{"id":24703,"date":"2023-12-03T12:08:28","date_gmt":"2023-12-03T10:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=24703"},"modified":"2023-12-03T12:08:28","modified_gmt":"2023-12-03T10:08:28","slug":"e-mission","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/e-mission\/","title":{"rendered":"E-Mission"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Schmidt Spiele<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Matt Leacock, Matteo Menapace<br \/>\n<strong>f\u00fcr<\/strong> 1 \u2013 4 Spieler*innen<br \/>\n<strong>ab<\/strong> 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 120 Minuten (deutlich weniger, wenn man versagt)<br \/>\n#Spiel23<\/p>\n<p>Vor mehr als 10 Jahren erschien Matt Leacocks Pandemie und machte das kooperative Brettspiel innerhalb der Szene salonf\u00e4hig. Die Weltgeschichte verhalf dann 2020 dem namensgebenden Thema des Spiels zu erneuter Aufmerksamkeit. Vor allem aber wurde deutlich, dass Kooperation am Tisch und auf Staatenebene vergleichbaren Stolpersteinen ausgesetzt schien. Mit E-Mission (im englischen Original: Daybreak) kombiniert nun Matt Leacock zusammen mit Matteo Menapace die Designerfahrung der letzten 10 Jahre mit den sorgf\u00e4ltig recherchierten Hintergr\u00fcnden der Klimakrise. Das Ergebnis verdient es auf einer Stufe mit dem kooperativen Klassiker zu stehen.<\/p>\n<p>E-Mission rahmt seine spielerische Interaktion mit dem Kampf gegen die Erderw\u00e4rmung ein. Als Vertreter oder Personifizierung globaler Akteure versuchen wir unseren CO2-Ausstoss zu reduzieren und auf eine weniger sch\u00e4dliche, sprich \u201egr\u00fcne\u201c, Lebensweise umzulenken. Die Aktualit\u00e4t dieses Themas tr\u00e4gt nat\u00fcrlich viel zur Ernsthaftigkeit des Spiels bei. Entsprechend mag man schnell zum Begriff \u201eserious game\u201c greifen, um E-Mission einzuordnen. Jedoch engt man damit die Wirkung des Spiels zu stark ein.<\/p>\n<p>Nicht selten umschreibt dieser Begriff ein Spiel, welches das Ziel hat sein Thema f\u00fcr das spielende Publikum zu veranschaulichen und es zug\u00e4nglicher zu machen. Es beschreibt Spiele, die Interesse am Thema wecken sollen und in manchen F\u00e4llen sogar bildend auf die Spielgruppe wirken sollen. Mit anderen Worten: es sind Spiele, die wie eine Museums-Ausstellung funktionieren. Auf fast allen Spielkarten ist ein kleiner QR-Code vorhanden, welcher sowohl die Regelfunktion erl\u00e4utert, aber auch die wissenschaftlichen Hintergr\u00fcnde einer Karte kurz umrei\u00dft. Wer sich also fragt, was es eigentlich mit dieser \u201eKommunalen Energiewirtschaft\u201c auf sich hat, kann hier nach dem Spiel mehr in Erfahrung bringen. Sieht man gerade in dieser Wirkung die gro\u00dfe St\u00e4rke und wichtigste kulturelle Relevanz von Brettspielen sieht, wird man mit E-Mission sicherlich gl\u00fccklich werden.<\/p>\n<p>Ich selbst halte diese Sicht auf Spiele f\u00fcr kleingeistig. So als w\u00fcrde man Filme daf\u00fcr loben, dass sie Dokumentarfilme sein k\u00f6nnen. Oder dass Literatur deshalb kulturell wertvoll ist, weil sie realhistorische Zusammenh\u00e4nge nacherz\u00e4hlt. Ja, dazu sind diese Medien in der Lage. Ja, auch Brettspiele k\u00f6nnen als Ausstellungsobjekt zu Hause dienen und Spieler*innen zu bestimmten Themen weiterbilden, oder ihnen Dinge erkl\u00e4ren, die ihnen vorher fremd waren. Das ist mit diesem Medium ohne Frage m\u00f6glich. Aber allein darin das Potential des Mediums zu sehen kulturelle Relevanz zu erreichen, entlarvt ein deutlich r\u00fcckst\u00e4ndiges Verst\u00e4ndnis von Kultur.