{"id":22923,"date":"2022-02-15T17:05:04","date_gmt":"2022-02-15T15:05:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=22923"},"modified":"2022-02-21T22:39:46","modified_gmt":"2022-02-21T20:39:46","slug":"fort","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/fort\/","title":{"rendered":"Fort"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Leder Games \/ Asmodee<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Grant Rodiek<br \/>\n<strong>Spieleranzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 10 Jahren<br \/>\n<strong>Spieldauer<\/strong> 20-40 Minuten<\/p>\n<p><em>Deckbau<\/em> ist generell eine Frage des Managements von Wahrscheinlichkeiten. Bei <em>Dominion<\/em> etwa gilt es darum, einerseits wertvolle Karten ins Deck zu bekommen, andererseits aber das Verh\u00e4ltnis zwischen den hilfreichen und den nicht-hilfreichen, aber notwendigen Karten (wie Geld oder Siegpunkte) nicht so ung\u00fcnstig ausfallen zu lassen, dass man zu oft handlungsunf\u00e4hig bleibt. Bei anderen Deckbauern (oder <em>Dominion<\/em> mit sp\u00e4teren Erweiterungen) muss man dann versuchen verschiedene Handlungsoptionen auszubalancieren, so dass nicht immer dieselbe Handlung durchgef\u00fchrt werden muss, auch wenn diese einem gar nicht mehr zum Ziel f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dieses Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten wird aber deutlich abgeschw\u00e4cht, wenn es zus\u00e4tzlich zum Karten ziehen noch einen weiteren gro\u00dfen Zufallseinfluss gibt. Das war z.B. bei dem W\u00fcrfel-\u201eDeck\u201cbauspiel <em>Quarriors<\/em> der Fall, wo eben nicht nur die richtigen W\u00fcrfel gezogen werden m\u00fcssen (etwas, dass sich auf <em>Backgammon<\/em>-Niveau kontrollieren l\u00e4sst), sondern diese m\u00fcssen eben auch noch gew\u00fcrfelt werden. Dieser zweite Gl\u00fccksfaktor macht den ersten aber nicht interessanter, sondern verw\u00e4ssert ihn stark, weil der Einfluss sinkt. Da eine Kompensation fehlte, konnte mich <em>Quarriors<\/em> nicht lange fesseln &#8211; Es war &#8220;Deckbau nur schlechter&#8221;.<\/p>\n<p>Bei <em>Fort<\/em> ist nun auf den ersten Blick \u00e4hnliches zu beobachten, wenn auch auf originellere Art und Weise: Motor sind Karten in 6 Farben. In seinem Zug darf man von seinen max. 5 Handkarten nur eine Kartenfarbe spielen. Gespieltes beh\u00e4lt man mit Sicherheit in seinem Deck, nicht gespieltes wird in eine Auslage gelegt &#8211; Hier d\u00fcrfen sich jetzt die Mitspielenden bedienen. Nur was verschm\u00e4ht wurde, verbleibt im eigenen Deck. Dadurch ist die Deckzusammensetzung sehr fluide: Pro Runde kommt eine Karte aus irgendeiner Auslage ins Deck und eine unbekannte Anzahl an Karten (je nach dem, was die anderen wollen) verl\u00e4sst das Deck. Die Kontrolle \u00fcber die Deckzusammensetzung ist somit deutlich geringer als bei vergleichbaren Spielen. So gering, dass wir diskutiert haben, ob \u201eDeckbau\u201c \u00fcberhaupt noch eine passende Bezeichnung ist und ob nicht sowas wie &#8220;Deckmanagement&#8221; passender w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nun ist der Einfluss zwar gering, aber ja eben nicht Null. Die Str\u00f6me der Karten lassen sich schon zumindest <em>ein bisschen<\/em> leiten &#8211; insbesondere sollte man darauf achten, wie viele Kartenfarben man in seinen Deck hat und welche. Gleiche Farben sind gut, weil man dann seine eigenen Aktionen verst\u00e4rken kann (wobei sich nicht alle Aktionen verst\u00e4rken lassen). Verschiedene Farben sind gut, weil die meisten Karten eine Aktion haben, die auch die Mitspielenden nutzen k\u00f6nnen, wenn sie eine Karte derselben Farbe abwerfen. Entsprechend sollte man ein Deck haben, bei dem auch die Kartenfarben der anderen regelm\u00e4\u00dfig auftauchen, um sich an deren Aktionen ranzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-22925\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135649-300x143.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"143\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Was immer passiert, ich werde nur die Aktionen eines Freundes (respektive einer Karte) nutzen k\u00f6nnen. <\/em><\/p>\n<p>Das ist ein Mechanismus, den ich durchaus als reizvoll empfinde und der sich auch frisch anf\u00fchlt. Vor allem sorgt diese Dualit\u00e4t, dieses Abw\u00e4gen zwischen Spezialisierung und Diversifikation durchaus f\u00fcr interessante Entscheidungsr\u00e4ume. Allerdings verst\u00e4rkt er, wie in der Einleitung angedeutet, nat\u00fcrlich auch den Gl\u00fccksfaktor. Es kommt jetzt noch mehr darauf an, <strong>wann<\/strong> eine bestimmte Karte erscheint und welche Karten dabei sind. Es ist einfach \u00e4rgerlich, wenn zwei wichtige Karten gleichzeitig auf die Hand kommen, weil ich dann nur eine spielen kann und die andere wom\u00f6glich von jemand anderen genommen wird. Dranh\u00e4ngen ist wichtig, setzt aber nicht nur kompatible Decks voraus, sondern auch, dass meine \u201eDranh\u00e4ngkarte\u201c dann auftaucht, wenn ich die andere Aktion auch durchf\u00fchren kann. Das kann zu schiefen Partien f\u00fchren, bei denen eine Person, einfach Pech mit dem Timing hat und hinterher h\u00e4ngt, w\u00e4hrend die anderen sich gegenseitig die Aktionen zuschieben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Aktionen an Bedingungen gekn\u00fcpft sind, die ebenfalls zutreffen m\u00fcssen. Schlechtes Timing haut so doppelt rein.