{"id":21857,"date":"2021-05-16T13:35:25","date_gmt":"2021-05-16T11:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=21857"},"modified":"2021-05-29T15:52:49","modified_gmt":"2021-05-29T13:52:49","slug":"tucano-fruit-picking-und-artischocken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/tucano-fruit-picking-und-artischocken\/","title":{"rendered":"Tucano, Fruit Picking und Artischocken"},"content":{"rendered":"<p>Ein Trend, ein Trend! Spieleverlage haben Obst&amp; Gem\u00fcse als nettes, unverf\u00e4ngliches Thema entdeckt. Das begann bereits mit Punktesalat und wird mit dem angek\u00fcndigten <em>Juicy Fruits<\/em> von <em>Deep Print <\/em>sicherlich nicht enden. Obst und Gem\u00fcse lassen sich schick in Szene setzen und es ist jedem klar: Eigentlich ist das Thema egal!<\/p>\n<p>Heute in unserer Obstschale: <em>Tucano<\/em>, <em>Fruit Picking<\/em> und <em>Artischoken<\/em>!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tucano<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Helvetiq<br \/>\n<strong>Autor<\/strong>: Th\u00e9o Riv\u00e8re<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 6 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 15 Minuten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seiner Rezension zu <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/punktesalat\/\">Punktesalat<\/a> hat Georgios die niedrige Einstiegsh\u00fcrde gelobt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Leichtfertigkeit eben auch etwas substanzlos ist.<\/p>\n<p><em>Tucano<\/em> ist durchaus mit <em>Punktesalat<\/em> vergleichbar, nur ist die Einstiegsh\u00fcrde hier\u00a0 <em>noch<\/em> niedriger: W\u00e4hrend bei ersterem am Ende Auftragskarten mit Gem\u00fcsekarten querverglichen werden, steht die Wertung bei <em>Tucano<\/em> bereits auf jeder Karte: Manche der abgebildeten Obstsorten z\u00e4hlen einfach pro Karte 1 Punkt, andere z\u00e4hlen besonders viele Punkte, wenn man mehrere davon hat, bei anderen nimmt der Wert mit jeder zus\u00e4tzlichen Karte ab. Andere z\u00e4hlen immer negativ. Wieder andere z\u00e4hlen nur dann positiv, wenn man die Mehrheit an dieser Sorte h\u00e4lt. Usw &#8211; alles was man so an Punktwertungen kennt, aber gerade dadurch leicht erfassbar, zudem gut dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus \u201ees gibt auch schlechte Karten\u201c folgt sofort \u201eEs muss einen Grund geben, warum man die abbekommt\u201c und ja, der ist da: Es darf immer nur eine von drei Reihen genommen werden und die dann komplett mit allem Grind, der sich dort angesammelt hat. Dann bekommt jede Reihe eine neue Karte. Auch das ist einfach und schnell zu durchschauen und hat man prinzipiell auch schon mal gesehen. Selten allerdings so sch\u00f6n auf den Punkt wie hier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des Spieles kommen dann noch Tukane dazu, die es erlauben Karten zu verschenken bzw. zu stehlen oder sich gegen das Klauen abzusichern. Nein, wirklich originelle Sonderaktionen sind auch nicht darunter. Aber wieder: Auch das f\u00fchrt dazu, dass sich <em>Tucano<\/em> schnell runterspielt und wirklich praktisch ohne Erkl\u00e4rung auskommt.\u00a0 Hier liegt der gro\u00dfe Reiz &#8211; <em>Tucano<\/em> belastet \u00fcberhaupt nicht. Es bietet im Gegenzug nat\u00fcrlich auch keine nie dagewesenen Dilemmas: Nehme ich Stapel 1 oder 2? Stehle ich eine Feige oder eine Mango? Und von wem? Das sind die Kernpunkte des Spieles. <em>Tucano<\/em> hat die Substanz eines leichten Obstsalates. Ideal f\u00fcr den Snack zwischendurch, weniger ideal, wenn es einen ausgehungert nach anspruchsvollerem d\u00fcrstet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fruit Picking<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Korea Boardgames<br \/>\n<strong>Autor<\/strong>: Jun-ichi Shinde<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 1-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 8 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 15-30 Minuten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich mag mich t\u00e4uschen, aber meine Hypothese ist, dass Jun-Ichi Shinde ein Fan des Stefan Feld Spieles <em>Trajan<\/em> ist und sich gesagt habe: Ich nutze den Zentralmechanismus f\u00fcr ein Familienspiel! Auch bei F<em>ruit Picking<\/em> hat jeder Spieler sein eigenes Brett mit kleinen Steinen drauf und nimmt als Spielzug alle dieser Steine hoch und legt sie wie bei Mancala einzeln auf die n\u00e4chsten Felder. Das letzte Feld bestimmt die Aktion.