{"id":24954,"date":"2024-01-31T21:55:44","date_gmt":"2024-01-31T19:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=24954"},"modified":"2024-09-04T12:50:18","modified_gmt":"2024-09-04T10:50:18","slug":"war-write-ii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/war-write-ii\/","title":{"rendered":"War &amp; Write II"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autoren<\/strong>: Jay Bernardo, Jerry Lee, Wei-Cheng Cheng<br \/>\n<strong>Verlag<\/strong>: Two Plus<br \/>\n<strong>f\u00fcr<\/strong> 2-5 Spieler*innen<br \/>\n<strong>ab<\/strong> 8 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 30-60 Minuten<br \/>\n#Spiel23<\/p>\n<p>War &amp; Write II ist der Nachfolger zum von mir hoch gesch\u00e4tzten <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/mini-wwii\/\">Mini WWII<\/a>. Letzteres pr\u00e4sentierte auf unaufdringliche Art einen abstrahierenden, strategischen Blick auf ein Kriegsgeschehen. Dabei entlarvte es unwillk\u00fcrlich die inh\u00e4rente Unmenschlichkeit einer solchen Denkweise. Das Spiel unterschied nicht zwischen Truppengr\u00f6\u00dfen oder f\u00fchrte W\u00fcrfel ein, um Kriegsnebel zu simulieren. Es war ein strenges Spiel in dem man eine logistische Herausforderungen l\u00f6ste, um wichtige L\u00e4nder einzunehmen, die Truppenpr\u00e4senz auf dem Spielbrett aufrecht zu halten und Technologien erforschte, um taktische Vorteile zu sichern. Der Preis in Menschenleben, den solche kriegerischen Vorst\u00f6\u00dfe mit sich brachten, existierte in Mini WWII bestenfalls als kruder Kommentar am Spieltisch. Das Spiel imponierte mir, weil ich diese schonungslos auf Zahlen reduzierende Perspektive als unerwartet aufrichtig empfand. Die h\u00e4ssliche Fratze des Krieges ist die des Schreibtischt\u00e4ters durch dessen Augen man den Krieg hier sah.<\/p>\n<p>Im grellen Kontrast dazu steht nicht nur die Pr\u00e4sentation von War &amp; Write II, sondern auch das Spielerlebnis selbst. Zwar dreht sich das Spiel erneut vor allem um ein logistisches Problem (die eigenen Truppen sollen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort stehen), aber der Weg dahin, ist diesmal vor allem davon gepr\u00e4gt die Absichten und Pl\u00e4ne der Gegenseite zu antizipieren und sie zu vereiteln. Man versucht die eigene Truppenbewegungen um die vermeintliche Position der anderen Seite zu planen, in der Hoffnung an anderer Stelle durch zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcbermacht, zu gewinnen.<\/p>\n<p>War &amp; Write II baut dabei jedoch nicht auf dem Regelkonzept der beliebten Roll&amp;Write oder Flip&amp;Write-Spiele, sondern nutzt Zettel und Stift als Mittel, um Befehle auf dem eigenen Spielzettel zu notieren. Dass es damit auf die historischen Anf\u00e4nge des Kriegsspiels zur\u00fcckgreift, mag nicht sofort ins Auge springen, zeigt aber wie nah sich die beiden Spielformen sind.<\/p>\n<p>Jede Partie wird \u00fcber 6 Runden gespielt. In jeder Runde gilt es eigene Figuren auf bestimmte Orte auf dem Spielbrett zu bewegen, um mit den dadurch errungenen Punkten das Spielgleichgewicht am Ende einer Runde zum Vorteil des eigenen Teams zu ziehen. Trifft man unterwegs auf Gegner, kommt es zum Gefecht. Eine einfache Mehrheit gen\u00fcgt, um s\u00e4mtliche gegnerischen Figuren in diesem Feld vom Spielbrett zu nehmen. In manchen Runden sind bestimmte Orte auf dem Spielbrett von besonderer Wichtigkeit, da eine erfolgreiche Pr\u00e4senz zu zus\u00e4tzlichen Punkten oder sogar weiteren Spielfiguren f\u00fchrt, die man befehligen kann. Denn neue Figuren auf das Spielbrett zu bekommen, kostet immer mindestens einen der wenigen Befehle, die man jede Runde erh\u00e4lt. Gleichzeitig gilt es aber die individuellen Sonderfertigkeiten im Blick zu behalten, welche einem in bestimmten Runden zur Verf\u00fcgung stehen. Der Spielaufbau ist schlank, aber die Entscheidung welche Befehle man notiert, ist sehr fordernd. Es hilft daher, dass man in der \u00fcblichen Besetzung zu zweit gegeneinander spielt. Der offene Austausch ist dabei sowohl Teil des Designs als auch Teil des Spielerlebnis. Aber dazu gleich mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24965\" aria-describedby=\"caption-attachment-24965\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24965\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Asia-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24965\" class=\"wp-caption-text\">Drei Armeen belagern sich gegenseitig<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie der Name schon vermuten l\u00e4sst, ist War &amp; Write II ein einfaches Kriegsspiel. Weniger offensichtlich hingegen ist, wie viel Spa\u00df es macht Panzer und Kriegsschiffe \u00fcber das Spielbrett zu befehligen. Um zu erkl\u00e4ren, warum mir das auch als Pazifist zusagt, muss ich etwas weiter ausholen. Denn jenseits der Regeln und der spielerischen Interaktion, stellt sich auch die Frage wie man mit einem Thema wie dem 2. Weltkrieg in einem Brettspiel umgehen kann.