{"id":22614,"date":"2021-12-09T20:11:41","date_gmt":"2021-12-09T18:11:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=22614"},"modified":"2022-01-12T18:09:40","modified_gmt":"2022-01-12T16:09:40","slug":"terra-futura","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/terra-futura\/","title":{"rendered":"Terra Futura"},"content":{"rendered":"<p><b>Verlag:<\/b> albi<br \/>\n<b>Autoren:<\/b> Petr Vojt\u00each, Jind\u0159ich Pavl\u00e1sek<br \/>\n<b>Spieleranzahl:<\/b> 2-5<br \/>\n<b>Alter:<\/b> ab 10 Jahren<br \/>\n<b>Spieldauer:<\/b> 30 Minuten<\/p>\n<p>Der tschechische Verlag <a href=\"https:\/\/www.albi.eu\/homepage\/\">Albi<\/a> war urspr\u00fcnglich auf Lernmaterialien konzentriert und dem Spiel <em>Terra Futura<\/em> merkt man durchaus diese Vergangenheit an. Auch wenn Alex Randolph mir nicht zustimmen w\u00fcrde, muss dies nichts schlechtes sein. Kulturg\u00fcter d\u00fcrfen mehr k\u00f6nnen als \u201enur\u201c zu unterhalten.<\/p>\n<p>Dabei versucht das Spiel weniger einen Sachverhalt \u201ebeizubringen\u201c sondern will eher als Vorbild dienen: Das Spiel ist (soweit ich das beurteilen kann) nachhaltig produziert, es werden Pappschachteln f\u00fcr die Materialien benutzt (hier vor allem durch<em> Deep Print<\/em> bekannt). Das Spiel wird in Zusammenarbeit mit <a href=\"https:\/\/climategame.eu\/about.php\">Game On<\/a> entwickelt, einer Europ\u00e4ischen Initiative, die \u00fcber Nachhaltigkeit aufkl\u00e4ren m\u00f6chte. Entsprechend vergleicht das Regelheft auf der letzten Seite die im Spiel dargestellten Dinge mit der Realit\u00e4t und benennt auch ganz klar den Kapitalismus als zentrales Problem: \u201e<em>Unser derzeitiges globales Wirtschaftssystem basiert auf Prinzipien von Wachstum und Gewinnmaximierung. Dadurch steigt der Druck, immer mehr zu produzieren. Dieses System respektiert nicht die nat\u00fcrlichen Grenzen unseres Planeten, wirkt sich negativ auf die Umwelt aus, vergr\u00f6\u00dfert die Ungleichheit unserer Gesellschaft und ist daher auf lange Sicht nicht nachhaltig<\/em>\u201c. Abseits des <a href=\"https:\/\/kulturgutspiel.de\/panorama\/umwelt-paare-und-tabus-41-jahre-aktuell-spiele-verlag\/\">Aktuell-Spiele-Verlag<\/a> liest man so deutliche Worte selten.<\/p>\n<p>Doch so sehr ich klare Worte auch sch\u00e4tze: Damit das Spiel die selbstgesteckten Ziele auch wirklich erreicht und nicht nur bestenfalls Interesse weckt, m\u00fcssen es die Spiel<em>handlungen<\/em> sein, die diese Ziele verk\u00f6rpern, nicht deren textliche Erl\u00e4uterungen in der Anleitung. Sonst bleibt das Besch\u00e4ftigen mit den Inhalten doch sehr an der Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Leider ist dies bei <em>Terra Futura<\/em> weitestgehend der Fall: Im Zentrum des Spieles steht ein Puzzle: Aus Karten entsteht Zug um Zug ein 3&#215;3 Raster vor jedem Spielenden. Jede Karte, die ins Raster gelegt wird, l\u00f6st alle bereits liegenden Karten in Reihe und Spalte aus. Das ist per se nicht uninteressant, will man doch einerseits die richtige Reihenfolge finden, um aus Rohstoffen G\u00fcter zu produzieren, die bei Spielende Siegpunkte bringen. Das Puzzle wird durch die wirkliche h\u00fcbsche Endwertung verst\u00e4rkt: Alle haben zwei zweiteilige Wertungskarten auf der Hand, ein Teil beschreibt welche Karten erneut aktiviert werden, der andere f\u00fcr welche Sets es Siegpunkte gibt. Die Kombination aus den beiden Teilen ist den Spielenden \u00fcberlassen. Das ist in Verbindung mit dem Bauen des Rasters durchaus knobelig.