{"id":24950,"date":"2024-01-31T18:22:31","date_gmt":"2024-01-31T16:22:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=24950"},"modified":"2024-01-31T18:22:31","modified_gmt":"2024-01-31T16:22:31","slug":"lorcana","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/lorcana\/","title":{"rendered":"Lorcana"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autoren<\/strong>: Ryan Miller, Steve Warner<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Ravensburger<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 2-6 Spielende (in erster Linie 2) <strong>ab<\/strong> 8 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 20-30 Minuten<\/p>\n<p>In einem Interview mit der Spielbox haben die beiden Autoren keinen Zweifel daran gelassen, was sowieso alle wussten: <em>Disney\u00b4s Lorcana<\/em> wurde gezielt mit dem Zweck entwickelt, die Disney-Lizenz m\u00f6glichst effizient zu nutzen. Nun sind alle Spiele, die auf dieser Seite rezensiert werden, irgendwo kommerzielle Produkte, doch die wenigsten wurden von den jeweiligen Kreativen <strong><em>ausschlie\u00dflich<\/em><\/strong> zu diesem Zweck erschaffen. Insofern halte ich es f\u00fcr sinnvoll, <em>Lorcana<\/em> auch aus zwei Perspektiven zu bewerten: Als <em>Produkt<\/em> und als <em>Spiel<\/em>.<\/p>\n<p>Als <em>Produkt<\/em> ist <em>Lorcana<\/em> ohne jeden Zweifel gelungen. Dass sich die Idee eines Sammelkartenspieles mit Motiven aus den Disney-Zeichentrickfilmen f\u00fcr den Verlag lohnt, konnte man bereits an den langen Schlangen auf der GenCon oder in Essen sehen. Ob sich <em>Lorcana<\/em> auf Dauer am Sammelkartenmarkt festsetzen l\u00e4sst, wird abzusehen sein (und davon abh\u00e4ngen, wie viele Disneysammelbilder die Zielgruppe wirklich kaufen m\u00f6chte), aber es bedarf nicht allzu viel Weitsicht, um zu vermuten, dass sich aktuell die Lizenz finanziell f\u00fcr Ravensburger auszahlt.<\/p>\n<p>Aber auch die Kund*innen bekommen ein gutes Produkt: Die Karten sind von ansprechender \u00a0Qualit\u00e4t, die Graphiken sowieso und auch die Auswahl der Figuren ist gelungen. Meine Kinder haben sofort die Decks (Pro Person wird eines ben\u00f6tigt) nach Charakteren durchsucht, mit denen sie sich besonders identifizieren (Moana und Mulan vor allem). Sammelleidenschaft und Fandom werden also im geh\u00f6rigen Ma\u00dfe angesprochen und auch wenn <em>Lorcana<\/em> wie jedes Sammelkartenspiel mit Boostern reizt, enthalten die Grunddecks bereits gen\u00fcgend \u201eStoff\u201c um auch ohne Geldspritze zu unterhalten. Selbst die Regeln sind anders als bei den meisten Spielen des Genres relativ einsteigerfreundlich aufgebaut (wenn auch das \u201eTutorial\u201c auf der App nichts anderes ist, als die Spielregel nur anders gelayoutet). W\u00e4re dies eine Amazon-Produktrezension w\u00fcrde ich nur anmerken, dass die Schachteln leider v\u00f6llig ungeeignet sind und fast gar nicht unfallfrei ge\u00f6ffnet werden k\u00f6nnen. Wie bei anderen Sammelkartenspielen sollen wohl auch <em>Lorcanakarten<\/em> eher in Alben aufbewahrt werden, denn in der Originalverpackung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24952\" aria-describedby=\"caption-attachment-24952\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24952\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-300x130.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-300x130.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-700x304.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-150x65.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-768x334.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-1536x667.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-2048x890.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-370x161.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-270x117.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-570x248.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-1151x500.jpg 1151w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240131_170811-740x322.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24952\" class=\"wp-caption-text\"><em>Die drei kleinen Zwerge machen sich bereitz zum &#8230; Kampfe?<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Man muss kein gro\u00dfartiger Kapitalismuskritiker sein, um festzustellen, dass <em>Lorcana<\/em> als gutes Produkt spielerisch eigentlich nichts leisten muss. <em>Pokem\u00f3n<\/em> oder <em>Yu-Gi-Oh<\/em> werden auch in erster Linie gesammelt und nicht gespielt. Bedenkt man die Wurzeln des Genres (Richard Garfield wollte dem in den USA \u00fcblichen Sammeln von Baseballkarten einen spielerischen Wert hinzuf\u00fcgen) nicht ganz unlogisch.