<\/p>\n<p><a name=\"Ebenen\"><\/a>Ganz allgemein gesprochen, l\u00e4sst sich jedes Spielerlebnis in mindestens drei Ebenen aufteilen: die interaktive, die performative und die theatralische Ebene. Auf der interaktiven Ebene sprechen wir vor allem \u00fcber Mechanismen. Der Begriff \u201eInteraktivit\u00e4t\u201c wird oft mit Einflussnahme auf andere Spieler*innen gleichgesetzt, aber eigentlich geht es um die Einflussnahme auf die Spielsituation. Wie stark ver\u00e4ndert eine von mir gef\u00e4llte Entscheidung die Spielsituation? Wenn ich etwa eine meiner Spielfiguren in ein angrenzendes Feld befehlige, l\u00f6st das bei meinen Gegenspieler*innen sofort Fragen aus. Sie m\u00fcssen \u00fcberlegen, ob mein Vorsto\u00df eine Gefahr f\u00fcr ihre Position darstellt oder welches Ziel ich damit verfolge. Interaktivit\u00e4t ist nicht zuletzt deshalb so reizvoll, weil sie uns immer wieder die M\u00f6glichkeit gibt, die Spielsituation neu zu beurteilen. Vielleicht hat diese Ver\u00e4nderung eine neue Chance f\u00fcr uns ergeben, uns in eine bessere Position zu man\u00f6vrieren. Aber vielleicht gibt es auch eine neue Gefahr, gegen die wie wir vorgehen m\u00fcssen. Eine sich ver\u00e4ndernde Spielsituation sorgt f\u00fcr Spannungsmomente, die ein Spiel packend und fesselnd machen k\u00f6nnen. Die interaktive Ebene l\u00e4sst sich darum auch recht einfach identifizieren. Am Ende einer Spielrunde wieder f\u00fcnf Karten auf die Hand zu ziehen, betrifft nur mich selbst. Wenn ich jedoch eine Karte spiele, mit der ich einen Spielstein der Gegenseite vom Spielbrett entferne, dann hat das eine deutliche Auswirkung auf die Spielsituation. Einige Regeln gehen auch einen Schritt weiter. In vielen kooperativen Spielen gibt es Regeln was und was nicht laut ausgesprochen werden darf. Das bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt \u00fcber den ich sprechen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Auf der n\u00e4chsten Ebene geht es um das Performative am Spiel. Auch hier geht es gewisserma\u00dfen um Interaktion. Jedoch fu\u00dft diese nicht auf abstrakten Mechanismen und kuratierten Spielregeln. Stattdessen erweitern wir hier das Spiel um den zwischenmenschlichen Faktor. Wie wir miteinander am Tisch umgehen, unsere Kommentare, unsere K\u00f6rpersprache, das sogenannte Metagaming findet hier statt. Die performative Ebene ist dabei Teil des Spielerlebnisses, aber nicht zwingend Teil der Spielhandlung. Starren wir hoch konzentriert auf das Spielbrett, wenn wir unseren Zug im Kopf planen? Lachen wir, wenn eine unerwartete Wendung unsere Absichten durchkreuzt? Kommentieren wir lautstark wie schlecht doch unsere Optionen sind und das wir eigentlich schon verloren haben? Es sind solche und \u00e4hnliche Gesten und Handlungen, die ein Spielerlebnis zum Leben erwecken. Es sind aber auch genau die Dinge, die auf einer digitalen Plattform meist fast g\u00e4nzlich fehlen, wenn sich die Spieler*innen nicht aktiv darum bem\u00fchen sie zu reproduzieren. Es ist der performative Teil des Spiels, der aus der spielerischen Interaktion eine soziale Aktivit\u00e4t macht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24964\" aria-describedby=\"caption-attachment-24964\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24964\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Technology-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24964\" class=\"wp-caption-text\">Technologien liefern besondere F\u00e4higkeiten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die letzte Ebene des Spielerlebnis ist das \u201eTheater\u201c. Hier setzen wir als Spielende unsere Kreativit\u00e4t ein, um das Thema des Spiels zu erweitern. Wir vergr\u00f6\u00dfern es und malen es mit eigenen Ideen aus. Das beginnt bereits beim