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24714\" aria-describedby=\"caption-attachment-24714\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24714\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Hitze-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24714\" class=\"wp-caption-text\">Die Krisen h\u00e4ufen sich mit steigender Hitze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Denn wenn E-Mission nur das tun w\u00fcrde, also Spieler*innen mit Hilfe des kooperativen Spielspa\u00df \u00fcber die Erderw\u00e4rmung belehren, dann w\u00e4re es nach den ersten Partien eine uns\u00e4glich dr\u00f6ge Angelegenheit. Gl\u00fccklicherweise ist E-Mission aber mehr als br\u00e4sige Didaktik. Es entwickelt \u2013 gerade weil es eben sein Wesen als Spiel nicht aus den Augen verliert \u2013 einen faszinierenden und auch immens wirksamen Sog auf uns Spieler*innen.<\/p>\n<p>E-Mission ist ein Spiel vom Scheitern des Einzelnen und dem Triumph der Gemeinschaft. Es ist ein Spiel, welches uns vor anf\u00e4nglich unl\u00f6sbare Probleme stellt; und uns \u2013 falls n\u00f6tig durch wiederholtes Verlieren \u2013 einbl\u00e4ut, dass wir globale Probleme nur durch intensive Kooperation l\u00f6sen k\u00f6nnen. Damit wird ein \u00e4hnlicher Gedanke aufgegriffen, wie schon in Pandemie: Kooperation als Zweck, nicht als Mittel. Diesmal ist diese Erkenntnis aber nicht fest in den Regeln verankert. Es war praktisch unm\u00f6glich, Pandemie zu spielen ohne miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen und sich \u00fcber eine gemeinsame Herangehensweise auszutauschen. In E-Mission reift diese Erkenntnis ganz organisch bei den Spieler*innen. Zumindest wenn man f\u00fcr Erkenntnisgewinne offen ist. Denn die Willk\u00fcr des Zufalls (oder Schicksals) zu lamentieren, hilft auch immer eigenes Unverm\u00f6gen zu kaschieren.<\/p>\n<p>Spielt man das Spiel mit einer \u00e4hnlichen Kurzsichtigkeit, die das eigene Spieler*innen-Tableau nicht verl\u00e4sst, hat man die Partie in der Regel in der 3. Runde gegen die Wand gefahren. Die pers\u00f6nlichen Erfolge verpuffen wirkungslos, wenn man sich nicht gezielt abspricht, wie man die Eskalation des Klimawandels aufhalten kann.<\/p>\n<p>Darum ist das Bemerkenswerte an E-Mission auch nicht die sorgf\u00e4ltige Recherche hinter den einzelnen Karten. Es ist auch nicht die wissenschaftlich fundierte und nachvollziehbare Darstellung von Zusammenh\u00e4ngen unseres \u00d6kosystems (inkl. Vereinfachungen und Abstraktionen zum Zweck der Spielbarkeit wie in der Anleitung erkl\u00e4rt wird). Das Besondere ist, dass die Notwendigkeit der Zusammenarbeit sich aus der Aufgabe selbst ableitet, aber nicht aus den Spielregeln.