\u00a0 Wo <em>Trajan<\/em> jedem Feld eine andere Aktion zuweist (und jede Aktion f\u00fcr ein Minispiel mit eigenen Regeln steht), ist es hier fast immer dieselbe. Die Aktion, die ausgel\u00f6st wird ist wahlweise \u201ebew\u00e4ssern\u201c (: Es kommen neue Steine in das Mancala-Rondell) oder \u201eernten\u201c: (Man darf eine Marktkarte kaufen, aber nur eine, die dieselbe Frucht zeigt, wie das Feld, dass ausgel\u00f6st wird).<\/p>\n<p>Ziel des ganzen ist es einfach Pokerkombinationen aus Marktkarten zu kaufen. Bezahlt werden die mit Steinen, die von einem Sonderfeld stammen, dem keine Frucht zugeordnet ist. Eine Regel, die leicht verwirrend ist &#8211; Die Art der Frucht und der Preis der Karte richtig sich nach dem aktuellen Feld, bezahlt wird aber mit einem g\u00e4nzlich anderen Feld. Das muss man erst einmal verinnerlichen &#8211; insbesondere bemerkenswert, weil sich das Spiel ja auch eher an Familien richtet.<\/p>\n<p>Nun macht man spielerisch nicht sehr viel mehr als mit seinen Steinchen im Kreis zu laufen und gelegentlich eine Karte zu kaufen. Das besch\u00e4ftigt mehr als dass es unterhalten w\u00fcrde, zumindest bist man feststellt, dass alle Steine irgendwo im Rondell liegen und man noch nichts erreicht hat. Jetzt versteht man, dass es hier auf Effizienz ankommt &#8211; das \u201eBezahlfeld\u201c, von dem die Preise bezahlt werden erlaubt, wenn dort der letzte Stein zu liegen kommt, einen weiteren Zug &#8211; auch mehrfach hintereinander, wenn das gl\u00fccken sollte. So sind Kombis m\u00f6glich &#8211; und ein bisschen Geknobel. Immerhin m\u00f6chte man ja m\u00f6glichst, schnell die Kombis zusammen bekommen, denn dann hat man gewonnen. Theoretisch k\u00f6nnte jeder \u00fcbrigens genau dieselben Z\u00fcge durchf\u00fchren, aber das wird sp\u00e4testens dann albern, wenn der erste Spieler, seine Markkarte gekauft hat und nur Karten mit anderen Fr\u00fcchten gekauft werden k\u00f6nnen. Daher bricht die Symmetrie meist schon deutlich schneller: Ein anderes Feld zu Beginn und schon sind die Auslagen komplett unterschiedlich.<\/p>\n<p><em>Fruit Picking<\/em> k\u00f6nnte auch \u201eRosinen picken\u201c hei\u00dfen, denn es lebt davon, sich die optimalen Z\u00fcgen herauszupicken. Gleichzeitig will es aber schnell gespielt werden, denn viel Substanz ist hinter der Jagd nach den Kombis auch wiederrum nicht. Wie alle drei hier vorgestellten Spiele ist auch <em>Fruit Picking<\/em> eher leichte, harmlose Kost, durchaus Wenigspielerkompatibel. Es ist aber auch sehr mechanisch und wirkt nicht zuletzt dadurch etwas unterk\u00fchlt &#8211; die coolen gelegentlichen Kombis gehen in den zum Teil langen Anl\u00e4ufen, dem mechanisch wirkenden F\u00fcttern der Felder, etwas unter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Artischocken<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Amigo (meine Version von Gamewright)<br \/>\n<strong>Autorin<\/strong>: Emma Larkins<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 20 Minuten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201e<em>Da sitzt die kleine zarte Artischocke<br \/>\nIn ihrem wundersch\u00f6nen Schockenrocke.<br \/>\nUnd bebt vor Reisefieber.<br \/>\nDer Mensch beugt sich dar\u00fcber<br \/>\nUnd schneidet ihr schnippschnapp<br \/>\nDie gr\u00fcnen Bl\u00e4tter ab.<br \/>\nUnd schneidet ihr schnippschnapp<br \/>\nDie gr\u00fcnen Bl\u00e4tter ab.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><br \/>\nDann wird ihr j\u00e4h das Herz herausgerissen,<br \/>\nDann wird sie in was Hei\u00dfes reingeschmissen,<br \/>\nDann wird sie zerkaut<br \/>\nUnd dann wird sie verdaut.<br \/>\nH\u00f6r zu, du Pflanzenfresser,<br \/>\nDu bist ja auch nicht besser.<br \/>\nH\u00f6r zu, du Pflanzenfresser,<br \/>\nDu bist ja auch nicht besser.\u201c<\/em><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: center\">Joint Venture: \u201eDie zarte Artischocke\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommen wir mal vom Obst zu etwas handfestem: Gem\u00fcse n\u00e4mlich.