Kopfkino, bei dem wir uns von Pr\u00e4sentation und Regeln des Spiels inspirieren lassen. Wir stellen uns vor was das Ausf\u00fchren einer Spielregel im Kontext des Spielthemas bedeuten mag. Es ist Teil des Theaters, dass wir die verschiedenen Spielhandlungen zu einem koh\u00e4renten Ganzen zusammenf\u00fcgen, und so eine Erz\u00e4hlung aus dem Spielgeschehen formen. Statt von Spielfiguren zu sprechen, die wir schrittweise versetzen, sprechen wir etwa von Truppenbewegungen aus dem Osten Europas nach Russland, oder einem Flottenangriff auf Japan. Es gibt keine Verbindung zur Realit\u00e4t zwischen dem was wir am Spieltisch tun oder dem was wir im Theater beschreiben. Die Komponenten des Spiels haben keine repr\u00e4sentative Funktion, sondern allein eine symbolische. Sie sind Ausdruck einer Idee bzw. einer Vorstellung, sie haben kein direktes real-weltliches Pendant. Der kleine Holzpanzer auf dem Tisch verweist auf die Idee eines Panzers, nicht auf ein wirkliches Milit\u00e4rfahrzeug.<\/p>\n<p>Aber es geh\u00f6rt auch zum Theater, dass wir die M\u00f6glichkeit haben kurzzeitig in die Rolle der Person zu schl\u00fcpfen, die wir im Rahmen des Spiels zugewiesen bekommen. Vielleicht sprechen wir kurz ein paar Worte in der Art wie wir uns den Charakter vorstellen. Vielleicht kommentieren wir das Spielgeschehen als w\u00fcrden wir nicht \u00fcber Spielsteine und Pappmarker entscheiden, sondern \u00fcber tats\u00e4chliche Menschen und Maschinen. Einfach gesagt: das Theater des Spielerlebnis erlaubt es uns f\u00fcr kurze Momente ins Rollenspiel abzutauchen. Eine wichtige Besonderheit: wir entscheiden in den meisten F\u00e4llen nicht so wie wir glauben, dass unsere Rolle entscheiden w\u00fcrde. Entscheidungen und damit die Teilnahme am Spiel und seiner Interaktion f\u00e4llen wir nach eigenem Ermessen. Das unterscheidet das Brettspiel dahingehend grundlegend vom Rollenspiel (und auch Schauspiel) bei dem wir als reale Personen lediglich ausf\u00fchren was der Charakter tun w\u00fcrde. Im Brettspiel sind unsere Entscheidungen weder unserer Rolle untergeordnet, noch werden wir zu unserer Rolle. Darum hei\u00dft diese Ebene des Spiels auch Theater. Wir bestimmen selbst \u00fcber unser Handeln, aber das was wir tun beurteilen wir nicht nach dem Spielthema, sondern nach dessen Wirkung auf unsere Mitspieler*innen.<\/p>\n<p>Darum ist der performative Teil des Spielerlebnis auch in unseren realen Empfindungen verankert, w\u00e4hrend das Theater reine Fiktion bleibt. Eine Fiktion, die wir betreiben um uns gegenseitig oder auch uns selbst zu unterhalten. Entsprechend ist es problematisch diesen Aspekt des Spielerlebnis als \u201eGeschichte erleben\u201c zu verkl\u00e4ren. Diese Geschichte entspringt aus unserer Vorstellungskraft und ist damit vor allem Projektion unseres eigenen Vorwissens und Ideen. Wir erleben darum weniger Geschichte im Sinne von Historie, sondern Schwelgen in unseren eigenen Vorurteilen, Voreingenommenheiten und auch Irrt\u00fcmern, die wir an das Spiel tragen. Dabei kann das Spielerlebnis so vereinnahmend sein, dass wir unsere eigene Teilhabe an dessen Entstehung aus den Augen verlieren. Es kann so begeistern, dass wir davon \u00fcberzeugt sind, dass diese Erz\u00e4hlung im Spiel lag und wir sie lediglich freigelegt haben. Gerade wenn es um eine saubere Analyse des Spiels und auch des Spielerlebnis geht, ist es von immenser Wichtigkeit die Verantwortlichkeiten klar zu trennen. Das Spiel bietet lediglich die B\u00fchne, das Theater bespielen wir selbst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24963\" aria-describedby=\"caption-attachment-24963\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24963\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-551x700.jpg 551w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-118x150.jpg 118w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-768x976.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-1208x1536.jpg 1208w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-1611x2048.jpg 1611w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-370x470.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-270x343.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-570x725.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-393x500.jpg 393w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-740x941.