<\/p>\n<p>Das wird noch durch die <em>eigentliche<\/em> Schw\u00e4che des Spieles verst\u00e4rkt: Die Fokussierung auf ein einzelnes Ziel. Es geht um das Bauen des namensgebenden Forts. Ein paar Punkte kann man zwischendurch abgreifen und es kommt ein Geheimauftrag ins Spiel, der -wenn es gut l\u00e4uft- etwa 5-8 Siegpunkte bringt. Wer das Baumhaus als erstes fertigstellt bekommt daf\u00fcr 28 Siegpunkte &#8211; und beendet defacto das Spiel, Selten kann jemand anderes unmittelbar noch nachziehen (ergo, sein Fort auch noch fertigstellen) \u00a0so dass der Vorsprung allein durch diese Timingfrage gegen\u00fcber jemanden der kurz vor der Vollendung steht um satte 12 Punkte anw\u00e4chst. Das ist nicht durch die anderen Brosamen kompensierbar. Wir hatten keine einzige Partie, bei der nicht die Person gewonnen hatte, die das Spiel beenden konnte. So ist aber alles andere diesem Ziel untergeordnet.<\/p>\n<p>Es gibt 16 verschiedene Aktionen auf den Karten, wobei viele auch Kombinationen enthalten. Doch alle diese Aktionen machen im Prinzip nichts anderes, als Karten oder Rohstoffe zu verschieben, so dass man sein Fort bauen kann. Irgendwie fehlt dem Spiel eine andere Seite, eine alternative M\u00f6glichkeit zum Fort, die dann auch interessantere Aktionen erlauben w\u00fcrde, so dass man dem hohen Zufallseinfluss mehr entgegensetzen kann, ja dass man einfach auch das Gef\u00fchl hat, interessantere Dinge anzustellen, als zwei Rohstoffchips von der einen Seite des Tableaus auf die andere Seite zu legen. Mit der Originalit\u00e4t des Themas (Kinder bauen auf einem Bauspielplatz ein Fort, etwas dass nach \u201eLittle\u00a0 Rascals\u201c oder \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vorstadtkrokodile\">Vorstadtkrokodile<\/a>\u201c klingt) oder des Zentralmechanismuses kann das Spiel leider nicht mithalten. Nun muss ein Spiel nicht originell sein, um gut zu sein, hier h\u00e4tte es aber m.E. mehr Originalit\u00e4t bei den Aktionen gebraucht, damit der gute Kartenmechanismus seine Muskeln spielen lassen kann. Das Thema ist zudem sichtbar aufgesetzt, so witzig es auch ist, oft schimmert das urspr\u00fcngliche Thema (R\u00f6mische Legionen) sogar mehr durch als das akuelle.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-22924\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-205x300.jpg 205w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-479x700.jpg 479w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-103x150.jpg 103w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-768x1121.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-1052x1536.jpg 1052w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-1403x2048.jpg 1403w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-370x540.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-270x394.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-570x832.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-342x500.jpg 342w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709-740x1080.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220213_135709.jpg 1717w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>57 Channels and nothin\u00b4 on<\/em><\/p>\n<p>Ein hoher Gl\u00fccksfaktor und sehr enger Aktionsraum hat <em>Fort<\/em> im Decksbauspielbereich mit <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/das-syndikat\/\">Grifters\/Das Syndikat<\/a><\/em> gemein. Das aber spielt sich flotter. Durch die vielen Symbole und zwei Aktionen pro Karte (eine an die man sich dranh\u00e4ngen kann und eine die nur dem Ausspielenden zur Verf\u00fcgung steht), die man erfassen muss und das Symbol, mit dem man ggf. noch verst\u00e4rken kann (und wenn ja was) sowie die M\u00f6glichkeit sich an dem Zug eines anderen ranzuh\u00e4ngen sorgen aber immer wieder f\u00fcr ein paar Stockungen und mentale Arbeit.<\/p>\n<p>Wenn diese Rezension einen negativen\u00a0 Grundton hat, dann liegt das nicht daran, dass ich <em>Fort<\/em> absolut misslungen finden w\u00fcrde. Stattdessen versprechen das originelles Thema und die\u00a0 witzige Graphik ein anderes Spiel, als in der Schachtel steckt. Der Zentralmechanismus verspricht sogar noch einmal ein anderes, originelles Spiel, reicht aber auch alleine leider nicht aus, um das Potential des tats\u00e4chloch enthaltenden Spieles auch zu entfalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Leder Games \/ Asmodee Autoren: Grant Rodiek Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 10 Jahren Spieldauer 20-40 Minuten Deckbau ist generell eine Frage des Managements von Wahrscheinlichkeiten. 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