<\/p>\n<p>Aus diesem Gedanken heraus, ist es erst einmal eine angenehme \u00dcberraschung, dass <em>Lorcana<\/em> nicht nur einsteigerfreundlich mit vielleicht drei Regeln auskommt, sondern auch genreuntypisch nicht den Kampf als Selbstzweck darstellt.\u00a0 Vielmehr gilt es hier m\u00f6glichst viele Charaktere auszuspielen, die man in Folgerunden auf Siegpunktsuche schickt: Tappen und werten, quasi. Wer das oft genug macht, gewinnt. So hat <em>Lorcana<\/em> den Ansatz statt einer gro\u00dfen Pr\u00fcgelei, ein Effizienzspiel zu sein: Um Karten ins Spiel zu bringen, muss man andere Karten in einem Pool haben, der sich anfangs nur langsam f\u00fcllt und zudem die dort gespielten Karten f\u00fcr das restliche Spiel blockiert. So k\u00f6nnte der Schwerpunkt auf der Logistikaufgabe liegen m\u00f6glichst viele Karten in den Pool zu bekommen, gleichzeitig m\u00f6glichst viele m\u00f6glichst starke Karten damit zu bezahlen und die dann zum Siegpunktertrag zu nutzen.<\/p>\n<p>Nur: Spielmechanisch sind das zu wenig Variablen f\u00fcr zu viele Karten. Spieldynamisch hie\u00dfe diese Wettrennen, dass aufholen nach einem langsameren Start fast unm\u00f6glich ist. Und Gruppendynamisch best\u00fcnde die Gefahr, dass alle f\u00fcr sich ihr Deck runterspielen, bis eine Person gewonnen hat.<\/p>\n<p>Also wurde doch wieder ein Kampfsystem eingebaut, dass einzig dazu dient, andere aufzuhalten, indem deren ausgespielte Karten entfernt werden. Nun ist dies so ziemlich die einzige andere Option (neben dem Siegpunktertrag) f\u00fcr die man seine ausgespielten Karten verwenden kann und gef\u00fchlt 90% aller Karteneffekte besch\u00e4ftigen sich in irgendeiner Form mit dem Kampf untereinander &#8211; sei es aggressiv oder passiv durch Schutz anderer Karten. Designtechnisch sind die Karten (soweit mir ermittelbar) sauber ausdesignet, aber auch\u00a0 weitestgehend unoriginell, ja, herk\u00f6mmlich und damit wenig \u00fcberraschend, ja fast langweilig. Spielerisch wirkt <em>Lorcana<\/em> dadurch seltsam beschr\u00e4nkt: In der ersten Phase wird man neben dem F\u00fcllen des Pools kaum etwas anstellen k\u00f6nnen, dann liegt der Hauptaugenmerk auf dem Sammeln von Siegpunkten und sobald die ersten Charaktere stehen bleibt die einzige Frage, ob man lieber Sammeln oder lieber angreifen m\u00f6chte, eine Frage die vor allem damit zusammenh\u00e4ngt, wie man relativ zu den anderen Personen am Tisch steht &#8211; wer im Rennen vorne liegt, hat keinen Grund nach unten zu treten. Durch das Angreifen schadet man sich n\u00e4mlich auch selbst ein bisschen, denn die entsprechenden Karten stehen in der Regel bei der Siegpunkthatz nicht auch noch zur Verf\u00fcgung, so dass sich ein Angriff nur lohnt, wenn man den anderen st\u00e4rker ausbremst als man selbst. Da K\u00e4mpfe zudem ohne Zufall entschieden werden, haben die Spielhandlungen in <em>Lorcana<\/em> etwas buchhalterisches. Ein Kniff wie etwa bei <em>Keyforge<\/em>, bei dem man immer \u00fcberlegen muss, mit welcher Farbe man nun handelt (was dem Spiel einen Wellencharakter verleiht) wird bei <em>Lorcana<\/em> vermisst. Wie auch die Karten ist das Gameplay von <em>Lorcana<\/em> eher solide designed als bewundernswert. <em>Lorcana<\/em> kann seine Designwurzeln eben nicht verbergen.<\/p>\n<p>Doch auch wenn man als Ma\u00dfstab anlegt, dass <em>Lorcana<\/em> ein gro\u00dfes Disney-Sammelalbum mit Gameplay sein will, bleibt f\u00fcr mich die gr\u00f6\u00dfte Frage, warum man dem Kampf einen so breiten Raum einger\u00e4umt hat. Die Idee, die Charaktere auf Questen zu schicken (so die offizielle Begr\u00fcndung f\u00fcr die Siegpunkte) h\u00e4tte ein sehr viel thematischeres Spiel erlauben k\u00f6nnen, ein Spiel, das den Zauber der Zeichentrickfilme nicht nur auf den Illustrationen einf\u00e4ngt, sondern sich auch st\u00e4rker in den F\u00e4higkeiten, ja im Gameplay, niederschl\u00e4gt. Dazu h\u00e4tte sich die Designer st\u00e4rker von den Wurzeln des Sammelkartengenres entfernen m\u00fcssen und das Spiel w\u00e4re origineller, aber auch familienfreundlicher geworden. Das betrifft auch die Mitspielendenanzahl, denn ein Kampf funktioniert nun einmal am ehesten zu zweit, auf Suche kann man auch mit gr\u00f6\u00dferen Gruppen gehen. Sogar ein kooperatives Spiel w\u00e4re denkbar gewesen und w\u00e4re dabei deutlich dichter an der IP dran gewesen. Doch vermutlich h\u00e4tte das eine deutlich l\u00e4ngere Entwicklungszeit ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoren: Ryan Miller, Steve Warner Verlag: Ravensburger F\u00fcr 2-6 Spielende (in erster Linie 2) ab 8 Jahren Spieldauer: 20-30 Minuten In einem Interview mit der Spielbox haben die beiden Autoren keinen Zweifel daran gelassen, was sowieso alle wussten: Disney\u00b4s Lorcana wurde gezielt mit dem Zweck entwickelt, die Disney-Lizenz m\u00f6glichst effizient zu nutzen. 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