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/War-Write-Zettel-scaled.jpg 2014w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24963\" class=\"wp-caption-text\">Das gro\u00dfe Finale endet immer mit Kapitulation<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aus diesem Grund ist es wichtig zu ber\u00fccksichtigen wie War &amp; Write II seine B\u00fchne aufbaut und was es f\u00fcr unser Spiel darauf bedeutet. Das beginnt bereits mit der Spielschachtel, die an den Aufbau einer Comicbuchseite erinnert. Die Komposition ist hoch dynamisch mit Motiven, die aus ihren Bilderrahmen ausbrechen. Die Comic-typischen lautmalerischen Begriffe wie \u201eBang\u201c und \u201eBoom\u201c wecken sofort Assoziationen an Superheldenabenteuer. Auch die Farbwahl ist bunt, kr\u00e4ftig und weit vom Anspruch an Realismus entfernt. Die Wirkung scheint offensichtlich: War &amp; Write II befreit sich mit aller Kraft von der falschen Ernsthaftigkeit und Bedeutungsf\u00fclle, die andere Spiele f\u00fcr sich beanspruchen. Aber dieser Ton setzt sich auch im Spiel selbst fort. Die Farben sind auf hohen Kontrast und N\u00e4he zur Comicbuch-\u00c4sthetik ausgelegt. Ganz besondere Erw\u00e4hnung sollte aber die R\u00fcckseite des Spielblatts erhalten.<\/p>\n<p>Dort befindet sich ein Vordruck einer Kapitulationserkl\u00e4rung f\u00fcr die beteiligten Spieler*innen. Hier k\u00f6nnen sich zum Ende des Spiels alle Beteiligten namentlich eintragen und als Repr\u00e4sentanten des jeweiligen Landes unterzeichnen. Die siegreiche Seite wird mit \u201eMost Awesome High Command\u201c (zu deutsch etwa: voll gro\u00dfartiges Oberkommando) betitelt, w\u00e4hrend die Unterlegenen als \u201eSurrendering Scum\u201c (etwa: kapitulierender Abschaum) unterschreiben m\u00fcssen. Auch innerhalb des Dokuments selbst wird auf die n\u00e4chste Partie von War &amp; Write II hingewiesen. Alles daran ist Teil des Theaters. Es ist ein Abtauchen in die Fiktion des Spiels mit Hilfe der Mittel, welche uns das Spiel bereitgestellt hat. Eine Auseinandersetzung mit der realen Weltgeschichte oder ein Erleben einer geschichtlichen verankerten Perspektive findet hier in aller Deutlichkeit nicht statt. Mehr noch, in der Kapitulationserkl\u00e4rung verspricht die unterlegene Seite bereits Revanche. Selbst innerhalb der Fiktion, innerhalb des Theaters, wird mit dem Repr\u00e4sentationsanspruch gebrochen und direkt auf die reale Ebene Bezug genommen.<\/p>\n<p>Damit betont War &amp; Write II seine Funktionsweise als Brettspiel. Das bedeutet im Mittelpunkt stehen die Spieler*innen und ihr Spielerlebnis, nicht die Ann\u00e4herung an historische Erz\u00e4hlungen \u00fcber den 2. Weltkrieg. Die Begriffe und Bilder des Spiels sind Teil des Theaters. Sie existieren als Teil unserer gemeinsamen Vorstellung und als Ausdruck der Ereignisse des Spielverlaufs. Alles das erinnert uns nur wieder daran, weshalb wir eigentlich Brettspiele spielen: um mit Menschen zu interagieren, in eine <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/kites\/\">angenehme und unterhaltsame Besch\u00e4ftigung<\/a> abzutauchen, oder zumindest eine Besch\u00e4ftigung, die <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/e-mission\/\">erf\u00fcllend<\/a> ist oder uns <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/empires-end\/\">emotional zu packen wei\u00df<\/a>. War &amp; Write II versteht das mit einer Klarheit, wie es nur wenigen Spiele dieser Art gelingt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoren: Jay Bernardo, Jerry Lee, Wei-Cheng Cheng Verlag: Two Plus f\u00fcr 2-5 Spieler*innen ab 8 Jahren Dauer: 30-60 Minuten #Spiel23 War &amp; Write II ist der Nachfolger zum von mir hoch gesch\u00e4tzten Mini WWII. Letzteres pr\u00e4sentierte auf unaufdringliche Art einen abstrahierenden, strategischen Blick auf ein Kriegsgeschehen. Dabei entlarvte es unwillk\u00fcrlich die inh\u00e4rente Unmenschlichkeit einer solchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":24967,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-24954","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24954"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24954\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25600,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24954\/revisions\/25600"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24967"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}