<\/p>\n<p>Das macht E-Mission auch weniger zu einen \u201eserious game\u201c, sondern einem \u201epolitical game\u201c. Es ist ein Spiel, welches sein Thema bewusst angeht, um Spieler*innen eine beabsichtigte Erkenntnis nahe zu legen. Nun kann man zu Recht sagen, dass jedes Spiel politisch ist. Es ist ein Kulturprodukt und damit bewussten wie auch weniger bewussten kulturellen Narrativen verpflichtet, die es reproduziert. Darum ist <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/brass-birmingham\/\">Brass Birmingham<\/a> das vielleicht beste Propagandaspiel f\u00fcr den Kapitalismus. Nirgends macht es mehr Spa\u00df davon zu profitieren, dass ungesehene Massen an Arbeiter*innen das erwirtschaften, wovon man sich selbst Ruhm und Reichtum g\u00f6nnt und sein Selbstwertgef\u00fchl steigert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24713\" aria-describedby=\"caption-attachment-24713\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24713\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-Mission-Globale-Projekte-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24713\" class=\"wp-caption-text\">Globale Zusammenarbeit ist der Schl\u00fcssel<\/figcaption><\/figure>\n<p>Genialerweise setzt aber E-Mission seinen Spa\u00dffokus nicht darauf, dass man mit anderen zusammenarbeitet. Das Reizvolle an dem Spiel findet sich in den eigenst\u00e4ndig entwickelten Projekten, die man ins Leben rufen oder verbessern kann. Den eigenen CO2-Ausstoss zu verringern, in dem man die eigenen Karten klug aktiviert, verbessert oder durch bessere ersetzt, ist so einfach zu handhaben wie es motivierend ist. St\u00e4ndig bewirkt man Ver\u00e4nderungen, und jede f\u00fchlt sich wie ein Schritt zum Besseren an. Wenn man dabei jedoch nicht den Fortschritt der Mitspieler*innen ber\u00fccksichtigt, hat das alles kaum Erfolgschancen. Man liefert sich so allein dem Kartengl\u00fcck aus und hat dementsprechend das Spiel oft nach kurzer Zeit verloren.<\/p>\n<p>Nun mag man dem Spiel ankreiden, dass das sehr ernsthafte und dr\u00e4ngende Thema der Klimakatastrophe in einem unterhaltsamen Spiel vielleicht nicht gut aufgehoben ist. Wom\u00f6glich t\u00e4uscht das positive Spielerlebnis \u00fcber die reale Tristesse der Thematik hinweg. Der von den Spieler*innen empfundene Optimismus mag einen falschen Eindruck davon vermitteln wie dr\u00e4ngend die Lage wirklich ist. Wobei auch manche Spieler*innen aus dem hohen Schwierigkeitsgrad des Spiels eine umso trostlose Ausgangslage in der Realit\u00e4t ableiten.<\/p>\n<p>Ich kann hier nur bedingt zustimmen. Klimapessimismus ist, unabh\u00e4ngig seiner Bezugnahme auf bestimmte Fakten, kein zielf\u00fchrendes oder sinnstiftendes Anliegen. Selbst wenn die Lage hoffnungslos (aber nicht ernst) ist, w\u00e4re ein Spiel, welches Menschen zur Verzweiflung treibt, mehr als nur stark kritikw\u00fcrdig. Die Hoffnung, dass wir durch uneitele Zusammenarbeit Dinge nicht nur voranbringen, sondern auch zum Positiven ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, ist und bleibt ein wichtiges Axiom menschlichen Zusammenlebens. Egal wie realistisch der Optimismus von E-Mission ist, dass wir durch globale Kooperation das Schlimmste verhindern k\u00f6nnen: er ist zwingend notwendig. Es ist diese R\u00fcckbesinnung auf grundlegende Werte und Ideale, die am Spieltisch zum Tragen kommt, welche E-Mission so weit \u00fcber Spiele hebt, die ihren Spieler*innen etwas zu ihrem Thema beibringen wollen.