die Spieler*innen drei Mal eine Siegpunktwertung ausgel\u00f6st (die sich von der regul\u00e4ren Punktewertung unterscheidet). Dadurch l\u00e4sst sich Gods of Rome gut in drei einzelne Akte aufteilen. Im ersten Akt geht es darum die eigene Strategie vorzubereiten, im zweiten Akt beginnt man sie in die Praxis umzusetzen. Es ist jedoch der letzte Akt der Gods of Rome zum Verh\u00e4ngnis wird. Denn hier entl\u00e4dt sich die unterschwellig eingef\u00fchrte Komplexit\u00e4t des Spiels am Ehrgeiz der Spieler*innen.<\/p>\n<p>Gods of Romes finaler Akt kreist um eine Pattsituation. Jeder Vorsto\u00df der anderen will zunichte gemacht werden. Man will den anderen jeden Zugewinn verweigern. Was nach einem spannenden und elektrisierenden Wettkampf klingt, entpuppt sich genauso oft als l\u00e4hmend und freudlos. Trotz der sauberen Regelstruktur, f\u00e4llt es schwer die eigenen M\u00f6glichkeiten schnell zu erfassen und die Spielsituation gut zu analysieren. Das liegt zum einen an der Pr\u00e4sentation. Diese ist zwar farbenfroh und kontrastreich, aber gleichzeitig unruhig. Schnell entsteht das Gef\u00fchl, dass man durch das \u00dcbersehen eines Details den eigenen Sieg verschenkt. Also schaut man immer l\u00e4nger und genauer auf das Spielbrett, um einen solchen Fehler zu vermeiden. Das dehnt die letzten Spielz\u00fcge deutlich in die L\u00e4nge. Hinzu kommt, dass auf dem eigenen Spieltableau nur ein Teil der notwendigen Regeln verzeichnet sind. Die Bedingungen und Einschr\u00e4nkungen, die mit jeder Aktion verbunden sind, muss man im Kopf halten. Gerade wenn das Spiel auf seinen dramatischen H\u00f6hepunkt zusteuert, verlangsamt es sich gef\u00fchlt zum Stillstand.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25211\" aria-describedby=\"caption-attachment-25211\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-25211\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Gods-of-Rome-board-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25211\" class=\"wp-caption-text\">Bunt ist das Leben und un\u00fcbersichtlich<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dabei sind die Regeln so ausgelegt, dass ein tats\u00e4chlicher Stillstand unm\u00f6glich bleibt. Um verbrauchte Aktionen wieder verf\u00fcgbar zu machen, muss eine Wertungsaktion ausgef\u00fchrt werden. Diese l\u00f6st einige festgefahrene Situationen auf dem Spielbrett auf. Auch das ist ein kluger Designschritt, um die mechanische Seite des Problems zu l\u00f6sen. Aber der Spielverlauf wird dadurch nicht fl\u00fcssiger. Im Gegenteil, manche Spieler*innen werden dadurch sogar ausgebremst, da eine einzelne Aktion jetzt noch wertvoller und sogar spielentscheidend sein kann.<\/p>\n<p>Das Resultat ist, dass Gods of Rome mehr Zeit in Anspruch nimmt, als n\u00f6tig ist. Es h\u00e4ufen sich die Punkte, die man beim Spielen beachten muss bzw. vermeiden will. Das anf\u00e4nglich fr\u00f6hliche Vorpreschen und Handeln schl\u00e4gt schon bald in ein kratzb\u00fcrstiges \u201e\u00c4rgern-und-ge\u00e4rgert-werden\u201c um, welches durch den Aufwand, den man daf\u00fcr betreiben muss, schnell die Spielfreude d\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Dennoch erinnert Gods of Rome in seinen st\u00e4rksten Momenten an eines meiner pers\u00f6nlichen Lieblingsspiele: Eric Langs \u201aChaos in der Alten Welt\u2018. Auch dort ringt man um Mehrheiten, schlie\u00dft sich im Laufe des Spiels neue Optionen frei und wird durch die einzelnen Wertungsschritte unweigerlich in Richtung Finale gef\u00fchrt. Jedoch f\u00e4llt es dort leichter den Fokus auf den Bereich des Spiels zu richten, der in der aktuellen Spielphase entscheidend ist. Im Vergleich dazu muss man in Gods of Rome zu jeder Zeit auf alles achten. Es mag unscheinbar klingen, aber das besondere an gelungenem Spieldesign ist die Einfachheit mit der man sich auf das Spiel einlassen kann. Sowohl der entspannte Einstieg wie auch die unaufdringliche Einarbeitung in die anspruchsvolleren Facetten des Spiels sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen des Spieldesigns.<\/p>\n<p>Alles was Gods of Rome in Sachen Eleganz im Design gelingt wird leider durch unzureichende Transparenz abgewertet. Leidenschaftliche Fans des Mehrheitenspiels m\u00f6gen hier dennoch genug Lohnenswertes finden. Andere sind vermutlich von Aufwand und Spielgeschwindigkeit eher abgeschreckt und greifen stattdessen zu vertrauteren Gr\u00f6\u00dfen wie etwa Wolfgang Kramers und Richard Ulrichs \u201aEl Grande\u2018.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Antonio Sousa Lara Verlag: Pythagoras f\u00fcr 1-4 Spieler*innen ab 10 Jahren Dauer: 60 Minuten (oder deutlich l\u00e4nger) Eine der wichtigsten Aufgaben einer Spielkritik besteht darin das Potential eines Spiels zu umrei\u00dfen. 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