{"id":24819,"date":"2024-01-04T12:25:11","date_gmt":"2024-01-04T10:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=24819"},"modified":"2024-01-04T12:25:11","modified_gmt":"2024-01-04T10:25:11","slug":"open-und-12-chip-trick","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/open-und-12-chip-trick\/","title":{"rendered":"OPEN und 12 Chip Trick"},"content":{"rendered":"<p>Neben <em>Jekyll &amp; hyde vs Scotland Yard<\/em> und <em>Vale of Eternity<\/em> (sowie der Erweiterung <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/09\/30\/24480\/\">Magic Hat<\/a>) hat der koreanische Verlag <em>Mandoo Games<\/em> zwei feine, kleine Neuheiten, die ich hier zusammen begutachten m\u00f6chte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-24822\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-108x150.jpg 108w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-370x512.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-270x373.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box-361x500.jpg 361w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/open-box.jpg 394w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/p>\n<p><strong>Autor<\/strong>: Takeshi Saito<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Mandoo Games<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 2-4 (vor allem 3) Personen <strong>ab<\/strong> 8 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 15 Minuten<\/p>\n<p>Wer sich sich mit Kartenspielen auskennt, wei\u00df, dass Stichspiele vor allem eine Europ\u00e4ische Tradition ist. Woanders haben sich andere Kartenspielarten entwickelt: In Fernost etwa sind die sogenannten \u201eShedding Games\u201c (auch &#8220;Climbing games&#8221; oder &#8220;Ladder Games&#8221;) verortet, Spiele bei denen man versucht seine Hand freizuspielen, in dem man h\u00f6here Kartekombinationen ablegt, als die vorherige Person. In diesen Spielen dauert eine Runde in der Regel so lange, bis niemand mehr die aktuelle Kombination \u00fcberbieten kann oder will (Im Gegensatz zu Stichspielen, wo alle nur genau eine Karte ausspielen). Das bekannteste traditionelle Shedding Game ist <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Big_two\"><em>Big Two<\/em><\/a> und fand seinen Weg auch in kommerziellen Versionen nach Europa. In Spielerkreisen hierzulande am bekanntesten ist vermutlich <em>Tichu<\/em>, eine Kombination aus Europ\u00e4ischen Stich- und chinesischem Shedding-Spiel. Auch <em>Scout<\/em> entstammt aus dieser Kartenspielfamilie.<\/p>\n<p>Takeshi Saito hat sich in zwei Spielen mit dieser Familie auseinandergesetzt: <em>Loop<\/em> und <em>Open<\/em>. Letzteres ist bei <em>Mandoo<\/em> erschienen, ersteres leider bislang noch nicht. Beide haben eine absolut grandiose Schachtelgraphik von <em>Qurage<\/em>. Ich w\u00fcsste keinen Deutschen Verlag, der so eine Gestaltung durchwinken w\u00fcrde &#8211; Hierzulande m\u00fcssen themenlose Kartenspiele leider aussehen, als w\u00e4ren sie aus der Textikfabrik f\u00fcr N\u00e4hmaschinenschnittmuster. Dabei springt ein solch wirklich ungew\u00f6hnliches Cover direkt ins Hirn.\u00a0 Ich wei\u00df nicht, ob ich <em>Open<\/em> ohne dieses Cover angefragt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das Spiel ist ein klassischer Vertreter der Shedding Games &#8211; das Deck ist stark verkleinert und Stra\u00dfen sind als Kombination nicht erlaubt. Ansonsten gelten die \u00fcblichen Regeln: Einzelkarten oder Mehrlinge spielen, die anderen versuchen mit einer entsprechenden, aber h\u00f6herwertigen Kombination zu antworten. Hier ergibt sich die zus\u00e4tzliche Schwierigkeit, dass nicht nur die Kartenanzahl des Ausspieles beibehalten werden muss, sondern auch die Farbkombination (rot oder schwarz), die Rote 10 n\u00fctzt also nichts, wenn die Schwarze 9 \u00fcberboten werden muss. Als Ergebnis ist das Ausspiel von <em>Open<\/em> sehr restriktiv und anders als bei \u00e4hnlichen Spielen gibt es nur sehr wenig Raum f\u00fcr \u00fcberraschende Kniffe oder \u00dcberlegungen derart ob man Mehrlinge getrennt oder zusammen ausspielen sollte.