{"id":21848,"date":"2021-05-14T11:12:32","date_gmt":"2021-05-14T09:12:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=21848"},"modified":"2021-05-29T15:49:15","modified_gmt":"2021-05-29T13:49:15","slug":"vendetta","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/vendetta\/","title":{"rendered":"Vendetta"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Noctis Verlag<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Lukas Setzke, Martin Student, Verena Wiechens<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 1-5<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 14 Jahren (auch inhaltlich eher \u201eerwachsene Themen\u201c)<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 3-5 Stunden laut Packung, wir haben ziemlich genau drei Stunden gebraucht.<\/p>\n<p>Wenn man viel liest, liest man zwangsl\u00e4ufig haupts\u00e4chlich B\u00fccher, die ganz gut unterhalten, B\u00fccher die nicht schlecht sind, die aber nicht so wirklich im Ged\u00e4chtnis bleiben. Manche B\u00fccher sind vielleicht sogar stellenweise (oder vollst\u00e4ndig) langweilig oder m\u00e4\u00dfig oder wenig originell. Dennoch liest man sie, weil man ja was neues zu lesen haben m\u00f6chte. Oft f\u00e4llt einem auch nicht unbedingt auf, wenn man Einheitsbrei zu sich nimmt.<\/p>\n<p>Erwischt man dann aber ein <em>wirklich<\/em> gutes Buch &#8211; Wow! &#8211; dann merkt man erst so richtig, wie viel Spa\u00df lesen machen kann, wie fesselnd ein gutes Buch ist und das ist jedes Mal ein besonders erhebendes Gef\u00fchl, dass sich nicht zuletzt wegen des Kontrastes zum Normalfall als <em>besonders<\/em> anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>So ging es mir mit <em>Vendetta<\/em>. Nach einem Jahr mit R\u00e4tselspielen die zwischen <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/dark-story-crime-story-vienna-micromacro\/\">OK<\/a> <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/escape-tales-low-memory\/\">und <\/a><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/escape-the-room-das-verfluchte-puppenhaus\/\">furchtbar <\/a>reichten, war es ungemein erfrischend endlich wieder einen wirklich gut gemachten Krimifall zu spielen, bei dem man nicht das Gef\u00fchl hat, Massenware vor sich liegen zu haben. Dabei macht Vendetta gar nicht unbedingt so viel anders als andere Vertreter des Genres, es macht aber eben vieles richtig und wirkt deutlich durchdachter als manches Konkurrenzprodukt eines gr\u00f6\u00dferen Verlages.<\/p>\n<p>Wie aus dem Titel\u00a0 ableitbar geht es in die Welt der italienischen Mafia in New York, wobei sich das Setting deutlich an den <em>Sopranos<\/em> und \u00e4hnlichen Filmen orientiert: Das hei\u00dft ein paar Klischees (bis hin &#8220;zu den Fischen schicken&#8221;), aber noch nicht im albernen <em>Reine Nervensache\/Lillehammer<\/em> &#8211; Territorium. F\u00fcr eine ganz realistische Darstellung, sind die Figuren zu wenig divers &#8211; einer der wenigen Kritikpunkte an dem Spiel. Es geht darum herauszufinden, wer f\u00fcr den Tod des Sohnes des Paten verantwortlich ist &#8211; dabei ermitteln wir auf Seiten der Mafia, was uns gewisse Freiheiten gibt, was die Ermittlungsarbeit betrifft&#8230;<\/p>\n<p>Gesteuert wird das Spiel \u00fcber Karten: Finden wir einen neuen Ort, kommt ein entsprechender Stapel dazu. Besuchen wir einen ort. lesen wir die oberste Karte. Oft m\u00fcssen wir Entscheidungen treffen, durch die Karten aus dem Spiel kommen und andere Karten &#8220;freigeschaltet&#8221; werden. Gleegentlich kommt ein anderes Objekt (etwa ein Brief) ins Spiel, mit neuen Hinweisen. Sehr gelungen ist dabei, dass die Wahlm\u00f6glichkeiten durchaus