{"id":23704,"date":"2022-11-13T13:45:21","date_gmt":"2022-11-13T11:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=23704"},"modified":"2022-11-13T13:45:21","modified_gmt":"2022-11-13T11:45:21","slug":"fake-art-inc","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/fake-art-inc\/","title":{"rendered":"Fake Art Inc."},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Ikhwan Kwon<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Korean Boardgames<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr<\/strong> 3-5 Spielende <strong>ab<\/strong> 10 Jahren<\/p>\n<p><strong>Spieldauer<\/strong>: 30 Minuten<\/p>\n<p>Ein gutes Spiel sollte neuen Spielenden eine Orientierung bieten und ihnen so helfen herauszufinden, was in dem Spiel getan werden soll. Ein B\u00f6rsenspiel z.B. legt \u00fcber das Thema bereits nahe, dass Spekulation in irgendeiner Form der Kern sein d\u00fcrfte und dass der Einfluss der Spielenden auf die Kurse vermutlich stark eingeschr\u00e4nkt ist. Aber diese Orientierung funktioniert nat\u00fcrlich auch ohne Thema: <em>Dixit<\/em> etwa setzt allein durch die Wertung den Impuls, dass die Hinweise weder zu eindeutig, noch zu beliebig sein sollen.<\/p>\n<p>Der erste Impuls von <em>Fake Art Inc<\/em> wird nun durch das Thema \u201eKunsthandel\u201c gesetzt und auch durch den zentralen Mechanismus verst\u00e4rkt: Der Wert deiner Gem\u00e4lde h\u00e4ngt davon ab, ob und wie viele Karten dieses Typs links und rechts von dir liegen: Gleiche Gem\u00e4lde (max.2) rechts von dir erh\u00f6hen den Preis, links verringern sie ihn. Da die Karten immer zwischen zwei Spielenden liegen, sind die Preise f\u00fcr jeden anders. Karten und damit die Preise k\u00f6nnen manipuliert werden und offensichtlich \u2013 so der erste Impuls \u2013 geht es auch genau darum: Mach das Beste aus deiner Hand, in dem Du Deine Preise passend zu deinen Handkarten manipulierst!<\/p>\n<p>Nur entpuppt sich dieser erste Impuls schnell als Irrtum, denn so w\u00e4re das Spiel zum einen total zuf\u00e4llig, weil zu 100% abh\u00e4ngig von den Handkarten, als auch struntzlangweilig, weil die eigenen Handlungen sehr deterministisch sind &#8211; es ist nicht schwierig die optimale Reihenfolge der Handkarten zu ermitteln.<\/p>\n<p>Schiebt man das Thema beiseite f\u00e4llt schnell auf, dass es eine \u201efiese\u201c Regel gibt: Wer die rechten (also die positiven) Karten eines Mitspielenden manipuliert, bekommt von dieser Person Geld \u2013 man kann also jemanden gezielt Geld \u201eklauen\u201c. <em>Fake Art Inc<\/em> ist also ein fieses Spiel, was auch durch den Titel angedeutet wird! In einem zweiten Impuls wird man also andere \u00e4rgern und vermeidliche Leader bashen, wobei man darauf achten muss, dass keine Vorlagen gegeben werden (also zwei gleiche Karten, die sich dann \u2013 eine passende Handkarte vorausgesetzt \u2013 sehr gewinnbringend verkaufen kann).<\/p>\n<p>Gegen diese Interpretation spricht allerdings, dass sich der Ertrag, den man so \u201eziehen\u201c kann, von Runde zu Runde erh\u00f6ht. Es ist also eigentlich angedacht, Karten lieber aufzubewahren, soweit es eben geht und nur klare Vorlagen zu zertr\u00fcmmern. Erst in der dritten Runde\u00a0 macht das Leeren der eigenen Hand Sinn. Vorher ist es eher eine Verlegenheitshandlung, weil man Karten abspielen <em><strong>muss<\/strong><\/em>. Hier sendet <em>Fake Art Inc<\/em> wiederspr\u00fcchliche Signale aus. Abgesehen davon ist das gegenseitige Wegnehmen von Geld ohne gro\u00dfen Plan auch wenig motivierend.<\/p>\n<p>Aber es gibt noch eine Interpretation, noch einen Impuls, basierend auf der dritten m\u00f6glichen Aktion (neben Manipulieren und Verkaufen): Karten k\u00f6nnen auch den Mitspielenden angeboten werden. Als Verhandlungsspiel w\u00fcrde das Thema auch wieder passen! Schnell merkt man jedoch: Biete ich ein Gem\u00e4lde f\u00fcr 10$ an, dass 10$ wert ist, kauf keiner, da der Preis ja sinken kann. Verkaufe ich unter dem Preis, helfe ich ggf. dem Kaufenden \u2013 wir beide erh\u00f6hen uns\u00a0 zwar relativ zu den anderen, aber ich laufe hinterher. Das ist wenig Motivation. F\u00fcr einen Handel. Bei R\u00e4uberischen Erpressung sieht es anders aus: \u201eGib mir 11$, dann manipuliere ich deinen Markt nicht und du bekommst noch 10$ daf\u00fcr \u2013 dann verlierst du nur 1$, also weniger, als wenn ich deinen Markt manipuliere!\u201c. Jetzt macht auch die Regel Sinn, dass man alle Karten eines Typs auf den Tisch legen muss, wenn man mit einer davon etwas macht. So bekommt man eine gewisse Drohkulisse und die andere Seite wei\u00df zumindest, dass da nicht noch etwas nachkommt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob diese Interpretation des Spieles die richtige ist. <em>Fake Art Ink<\/em> liefert zu wenig Anhaltspunkte, um was f\u00fcr eine Art von Spiel es handeln soll. Sollte meine Interpretation richtig sein, und es sich um eine Art Mafia-Spiel handelt, bei dem man sich gegenseitig Geld stiehlt oder damit droht, dann versteckt das Spiel das sehr gut \u2013 und gibt den Spielenden zu wenig an die Hand, was f\u00fcr Verhandlungen m\u00f6glich oder sinnvoll w\u00e4ren. Und ob die Spielenden die Art der aggressiven Interaktion, die ich hier als Kernidee vermute, zu sch\u00e4tzen wissen, ist noch einmal eine ganz andere Frage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Ikhwan Kwon Verlag: Korean Boardgames F\u00fcr 3-5 Spielende ab 10 Jahren Spieldauer: 30 Minuten Ein gutes Spiel sollte neuen Spielenden eine Orientierung bieten und ihnen so helfen herauszufinden, was in dem Spiel getan werden soll. Ein B\u00f6rsenspiel z.B. legt \u00fcber das Thema bereits nahe, dass Spekulation in irgendeiner Form der Kern sein d\u00fcrfte und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23706,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-23704","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23704"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23707,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23704\/revisions\/23707"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23706"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}