<\/p>\n<p>Dennoch f\u00e4llt bei einem kritischen Blick auf das Thema auf, dass bestimmte Faktoren keine ausdr\u00fcckliche Erw\u00e4hnung finden. Die Gro\u00dfindustrie und die wirtschaftlichen Systeme, die sie am Laufen halten, werden lediglich in die Spielmechanismen eingeflochten. Der CO2-Ausstoss, den man im Spiel selbst verantwortet, teilt sich in Bereiche wie Industrie, Landwirtschaft, Verkehr, Wohnraum, etc. auf. Erst wenn man beginnt mit Hilfe der Karten (Projekte) diese zu reduzieren, f\u00e4llt auf, dass diese Projekte Namen tragen wie \u201eKostenloser Nahverkehr\u201c, \u201eVerstaatlichung fossiler Energien\u201c, \u201eAutofreie Innenst\u00e4dte\u201c oder \u201eW\u00e4rmepumpen\u201c. Nichts davon Steckenpferde sogenannter wirtschaftsorientierter Politik. Im Spiel m\u00fcssen wir uns vor allem mit den unvorhersehbaren Krisen eines aus den Fugen geratenen \u00d6kosystems auseinandersetzen. Die Ursachen daf\u00fcr, z.B. die 100 global agierenden Firmen die f\u00fcr 71% der Emissionen verantwortlich sind, sind vielleicht nur den Spieler*innen bekannt, die sich mit dem Thema auskennen. Aber wenn E-Mission einen greifbaren Antagonisten br\u00e4uchte, dann w\u00e4re der ungez\u00fcgelte Kapitalismus der Superreichen sicherlich erste Wahl. So ist der prominenteste Druck, den man als Spieler*in sp\u00fcrt, die Energieanforderung der eigenen Bev\u00f6lkerung. Kann diese nicht mehr bedient werden, kommt es zu Notst\u00e4nden und damit zu Nachteilen und am Ende sogar zur Niederlage.<\/p>\n<p>An diesem Punkt f\u00fchrt die Qualit\u00e4t der Spielkomponenten dazu, dass E-Mission unfreiwillig ein klein wenig Performance Art wird. Schmidt Spiele hat sich entschieden nicht wie die Partnerverlage in China zu produzieren, sondern E-Mission in Deutschland herzustellen. Das bringt einige Ver\u00e4nderungen f\u00fcr das Spiel mit sich. So ist das Spielbrett etwas gestaucht, die Anleitung um mehrere Seiten gek\u00fcrzt und die Spielsteine bestehen nun nicht mehr aus bedrucktem Holz sondern aus Pappe. Auch die Spieler*innen-Tableaus sind deutlich d\u00fcnner. Diese Einsparungen gehen nat\u00fcrlich auf Kosten des Spielerlebnis.<\/p>\n<p>Am deutlichsten ist das in der Anleitung zu sehen, in der vereinzelt auf Layout und Texte verzichtet wurde. Diese f\u00fchrten zu einem einsteigerfreundlichen Spiel und legten eine positive und optimistische Grundstimmung fest. Es ist kein Zufall dass mehrere englisch-sprachige Rezensenten Daybreak als beinahe schon zu optimistisch betiteln. Es sind eben diese kleinen Details, die in Spielen eine gro\u00dfe Wirkung haben. Auch die Haptik des Spiels ist durch den Wechsel auf Pappmarker etwas gew\u00f6hnlicher. Die d\u00fcnneren Tableaus haben zus\u00e4tzliche zur Folge, dass sich das Spiel nicht so hochwertig anf\u00fchlt, wie man es von anderen Produktionen in diesem Preissegment gewohnt ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24715\" aria-describedby=\"caption-attachment-24715\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24715\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-570x428.