<\/p>\n<p>Das hat aber seinen Grund: Das (offene?) Herz bei <em>Open<\/em> liegt in dem Absch\u00e4tzen, wer die aktuelle Runde wohl gewinnen wird, also als erstes alle Karten los ist. Da von jedem vier der sechs Karten offen liegen, lassen sich gerade aufgrund des eingeschr\u00e4nkten Bewegungsradius Absch\u00e4tzungen treffen. Allerdings ist die Punktausbeute auch daran gekoppelt, wer au\u00dfer einem selbst auch noch richtig getippt hat &#8211; nur wer alleine richtig lag, bekommt so viele Punkte wie die Person, die als erstes fertig wurde. Das belohnt riskantes Sch\u00e4tzen &#8211; sogar mehr in der Variante, wo Punktechips gesetzt werden und man Vielfaches seines Einsatzes zur\u00fcckbekommt, wenn man denn richtig lag.<\/p>\n<p>Das zeigt auch, was <em>Open<\/em> sein will: Ein kurzweiliges Zockspiel, ohne viel Tiefgang, wo sich alles auf das Setzen und Tippen fokussiert. Das Ziel wird erreicht, aber die eigentlichen Runden sind dann doch etwas zu kurz und zu sehr durch die Kartenverteilung vorherbestimmt, um mehr zu bieten als das.\u00a0 Viel mehr bleibt bei Open leider nicht &#8220;h\u00e4ngen&#8221; &#8211; auch wenn es bei der Variante noch verst\u00e4rkt um das richtige Einsch\u00e4tzen geht (hier kommt dann noch die Wahrscheinlichkeit hinzu, mit der man glaubt, das Geschehen vorhersagen zu k\u00f6nnen), kommt das eigentliche Spiel mir doch etwas zu kurz.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-24821\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-700x472.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-150x101.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-768x518.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-370x249.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-270x182.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-570x384.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-742x500.jpg 742w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box-740x499.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/12chio-box.jpg 789w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Autor<\/strong>: root<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Mandoo Games<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 2-4 (vor allem 3) Personen <strong>ab<\/strong> 8 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 20 Minuten<\/p>\n<p><em>12 Chip Trick<\/em> w\u00e4re ebenfalls ein Kartenspiel, wenn es denn mit Karten gespielt werden w\u00fcrde. Stattdessen spielt man mit schweren Pokerchips. Nun ist man versucht zu sagen, dass dies ja mechanisch keinen Unterschied machen w\u00fcrde, aber das f\u00fchrt in die Irre. Genauso wie die graphische Gestaltung von <em>Open<\/em> mechanisch keinen Unterschied macht, f\u00fcr die Wahrnehmung des Spieles aber schon, ist es haptisch eben doch etwas anderes,\u00a0 ob man eine Karte oder einen schweren Pokerchip auf den Tisch knallt. Zumal <em>12 Chip Trick<\/em> sich wie ein Pokerspiel anf\u00fchlt, was durch die Graphik noch verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p>Ich schrieb \u201ePokerspiel\u201c, aber wie der Titel andeutet ist <em>12 Chip Trick<\/em> mechanisch gesehen ein Stichspiel. Zumindest nominell: Alle spielen einen Chip, der h\u00f6chste Chip gewinnt einen der anderen