{"id":21880,"date":"2021-05-24T12:01:51","date_gmt":"2021-05-24T10:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=21880"},"modified":"2021-05-29T16:18:57","modified_gmt":"2021-05-29T14:18:57","slug":"dive","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/dive\/","title":{"rendered":"Dive"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag:\u00a0<\/strong>Sit Down \/ Pegasus<br \/>\n<strong>Autoren:\u00a0<\/strong>Romain Caterdjian, Anthony Perone<br \/>\n<strong>Spielerinnenzahl: <\/strong>1 &#8211; 4<br \/>\n<strong>Alter: <\/strong>ab 8 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer:\u00a0<\/strong>20-30 Minuten<\/p>\n<p><em>The Mind<\/em> hatte damals einige Kritiker, die meinten \u201ces sei doch gar kein Spiel, sondern nur eine Besch\u00e4ftigung\u201d (als ob ein Spiel jemals <em>keine<\/em> Besch\u00e4ftigung sein k\u00f6nnte), da zu wenig spielerisches geschieht. Einen \u00e4hnlichen Reflex erwarte ich, in deutlich st\u00e4rker aufgepr\u00e4gten Form bei <em>Dive, <\/em>auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht:.<\/p>\n<p>Offiziell \u201eplant\u201c jeder gleichzeitig seinen \u201eZug\u201c, in dem er kleine Holzscheiben auf sein geheimes Tableau legt. Dann wird gleichzeitig \u201egewertet\u201c. Wer dann das Ende der Punktleiste erreicht, gewinnt.<\/p>\n<p>Doch meine Anf\u00fchrungszeichen oben kommen nicht von ungef\u00e4hr. Man \u201eplant\u201c hier keinen \u201eZug\u201c, sondern <em>wettet<\/em> vielmehr auf seine Beobachtungsgabe: Hauptspielmaterial ist hier der Stapel aus durchsichtigen Plastikkarten, auf denen diverse Seetiere und- pflanzen sichtbar sind. Entscheidend sind allerdings einzig allein Rochen, Schildkr\u00f6ten und Haie, alles andere ist nur Beiwerk &#8211; aber zum einen sch\u00f6nes Beiwerk, zum anderen vor allem durchaus hilfreiches Beiwerk. Die Spielenden schauen von oben auf den Stapel der transparenten Karten und versuchen abzusch\u00e4tzen. auf welchen Ebenen (also Karten) die Haie zu sehen sind: Wenn man seinen \u201eZug plant\u201c, tippt man f\u00fcr die jeweiligen Ebenen einfach nur: \u201eHai oder kein Hai\u201c?\u00a0 Punkte gibt es pro richtiges Raten bis zum ersten Fehler. Was unter Umst\u00e4nden schon die zweite (deutlich seltener die erste) Karte sein kann, was unbefriedigend ist. Rochen und Schildkr\u00f6ten k\u00f6nnen Extrapunkte bringen, wenn man die h\u00f6chsten Holzchips aller Spieler in der jeweiligen Ebene platziert hat &#8211; vorausgesetzt man hat richtig Hai-raten gespielt. Also: gucken: Aha, der Hai ist wohl auf der zweiten Ebene, auf der oberen Ebene ist nichts. Ist der zweite Hai auf der dritten oder vierten Ebene? Ich tippe mal vierte&#8230; Sind alle fertig werden die Karten nacheinander aufgenommen und \u00fcberpr\u00fcft, ggf. Punkten. N\u00e4chste Raterunde&#8230; Viel Schauen wenig handeln.<\/p>\n<p>In der zweiten Spielh\u00e4lfte kommt noch ein kleiner Can\u00b4t -Stop-Mechanismus dazu, denn hier bekommt nur Punkte, wer \u00fcberhaupt keine Fehler gemacht hat. Da allerdings vor der Auswertung entschieden wird, wann man aufh\u00f6ren will (statt wie sonst immer wenn man Punkte gemacht hat), \u00e4ndert sich hier spielerisch nichts, nur das Risiko wird erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Der Reiz von <em>Dive<\/em> basiert zum einen auf der wirklich wundersch\u00f6nen Ausstattung (\u00fcbrigens mit einem ausgewogenen Geschlechterverh\u00e4ltnis unter den Tauchenden) und zum anderen auf der wirklich originellen (und durchaus netten) Idee des \u201eEbenen raten\u201c mit Hilfe des Plastikstapels (Man k\u00f6nnte an dieser Stelle etwas \u00fcber die Ironie philosophieren, einen Ozean durch Plastik zu simulieren, in wieweit das quasi die Zukunft des Ozeans symbolisiert aber lassen wir das). Jenseits dieser Idee merkt man, dass die Autoren stets bem\u00fcht waren, diese Idee in spielerische Elemente einzukleiden. Doch leider l\u00e4uft alles auf die Frage \u201eHai oder kein Hai?\u201c hinaus und das bleibt spielerisch nun einmal sehr d\u00fcnn, auch weil alles auf die bin\u00e4re,\u00a0 alles \u00fcberschattende Ja\/Nein-Entscheidung hinausl\u00e4uft Wer sich gerade am Anfang einer Runde um eine Ebene versch\u00e4tzt hat, macht kaum Punkte, auch wenn der Rest korrekt ist. Das ist frustrierend &#8211; es gibt zwar zahlreiche Aufholmechanismen, die daf\u00fcr sorgen, dass kaum jemand v\u00f6llig abgeschlagen ist, aber man hat eben das Gef\u00fchl, dass die eigene Leistung nicht ausreichend gew\u00fcrdigt wird, einzelne Fehler \u00fcberproportinal z\u00e4hlen (Versch\u00e4tzt man sich bei den oberen Karten bekommt man sehr viel weniger Punkte als wenn man sich bei den unteren Karten versch\u00e4tzt).<\/p>\n<p>Dieses generelle Problem der fehlenden spielerischen Handlungen wird auch bei den Varianten und Profiregeln sichtbar: Ein zus\u00e4tzlicher Taucher \u00e4ndert nicht wirklich etwas an dem was man tut, man hat nur mehr Konkurrenz um die Punkte &#8211; die man aber sowieso nicht aktiv abgreifen kann. Die wirklich nette Idee, dass jeder ein Tier bekommt, dass einem hilft, verpufft, weil jedes Tier pro Spiel nur einmal eingesetzt werden kann und sich fast alle Tiere auf die Wertung beziehen: Doppelt so viele Punkte f\u00fcr Schildkr\u00f6ten etwa (die man erst einmal bekommen muss), Punkte, wenn Mitspieler richtig oder falsch raten, sind nur andere Wetten, ver\u00e4ndert das Spiel aber nicht. Nur die Krake ist cool: Die kann einmal auf den Stapel gelegt werden und blockiert so die Sicht. Allein die Tatsache, dass sie eingesetzt werden k\u00f6nnte, ver\u00e4ndert das Spiel, macht es hektischer und lustiger &#8211; es zeigt, was vielleicht an ungenutzten Potential in dem Spiel steckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag:\u00a0Sit Down \/ Pegasus Autoren:\u00a0Romain Caterdjian, Anthony Perone Spielerinnenzahl: 1 &#8211; 4 Alter: ab 8 Jahren Dauer:\u00a020-30 Minuten The Mind hatte damals einige Kritiker, die meinten \u201ces sei doch gar kein Spiel, sondern nur eine Besch\u00e4ftigung\u201d (als ob ein Spiel jemals keine Besch\u00e4ftigung sein k\u00f6nnte), da zu wenig spielerisches geschieht. 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