welche sind: Zum einen sind selten bis nie Alternativen offensichtlich \u00fcberfl\u00fcssig. Zum anderen gibt es durchaus eine Reihe von Querverweise, so dass man anders als bei Crime Story nie das Gef\u00fchl hat, ein R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, weil man sich an einer Stelle falsch entschieden hat. Durch dieses Entscheidungssytem hat man durchaus das Gef\u00fchl zu ermitteln und nicht nur Karten durchzulesen. Das wird durch die R\u00e4tsel noch verst\u00e4rkt: Es m\u00fcssen nicht nur Aussagen bewertet und Bilder begutachtet werden, gelegentlich muss man auch mal im Internet recherchieren oder sogar Webseiten besuchen oder Telefonnummern anrufen (dass der Fall in New York spielt, man aber in G\u00f6ttingen anruft und die New Yorker Polizei eine .de-Webadresse hat, sind dabei eher am\u00fcsantes Details als wirklich st\u00f6rend &#8211; deutlich weniger st\u00f6rend auf jeden Fall als wenn etwa in Filmen Italiener untereinander englisch mit starkem Akzent sprechen). \u00dcberhaupt ist diese ganze Ermittlungsarbeit ausgesprochen gelungen &#8211; wir hatten immer etwas zu tun, wir hatten nie das Gef\u00fchl in einer Sackgasse zu stecken (daher auch kein Wort zum Hilfesystem). Das ist schon ein einfach gutes Design &#8211; ich glaube es ist bei einem Krimispiel durchaus von Vorteil, wenn die Spieler nicht das Gef\u00fchl haben, gar nicht zu wissen, was sie machen sollen, weil die R\u00e4tsel zu schwer sind (f\u00fcr uns war der Schwierigkeitsgrad gerade\u00a0 richtig, andere m\u00f6gen es als etwas zu leicht empfinden). Immerhin will man ja spekulieren und den M\u00f6rder finden und nicht Schieber\u00e4tsel l\u00f6sen! Wenn man den Fall korrekt gel\u00f6st hat, ist das nat\u00fcrlich befriedigender als wenn nicht, aber es ist hier entscheident, dass man \u00fcberhaupt das Ende des Falles erreicht. Und das ist hier gut zu schaffen, ohne dass es einem geschenkt wird. Die Aufl\u00f6sung des Falles ist \u00fcbnriegns angenehm logisch und basiert auch eher auf Indizien als auf harten Beweisen &#8211; zum Gl\u00fcck sind wir hier ja in Selbstjustiz unterwegs (moralisch eher fragw\u00fcrdig, deswegen ist das Filmbasierte Setting auch von Vorteil).<\/p>\n<p>Materialtechnisch ist nichts zu beanstanden &#8211; man merkt dass hier Krimiprofis am Werke sind.\u00a0 Die Mischung verschiedener Elemente -Krimir\u00e4tsel, Codierungsr\u00e4tsel, Codes auf der Webseite angeben, Entscheidungen f\u00e4llen, Internetaufgaben &#8211; sorgen f\u00fcr Abwechslung un Immersion zugleich. Kurz vor Ende erlauben sich die Macher noch ein kleines Extra-Bonbon, das vielleicht storytechnisch etwas haneb\u00fcchen ist, aber noch einmal richtig sch\u00f6n die Spannung l\u00f6st und f\u00fcr Gel\u00e4chter sorgt. Einzig und allein die \u00dcbersichtlichkeit leidet etwas, wenn man viele Kartenstapel, einzelnde Karten, abgeworfene Karten, Notizen und Extraobjekte im Auge behalten will. Da br\u00e4uchte es eigentlich einer Pinwand, wie aus der Verschw\u00f6rungstheoretiker-Meme.<\/p>\n<p>Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: <em>Vendetta<\/em> ist in meinen Augen rundum gelungen und zeigt, dass es nicht an mir liegt, dass mich viele R\u00e4tselspiele in letzter Zeit entt\u00e4uschten; Ein kompetent gemachtes Spiel vermag mich immer noch zu begeistern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Noctis Verlag Autoren: Lukas Setzke, Martin Student, Verena Wiechens Spielerzahl: 1-5 Alter: ab 14 Jahren (auch inhaltlich eher \u201eerwachsene Themen\u201c) Dauer: 3-5 Stunden laut Packung, wir haben ziemlich genau drei Stunden gebraucht. 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