{"id":23193,"date":"2022-05-18T18:21:11","date_gmt":"2022-05-18T16:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=23193"},"modified":"2022-05-19T11:20:21","modified_gmt":"2022-05-19T09:20:21","slug":"excavation-earth","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/excavation-earth\/","title":{"rendered":"Excavation Earth"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Mighty Boards \/ Asmodee<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Gordon Calleja, David Turczi, Wai Yee<br \/>\n<strong>Spieleranzahl<\/strong>: 1-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 14 Jahre<br \/>\n<strong>Spieldauer<\/strong>: 30- 120 Minuten ( 30 nur Solo schaffbar, eher 45 Minuten pro Person)<\/p>\n<p><em>Science Fiction<\/em> galt zumindest in Deutschland lange Zeit als verp\u00f6ntes Thema f\u00fcr ein Brettspiel. Es hie\u00df die h\u00e4tten keinen wirtschaftlichen Erfolg. Ob es \u00fcberhaupt einmal stimmte wei\u00df ich nicht, aber heutzutage gilt diese These mittlerweile doch als \u00fcberholt. Zumindest im Vielspielerbereich hat sich -nicht zuletzt durch entsprechende Crowdfunding-Projekte &#8211; die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nerds auch Nerdthemen m\u00f6gen. Au\u00dferdem erlaubt die Science Fiction es auf elegante Art und Weise potentiell problematische Themen in einem unproblematischen Kontext zu setzen; Kolonialismus wirkt weniger bedrohlich, wenn der unbewohnte Mond kolonialisiert wird. Kulturelle Aneignung st\u00f6rt niemanden wenn die Kultur von nicht-existenten Aliens angeeignet wird. Und man muss sich nicht mit den moralischen Fallstricken beim Handel mit arch\u00e4ologischen Funden auseinandersetzen, wenn diese Funde von einer l\u00e4ngst verlassenen Erde stammen und von Aliens gehandelt werden. Genau das ist das Setting von <strong><em>Excavation Earth<\/em><\/strong> und ich lehne mich, glaube ich, nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich vermute, dass die urspr\u00fcngliche Idee noch in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts spielte. Von den asymmetrischen V\u00f6lkern und einigen -gelungenen! &#8211; graphischen Gags (Man buddelt u.a. Nummernschilder und Winkekatzen aus) abgesehen, ist allerdings nicht viel SF im Spiel drin. Die Frage, inwieweit problematische Verhaltensmuster durch fiktive Settings abgeschw\u00e4cht werden, ist m.E. eine Diskussion wert<strong>.<\/strong> In <em>Excavation Earth<\/em> w\u00e4re sie aber fehl am Platze: Ob wir Artefakte ausgraben oder Schmetterlinge sammeln oder S\u00fc\u00dfigkeiten herstellen ist hier tats\u00e4chlich v\u00f6llig irrelevant; \u00a0Das eigene Tun in diesem Spiel ist rein mechanisch orientiert. W\u00e4re die ganze Graphik rein abstrakt gehalten, w\u00fcrde sich am Spielgef\u00fchl oder den gemachten gedanklichen Verkn\u00fcpfungen zwischen den Spielebenen nichts \u00e4ndern:<\/p>\n<p>Im Prinzip sammeln wir Pl\u00e4ttchen mit verschiedenen Farben und Symbolen, die wir dann hoffentlich gewinnbringend verkaufen. Gleichzeitig wollen wir m\u00f6glichst viele verschiedene Kombinationen aus Farbe und Symbol zumindest mal in der Hand gehabt haben, denn alles was wir -und sei es auch nur kurz &#8211; mal irgendwo geladen haben, wird markiert und gibt am Ende &#8211; wie bei einem Roll&amp; Write- \u00a0Punkte. Dieses Puzzle wird durch den verkopften aber doch reizvollen Kartenmechanismus verst\u00e4rkt: Um etwas zu tun, muss eine Karte gespielt werden, f\u00fcr die meisten Aktionen muss dabei entweder das Symbol oder die Farbe der Karte stimmen. Und nat\u00fcrlich hat man niemals alle Kombinationen aus Farben und Symbolen zur Verf\u00fcgung, sondern muss abw\u00e4gen, wo ich meine Karten wie am besten einbringen kann. Kompromisse m\u00fcssen geschlossen werden! Zudem sind wir durchaus Konkurrenten, sowohl beim Sammeln der Pl\u00e4ttchen auf dem Spielplan als auch beim Verkaufen derselben (man nimmt sich gegenseitig Kunden weg). Da der Verkaufsmechanismus recht dynamisch ist, steckt man h\u00e4ufig vor dem Dilemma schnell und sicher ein paar Punkte zu machen oder auf den gro\u00dfen Wurf zu hoffen, der aber nur funktioniert, wenn einem niemand eine Runde lang in die Suppe spuckt. Dieses Kernelement ist solide und durchaus reizvoll, gerade weil es sich gut anf\u00fchlt, wenn einem ein guter Coup gelungen ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-23196\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180937-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"229\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Sonderpunkte bei Spielende f\u00fcr gef\u00fcllte Reihen und Spalten &#8211; Wo haben wir das schon mal gesehen?