Chip, der \u00f6ffentlich als Gewinn ausgelegt wird. Die anderen w\u00e4hlen im Uhrzeigersinn ebenfalls einen Chip aus, allerdings verbleibt dieser Chip auf der Hand und kann wieder gespielt werden. So werden die Chips immer durchrotiert, alle, nur die gewonnenen Chips werden aus dem Spiel entfernt. So haben immer alle genau 4 Chips, auch wenn nicht alle gespielt werden k\u00f6nnen. Hat jemand 4 Stiche gewonnen, z\u00e4hlen alle ihre Chips und wessen Summe die 21 \u00fcberschreitet ist raus und wer \u00fcbrig ist gewinnt &#8211; au\u00dfer alle gehen \u00fcber die 21 und es gewinnt die Person mit der h\u00f6chsten Summe.<\/p>\n<p>Bereits in der Beschreibung sollte durchklingen, dass <em>12 Chip Trick<\/em> sehr ungew\u00f6hnlich ist, weil Karten (bzw Chips) mehrfach gespielt werden k\u00f6nnen. Doch was das Spiel wirklich <em>einzigartig<\/em> macht, ist dass das Prinzip der Spielkontrolle verschoben wird: In einem normalen Stichspiel kontrolliert durch den \u00fcblichen Bedienzwang welche Karten gespielt werden k\u00f6nnen. Das fehlt hier &#8211; stattdessen beeinflusst man, welche Chips gewonnen werden m\u00fcssen: Zwar kann sich die Stichgewinnerin aussuchen, welchen Chip sie will, muss aber einen (von den Werten her mittleren) roten Chip nehmen, wenn einer zur Auswahl steht. So kann ich in Mittelhand jemand anderen zwingen, meinen Chip nehmen zu m\u00fcssen &#8211; was ggf daf\u00fcr sorgt, dass mein &#8220;Opfer&#8221; die 21 sicher \u00fcberschreiten wird.<\/p>\n<p>Dabei ist \u201eKontrolle\u201c aber ein starkes Wort, durch die Freiheit beim Ausspiel, ist hier eher Intuition gefragt, als knallhartes Durchrechnen. Dennoch, oder gerade deswegen, hat <em>12 Chip<\/em> Trick eine Spannung, die <em>Open<\/em> fehlt &#8211; mit jedem Stich ver\u00e4ndert sich mein Blatt und meine Ausgangslage und damit bleibt die Bedrohung die 21 vielleicht doch noch zu \u00fcberschreiten bis zur Entscheidung bestehen. Zudem ist das Rundenende ja flexibel, die Kunst besteht darin, jemand anderen den vierten Stich just in dem Moment gewinnen zu lassen, wenn man die perfekte Hand zusammengesammelt hat.<\/p>\n<p>Wer hier regelm\u00e4\u00dfig liest, dem wird aufgefallen sein, dass ich <em>12 Chip Trick<\/em> zusammen mit <em>Cat in the box<\/em> <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/12\/31\/23033\/\">das Pr\u00e4dikat \u201eStichspiel des Jahres\u201c gegeben habe.<\/a> Die Gr\u00fcnde habe ich eben benannt. Es ist zudem so, dass man <em>12 Chip trick<\/em> mit deutlich weniger Aufwand spielen (und erkl\u00e4ren) kann als <em>Cat in the box<\/em>. Die Frage, ob <em>12 Chip Trick<\/em> sich nicht nur mechanisch sondern auch emotional im Stichspielgenre verorten l\u00e4sst, \u00fcberlasse ich ausnahmsweise einmal anderen. F\u00fcr mich ist <em>12 Chip Trick<\/em> einfach ein rundum perfekter Absacker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben Jekyll &amp; hyde vs Scotland Yard und Vale of Eternity (sowie der Erweiterung Magic Hat) hat der koreanische Verlag Mandoo Games zwei feine, kleine Neuheiten, die ich hier zusammen begutachten m\u00f6chte. Autor: Takeshi Saito Verlag: Mandoo Games F\u00fcr 2-4 (vor allem 3) Personen ab 8 Jahren Spieldauer: 15 Minuten Wer sich sich mit Kartenspielen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24820,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-24819","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24819"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24819\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24823,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24819\/revisions\/24823"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}