<\/p>\n<p><em>Artischocken<\/em> ist die deutsche Ausgabe von <em>Abandon all artichokes<\/em> , erschienen bei Gamewright. Der Verlag macht durch Aufmachung deutlich, dass er dieses Kartenspiel in der Tradition von <em>Sushi Go<\/em> sieht: <em>Sushi Go<\/em> war au\u00dferhalb Deutschlands international enorm erfolgreich &#8211; es handelte sich dabei um ein Draftspiel, dass auf den absoluten Kern reduziert wurde, aber durch Thema und Lockerheit und gerade gen\u00fcgend Komplexit\u00e4t in den verschiedenen Karten und Wertungsmethoden insbesondere Wenigspieler ideal anzusprechen vermochte.<\/p>\n<p>Es ist jetzt deutlich zu sehen, dass Artischocken dasselbe im Deckbaubereich versucht. Dabei wird aber schnell klar: <em>Deckbau<\/em> ist bereits ein sehr viel abstrakteres Konzept als \u201eDrafting\u201c: Die \u201ebesten\u201c Karten immer f\u00fcr sich selbst zu behalten und den Rest weiterzugeben ist ein so einfaches Konzept, dass es jeder sofort versteht. Sich aber Karten ins Deck zu holen, um es sp\u00e4ter einfacher zu haben, sich weitere Karten ins Deck zu holen, ist bereits sehr viel technischer. In diesem Fall geht es darum daf\u00fcr zu sorgen, dass man zu Beginn seines Zuges nur Karten zeigt, die keine Artischocken sind (der einzige Kartentyp, mit dem nix anzufangen ist und die einzigen Karten, die man zu Beginn hat). Das ist eine originelle Umkehr vom normalen Deckbau &#8211; was einem aber nur bewusst ist, wenn man \u201enormalen Deckbau\u201c kennt. Dennoch: Das Ziel ist leicht zu erfassen. Und jedem ist klar, dass das Ziel dann n\u00e4her r\u00fcckt, wenn man Artischockenkarten aus dem Deck entfernen kann. Es gibt einige Karten, die das erlauben, also wird man sich eine solche Karte ins Deck holen, wenn diese auf dem st\u00e4ndig wechselnden Markr erscheint.<\/p>\n<p>Es ist aber bereits deutlich weniger intuitiv &#8211; insbesondere f\u00fcr j\u00fcngere Spielende . was f\u00fcr ein Vorteil es hat, wenn man eine Nicht-Artischocke oben aufs Deck legt (also mit Sicherheit nachzieht &#8211; dass ich das hier nochmal betone, deutet auf der Metaebene auf das Problem hin). Und dass das Ziel \u201eKeine Artischocken ziehen\u201c auch erreicht werden kann, in dem ich mir besonders viele Nicht-Artischocken-Karten ins Deck hole, wissen vor der ersten Partie nur Leute, die Deckbauerfahrung haben.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem: Artischocken will schnell gespielt werden, wird aber immer wieder dadurch ausgebremst, dass der Markt gelesen werden will, wenn man dran ist &#8211; und auch die eigenen Handkarten m\u00fcssen noch einmal vergegenw\u00e4rtigt werden, denn man darf prinzipiell alle Karten spielen (auch die neu gezogene). Nun gibt das Thema nicht allzu viele narrative Anker her, was die Funktionen der einzelnen Kartensorten betrifft und was nun die Kartoffel oder die Zwiebel macht, muss ich fast jedes Mal nachsehen, wenn sie auftaucht. Das liegt auch daran, dass <em>Artischocken<\/em> halt so minimal ist, dass die Unterschiede zwischen den Karten eher subtil sind &#8211; mal zieht man zwei hier, mal dort\u2026<\/p>\n<p>Das alles sorgt daf\u00fcr, dass ich Artischocken durchaus als interessant empfinde, aber nicht als clever genug designend, um wirklich zu gefallen. Es ist immer ein bisschen zu lang (etwas, was sogar meine Tochter anmerkt), wenn nicht jemand sehr viel Nachziehgl\u00fcck hat, insbesondere daf\u00fcr, dass man viele Z\u00fcge recht mechanisch runterarbeitet, weil es nicht viel zu tun gibt, wenn die Karten nicht wollen. Ich mag das Konzept, bin aber vom Spiel etwas entt\u00e4uscht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Trend, ein Trend! Spieleverlage haben Obst&amp; Gem\u00fcse als nettes, unverf\u00e4ngliches Thema entdeckt. Das begann bereits mit Punktesalat und wird mit dem angek\u00fcndigten Juicy Fruits von Deep Print sicherlich nicht enden. Obst und Gem\u00fcse lassen sich schick in Szene setzen und es ist jedem klar: Eigentlich ist das Thema egal! Heute in unserer Obstschale: Tucano, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21858,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-21857","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21857"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21900,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21857\/revisions\/21900"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}