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Allerdings ist das Spiel nicht eng auf diesen Kern zugeschnitten, sondern hat noch einige weitere Elemente, wie ein Mini-Mehrheitenspiel oder eine Handlungsoption, die nur f\u00fcr eines der 5 mitgelieferten Alienv\u00f6lker wirklich veritabel zu sein scheint. Wie oft bei komplexeren Euros wurden Elemente eingemischt, die vom Kern ablenken, statt diesen zu verst\u00e4rken. Das ist schade und unn\u00f6tig, lie\u00dfe sich aber verkraften, denn das zentrale Puzzle ist durchaus interessant.<\/p>\n<p>Das Problem von <em>Excavation Earth<\/em> ist ein anderes: Der Spannungsbogen ist falsch justiert. In den ersten zwei Runden wird man planen und improvisieren und wenn A nicht geht, geht vielleicht B.<\/p>\n<p>In der letzten Runde nehmen die Handlungsoptionen immer weiter ab. M\u00f6glichkeiten auszuweichen, wenn Mitspieler oder Nachziehgl\u00fcck (bei den Pl\u00e4ttchen) nicht so wollen, wie man es gerne h\u00e4tte, werden immer weniger und damit nehmen die Frustmomente zu. Im gleichen Ma\u00dfe wird mehr und mehr gegr\u00fcbelt, damit ja die letzten Handlungen nicht verloren gehen. Aber auch die Siegpunktertr\u00e4ge werden immer weniger und dadurch stellt sich mehr und mehr das Gef\u00fchl ein, man w\u00fcrde einen Topf auskratzen; es wird immer mehr Energie verbraucht, um immer weniger Punkte zu gewinnen. Das ist kein positives Spielgef\u00fchl! Aber das Spiel bietet einen keine Alternativen &#8211; au\u00dfer aufgeben. Da es nur um das Herausquetschen von Siegpunkten geht, passiert am Ende genau das. Zudem ist der Roll&amp;Write-Bereich, also das Sammeln von Objekten, die man noch nicht hat &#8211; so wichtig, dass man sehr darauf angewiesen ist, fehlende Teile noch zu bekommen. Bl\u00f6d, wenn sich herausstellt, dass diese unten im Stapel lagen.<\/p>\n<p>Nach der ersten Partie war noch die einhellige Meinung am Tisch: \u201eNicht schlecht, das Ende zu lang, aber sonst ordentlich. Nicht ganz oben mit dabei\u201c. Leider muss ich dem Spiel bescheinigen, dass mit jeder Partie deutlicher wurde, dass das Spiel keinen echten \u201eHook\u201c hat, nichts was \u00fcbernimmt, wenn gegen Ende das Interesse abnimmt. <em>Excavation Earth<\/em> macht ein bisschen den Eindruck, als w\u00e4re nicht nur der Spannungsbogen, sondern auch die Entwicklungszeit zu fr\u00fch beendet gewesen: Wie erw\u00e4hnt sind nicht alle Handlungsoptionen ordentlich eingebunden. Der Marktmechanismus ist interessant, aber fummelig. Und auch die Graphikelemente wirken \u00fcberhaupt nicht durchdacht &#8211; wichtige Zahlen und Symbole sind viel zu klein auf die Pl\u00e4ttchen gedruckt, der wichtige Schwarzmarkt liegt in einer obskuren Ecke des Spielplanes, statt z.B. auf einer freien Fl\u00e4che eines Nebenplans. Unverst\u00e4ndlich, zumal man dem Spiel nicht vorwerfen kann, es w\u00fcrde fantastische Graphiken \u00fcber Funktionalit\u00e4t stellen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-23195\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-700x510.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-150x109.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-768x559.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-370x270.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-270x197.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-570x415.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-686x500.jpg 686w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920-740x539.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220518_180920.jpg 1348w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Pl\u00e4ttchen von der anderen Tischseite aus fotographiert. Ich hoffe Sie k\u00f6nnen das Symbol und die Zahl in der Ecke erkennen.<\/em><\/p>\n<p>Der Entwicklungsprozess ist eben nicht dann beendet, wenn es keine Fehler oder Killerstrategien oder Regell\u00fccken mehr gibt, sondern erst, wenn die positiven Aspekte herausgearbeitet wurden. Wenn beim Spielen f\u00fcr jedermann ersichtlich ist, welche Elemente Spa\u00df machen sollen und es diese Elemente sind, die im Mittelpunkt des Spieles stehen und sich alles um diese Elemente dreht &#8211; Das ist hier leider nicht gelungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Mighty Boards \/ Asmodee Autoren: Gordon Calleja, David Turczi, Wai Yee Spieleranzahl: 1-4 Alter: ab 14 Jahre Spieldauer: 30- 120 Minuten ( 30 nur Solo schaffbar, eher 45 Minuten pro Person) Science Fiction galt zumindest in Deutschland lange Zeit als verp\u00f6ntes Thema f\u00fcr ein Brettspiel. Es hie\u00df die h\u00e4tten keinen wirtschaftlichen Erfolg. Ob es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23194,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-23193","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23193"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23199,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23193\/revisions\/23199"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}