{"id":22999,"date":"2022-03-17T19:17:12","date_gmt":"2022-03-17T17:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=22999"},"modified":"2022-03-17T19:27:12","modified_gmt":"2022-03-17T17:27:12","slug":"machi-koro-legacy","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/machi-koro-legacy\/","title":{"rendered":"Machi Koro Legacy"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Pandasaurus Games<br \/>\n<strong>Autor<\/strong>: Rob Daviau et al. ; basierend auf Machi Koro von Masao Suganuma<br \/>\n<strong>Spieleranzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 8 Jahren<br \/>\n<strong>Spieldauer<\/strong>: 30 Minuten (und mehr)<\/p>\n<p>Im fernen Jahr 2015 (also ca. 5 Jahre vor der Pandemie) war ein kleines unscheinbares Spiel f\u00fcr den Spiel des Jahres-Preis nominiert. Im Vorfeld sorgte diese Nominierung in einigen Kreisen f\u00fcr Unverst\u00e4ndnis. Grund f\u00fcr den Unmut war die hohe Zuf\u00e4lligkeit, durch die sich das Spiel auszeichnete. In den gehobenen Feinschmecker-Kreisen waren W\u00fcrfel eine Altlast aus den dunklen Urzeiten des Brettspiels. Ein Relikt, welches das gehobene taktische-strategische Spiel durch die Willk\u00fcr von lieblos geschmissenen sechsseitigen Spielsteinen entwertete. <\/p>\n<p>Dabei war genau das nat\u00fcrlich das Besondere und auch Reizvolle an <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/the-city-vs-machi-koro\/\">Machi Koro<\/a>. Es war ein Gl\u00fccksspiel, welches gerade genug Substanz lieferte, um f\u00fcr eine kurze Partie f\u00fcr Unterhaltung zu sorgen. Die Betonung lag hier auf kurz, denn sobald sich das Spiel in die L\u00e4nge zog, wurde der sehr reaktive Charakter des Spiels schnell erm\u00fcdend. Man konnte lediglich die eigenen Chancen erweitern bei W\u00fcrfelw\u00fcrfen Geld zu sammeln, um sich davon den Spielsieg zu kaufen. Dabei hat das Hoffen und Bangen auf den richtigen W\u00fcrfelwurf durchaus seinen Reiz. Auch die Entscheidung ob man auf ein breites Portfolio setzt, oder sich auf auf bestimmte W\u00fcrfelergebnisse spezialisiert, wusste zu unterhalten. F\u00fcr \u201eSpieleexperten\u201c war das aber zu wenig. Statt das Spielgeschehen direkt beeinflussen zu k\u00f6nnen, verschob man lediglich Wahrscheinlichkeiten leicht zu den eigenen Gunsten. Es gab zu wenige und wenn dann nur reaktive Entscheidungen. &#8220;Ein gutes Spiel hat gef\u00e4lligst Entscheidungen zu bieten, die aktiv die Spielsituation ver\u00e4ndern!&#8221; <\/p>\n<p>Mit Machi Koro Legacy nimmt sich nun Rob Daviau dieser Kritik an und hat daf\u00fcr den mehr oder minder direkten Weg gew\u00e4hlt. Im Laufe der Legacy-typischen Entwicklung und Erweiterung der Spielregeln werden mehr Entscheidungen erm\u00f6glicht, mehr Effekte durch die W\u00fcrfel ausgel\u00f6st und auch die Zahl der erwerbbaren Karten wird erh\u00f6ht. Auch wird die 12-Sitzungen lange Kampagne um eine erz\u00e4hlte Geschichte erweitert, die man zwischen den Partien von Karten vorliest. F\u00fcr den Spielverlauf haben die Ereignisse darin keine Relevanz. Sie geben aber einen mehr oder minder nachvollziehbaren Rahmen f\u00fcr die Regel\u00e4nderungen, die mit jedem Kapitel eingel\u00e4utet werden.<\/p>\n<p>Die leichte Handschrift des Originals sp\u00fcrt man vor allem in den ersten Partien noch am deutlichsten. Leider verschwindet diese schrittweise unter einem Stapel an neuen Regeln und Einschr\u00e4nkungen, die man zus\u00e4tzlich im Kopf halten oder wahlweise von den ausliegenden Regelkarten ablesen muss. <\/p>\n<p>Damit macht Machi Koro Legacy leider die gleichen Fehler, die das Legacy-Konzept als solches zu einem zweischneidigen Schwert machen. Das Spielkonzept zu vergr\u00f6\u00dfern ist hier wichtiger als es zu ver\u00e4ndern. Durch seine Kampagne f\u00fchlt sich Machi Koro Legacy mit der Zeit nicht anders oder individueller an. Es handelt sich lediglich um ein erweitertes Spielpaket. Eines, welches sich zu Beginn der Kampagne kaum anders spielt als zum Ende; nur eben umfangreicher, komplizierter und vor allem l\u00e4nger.  <\/p>\n<p>Die Inspiration f\u00fcr das Legacy-Konzept kam Rob Daviau \u00fcber Videospiele, die zus\u00e4tzliche Inhalte und Herausforderungen in Form von neuen Levels erst mit der Zeit zum Spielen freigeben. Dieser Ansatz funktioniert so lange das Spiel am Ende genau so viel Raum einnimmt, wie man es sich w\u00fcnscht. Wenn man also zu Beginn mit der abgespeckten Variante des Spiels beginnt (vgl. <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/betrayal-legacy\/\">Betrayal Legacy<\/a>) und erst im letzten Akt der Kampagne das Spiel in voller Ausstattung genie\u00dft. Wer jedoch zu einem Machi Koro-Spiel greift, w\u00fcnscht sich vielleicht kein Spiel, welches den gesamten Spieltisch einnimmt.<\/p>\n<p>Hier ist es so, dass das kleine, sympathische Gl\u00fccksspiel mit dem man die Kampagen beginnt am Ende zu einem ungewollt gro\u00df geratenen W\u00fcrfelspiel geworden ist, bei dem es viel zu handhaben und so einiges abzuw\u00e4gen gilt. Da aber Machi Koro Legacy im Kern immer noch ein reaktives Spiel bleibt und Ver\u00e4nderungen nur selten durch Entscheidungen der Spieler*innen verursacht werden, geht der Charme und Reiz des Original etwas unter. Nach einigen Partien ist Machi Koro vor allem l\u00e4nger und umst\u00e4ndlicher geworden. Die Zahl der Entscheidungen wurde erh\u00f6ht, ohne dabei einen Mehrgewinn zu liefern, der mit dem Reiz des Original in Einklang steht. Machi Koro Legacy hat eine andere Textur und Spieldauer als sein Vorg\u00e4nger, aber die Substanz bleibt unangetastet.<\/p>\n<p>Dieser Punkt wiegt umso schwerer, wenn man ihn neben die gro\u00dfe Schw\u00e4che von Legacy-Spielen setzt: die Verpflichtung sich wiederholt und m\u00f6glichst zeitnah mit dem Spiel zu besch\u00e4ftigen. Selbst in meiner vierk\u00f6pfigen Familienrunde, die unter einem Dach lebt, lagen zwischen der vorletzten und letzten Partie gut zwei Wochen. Eine vergleichbare Absprache von Haushalts-fremden Personen einzufordern, ist um einiges kniffliger. Damit gelingt es Machi Koro Legacy leider nicht die zwei gro\u00dfen Schwachpunkte von Legacy-Spielen zu vermeiden. Das Regelwerk bl\u00e4ht sich auch hier auf und die Kampagnenstruktur wirkt mit der Zeit wie eine noch ausstehende Verpflichtung, die mahnend im Spielschrank steht.<\/p>\n<p>Trotz der familienfreundlichen Aufmachung und dem niedlichen Tonfall hat man es bei Machi Koro Legacy bald mit einem beh\u00e4bigen Brocken zu tun, den es abzuarbeiten gilt. Dass dieser Punkt jedoch \u00fcberhaupt erreicht wird, liegt auch daran, dass Machi Koro selbst noch immer ein sehr gutes und grundsolides Design ist. Es ist zug\u00e4nglich, liefert klare Ziele und schnelle Erfolgserlebnisse. Die W\u00fcrfel sorgen f\u00fcr Spannung und manchmal auch gro\u00dfe Dramen, z.B. wenn die W\u00fcrfel sich weigern eine 7 zu liefern. Aber dem Spiel geht immer noch die Luft aus, wenn es zu lange dauert. Das ist eine Schw\u00e4che, die durch die Legacy-Erg\u00e4nzung nicht behoben werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Pandasaurus Games Autor: Rob Daviau et al. ; basierend auf Machi Koro von Masao Suganuma Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 8 Jahren Spieldauer: 30 Minuten (und mehr) Im fernen Jahr 2015 (also ca. 5 Jahre vor der Pandemie) war ein kleines unscheinbares Spiel f\u00fcr den Spiel des Jahres-Preis nominiert. 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