{"id":24496,"date":"2023-10-03T13:30:47","date_gmt":"2023-10-03T11:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=24496"},"modified":"2023-10-14T12:03:01","modified_gmt":"2023-10-14T10:03:01","slug":"mycelia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/mycelia\/","title":{"rendered":"Mycelia"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Daniel Greiner<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Ravensburger<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 1-4 Spielende <strong>ab<\/strong> 9 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 45 Minuten (eher 40-60)<\/p>\n<p><em>Deckbau<\/em> ist prinzipiell kein ganz einfach zu erfassender Mechanismus; Es ist doch etwas abstrakt sich Karten zu kaufen, mit denen man schneller andere Karten kaufen kann, mit denen man sich dann wieder andere Karten kaufen kann, die man zum Gewinnen ben\u00f6tigt. <em>Dominion<\/em> war daher eher ein Kenner- denn ein Familienspiel des Jahres.<\/p>\n<p>F\u00fcr die breitere Akzeptanz hilft es dabei ungemein, wenn das gebaute Deck kein reiner Selbstzweck ist, sondern Geschehnisse auf einem Brett steuert. Aber selbst dann ist es nicht trivial sp\u00e4tere Bed\u00fcrfnisse zu antizipieren: Kauft man mehrere Karten vom Typ A, damit auch ja welche davon gezogen werden, wenn man sie braucht, besteht die Gefahr, dass man irgendwann zu viele davon zieht und die pl\u00f6tzlich wichtigeren Karten vom Typ B nicht mehr auf die Hand bekommt. Das Deck ist dann nicht ausbalanciert. Was f\u00fcr Vielspielende gerade den Reiz ausmacht ist f\u00fcr Wenigspielende oft weniger eindeutig und potentieller Frustfaktor. Selbst Knizias wirklich gelungenes <em>El Dorado<\/em> ist in dieser Hinsicht eine potentielle H\u00fcrde, gerade was \u201ecasual Play\u201c betrifft.<\/p>\n<p><em>Mycelia<\/em> will jetzt den Deckbau salonf\u00e4hig machen. Dabei umgeht sie das Problem auf elegante Weise durch einige clevere Designentscheidungen. Die offensichtlichste: Neu gekaufte Karten kommen nicht mehr -wie sonst bei fast allen Deckbauspielen &#8211; auf den Ablagestapel, sondern direkt oben auf den Nachziehstapel. Intuitiv ist sofort jedem klar: Die gekauften Karten kann ich n\u00e4chste Runde sofort nutzen! Dadurch wird die n\u00f6tige Deckbaustrategie stark verk\u00fcrzt &#8211; statt antizipieren zu m\u00fcssen, wie mir Karten vielleicht irgendwann einmal helfen k\u00f6nnen, kann ich jetzt kaufen was ich <em>jetzt <\/em>brauche &#8211; und werde dann schon sehen, was ich <em>sp\u00e4ter<\/em> davon eventuell habe. Das funktioniert bereits in der ersten Partie.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich hilft, dass sich die Entscheidungen am Brett leicht erfassen lassen: Alle spielen auf ihrem eigenen Tableau und es geht nur darum Hustenpastillen &#8211; Verzeihung! &#8211; \u201eTautropfen\u201c zu entfernen. Entweder direkt per Karteneffekt oder durch das Bewegen zum Ausgang- Verzeihung! &#8211; zum &#8220;Schrein&#8221; nat\u00fcrlich. Schrein. Was auch sonst. Viel Raum zur Strategie gibt es da nicht, man bewegt die halt dahin, wo sie gut abger\u00e4umt werden k\u00f6nnen. Und auch absolute Deckbau-Anf\u00e4nger wissen, dass wenn sie eine Karte im Deckbau haben, die das Abr\u00e4umen von roten Feldern erlaubt, es nicht ganz dumm ist, Tropfen auf diese roten Felder zu schieben. P\u00e4dagogisch gesehen k\u00f6nnte man kaum ein besseres Spiel designen, um absoluten Deckbau-Neulingen das Deckbauen beizubringen! Die Effekte sind klar in ihrer Wirkung, die ben\u00f6tigte Planungstiefe flach. Auch war es eine gute Idee die interessanteren aber etwas komplizierteren \u201eErweiterungskarten\u201c erst einmal auszusortieren. Nach einer Partie mit den Basiskarten, wei\u00df man nicht nur wie das Spiel (und das Spielprinzip) in der Praxis so funktioniert, sondern auch, warum die neuen Karten das Spiel interessanter machen werden. Das weckt Neugierde auf die zweite Partie und bringt auch Anf\u00e4nger dazu sich die neuen Karten anzugucken und sich dar\u00fcber auszutauscheb: &#8220;Oh cool, die kann das !&#8221;<\/p>\n<p>Das <em>Mycelia<\/em> sich nicht an Vielspielende richtet wird auch am Thema erkennbar. Das kommt trotz des Pilzvokabulars als Fantasy daher, allerdings die &#8220;Mir sind die Buntstifte \u00a0in die Zuckerwatte gefallen&#8221;-Art von Fantasy. Das ist vielleicht einen Ticken zu Kinderzimmer geraten f\u00fcr ein Spiel, dass ab neun Jahren gedacht ist und eher der Startpunkt einer Besch\u00e4ftigung mit tieferen Deckbauspielen wie eben <em>Dominion<\/em> erm\u00f6glichen k\u00f6nnte. Die Gefahr besteht, dass spieleinteressierte an der Schachtel vorbeigehen, weil es auch wegen des (eigentlich \u00fcberfl\u00fcssigem) Gimmick-Schreines, doch etwas zu sehr nach <em>Lotti Karotti<\/em> und zu wenig nach Erwachsenenkompatiblem Spiel aussieht. Kindern unter Neun Jahren k\u00f6nnte die Angelegenheit aber zu abstrakt sein, die m\u00e4rchenhafte Pilzwelt lebt nur auf den Graphiken.<\/p>\n<p>Auch ist es gerade aufgrund der intendierten Eingangsstufe unverst\u00e4ndlich, warum nicht mehr Karten explizit in der regel erkl\u00e4rt werden. Die Ikonographie ist nicht immer ganz so eindeutig, wie die Regelredaktion meinte; gerade Regelunerfahrende werden nicht immer gleich erschlie\u00dfen k\u00f6nnen, was das Weglassen eines Pflichtsymbols impliziert.<\/p>\n<p>Doch auch mit dieser kleinen H\u00fcrde ist <em>Mycelia<\/em> ein gelungener T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr ein ganzes Genre. Ich w\u00fcrde sogar sagen, es ist das erste mir bekannte Deckbauspiel, dass sich offensichtlich den Schwierigkeiten des Genres f\u00fcr Wenigspielende bewusst ist und aktiv versucht diese Klippen zu umschiffen und dadurch ein sch\u00f6nes Familienspielerlebnis zu erm\u00f6glichen. Wenn sich dabei Vielspielende schnell unterfordert f\u00fchlen: Geschenkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>#Spiel23<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Daniel Greiner Verlag: Ravensburger F\u00fcr 1-4 Spielende ab 9 Jahren Spieldauer: 45 Minuten (eher 40-60) Deckbau ist prinzipiell kein ganz einfach zu erfassender Mechanismus; Es ist doch etwas abstrakt sich Karten zu kaufen, mit denen man schneller andere Karten kaufen kann, mit denen man sich dann wieder andere Karten kaufen kann, die man zum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24497,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-24496","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24496"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24510,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/24496\/revisions\/24510"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}