<\/p>\n<p>Es ist auch extrem abstrakt. Und es ist eine Aufgabe, wie man sie im Prinzip auch aus anderen Spielen kennt: Farbige Rohstoffw\u00fcrfel (Hier tats\u00e4chlich auch nur \u201eW\u00fcrfel\u201c genannt) werden generiert und in hochwertigere Marker umgewandelt. Viel mehr passiert nicht und das weckt keine Assoziationen mit dem Thema, auch weil die Karten absolut generisch sind. Es findet so nur eine sehr geringe Identifikation statt: Statt nachhaltige Wirtschaft zu betreiben oder Windparks zu bauen, legt man Karten und wandelt W\u00fcrfel um. Die Mechanik \u00fcberschattet das Setting. Einzig und allein die Umweltverschmutzung, die hier und da abf\u00e4llt und grunds\u00e4tzlich negativ ist (sie blockiert Karten und sorgt f\u00fcr Minuspunkte) bricht mit der Routine und erinnert daran, dass wir hier eigentlich versuchen eine Biotopie und nicht nur eine Kartenauslage aufzubauen. Doch das Dilemma darum ist unterm Strich zu wenig und zu selten, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Es hilft zudem nicht, dass das Spiel einen starken Solit\u00e4rcharakter hat. Einzig die Startkarte erlaubt etwas Kooperation, aber da es die erste Karte ist, die gebaut wird und die damit vor allem am Anfang der Partie ausgel\u00f6st wird, wo noch zu wenig passiert ist, um hilfreich zu sein ist der Effekt i.A. zu gering, als dass diese M\u00f6glichkeit viel genutzt w\u00fcrde. Das ist aber schon ein sehr deutlicher Bruch mit dem Thema, welches in der Realit\u00e4t ja ein sehr hohes Niveau von Kooperation aller m\u00f6glichen Gruppen voraussetzt.<\/p>\n<p>Man merkt dem Spiel an, dass es ein modernes Brettspiel sein m\u00f6chte, dass mit einer niedrigen Einstiegsh\u00fcrde und einem doch nicht.trivialen Puzzle lockt, dass die Message transportieren soll. Das ist leider nur zum Teil gelungen &#8211; die Message ist in der Mechanik untergegangen. Insbesondere fehlt die Dringlichkeit des Handelns im zentralen Puzzleaspekt. Es gibt wenig Druck &#8211; wird das Puzzle nicht optimal gel\u00f6st, gibt es vielleicht ein paar Punkte weniger, aber die relative Position zu anderen Spielenden ist sowieso unbekannt.\u00a0 Eine schlechtere L\u00f6sung offenbart sich nicht und somit muss man selbst bestimmen, wann man zufrieden ist. Dringlichkeit ist aber bei der Umweltpolitik und dem Umbau des Finanzsystems geboten. Ohne diese Dringlichkeit fehlt ein wesentlicher Baustein der Themenumsetzung. Das ist schade.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: albi Autoren: Petr Vojt\u00each, Jind\u0159ich Pavl\u00e1sek Spieleranzahl: 2-5 Alter: ab 10 Jahren Spieldauer: 30 Minuten Der tschechische Verlag Albi war urspr\u00fcnglich auf Lernmaterialien konzentriert und dem Spiel Terra Futura merkt man durchaus diese Vergangenheit an. 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