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/E-mission-Europa-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24715\" class=\"wp-caption-text\">5 Projekte je Spieler*in und viele Verpflichtungen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es sind eben diese N\u00f6rgeleien, mit denen E-Mission uns eine Frage aufzwingt, die Daybreak lediglich im Subtext tr\u00e4gt: sind wir gewillt auf Luxus zu verzichten, um die Umwelt zu schonen? Seit langem spricht die Szene mit einer gewissen Selbstverliebtheit dar\u00fcber, dass Spiele ein Luxus sind, den man sich \u201eg\u00f6nnt\u201c. Aber vielleicht ist genau diese Sicht das Problem? Vielleicht ist die Gleichsetzung von Spiel und Luxus der Grund, weshalb wir f\u00fcr \u201eunser\u201c Geld das wertvollste und prunkvollste Material erwarten, welches auf dem Markt verf\u00fcgbar ist? Vielleicht ist das der Grund, weshalb wir bei Spielen immer noch davon schw\u00e4rmen \u201ewie viel man f\u00fcr sein Geld bekommt\u201c, statt \u00fcber das Spielerlebnis zu sprechen, welches erm\u00f6glicht wird? Vielleicht m\u00fcssen wir endg\u00fcltig Luxus von Spielen trennen, um ihren Wert nicht nach Protzigkeit und \u201ebling-bling\u201c zu beurteilen. Denn der Kaufpreis eines Spiels sollte eben nicht als Mengenangabe f\u00fcr hochwertiges und aufw\u00e4ndig produziertes Spielmaterial dienen, sondern als das was er tats\u00e4chlich ist: ein Eintrittspreis f\u00fcr ein Erlebnis. Der Kostenpunkt eines Spiels gibt in Wirklichkeit nur an, welche Zielgruppe der Verlag f\u00fcr dieses Produkt anpeilt.<\/p>\n<p>Aber wenn wir nun das Spiel vor uns auf dem Tisch ausbreiten, werden wir vor die Entscheidung gestellt auf welche Seite der Klimadebatte wir uns als Spieler*innen stellen wollen. Wollen wir die Gruppe sein, die prunkvolle Spiele nicht missen will und f\u00fcr einen Kaufpreis von ca. 80\u20ac auch edles Material erwartet, egal welche CO2-Emissionen wir damit guthei\u00dfen? Oder k\u00f6nnen wir uns in Kompromissen \u00fcben und das Spiel so akzeptieren wie es eben produziert werden kann? Ist ein d\u00fcnnes Tableau, fehlende Holzsteine und ein reduziertes Regelheft etwas, das wir akzeptieren k\u00f6nnen? Oder schw\u00f6ren wir diesem Spiel (oder Brettspielen als solches) g\u00e4nzlich ab, wenn sie nicht mit der luxuri\u00f6sen Qualit\u00e4t aufwarten, zu der wir f\u00fcr solche Preise meinen ein Anrecht zu haben?<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon wie man diese Fragen beantworten will, ist E-Mission ein Spiel, dessen Design mit einer beeindruckenden Effektivit\u00e4t zu motivieren wei\u00df. Auch nach wiederholten Niederlagen, weckt es Ehrgeiz und Zuversicht, dass der n\u00e4chste Anlauf von Erfolg gekr\u00f6nt sein wird. Bessere und zielgerichtetere Kooperation steht immer als Option im Raum. Mit Blick auf sein Thema hinterl\u00e4sst E-Mission darum vielleicht etwas viel Wertvolleres als Interesse an den wissenschaftlichen Hintergr\u00fcnden: es gibt einem das Gef\u00fchl, dass der Klimawandel eine greifbare und bew\u00e4ltigbare Aufgabe bietet, auch wenn sie enorm und herausfordernd ist. Das macht E-Mission als Spiel nicht nur besonders, sondern im hohem Ma\u00dfe kulturell relevant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Schmidt Spiele Autoren: Matt Leacock, Matteo Menapace f\u00fcr 1 \u2013 4 Spieler*innen ab 10 Jahren Dauer: 120 Minuten (deutlich weniger, wenn man versagt) #Spiel23 Vor mehr als 10 Jahren erschien Matt Leacocks Pandemie und machte das kooperative Brettspiel innerhalb der Szene salonf\u00e4hig. 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